Mai 7

Biaoren – Die Klingen der Wächter – Band 5 von Xianzhe Xu

Während Pei Xianyang einen fast aussichtslosen Kampf zu führen scheint, schleichen sich auch Daoma und Shu in das Lager ihrer Feinde. Doch auch Ayuya denkt trotz ihrer Verletzungen nicht daran, aufzugeben.

Wie gewohnt ist die Story wieder actiongeladen und blutrünstig. Die dynamischen Zeichnungen lassen uns wieder tief in das Geschehen eintauchen und die Zeit, die wir mit dem Manhua verbringen, wie im Flug vergehen.

Und natürlich hält die Handlung auch wieder einige Überraschungen bereit und wir lernen Heyi Xuan, der seit einigen Bänden eine wichtige Rolle spielt, von einer anderen Seite kennen. Allerdings tauchen auch neue Figuren auf, die versprechen, frischen Wind in die Geschichte zu bringen – Nicht, dass sie es nötig hätte…

Es wird auch wieder deutlich, wie dreidimensional diese Charaktere sind. Ich will nicht „realistisch“ sagen, weil sie praktisch alle über übermenschliche Fähigkeiten verfügen, aber ihre Motivationen sind nachvollziehbar und ihre Reaktionen menschlich.

Alles in allem bietet dieser Band wieder ein super Erlebnis und bleibt von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Obwohl ich schon so viel Zeit mit dieser Reihe verbracht habe, freue ich mich auf die Fortsetzung und kann sie kaum abwarten.

Mai 6

Spider-Geddon 1 von Christos Gage und Aaron Kuder

Spider-Geddon verfolgt die Schicksale verschiedener NetzschwingerInnen, die alle ihre eigenen Kämpfe haben – Doch dann kehrt ein alter Feind zurück, der all ihre Welten bedroht.

Dadurch, dass dieser Comic aus fünf verschiedenen Sichtweisen erzählt wird, hatte ich ständig das Gefühl, von Szene zu Szene geworfen zu werden, ohne einen richtigen Einstieg zu finden.

Das ändert allerdings nicht daran, dass die eigentlichen Handlungsstränge allesamt interessant sind. Schade ist nur, dass jedem von ihnen verhältnismäßig wenige Seiten gewidmet werden.

Die verschiedenen NetzschwingerInnen wiederum haben es mir angetan. Es ist ein ganzer Spider-Man-Comic ohne den ursprünglichen Peter Parker, trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass er fehlt, denn dafür gibt es zahlreiche andere Figuren, die mir schnell ans Herz gewachsen sind.

Die individuellen Kämpfe, die sie austragen, sind allesamt spannend und auch so abwechslungsreich wie die verschiedenen Settings. Wenn der Einstieg einmal geschafft ist, erwartet einen hier eine lohnenswerte Geschichte.

Mai 6

Biaoren – Die Klingen der Wächter – Band 4 von Xianzhe Xu

Im vierten Band führt Ayuya ihren ganz persönlichen Rachefeldzug. Doch kann sie alleine gegen die vier Familienklane bestehen oder reitet sie in ihren sicheren Untergang?

Natürlich spielt der Kampf selbst eine wichtige Rolle. Erneut schafft es Xianzhe Xu, die Actionszenen bombastisch umzusetzen, lässt das Blut wieder in Strömen fließen und die Seiten wie im Flug vergehen.

Aber wir erfahren auch Überraschendes über die Vergangenheit von Daoma und Zhishilang, was noch einmal ein anderes Licht auf diese Figuren wirft und einen schönen Twist darstellt.

Auch Pei Xianyang zeigt hier eine neue Seite und im Bonuskapitel erleben wir auch ein prägendes Erlebnis aus seiner Kindheit. „Die Klingen der Wächter“ beweist immer wieder, dass hinter seinen Charakteren mehr steckt, als es den Anschein hat.

Wie immer wird hier die perfekte Mischung aus gnadenloser Action und Enthüllungen getroffen, sodass mensch das Gefühl bekommt, dass diese Reihe von Band zu Band besser wird.

Mai 5

Biaoren – Die Klingen der Wächter – Band 3 von Xianzhe Xu

Im dritten Band findet die Konfrontation zwischen Daomas Gruppe und den vier Familienklans statt. Aber auch seine Verbündeten haben noch einige Überraschungen parat.

Hier steht vor allem die Action im Vordergrund, die mit dynamischen Zeichnungen perfekt in Szene gesetzt wird. Die Vergleiche mit einem Film sind keinesfalls übertrieben, denn die Choreographie der Kämpfe und die Art, wie der Künstler das Auge über die Seite leitet, sind verdammt gut gelungen.

Mich hat auch gefreut, dass wir hier eine andere Seite von Ayuya kennenlernen, die vorher eher eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Auch Yanziniang zeigt ein bisschen mehr von ihrer Persönlichkeit.

Am Ende bekommen wir auch noch einige Design-Skizzen von Daoma und Shu zu sehen, die einen kleinen Einblick in die Arbeit des Künstlers erlauben.

„Die Klingen der Wächter“ ist einfach eine Reihe, die nicht an Spannung verliert. Bisher hat mich jeder der Teile vollkommen überzeugt und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das in Zukunft ändert.

Mai 4

Biaoren – Die Klingen der Wächter – Band 2 von Xianzhe Xu

Im zweiten Band der Reihe treffen Daoma und seine Reisegesellschaft auf einen mysteriösen Schwertkämpfer und seine Gefangene. Doch natürlich hören die Probleme da nicht auf, denn ihnen sind Verfolger auf den Fersen…

Die Handlung bleibt gewohnt spannend. Es gibt wieder eine Mischung aus absolut gnadenloser Action und Szenen, in denen mensch erfährt, welche Fäden im Hintergrund gezogen werden – Beide Handlungsstränge sind auf ihre eigene Art und Weise interessant.

Der Zeichenstil kann sich ebenfalls sehen lassen, denn die Zeichnungen reichen von detaillierten Rüstungen und Landschaften über ausdrucksstarke Gesichtszüge bis zu rasanten Actionszenen, denen dynamisch Ausdruck verliehen wird.

In diesem Band erfahren wir auch ein bisschen mehr über Zhishilang, der ein einzigartiger Zeitgenosse zu sein verspricht, außerdem lernen wir den mysteriösen Shu kennen. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, mehr über sie zu erfahren, vor allem, weil sich diese Reihe bisher dadurch ausgezeichnet hat, dreidimensionale Figuren mit realistischen Motivationen einzuführen.

Außerdem lobend erwähnt sei das historische Setting, in das sich die Story perfekt integriert. Hintergrundfakten, die westliche LeserInnen nicht kennen, werden auch schnell per Fußnote erklärt, sodass es keinem Schwierigkeiten bereiten sollte, der Geschichte zu folgen und mensch dadurch sogar noch etwas Neues lernt.

Mai 2

Biaoren – Die Klingen der Wächter – Band 1 von Xianzhe Xu

Der Kopfgeldjäger Daoma durchstreift die Lande mit seinem kleinen Sohn und nimmt so gut wie jeden Auftrag an, um seine Schulden abzubezahlen. Doch nicht jeder davon ist so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint…

Schon der Einstieg in die Welt von „Biaoren – Die Klingen der Wächter“ ist rasant. Und dieser Anfang hält, was er verspricht, denn genau so wahnwitzig und actionreich geht es weiter, gekonnt durch die Zeichnungen in Szene gesetzt.

Der Protagonist ist auch eine Klasse für sich. Er ist geschwätzig, meist unberechenbar, aber immer verdammt cool. Obwohl er bei Weitem nicht immer auf der Seite von Gesetz oder Moral steht, kann mensch es nicht lassen, bei jedem seiner Kämpfe mitzufiebern.

Die Nebencharaktere können sich ebenfalls sehen lassen. Vor allem der Alte Mo und seine Tochter Ayuya sind interessante Persönlichkeiten, über die ich gerne mehr erfahren würde. Aber auch Figuren, die nur in diesem Band auftreten, sind dreidimensional und lassen sich nicht so leicht in Schubladen stecken.

Wenn das alles mich nicht überzeugt hätte, unbedingt weiterlesen zu wollen, hätte es spätestens der Cliffhanger am Ende getan. Nach diesem brillanten Auftakt freue ich mich schon auf den Rest der Reihe!

März 27

Horizon Zero Dawn 1: Sonnenhabicht von Anne Toole

Im ersten Band der neuen Comic-Reihe im Universum von Horizon Zero Dawn begibt sich Talanah auf die Jagd nach einer neuen Art von Maschinen, die selbst für die erfahrensten JägerInnen eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellen. Dabei trifft sie auch auf einen unerwarteten Verbündeten…

Es ist beeindruckend, wie die Welt des Videospiels in Comicform umgesetzt worden ist. Vor allem die Details in den Rüstungen und Maschinen haben mich beeindruckt und es ist interessant, die Kämpfe aus einer Zuschauerperspektive zu erleben.

Insbesondere die Actionszenen haben mich mit ihren dynamischen Zeichnungen beeindruckt. Auch, welche Strategien Talanah benutzt, um ihre Feinde zu besiegen, macht die Kämpfe super spannend.

Die Handlung selbst ist spannend geschrieben und Talanah ist eine sympathische Protagonistin mit einer glaubhaften Motivation. Mensch bekommt das Gefühl, dass die Welt der Videospiele hier sinnvoll erweitert wurde und es wirklich noch eine Geschichte zu erzählen gibt.

Auch die anderen Charaktere sind interessant. Einerseits sieht mensch mehr von Aloy, doch es gibt auch neue Figuren, die sich nicht hinter den bisher bekannten verstecken müssen.

Februar 9

Trees 1 von Warren Ellis und Jason Howard

Der erste Sammelband von „Trees“ fasst die ersten acht 8 Hefte zusammen und verfolgt die Schicksale von Menschen an vier Orten: Einer chinesischen Sperrzone, die Freiheitssuchende anzieht, einer italienische Stadt voller FaschistInnen, einer Forschungseinrichtung in der Arktis und Somalia, dessen Präsident einen Militärschlag plant. All diese Schauplätze sind nur durch eine Gemeinsamkeit vereint: Sie befinden sich in direkter Nähe zu einem „Baum“, einer außerirdischen Lebensform, die jeglichen Kontakt zur Menschheit verweigert – Vorerst.

Dass so viele Handlungsstränge aufgegriffen werden, sorgt dafür, dass mensch direkt ins kalte Wasser geworfen und nur häppchenweise mit neuen Informationen versorgt wird. Auch wenn das anfangs für Verwirrung sorgt, wird mensch schnell in das Geschehen gezogen und fiebert mit den so unterschiedlichen ProtagonistInnen mit.

Wie genau diese Plots mit den Bäumen (und möglicherweise einander) in Verbindung stehen, ist nicht immer klar. Doch das hindert einen nicht daran, wissen zu wollen, wie es weitergeht.

Besonders interessant finde ich, wie anders die Außerirdischen hier im Gegensatz zu anderen Comics sind. Sie stellen zwar eine Gefahr dar, aber nicht, weil sie die Menschheit mit Waffengewalt besiegen wollen, sondern, weil sie die Welt auf unvorhergesehene Weise verändern und sogar indirekt Gewalttaten zwischen den Menschen verursachen.

Wer eine ungewöhnliche Science Fiction-Geschichte sucht, die sich mit verschiedenen menschlichen Schicksalen befasst und einen mit ihren Besonderheiten in den Bann zieht, der ist hier gut bedient.

Dezember 19

The Crow: Ultimate Edition von James O’Barr

Die Ultimate Edition von „The Crow“ sammelt die komplette Originalgeschichte mit zusätzlichen Seiten, die ursprünglich enthalten hatten sein sollen, und erzählt die Geschichte von Eric Draven, der nach dem Mord an seiner Verlobten und sich von den Toten aufersteht, um Rache zu nehmen.

Begleitet wird diese Handlung von eindrucks- und stilvollen Zeichnungen, die auf der einen Seite im klassischen 80er-Stil daherkommen, auf der anderen aber auch zeitlos und heute noch beeindruckend sind. Vor allem der Kontrast zwischen der Vergangenheit, die immer wieder aufgegriffen wird, und der Gegenwart hat mir gefallen.

Besonders realistisch dargestellt sind auch die Beziehung zwischen Eric und Shelly, die lebensnah ausgebaut wird. Wenn man die Szenen liest, in denen sie noch zusammen glücklich sind, bekommt man das Gefühl, dass sie ein echtes Paar sein könnten.

Auch Eric alleine ist ein sehr menschlicher Charakter. Obwohl er ein unsterblicher Racheengel ist, ist es nicht schwierig, sich in ihn hineinzuversetzen. Das liegt auch daran, dass er nicht wahllos mordet, sondern seinem eigenen Kodex folgt und man als Leser in seine Gedanken und Albträume abtauchen und seine Handlungen so nachvollziehen kann.

Die Action kommt natürlich auch nicht zu kurz und wird gekonnt in Szene gesetzt. Dass The Crow schon einmal gestorben ist, nimmt ihnen nichts an Spannung und man fiebert alle fünf Bände lang mit.

November 17

Ich verwese von Tanja Hanika

Als Zombies beginnen, über die Menschheit herzufallen, ist Elisa eines ihrer ersten Opfer. Nun selbst eine Untote, stromert sie durch die Straßen auf der Suche nach Menschenfleisch…

Was als typische Zombie-Geschichte anfängt, verwandelt sich dadurch in eine ganz andere Erfahrung, weil man sie plötzlich aus der Perspektive der Untoten selbst sieht. Vor allem der Übergang vom denkenden Menschen zum Zombie ist sehr gelungen dargestellt.

Gleichzeitig ist einem die Protagonistin trotz allem noch sympathisch und man fiebert auf zwiegespaltene Art und Weise noch mit ihr mit. Als Leser stellt sich einem die Frage, welches Schicksal für sie und vor allem ihre Familie nun wünschenswert wäre, was ebenfalls interessant umgesetzt wird.

Auch der Wechsel von der vermeintlichen Idylle am Anfang zum totalen Chaos, in dem man als Mensch vollkommen überfordert ist, ist realistisch und spannend beschrieben worden. Sowieso ist der Schreibstil flüssig und angenehm zu lesen.

Insgesamt ist „Ich verwese“ (was übrigens auch ein großartiger Titel ist) eine Geschichte, die ein ganz anderes Licht auf das Schicksal von Zombies wirft und mit einer spannenden und unvorhersehbaren Handlung punktet.