Juli 10

Civilization of Carnivores: Die Herrschaft der Dinosaurier von Marcel Kuiper

Ein Buch, in dem Dinosaurier statt Menschen die herrschende Spezies geworden sind und Letztere reihenweise züchten und abschlachten, liest man nicht alle Tage.

Aus dieser interessanten Anfangsidee entwickelt sich eine Geschichte, die den Leser immer wieder mit kreativen Einfällen und einem flüssigen Schreibstil überrascht.

Allerdings kamen mir die Dialoge teilweise noch unrealistisch vor und haben den Lesefluss eher unterbrochen als gefördert.

Mein zweiter Kritikpunkt ist ein Charakter, der scheinbar nur in die Geschichte eingebracht wurde, um gehasst zu werden, weil er keine sympathischen Qualitäten zu haben scheint. Dazu kommt, dass die ganze Zeit auf seinem Gewicht herumgeritten wird, was mich im Zusammenhang mit seiner unangenehmen Persönlichkeit gestört hat.

Positiv aufgefallen sind hingegen die Parallelen, die zu unserer Welt und vor allem unserem Umgang mit Tieren, die wir als Nutztiere betiteln und ausbeuten, gezogen werden können und die im Gegensatz dazu eher augenzwinkernden Anspielungen auf allseits bekannte Marken und Orte, die die Stimmung wieder aufzulockern wissen.

Juni 5

Zone 84 von Stefan Müller

Was zuerst an den Alltag in der heutigen Zeit erinnert, entwickelt sich für die Protagonisten rasend schnell zu einem totalitären Albtraum, der aus der Sicht zahlreicher, sympathischer Charaktere wiedergegeben wird, die langsam die Puzzlestücke zusammenfügen und immer mehr von der Verschwörung enthüllen, die hinter allem steht.

Anfangs hatte ich ein bisschen die Befürchtung, dass mit dem Protagonisten zu viele Nerd-Klischees erfüllt werden, aber das hat sich schnell gelegt und er wurde zu einem wirklich dreidimensionalen Charakter.

Gerade, weil man sich von Anfang an mit den Helden identifizieren kann und die Strömungen, die zu einem kompletten Überwachungsstaat führen, wenn sie auf die Spitze getrieben werden, auch in der eigenen Gesellschaft erkennt, ist die Geschichte so effektiv und fesselnd.

Zu sehen, wie sich die Schritt für Schritt erlassenen Gesetze auf die Charaktere auswirken und wie sie ihnen die Freiheit nehmen, macht den besonderen Reiz dieses Buches aus, denn es führt den Schritt, den die meisten Bücher überspringen – Den Aufbau des Regimes, das es zu stürzen gilt – realistisch aus.

Den einzigen wirklichen Kritikpunkt, den ich anzumerken habe, ist, dass mir die Verschwörer, die hinter allem stehen, ein bisschen zu „esoterisch“ und mysteriös erscheinen und keine klaren, weltlichen Zwecke verfolgen, wie ich es erwarten würde, wenn sich so eine Organisation in der Realität bildet.

Am Ende bekommt man nicht nur eine spannende Geschichte geliefert, die von der ersten bis zur letzten Seite unterhält und alle Fäden am Ende clever zusammenlaufen lässt, sondern gleichzeitig eine Vorstellung davon, wie schnell eine Gesellschaft wie unsere zusammenbrechen kann.

Juni 5

Frequenz Zero – Das Simulator Portal von M. Kuiper

Kurzmeinung: Eine interessante Reise in ein anderes Multiversum mit sprachlichen Schwächen

Da ich den ersten Teil der Reihe bisher nicht gelesen habe, kann ich nicht sagen, inwiefern sich dieser davon abhebt und werde diesen deshalb als Einzelwerk betrachten.

Die einzigartige Handlung, die sich stark vom Standard des Genres abhebt, hat mich schnell in den Bann gezogen und mich motiviert, weiterzulesen, um zu erfahren, wie sie ausgeht – Umso fieser der Cliffhanger am Ende, der mich weiter um das Schicksal der Helden bangen lässt.

Außerdem hat mich die Kreativität fasziniert, mit der die Planeten und vor allem ihre Bewohner, die nicht wie in viele anderen Geschichten praktisch nur Menschen mit leichten Abänderungen sind, gestaltet worden sind.

Allerdings muss ich zugeben, dass der Schreibstil selbst meinen Geschmack ganz und gar nicht getroffen hat, was vor allem an den Beschreibungen der Unterdrückung der Bewohner dieses Multiversums lag, die meiner Meinung nach häufig zu „stumpf“ waren und mir als Leser nicht selbst erlaubt haben, mir ein Bild von der schrecklichen Lage zu machen, sondern mir stattdessen immer wieder direkt erzählt haben, wie schlimm es dort gerade ist.

Außerdem gab es einige Dialoge, die für meinen Geschmack ein bisschen zu offensichtlich darauf abzielten, dem Leser Informationen zu vermitteln, was sie etwas unnatürlich hat erscheinen lassen.

Dazu kommt, dass den Figuren zu wenig Zeit gelassen wurde, die Beziehungen untereinander wirklich auszubauen, denn es erschien mir etwas unlogisch, dass sich gewisse Charaktere praktisch innerhalb von Sekunden unsterblich ineinander verlieben und diesem Gefühl fast alles andere unterordnen.

Wer allerdings darüber hinwegsehen kann (Oder meinen Geschmack diesbezüglich einfach nicht teilt), wird hier eine Welt vorfinden, die mit äußerster Liebe zum Detail und mit kreativen Einfällen gestaltet wurde, von denen sich andere Autoren gerne eine Scheibe abschneiden können.