Juni 10

Zeittüren von Yves Gorat Stommel

Als der siebzehnjährige Niklas eine Tür findet, die ihn sowohl örtliche als auch zeitliche Distanzen in Sekundenschnelle überwinden lässt, beginnt seine Karriere als Gelegenheitsdieb. Doch er ist nicht der Einzige, der dieses Geheimnis ergründet, und bei Weitem nicht der mit den finstersten Absichten…

Wer glaubt, er hätte schon alle Varianten der Zeitreise gelesen, der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Das Konzept der Türen samt seiner Vor- und Nachteile wird hier Schritt für Schritt ergründet und mensch erfährt viel Spannendes über diese Welt und wie sie funktioniert.

Auch die Charaktere haben es mir angetan, eben weil sie sich typisch menschlich verhalten. Die jugendlichen Protagonisten agieren ihrem Alter entsprechend und begehen dadurch auch einige Fehler, was ihnen eine gewisse Tiefe gibt und auch für lustige Momente sorgt – Wie die Anmerkungen des Autors, die per Fußnote hinzugefügt worden sind.

Der Plot kann sich ebenfalls sehen lassen. Anfangs lernt mensch viel über das Konzept dieser ungewöhnlichen Zeit- und Ortreisen, was an sich spannend genug wäre, doch dann nimmt die Handlung in der zweiten Hälfte noch einmal richtig Fahrt auf.

„Zeittüren“ ist ein Buch, das sich schlecht beschreiben lässt, dem mensch aber auf jeden Fall eine Chance geben sollte, alleine wegen des interessanten Settings.

April 7

Phasenland von Yves Gorat Stommel

Als Jean einer Annonce in der Zeitung folgt, die perfekt auf ihn zugeschnitten scheint, landet er im Freizeitpark „Phasenland“, in dem er 12 Aufgaben bewältigen muss. Doch an diesem Ort ist nichts, wie es scheint, und er versucht, hinter die Kulissen zu blicken und den Sinn des Ganzen zu verstehen.

Was mich zuerst angesprochen hat, ist das Setting. Ich habe schon Bücher gelesen, in denen ProtagonistInnen gezwungen waren, an für sie undurchsichtigen Spielen teilzunehmen, aber nie auf diese Weise. Der Aufbau des Parks, über den ich hier nicht mehr verraten will, ist ausgeklügelt designt und die Aufgaben abwechslungsreich. Dazu kommt, dass sie von Abschnitten unterbrochen werden, in denen Jean die Umgebung auf eigene Faust erkundet und versucht, das Geheimnis des Parks zu lösen.

Auch Jean als Protagonist hat mich beeindruckt. Dadurch, dass er sich ständig selbst reflektiert und zwar gerne der menschlichen Regung der Verleugnung nachgeht, seine eigenen Fehler dann aber auch einsieht und analysiert, wird er zu einem dreidimensionalen Charakter.

Die Nebenfiguren bleiben lange Zeit mysteriös. Es gibt zwar einige, die mehr oder auch weniger sympathisch sind, ihre wahren Absichten erfährt mensch allerdings erst spät. Das führt einerseits dazu, dass sie als ständige potentielle Bedrohung wahrgenommen werden, was die Spannung erhöht, andererseits baut mensch auch keine wirkliche Bindung zu den meisten von ihnen auf.

Ich kann dieses Buch jedem, der sich richtig überraschen lassen will, ans Herz legen. Egal, mit welchen Vorstellungen ihr euch auf diese Reise begebt, ihr werdet schnell feststellen, dass das Phasenland noch weitaus mehr zu bieten hat und einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.