März 23

Die Legenden von Trappland Ends von Lucian Caligo

Ausnahmsweise nimmt Kopfgeldjäger Abraham James einen für ihn ungewöhnlichen Auftrag an: Er soll die legendäre Kopfgeldjägerin Serena finden – und zwar, um sicherzustellen, dass sie in Sicherheit ist! Doch das ungewohnte Ziel stellt sich schnell als die geringste Überraschung heraus, und bald stecken er und Begleiterin Bella Hals über Kopf im größten Abenteuer ihres Lebens.

Die Geschichte wird hierbei vom Protagonisten selbst erzählt, der es mit der Wahrheit nicht immer ganz genau nimmt und auch mal Sachen überspringt, die für ihn nicht wichtig oder unangenehm sind. Dank seiner lockeren Art sorgt das häufig für Belustigung, manchmal aber auch für Verwirrung, wenn er auf eine angeblich von der lesenden Person gemachte Äußerung eingeht.

Nicht nur er, sondern auch die anderen Figuren können durch ihre schräge Art überzeugen und wachsen einem schnell ans Herz. Aber wie es sich für den wilden Westen gehört, ist nie sicher, wer auf welcher Seite steht und wer noch ein Ass im Ärmel hat.

Die Story mit ihren Wendungen konnte mich auch überzeugen, denn die Suche nach der Verschollenen gestaltet sich als überaus abwechslungsreich, da nach und nach mehr von der Vergangenheit der Personen und Orte enthüllt wird. Dadurch, dass James und Bella nicht immer ehrlich zueinander sind, kommt noch eine weitere interessante Komponente hinzu.

Auch Trappland Ends ist schon ein Charakter für sich. Die umbarmherzig brennende Sonne, die Lebewesen innerhalb von wenigen Minuten bis zum Tod austrocknen kann, sorgt für besonderen Nervenkitzel und wird, was mich gefreut hat, auch im extrem spannenden Finale noch einmal wichtig.

Juli 24

Nighthunter: Sammelband 1 von Anton Serkalow

Der Vampir Louis Royaume und sein gestaltwandelnder Freund „Skinny“ ziehen durch den Wilden Westen auf der Jagd nach einem magischen Amulett, das Louis gestohlen worden ist. Ihnen in den Weg stellen sich Ghule, Zombies und Geistersoldaten…

Im ersten Sammelband der Nighthunter-Reihe werden die ersten drei Geschichten, die wie Genre-Größen John Sinclair oder Professor Zamorra in regelmäßigen Abständen einzeln veröffentlicht worden sind, zusammen abgedruckt.

Da ich auch ein Fan der beiden genannten bin und außerdem dem Western-Genre Einiges abgewinnen kann, musste ich auch den Nighthuntern eine Chance geben – und sie haben die Erwartungen an kurzweilige Unterhaltung mit Grusel und Action definitiv erfüllt.

Die Episoden lassen sich gut einzeln lesen und verstehen, aber die übergreifende Story mit dem gestohlenen Amulett macht einen gespannt auf die nächsten Abenteuer des stilvollen Gespanns, dessen Beschreibungen einem immer Bilder wie aus einem Western-Film vor dem geistigen Auge auftauchen lassen.

Dazu kommt, dass der Autor es schafft, die Spannung trotz der übernatürlichen Kräfte des Duos ständig aufrecht zu halten. Und auch die zahlreichen Anspielungen auf die Vergangenheit der beiden Protagonisten machen neugierig auf die nächsten Bände.

April 3

Deadwood von Pete Dexter

In „Deadwood“ werden die Ereignisse erzählt, die sich so hätten zutragen können zwischen bekannten Persönlichkeiten des Wilden Westens wie Wild Bill Hickok, Charlie Utter und Calamity Jane.

Das ist gleichzeitig eine Stärke und eine Schwäche des Buchs. Zwar heißt es, dass das Leben die schönsten Geschichten schreibt, aber leider bilden diese Geschichten keinen Spannungsbogen wie bei rein fiktiven, was die beschriebenen Ereignisse relativ zusammenhang- und belanglos erscheinen lässt.

Und obwohl die Figuren bekannt sind, haben sie keine sonderlich bemerkenswerten Leben geführt. Klar gab es Intrigen und Schießereien, aber weil die Charaktere weder richtig sympathisch noch unsympathisch genug, um interessant zu sein, sind, hat mich das relativ kalt gelassen.

Das Setting hingegen ist perfekt getroffen worden. Hier gibt es keine romantischen Verklärungen des „Wilden Westens“, er wird mit all seinen Seiten dargestellt. Dadurch kommt eine eindrucksvolle Stimmung auf, die mich trotzdem in den Bann ziehen konnte.

Am Ende nimmt die Handlung jedoch Fahrt auf und ich konnte auch mit den Protagonist:innen warm werden. Auch die Vielzahl von Charakteren hat dazu geführt, dass sich ihre Schicksale doch noch auf spannende Arten und Weisen verflochten und ein halbwegs stimmiges Gesamtbild abgegeben haben.