März 23

Der Archivar von Mila Bagrat

Als die zehnjährige Freya auf eine Klassenfahrt nach Berlin fährt, weiß sie noch nicht, was sie erwartet: Eine magische Reise, bei der sie auf den liebenswerten Waschbären Björn trifft und mit ihm den Kampf gegen das Vergessen beginnt.

Auf diesem Weg trifft sie auf allerlei ungewöhnliche Gestalten, deren Persönlichkeiten liebevoll ausgearbeitet wurden. Hier ist nicht jeder, wer er zu sein scheint und die Charaktere wirken in ihrer Dreidimensionalität wie echte Menschen.

Gut gelungen ist auch, dass mensch als LeserIn selbst auf eine Reise durch Berlin mitgenommen wird: Einerseits lernt mensch einige interessante Ecken der Stadt kennen, andererseits auch wichtige Teile ihrer Geschichte.

Die Handlung selbst ist ebenfalls sehr ungewöhnlich, denn es geht hier nicht einfach um einen Kampf der Guten gegen die Bösen, sondern vor allem um Konzepte wie Erinnerungen und Vergebung. Damit hebt sich „Der Archivar“ eindeutig von anderen an Kinder gerichteten Büchern ab, was mich positiv überrascht hat.

Wer ein Buch sucht, das sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht und eine interessante Story beinhaltet, die nicht die typische Fantasy-Checkliste erfüllt, ist hier gut bedient!

Oktober 29

Kraken in der Spree von Naduschka Kalinina

Wer hätte gedacht, dass es bald Krakens geringstes Problem sein würde, dass sein Vater in einen Goldfisch verwandelt wurde? Schon dieser erste Satz lässt vermuten, dass es sich bei „Kraken in der Spree“ nicht gerade um 0815-Fantasy handelt – Eine Hypothese, die sofort bestätigt wird, wenn man in das dreckige und auf wenig zauberhafte Weise magische Berlin dieses Buches abtaucht.

Besonders das Worldbuilding und die Charaktere haben mich begeistert. Hier wurde eine Welt erschaffen, in denen die Vorurteile über magische Wesen wie Hexen, Geister oder Kobolde komplett durcheinandergewirbelt werden und die Magie für die Betroffenen etwas Normales bis Nerviges ist, was herrlich erfrischend ist.

Dass die Protagonisten da auch etwas Besonderes sein müssen, ist ja klar. Kraken und „Domovoi“ haben beide ihre ganz eigene Art, die sich perfekt ergänzt und immer wieder für lustige Momente sorgt. Aber auch die Nebencharaktere können sich sehen lassen, denn jeder kommt mit seiner eigenen Persönlichkeit (und vor allen seinen Macken) daher und spielt eine wichtige Rolle in der Story.

Die Handlung beginnt erst einmal mit vielen Puzzleteilen, die sich am Ende allerdings perfekt zu einem Gesamtbild zusammenfügen, und nimmt dann Fahrt auf, bis man merkt, dass man aus Versehen hundert Seiten am Stück gelesen hat. Sie ist unterhaltsam, spannend und ermöglicht es den Charakteren, sich voll zu entfalten, indem sie sie einerseits von Gefahrsituation zu Gefahrsituation hetzt, aber auch Zeit für Nachforschungen und Dialoge bietet.

Ich muss sagen, dass man sich selten ein Buch so begeistert hat wie dieses. Der Humor, die ungewöhnliche Darstellung von Magie und die Charaktere, die wahrscheinlich schon unterhaltsam gewesen wären, wenn man sie in einen komplett leeren Raum gesperrt hätte, haben mich gleich gefesselt und von der ersten bis zur letzten Seite keine Sekunde Langeweile aufkommen lassen.