Juni 14

Jobst von Wüstenteich von Joachim R. Steudel

Als Jobst von seiner Pilgerreise, zu der er aufgebrochen war, um die Sünden seines Vaters zu tilgen, zurückkehrt, findet er sein Heimatdorf verlassen und niedergebrannt vor. Und schon bald wird er in eine Verschwörung verwickelt, die weit tiefere Hintergründe hat, als er erahnen konnte.

Jobst ist ein sehr sympathischer Protagonist. Entgegen der klischeehaften Darstellung von hartherzigen Rittern, die sonst zu der Zeit spielende Romane bevölkern, hat er sich eine Unschuld und Weltfremdheit bewahrt, durch die sein Wachstum im Verlauf der Handlung noch deutlicher wird.

Die anderen Figuren haben es ebenfalls in sich. Jede von ihnen hat eine ganz klare Motivation, die sich nach und nach enthüllt und ihr einen realistischen Platz in der Geschichte zuweist.

Die Welt, die hier dargestellt wird, basiert auf historischen Fakten, die dank des umfangreichen Glossars auch Laien ersichtlich werden und das Leben des 14. Jahrhunderts auch abseits vom Glanz der Burgen verdeutlichen.

Was mich (positiv) überrascht hat, ist, wie viel Platz hier dem Mysterium um Jobst‘ Herkunft und den Brand eingeräumt wird, sodass wir es hier eher mit einem historischen Thriller als einem reinen Action-Roman zu tun haben.

Februar 7

Schikane von Adrian Zeyher

Nicht nur ein Mordfall in seinem sonst so beschaulichen Revier wirbelt das Leben von Kommissar Leonard Kaczmarek durcheinander, sondern auch, dass sein alter Freund Ragan Veit plötzlich wieder auftaucht und zu seinem neuen Kollegen wird.

„Schikane“ braucht nicht lange, um einem klarzumachen, dass es kein 0815-Thriller ist. Das beginnt beim ungewöhnlichen Protagonisten, der im Gegensatz zu seinen Kollegen (sowohl in diesem, als auch in anderen Büchern) sehr sensibel ist und sich das Leben durch seine eigenen Ängste schwermacht.

Außerdem wird darauf geachtet, eine Balance zwischen der Polizeiarbeit, die hier um Einiges realistischer als sonst dargestellt wird, und dem Privatleben der Figuren zu erschaffen, durch die man sich besser in sie hineinversetzen und ihre Handlungen nachvollziehen kann.

Die Figuren sind allesamt realistisch gestaltet und weisen ihre eigenen Stärken und Schwächen auf. Vor allem die Beziehung zwischen Leo, Ragan und Viktor ist interessant dargestellt worden.

Die Handlung selbst kann sich ebenfalls sehen lassen. Man fiebert von der ersten bis zur letzten Seite mit dem eigentlichen Fall mit, möchte aber auch mehr über die Charaktere erfahren.

Oktober 21

TREU von Sven Hornscheidt

Eigentlich scheint das größte Problem in Moritz‘ Leben seine unerwiderten Gefühle für seinen besten Freund Lukas zu sein, doch bald ist er Hals über Kopf in ungeklärte Geschehnisse der Vergangenheit verwickelt, die ihn in ungeahnte Gefahr bringen.

Was als Coming of Age-Roman anfängt, überrascht schnell mit dem Wechsel zwischen Passagen in der Vergangenheit, durch die langsam immer mehr von den Hintergründen enthüllt wird, und den Nachforschungen in der Gegenwart, die sich erst im Finale bündeln und den Leser so bis zur letzten Seite fesseln. Mehr kann ich dazu an dieser Stelle nicht schreiben, ohne einen Teil der Spannung kaputtzumachen.

Besonders überzeugt haben mich die Charaktere, die realistisch beschrieben werden, was ihre Ängste und Sorgen, aber auch ihre Beziehungen untereinander angeht. Das gilt einerseits für ihre Handlungen, allerdings auch für die Dialoge. Jeder von ihnen hat eigene Stärken und Schwächen, wodurch es einem leichter fällt, sie ins Herz zu schließen. Dafür sorgt auch der lockere und angenehme Schreibstil.

Allerdings gibt es einige Punkte, die meiner Meinung nach nicht ganz zufriedenstellend aufgeklärt wurden. Das ändert allerdings nichts an der Nachvollziehbarkeit der Handlung und des Finales – Es sind nur ein paar kleine Details, die lose Enden darstellen.

Insgesamt hat mich das Buch und wie es verschiedene Genres miteinander verwebt, positiv überrascht. Der Wechsel zwischen dem Alltag eines Jugendlichen und den Mystery-Elementen ist gut gelungen und keine der beiden Ebenen hat sich in diesem Konstrukt unpassend angefühlt.

Oktober 7

Oseberg Paradoxon: Krieg des Großen Tages von Marco Boehm

Zuallererst sei gesagt: „Oseberg Paradoxon“ lässt sich in keine Schublade stecken, alleine vom Genre her. Was als Krimi anfängt, entwickelt sich ganz schnell in etwas, das ich in Ermangelung einer besseren Beschreibung als „Science-Fiction-Thriller“ bezeichnen würde. Hier werden diese Genres aber nicht einfach vermischt, vielmehr kommt es zu einem klaren Bruch, was ich so noch nie gelesen habe.

Viel mehr kann ich zur Handlung auch nicht verraten, ohne zu spoilern, deshalb mache ich bei den Charakteren weiter: Die Protagonisten sind allesamt sympathisch und einzigartig und vor allem ihre humorvollen und bissigen Dialoge untereinander machen beim Lesen einfach nur Spaß.

Das gilt auch für Kapitelnamen, über die ich häufiger mal schmunzeln musste. Sowieso wird die ganze Thematik mit einer ordentlichen Prise Humor genommen, ohne dass die Handlung dadurch an Spannung verliert. Dass humorvolle Kommentare der Charaktere in den teilweise extrem philosophischen Gesprächen in der zweiten Hälfte des Buches nicht negativ aufgefallen sind, sondern einfach koexistieren, hat mich wirklich beeindruckt.

Ebenso gut gelöst ist, wie die drei Handlungsstränge der Protagonisten aus dem ersten Teil miteinander verbunden werden. Als Leser kann man sich anfangs nur schwer vorstellen, wie sie genau zusammenhängen und hat dann ein Aha-Erlebnis nach dem anderen, wenn die Charaktere aufeinandertreffen oder ihre Handeln Auswirkungen auf die anderen hat.

Insgesamt ist das hier ein Buch, das einen Leser immer wieder überrascht, ohne dabei auf billige oder vorhersehbare Plottwists zu setzen. Es gibt im Gegensatz dazu zahlreiche Momente, in denen man praktisch spürt, wie das letzte Puzzleteil an seinen Platz fällt und ein Gesamtbild, mit dem man nicht gerechnet hätte, preisgibt. Also: Wer sich überraschen lassen und ein Buch lesen will, das mit Fug und Recht von sich behaupten kann, einzigartig zu sein, der ist hier gut beraten!

Juli 13

Die Königin der Toten von Michael White

Inzwischen geht die Geschichte von Lee, Tanya und der Blutgöttin in die finale dritte Runde, und dieser letzte Kampf gewohnt spannend.

Alte Feinde und solche, die nun Verbündete geworden sind, was ständig Zweifel darüber aufkommen lässt, ob man ihnen trauen kann, kehren zurück, und erneut müssen sich die Protagonisten gegen eine übernatürliche Gefahr zur Wehr setzen, die das Ende der Welt bedeuten könnte.

Wie in den vorherigen Teilen gibt es wieder zahlreiche Intrigen und finstere Pläne, blutige Action – Dieses Mal nicht nur mit Vampiren, sondern auch Ghoulen, was ich immer begrüßen kann – und ominöse Vorhersagen.

Schön finde ich, dass die Handlungsstränge und Prophezeiungen aus den vorangegangen Büchern aufgegriffen und zu einem befriedigenden Schluss geführt werden, und dass eine der Protagonistinnen auch noch eine dramatische Hintergrundgeschichte spendiert bekommt, die sich in den Handlungsstrang eingliedert.

Wer sich die ersten beiden Bände zu Gemüte geführt hat, wird auch mit diesem Band viel Spaß haben und ein würdiges Ende für die dramatische Geschichte um Lee und ihren Kampf gegen Vampire, Göttinnen und den Verlust ihrer eigenen Menschlichkeit lesen können.

Juli 8

Die Rache der Toten von Michael White

Lees Rachefeldzug gegen die Mörder ihrer Familie geht weiter und eines sei vorab gesagt: Wem der ersten Band gefallen hat, der wird auch mit diesem viel Spaß haben.

Während es im ersten Band noch direkt um Lees Überleben und ihre Rache ging, wurde hier der Einsatz erhöht und es steht nun die Wiederauferstehung der mächtigen Blutgöttin auf dem Spiel, deren Macht die Welt für immer verändern könnte.

Die Stärken des ersten Bandes – ein flüssiger, actionorientierter Schreibstil; die Verschwörungen der Vampire, die sich gegenseitig in den Rücken fallen und damit die Spannung konstant hoch halten und der Kampf Lees, ihre Menschlichkeit zu erhalten – werden hier wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.

Besonders gelungen sind wieder die Komplotte der uralten Vampire und ihrer Diener. Da man in diesem Band mehr Hintergrundinformationen erhält, kann man ihre Machenschaften besser nachvollziehen und einem wird bewusst, welche Reichweiten ihre Taten haben, was die vielen Perspektivwechsel umso spannender macht.

Juli 3

Die Fährte der Toten von Michael White

Nachdem Lee jahrelang auf der Flucht vor den Mördern ihrer Familie war, gerät sie in die Fänge des skrupellosen Vampirs Frank, der sie ebenfalls in einen Blutsauger verwandelt und versucht, sie zu einem Killer zu machen.

Dieses Grundsetting ist schon einmal spannend und hebt sich von anderen Thrillern ab, die ich bisher gelesen habe.

Das ist allerdings nicht das Einzige, was an diesem Buch gelungen ist, denn besonders die toughe Lee, die nun zwischen den Welten gefangen ist und einerseits ihr neues Leben auskosten, andererseits ihre Menschlichkeit nicht verlieren will, schließt man als Leser schnell ins Herz.

Durch ihr Rachemotiv sind ihre Handlungen glaubhaft, aber wie die Überschrift schon verrät, sind sie vor allem eins: Stylish.

Während ich gelesen habe, hat sich praktisch ein Actionfilm á la Underworld vor meinen Augen abgespielt, ein Eindruck, der von der schnörkellosen Sprache, die sich nicht in unnötig langen Beschreibungen verliert, unterstützt wird.

Auch die Intrigen, die die anderen Vampire spannen, um die Jungvampirin für ihre Zwecke einzuspannen, tragen zur Spannung und dazu bei, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann und gleicht damit anfangen will, die Fortsetzung zu lesen.