März 25

Die Träne des Phönix von C. J. Knittel

Nachdem die Alienrasse der „Krebell“ die Menschheit überrannt und die Menschenfrau Nicole die Seiten gewechselt hat, gerät sie durch Zufall in die Fänge von Rebell:innen in London. Wird sie sie überzeugen können, dass sie keine Verräterin ist und ihre Mission erfolgreich ausführen?

Was mir gut gefallen hat, ist, wie wir Nicole kennenlernen. Durch ihre jahrelange Arbeit für die Aliens, die die Menschen entweder versklaven oder ausrotten, hat sie ihre wahren Gefühle in den Hintergrund gedrängt und nach einiger Zeit unter den Menschen kommen sie langsam wieder ans Tageslicht.

Auch über andere Charaktere wie den menschlichen Soldaten Ian erfahren wir langsam mehr. Ihre Veränderungen wirken realistisch und trotz der geringen Seitenzahl sind sie nachvollziehbar.

Trotzdem handeln viele Figuren auf merkwürdige Arten und Weisen, die ich als Leser nicht richtig nachvollziehen konnte. Manchmal treffen sie Entscheidungen, die ich ihnen aufgrund ihrer bisherigen Charakterisierung überhaupt nicht zugetraut hatte.

Dazu kommt, dass ein Großteil der Seiten mit einer Dreiecksbeziehung zwischen Nicole und zwei Rebellen gefüllt ist, die ich nach dem Klappentext nicht erwartet hätte und die meiner Meinung nach immer wieder an unpassenden Stellen herausgeholt wird und so die eigentlich vorhandene Spannung schmälert.

Dezember 21

Asynchron: Echos von Matthias Grabo

Obwohl Quinn nun im Kern ist, ist er noch lange nicht in Sicherheit, denn seine eigentlich tote Freundin Eve erscheint ihm immer wieder und warnt ihn vor dem drohenden Unheil. Doch ist die Gefahr real oder nur eine Ausgeburt seiner Fantasie?

Der zweite Band knüpft nahtlos an den ersten an und macht es leicht, wieder in die Geschichte reinzukommen, indem die Charaktere und wichtigen Story-Elemente vorgestellt werden, ohne zu viel zu wiederholen.

Wie auch schon beim Vorgänger haben mir die realistischen Reaktionen der Figuren auf diese Ausnahmesituation gut gefallen. Nicht jeder verhält sich im Angesicht des Todes heldenhaft, manche Leute opfern lieber andere, als sich selbst. Und auch die ProtagonistInnen treffen teilweise fragwürdige Entscheidungen aufgrund der wenigen Fakten, zu denen sie Zugang haben, was die Geschichte realistischer macht.

Die Handlung bietet wieder eine perfekte Mischung aus spannender Action und der Aufdeckung der Vergangenheit, die erklärt, wie es überhaupt zu dieser apokalyptischen Situation gekommen ist und ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend.

Vor allem das Ende hatte es noch einmal in sich und sowieso hat die Story viele Überraschungen bereitgehalten. Insgesamt hat mir dieser Teil sogar noch besser gefallen als der erste, gerade, weil durch Quinns Geisteszustand so unklar ist, was der Realität entspricht und was nicht.

September 6

Homo Inferis 2: Kontakt von Daniel Böckeler

Nachdem die vermeintlich letzten überlebenden Menschen jahrelang in Arche 2 unter der Erde eingesperrt waren, fällt diese langsam auseinander und die Probleme häufen sich. Als dann endlich ein Funkspruch von Arche 1 vernommen wird, können sie ihr Glück kaum fassen – Doch die vermeintliche Rettung sieht in Wahrheit ganz anders aus…

Im zweiten Band lauern sowohl unter als auch auf der Erdoberfläche ganz neue Gefahren. Besonders gefallen hat mir, wie abwechslungsreich die Bedrohungen durch den Nebel, die Monster, die Seuche und sogar die anderen Menschen eingebracht werden.

Besonders in der zweiten Hälfte der Handlung wird ein besonderer Fokus auf Richard gelegt, der eine sympathische Figur darstellt. Auch der Sinneswandel, den er im Verlauf der Geschichte durchmacht, wird realistisch beschrieben. Im Gegensatz dazu gehen Nikki und Mia, aus deren Perspektiven ebenfalls geschrieben wird, jedoch ein wenig unter.

Das bedeutet aber nicht, dass es ihnen oder den zahlreichen, interessanten Nebencharakteren an Tiefe mangelt, denn jeder hier verfolgt seine eigene Agenda und niemand kann es sich leisten, immer auf der „richtigen“ Seite zu stehen.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass die Dialoge und Gedanken der Charaktere teilweise etwas hölzern wirken, aber die Spannung der Story lässt einen das schnell vergessen.

April 4

Asynchron von Matthias Grabo

In „Asynchron“ geht es um den Künstler Quinn, der sich plötzlich in einer düsteren Zukunft wiederfindet, in der sich die Welt komplett verändert hat: Tödliche Monster streifen nachts in den Straßen umher und die überlebenden Menschen denken nicht einmal daran, einander zu vertrauen und zusammenzuarbeiten. Und zu allem Überfluss hat er keine Ahnung, wohin seine Freundin Eve verschwunden ist…

Es gibt Einiges, was dieses Buch von anderen seiner Art unterscheidet: Alleine die Art der Apokalypse, aber auch die auftretenden Monster, deren Beschreibung und Fähigkeiten mir gut gefallen haben. Aber auch die menschlichen Gegner haben es in sich und sind nicht zu unterschätzen.

Die Figuren haben mich ebenfalls beeindruckt. Sie sind allesamt weit von perfekt entfernt, was sie umso realistischer macht und zu überraschenden, aber nicht unglaubhaften Handlungen befähigt. Sie haben alle ihre eigenen Persönlichkeiten und Beziehungen untereinander, die einen großen Teil der Spannung ausmachen.

Die Handlung ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend und es werden langsam immer mehr Hintergründe enthüllt. Es gibt eine gute Mischung aus Action und Erklärungen, sodass es nie langweilig wird. Vor allem das Ende hat es in sich und macht mich gespannt auf die Fortsetzung, denn es bleiben noch einige interessante Fragen offen.

Auch, dass ein Teil der Handlung Quinns Überlebenskampf in der „Gegenwart“ folgt und der andere Eves in der Vergangenheit, hat mir gefallen und die Geschichte gut aufgelockert, was auch daran liegt, dass sie zwei unterschiedlichen Bedrohungen ausgesetzt sind.

Oktober 21

Homo Inferis von Daniel Böckeler

Nachdem die Welt von einem für Menschen giftigen, gelben Nebel bedeckt wurde, in dem schreckliche Kreaturen hausen, überlebt ein Teil der Menschheit in Bunkern. In so einer Arche wächst auch Nikki auf, und als die Lotterie sie auslost, muss sie mit einem Team an die Oberfläche, um nach Ressourcen zu suchen.

Mich hat das allgemeine Setting und der Handlungsablauf direkt an eine Mischung aus der Metro-Reihe und den Tributen von Panem erinnert, weshalb mir die hier aufgebaute Welt nicht unbedingt einzigartig vorgekommen ist. Der Spannung tut das allerdings keinen Abbruch, denn man fiebert mit der Protagonistin mit, wenn sie sich in dieser lebensfeindlichen Umgebung beweisen muss.

Beeindruckt hat mich auch, wie die Ereignisse ineinander übergehen, sodass man das Gefühl bekommt, dass die „Choreographie“ vom Autor perfekt geplant wurde. Dazu kommt, dass die Actionszenen sehr lebendig beschrieben werden und sich die Protagonisten ständig in ungewöhnlichen Situationen befinden, in denen sie schnell handeln müssen, was die Spannung zusätzlich erhöht.

Interessant sind auch die Unterschiede zwischen dieser neuen Welt und unserer, egal, ob es um Geld geht, das dort keine Rolle mehr spielt, Entscheidungsfreiheiten oder Religion, die hier erst ausgestorben war und sich im Verlauf der Handlung langsam wieder etabliert.

Lobend erwähnen muss ich außerdem, dass hier sehr gut nachvollziehbar ist, warum die Gesellschaft in der Arche so vielen Zwängen unterworfen ist, was die Berufs- und Partnerwahl oder allgemein die Lebensweise angeht. Dadurch wirkt die Lebenssituation auf der einen Seite bedrückend und dystopisch, aber auch realistisch.

Juli 10

Civilization of Carnivores: Die Herrschaft der Dinosaurier von Marcel Kuiper

Ein Buch, in dem Dinosaurier statt Menschen die herrschende Spezies geworden sind und Letztere reihenweise züchten und abschlachten, liest man nicht alle Tage.

Aus dieser interessanten Anfangsidee entwickelt sich eine Geschichte, die den Leser immer wieder mit kreativen Einfällen und einem flüssigen Schreibstil überrascht.

Allerdings kamen mir die Dialoge teilweise noch unrealistisch vor und haben den Lesefluss eher unterbrochen als gefördert.

Mein zweiter Kritikpunkt ist ein Charakter, der scheinbar nur in die Geschichte eingebracht wurde, um gehasst zu werden, weil er keine sympathischen Qualitäten zu haben scheint. Dazu kommt, dass die ganze Zeit auf seinem Gewicht herumgeritten wird, was mich im Zusammenhang mit seiner unangenehmen Persönlichkeit gestört hat.

Positiv aufgefallen sind hingegen die Parallelen, die zu unserer Welt und vor allem unserem Umgang mit Tieren, die wir als Nutztiere betiteln und ausbeuten, gezogen werden können und die im Gegensatz dazu eher augenzwinkernden Anspielungen auf allseits bekannte Marken und Orte, die die Stimmung wieder aufzulockern wissen.

Juni 5

Zone 84 von Stefan Müller

Was zuerst an den Alltag in der heutigen Zeit erinnert, entwickelt sich für die Protagonisten rasend schnell zu einem totalitären Albtraum, der aus der Sicht zahlreicher, sympathischer Charaktere wiedergegeben wird, die langsam die Puzzlestücke zusammenfügen und immer mehr von der Verschwörung enthüllen, die hinter allem steht.

Anfangs hatte ich ein bisschen die Befürchtung, dass mit dem Protagonisten zu viele Nerd-Klischees erfüllt werden, aber das hat sich schnell gelegt und er wurde zu einem wirklich dreidimensionalen Charakter.

Gerade, weil man sich von Anfang an mit den Helden identifizieren kann und die Strömungen, die zu einem kompletten Überwachungsstaat führen, wenn sie auf die Spitze getrieben werden, auch in der eigenen Gesellschaft erkennt, ist die Geschichte so effektiv und fesselnd.

Zu sehen, wie sich die Schritt für Schritt erlassenen Gesetze auf die Charaktere auswirken und wie sie ihnen die Freiheit nehmen, macht den besonderen Reiz dieses Buches aus, denn es führt den Schritt, den die meisten Bücher überspringen – Den Aufbau des Regimes, das es zu stürzen gilt – realistisch aus.

Den einzigen wirklichen Kritikpunkt, den ich anzumerken habe, ist, dass mir die Verschwörer, die hinter allem stehen, ein bisschen zu „esoterisch“ und mysteriös erscheinen und keine klaren, weltlichen Zwecke verfolgen, wie ich es erwarten würde, wenn sich so eine Organisation in der Realität bildet.

Am Ende bekommt man nicht nur eine spannende Geschichte geliefert, die von der ersten bis zur letzten Seite unterhält und alle Fäden am Ende clever zusammenlaufen lässt, sondern gleichzeitig eine Vorstellung davon, wie schnell eine Gesellschaft wie unsere zusammenbrechen kann.

Juni 5

Frequenz Zero – Das Simulator Portal von M. Kuiper

Kurzmeinung: Eine interessante Reise in ein anderes Multiversum mit sprachlichen Schwächen

Da ich den ersten Teil der Reihe bisher nicht gelesen habe, kann ich nicht sagen, inwiefern sich dieser davon abhebt und werde diesen deshalb als Einzelwerk betrachten.

Die einzigartige Handlung, die sich stark vom Standard des Genres abhebt, hat mich schnell in den Bann gezogen und mich motiviert, weiterzulesen, um zu erfahren, wie sie ausgeht – Umso fieser der Cliffhanger am Ende, der mich weiter um das Schicksal der Helden bangen lässt.

Außerdem hat mich die Kreativität fasziniert, mit der die Planeten und vor allem ihre Bewohner, die nicht wie in viele anderen Geschichten praktisch nur Menschen mit leichten Abänderungen sind, gestaltet worden sind.

Allerdings muss ich zugeben, dass der Schreibstil selbst meinen Geschmack ganz und gar nicht getroffen hat, was vor allem an den Beschreibungen der Unterdrückung der Bewohner dieses Multiversums lag, die meiner Meinung nach häufig zu „stumpf“ waren und mir als Leser nicht selbst erlaubt haben, mir ein Bild von der schrecklichen Lage zu machen, sondern mir stattdessen immer wieder direkt erzählt haben, wie schlimm es dort gerade ist.

Außerdem gab es einige Dialoge, die für meinen Geschmack ein bisschen zu offensichtlich darauf abzielten, dem Leser Informationen zu vermitteln, was sie etwas unnatürlich hat erscheinen lassen.

Dazu kommt, dass den Figuren zu wenig Zeit gelassen wurde, die Beziehungen untereinander wirklich auszubauen, denn es erschien mir etwas unlogisch, dass sich gewisse Charaktere praktisch innerhalb von Sekunden unsterblich ineinander verlieben und diesem Gefühl fast alles andere unterordnen.

Wer allerdings darüber hinwegsehen kann (Oder meinen Geschmack diesbezüglich einfach nicht teilt), wird hier eine Welt vorfinden, die mit äußerster Liebe zum Detail und mit kreativen Einfällen gestaltet wurde, von denen sich andere Autoren gerne eine Scheibe abschneiden können.