März 19

Ghostnet – Die Letzte Stadt von Fabian K. Roth

Glitch und Nikka verdienen ihren Lebensunterhalt als Scrapper, die vogelfreie Gesetzeslose jagen und deren Implantate verscherbeln. Doch ihr nächstes Ziel behauptet standfest, zum Mord an seiner Frau gezwungen worden zu sein. Und tatsächlich lässt dieser Fall Zweifel aufkommen an dem System, in das die beiden bis über beide Ohren verwoben sind und dem sie bisher treu ergeben waren.

Die Scrapper sind beide auf ihre eigene Art von der Vergangenheit fasziniert: Glitch sieht sich gerne als Cowboy auf einem Roboterpferd, Nikka hat sich ein bizarres Bild davon, was einen Punk ausmacht, aus Fragmenten der Vergangenheit zusammengeschustert. Sympathisch sind sie aber beide und wir lernen sie auf rund 250 Seiten als dreidimensionale Figuren kennen, die auch Platz dafür haben, sich zu verändern.

Nach jedem Kapitel bekommen wir Informationshappen serviert, die Nikka aus alten Datenträgern in den Ruinen geborgen hat: Passende Songtexte, Wikipedia-Einträge oder Interview-Schnipsel. Sie erlauben einen tieferen Einblick in die Welt von Ghostnet, sorgen häufig auch für ein Schmunzeln und lassen erahnen, wie viel Arbeit hinter dem Erschaffen dieser detailreichen Welt steckt.

Fabian Roth hat definitiv nicht vergessen, was Cyberpunk bedeutet: Nicht einfach nur Neonfarben und fortschrittliche Technik, sondern auch eine Analyse und Kritik unserer Gegenwart. Ich war positiv überrascht davon, wie realistisch die Handlung aufgebaut ist und wie kleine Details sich hinterher zu einem großen Ganzen zusammenfügen.

Ghostnet – Die Letzte Stadt ist der erste Teil der Reihe, deren Titel übrigens nicht ohne Hintergedanken gewählt wurde. Am Ende dieses Bandes erfahren wir, was er bedeutet. Welche weitreichenderen Konsequenzen diese Enthüllung für Glitch und Nikka haben wird, bleibt nach einem rasanten Finale offen und macht mich umso gespannter auf die Fortsetzung!

Januar 15

Wave von Jan C. Koch

Eigentlich sollte Wave aufgrund ihrer Vergangenheit und der Taten ihrer Eltern lieber keine Aufmerksamkeit in der Zitadellenstadt erregen, doch dann wird sie in einen Unfall verwickelt und beginnt plötzlich, die Stimme ihres liebsten Radiomoderators Aki in ihrem neuen Hörgerät zu hören – und ausgerechnet der braucht ihre Hilfe, um eine Verschwörung aufzudecken.

Mich hat dieses Setting direkt angesprochen. Auch die Zitadellenstadt selbst, deren hypertechnologischer Aufbau nur dank anderer Dimensionen, über die so gut wie gar nichts bekannt ist, funktioniert, und die mysteriösen Fähigkeiten, die einige Figuren entwickeln, haben mein Interesse geweckt.

Die Figuren selbst haben mir ebenfalls gefallen. Wave ist eine aufgeweckte und sympathische Protagonistin und mich hat vor allem beeindruckt, wie gut die Nebenfiguren in die Geschichte eingebunden sind. Jeder Charakter hat seine Rolle, seine Ziele und seine Persönlichkeit bekommen.

Die zentrale Verschwörung, um die sich alles dreht, ist, ohne zu viel verraten zu wollen, kreativ und ungewöhnlich. Die Aufklärung lässt nichts vermissen und tatsächlich jedes Puzzlestück an seinen Platz fallen, wobei sie Handlungsstränge verbindet, die anfangs noch zufällig erscheinen.

Insgesamt hat mich der Auftakt der Zitadellenstadt-Saga vollends überzeugt, vom einzigartigen Worldbuilding über die interessanten und liebenswerten Charaktere bis zu dem perfekten Ende, das trotzdem noch genug Fragen aufwirft, um einen zweiten Teil zu rechtfertigen.

November 26

Sternenglut – Ein Raum voller Welten

In neun Kurzgeschichten, die alle im Bereich Science Fiction angesiedelt sind, werden Raumschiffe in Zeitblasen gefangen, Begegnungen mit außerirdischem Leben erlebt, das sich an ganz anderen Maßstäben misst als das menschliche oder menschliches Bewusstsein in eine digitale Form übertragen. Obwohl alle Storys im gleichen Genre spielen, unterscheiden sie sich stark voneinander.

Gerade diese Vielfalt der Geschichten hat für mich den Reiz der Anthologie ausgemacht. Und obwohl mich manche Themen vorher mehr oder weniger interessiert haben, kann ich nicht sagen, dass mich einer der Abschnitte gelangweilt hätte. Tatsächlich ist es in allen gut gelungen, einen in die Handlung einzuführen, die Figuren lebendig wirken zu lassen und mit der Kreativität zu überraschen.

Obwohl wir hier eine Reise durch die Schreibstile von neun verschiedenen Autor:innen machen, stört das den Lesefluss gar nicht. Alle sind flüssig geschrieben und angenehm zu lesen.

Auch das Setting bleibt nie gleich: Manchmal ist es eine Erde, die sich gar nicht so viel von der heutigen unterscheidet, mal ein Raumschiff in den Weiten des Alls oder ein ferner Planet mit menschenähnlichen Bewohner:innen. Dem Untertitel „Ein Raum voller Welten“ ist hier auf jeden Fall gerecht geworden.

Mehrfach aufgegriffene Themen wie künstliche Intelligenz, von Menschen oder menschenähnliche Lebewesen geschaffen oder sogar als eine Kopie des menschlichen Bewusstseins selbst entstanden, werden aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, sodass es trotz Überschneidungen, die teilweise vorkommen, nicht langweilig wird.

März 25

Die Träne des Phönix von C. J. Knittel

Nachdem die Alienrasse der „Krebell“ die Menschheit überrannt und die Menschenfrau Nicole die Seiten gewechselt hat, gerät sie durch Zufall in die Fänge von Rebell:innen in London. Wird sie sie überzeugen können, dass sie keine Verräterin ist und ihre Mission erfolgreich ausführen?

Was mir gut gefallen hat, ist, wie wir Nicole kennenlernen. Durch ihre jahrelange Arbeit für die Aliens, die die Menschen entweder versklaven oder ausrotten, hat sie ihre wahren Gefühle in den Hintergrund gedrängt und nach einiger Zeit unter den Menschen kommen sie langsam wieder ans Tageslicht.

Auch über andere Charaktere wie den menschlichen Soldaten Ian erfahren wir langsam mehr. Ihre Veränderungen wirken realistisch und trotz der geringen Seitenzahl sind sie nachvollziehbar.

Trotzdem handeln viele Figuren auf merkwürdige Arten und Weisen, die ich als Leser nicht richtig nachvollziehen konnte. Manchmal treffen sie Entscheidungen, die ich ihnen aufgrund ihrer bisherigen Charakterisierung überhaupt nicht zugetraut hatte.

Dazu kommt, dass ein Großteil der Seiten mit einer Dreiecksbeziehung zwischen Nicole und zwei Rebellen gefüllt ist, die ich nach dem Klappentext nicht erwartet hätte und die meiner Meinung nach immer wieder an unpassenden Stellen herausgeholt wird und so die eigentlich vorhandene Spannung schmälert.

März 23

Proxima-Solaris von C.J. Knittel

Auf dem Raumschiff Proxima-Solaris erwacht die Mannschaft aus einem jahrhundertelangen Kälteschlaf. Angetreten haben sie diese Reise aus unterschiedlichsten Motivationen, doch nun müssen sich alte Bekannte und neue Verbündete zusammenraufen, um sich den durch einen Krieg auf der Erde entstandenen Gefahren des Weltraums zu stellen.

Im Gegensatz zu vielen Büchern des Genres geht es hier nicht um opulente Raumschlachten oder Schießereien in den engen Korridoren eines Raumschiffes, auch wenn letztere durchaus vorkommen, sondern vor allem darum, die verworrene Situation in dem System, in dem das Schiff nach 200 Jahren ankommt, zu verstehen und ihr zu entkommen.

Besonders interessant finde ich auch die Perspektive auf Kryoschlaf, denn hier wird wirklich auf die Implikationen eingegangen, die es hat, mehrere hundert Jahre zu schlafen und in einer fremden Welt aufzuwachen. Die Figuren müssen damit klarkommen, dass alle, die sie einmal gekannt haben, längst tot sind und dass ihre letzte Nachricht von der Erde schon veraltet ist.

Die Charaktere werden aber nicht nur durch die Vergangenheit, mit der sie noch nicht haben abschließen können, interessant, sondern auch wegen ihrer Sichtweise auf sich und ihre Gegner:innen. Obwohl die Handlung viele Jahre in der Zukunft spielt, zeigt sie einige Parallelen zur heutigen Zeit, was Propaganda und Eskalation durch Nationalismus angeht.

Insgesamt bietet „Proxima-Solaris“ eine ungewöhnliche Sci-Fi-Geschichte, die den Fokus auf ihre Figuren legt und Dinge näher beleuchtet, die in anderen ihrer Art häufig unter den Tisch fallen.

Januar 9

Knochensuppe 1: Der Mörder aus der Zukunft von Kim Young-Tak

Als Lee Uhwan das Angebot bekommt, bei einer risikoreiche Zeitreise in die Vergangenheit ein Rezept für Knochensuppe zu finden, sagt er zu. Doch weder seine Mitreisenden, noch die Menschen in der Vergangenheit haben so bescheidene Motive, und bald ist er komplett verstrickt in gefährliche Geschehnisse und kriminelle Machenschaften…

Zuerst zum Protagonisten selbst, denn ich muss zugeben, dass er mir komplett unsympathisch ist. Zwar ist sein Verhalten oft durch seine Vergangenheit erklärbar, aber das macht es nicht besser, lesen zu müssen, wie er seine Mitmenschen behandelt. Doch trotzdem geht eine Faszination von ihm aus, aufgrund derer ich immer weiter lesen musste.

Auch zu den anderen, teils sympathischeren Charakteren habe ich immer eine Distanz bewahrt. Als störend empfunden habe ich das allerdings nicht unbedingt, weil es gut zum sachlichen und trockenen Schreibstil und auch zum Inhalt der Geschichte passt.

Und dieser Inhalt kann sich sehen lassen. Das Buch spielt in einer interessanten Welt, in der neben Zeitreisen auch andere technologische Wunder möglich gemacht worden sind. Dadurch wird das Mysterium, das um die Motive der verschiedenen Figuren aufgespannt wird, umso spannender und mensch wird ständig neu überrascht von den Rollen, die sie spielen.

Mich hat das Buch durch und durch überzeugt und ich kann es kaum abwarten, den nächsten Teil zu lesen – unter anderem, weil die Geschichte noch nicht abgeschlossen ist und sogar mit einem fiesen Cliffhanger endet. Die komplizierte und spannende Handlung nachzuvollziehen hat mir viel Spaß gemacht und ich freue mich auf ihre Auflösung.

Januar 1

Kallistos Erbe von Ryan Rockwell

Als Carl unter gefälschten Personalien auf den Jupiter-Mond Kallisto reist, um den angeblichen Selbstmord seiner Schwester aufzuklären, ahnt er noch nicht, wie weit sein Schicksal mit dem der Station verwoben ist. Und auch die Zukunft der weit entfernten Erde steht auf dem Spiel…

Am Anfang ist mensch als Leser:in genauso orientierungslos wie Carl, der sich in einem komplett neuen Leben zurechtfinden muss und nicht wirklich weiß, wie er mit seiner Suche anfangen soll. Doch die Vermischung aus der persönlichen Suche nach seiner Schwester und den mysteriösen Todesfällen, mit denen er aufgrund seines Jobs als Sicherheitstechniker konfrontiert wird, gibt bald die Richtung vor und wir werden immer tiefer in die Geheimnisse der Station gezogen.

Es ist auch lange nicht klar, wer Freund oder Feind ist und wem Carl seine eigentliche Motivation anvertrauen kann, was es noch spannender macht. Und bald arbeiten die Systeme und systemhörigen Menschen der Station gegen sie und sie müssen ihr Ziel in einer spannenden Hetzjagd gegen die Zeit erreichen.

Vor allem Berenice, Carls Chefin, ist eine interessante Figur, die wir im Verlauf der Geschichte besser kennenlernen. Ich hätte gerne noch mehr über sie und ihre bewegte Vergangenheit, auf die ab und zu angespielt wird, erfahren, doch damit muss ich wohl auf die angeteaserte Fortsetzung warten.

Die Geschichte steht aber auch für sich und bietet eine atemberaubende Mischung aus Thriller und Science Fiction, was sich in dem spannenden Fall, den es zu lösen gilt, und der lebensfeindlichen Atmosphäre des Eismond Kallisto und den detailliert beschriebenen Stationen niederschlägt.

November 23

Asynchron: Entropie von Matthias Grabo

Quinn ist in den Reaktor gefallen und das Leben im Kern könnte ohne Unterbrechung weitergehen – wenn sich die Gruppe nicht aufgespalten hätte in diejenigen, die unbedingt die Forschung vorantreiben wollen und diejenigen, die sich mit dem Leben in dieser Realität abgefunden haben. Eve hingegen arbeitet weiter daran, den Plan des mysteriösen Schwarzen Patrons umzusetzen. Aber was hat er wirklich vor?

Es kommen zwar keine neuen Hauptcharaktere hinzu, doch die bekannten zeigen überraschende Seiten von sich. Vor allem Eric und Kirsten verändern sich auf eine extreme, aber glaubhafte Art und überraschen immer wieder mit Entscheidungen, die mensch ihnen nach den ersten beiden Bänden nicht zugetraut hätte. Aber auch Quinn selbst wächst als Figur.

Die Handlung bleibt unvorhersehbar wie eh und je. Selbst, als mensch denkt, dass der Plan steht und nur noch ausgeführt werden muss, geht natürlich Einiges schief und Quinn muss improvisieren, um die Leute davon zu überzeugen, dass er doch nicht verrückt ist – was selbst wir als Leser:innen lange nicht wissen konnten. Mit Plottwists wird hier auf jeden Fall nicht gespart!

Aber nicht nur von den anderen Menschen geht Gefahr aus: Auch die Welt an der Oberfläche hat sich weiterentwickelt und wartet mit neuen Kreaturen auf, die menschliches Leben dort fast unmöglich machen. Auch diese verschiedenen Herausforderungen tragen zur spannenden Vielfalt dieses Buches bei. Dazu kommt der ständige Zeitdruck, unter dem die Charaktere ihrem Ziel entgegenhetzen müssen.

Entropie bietet genau, was ich von einem guten Finale erwarte: Die Rätsel, die in den ersten beiden Bänden aufgestellt worden sind, werden aufgelöst, es gibt zahlreiche Aha-Momente und trotzdem wird eine gute Mischung aus Erklärungen und Action getroffen, sodass es nie langweilig wird.

November 7

Der Metropolist von Seth Fried

Seth Fried hat mich mit seinem Science Fiction-Roman mehrfach überrascht. Anfangs war ich skeptisch, vor allem, weil der Vergleich mit Pulp Fiction im Klappentext überhaupt nicht gerechtfertigt ist, und weil die humorvolle und flapsige Schreibweise eine Distanz zu den Figuren eröffnet, die die Lebensgefahr, der sie schnell ausgesetzt sind, weniger spannend erscheinen lässt.

Doch je mehr von der Handlung und den Charakteren enthüllt wird, desto interessanter wird es – Vor allem, wenn der regelkonforme Henry auf eine Gruppe trifft, die seine geliebte Behörde ins Visier nimmt und aufdeckt, dass sie alles andere als perfekt ist.

Und gerade durch den Humor kommen sich die beiden Protagonisten auch näher und wir erfahren mehr über ihr Innenleben, das bis zur letzten Seite immer weiter ausgearbeitet wird und sie beide trotz und wegen ihrer extremen Macken liebenswert erscheinen lässt.

Henrys Entscheidungen haben mich immer wieder überrascht und es ist wirklich unglaublich, welche Entwicklung seine Persönlichkeit in so wenigen Seiten durchmacht, ohne unglaubwürdig zu wirken.

Die Art und Weise, wie Henrys und OWENs Fähigkeiten genutzt werden, um der Wahrheit Stück für Stück näher zu kommen, ist gut gelungen und dadurch, dass Henry absolut kein Actionheld ist und OWEN die Welt nur indirekt über seine Projektionen beeinflussen kann, wird es umso spannender.

Dazu kommt, dass das Buch eine überraschende Tiefe aufweist. Es werden Probleme wie Rassismus, Sexismus und Gentrifizierung angesprochen und nicht einfach aus der Welt geschafft, wenn die Stadt gerettet wird. Allerdings werden die Thematiken leider nur gestreift und gehen in der actiongeladenen Handlung unter.

„Der Metropolist“ lässt mich trotzdem mit gemischten Emotionen zurück, weil ich hier wieder einmal das Gefühl bekommen habe, dass der Autor oberflächlich über den Anarchismus recherchiert hat und nicht zum Kern der Sache vorgedrungen, sondern seiner instinktiven Ablehnung des Bildes von „anarchistischen Bombenleger:innen“ gefolgt ist.

Einerseits scheint er begriffen zu haben, dass Anarchist:innen der Meinung sind, dass Sozialarbeiter:innen nicht zum Kern des Problems vordringen und das System eher stabilisieren, als den armen Menschen zu helfen, und dass sie die Welt von Grund auf ändern wollen, um eine klassenlose Gesellschaft zu erreichen. Ob die Verbindung mit Esperanto auch einer Recherche entspringt oder Zufall ist, sei dahingestellt.

Andererseits zeigen die Anarchist:innen in diesem Buch (und ich gehe davon aus, dass sie spezifisch Anarchist:innen sein sollen, weil sie sich auf einen fiktiven anarchistischen Denker beziehen, das Wort im Vergleich mit ihnen fällt und sie, ganz dem Klischee entsprechend, Bomben legen) Merkmale, die sich so gar nicht mit anarchistischen Denkweisen in Einklang bringen lassen: Sie haben einen Anführer und auch sonst kein großes Problem mit Hierarchien, sie hoffen, die Welt durch wahllose Attentate, die vor allem „normale“ Menschen treffen, zu verbessern, und sie glauben von sich, die objektive Wahrheit gefunden zu haben und sie nun allen Anderen aufzwingen zu müssen.

Darauf erstmal ein Zitat von Malatesta, einem angesehenen (Achtung…!) Anarchisten: „Was uns als Anarchisten jedoch auszeichnet und von allen anderen unterscheidet, ist, dass wir uns nicht im Besitz einer absoluten Wahrheit wähnen; wir halten uns für weder unfehlbar noch allwissend.“

Tatsächlich strebt der Anarchismus danach, eine Gesellschaft zu erschaffen, in dem keine Person einer anderen ihre Wahrheit aufzwingen kann, eben weil niemensch die Wahrheit eines Menschen besser kennen kann als er selbst. Dementsprechend genervt war ich davon, dass die Tatsache, dass keine Person die objektive Wahrheit kennt, als OWENs große Erkenntnis dargestellt wird und nicht als etwas, das eignetlich aus den Prinzipien des Anarchismus folgen sollte.

Unterhalten hat mich das Buch aber auf jeden Fall und das Schicksal der Charaktere ging mir auch nahe. Es wäre nur schade, wenn es die Vorteile, die viele Menschen über den Anarchismus haben, verfestigt,

Oktober 15

Cyborg Me von Peter Nathschläger

Max ist ein Müllmann, der die Leichen von sogenannten „Torture Dolls“, Klonen, die zum Vergnügen zu Tode gefoltert werden, entsorgt. Sein Leben nimmt eine schicksalhafte Wendung, als er den Cyborg Samson trifft, der seine Menschlichkeit nicht aufgeben will.

Die beiden Protagonisten sind faszinierende Figuren, die vor allem durch ihr Zusammenspiel überzeugen. Immer wieder überraschen sie mit neuen Facetten und humorvollen, aber geistreichen Dialogen.

Trotzdem wünscht mensch sich, sie besser kennenzulernen, was aufgrund des Formats der Novelle leider nicht wirklich passiert. Ihre Beziehung scheint zu schnell voranzuschreiten und manche ihrer Entscheidungen sind nicht ganz fassbar, weil die Charaktere einem noch nicht gut bekannt sind.

Die Welt ist düster und es werden immer wieder Details erwähnt, die sie weiter ausbauen und neue Seiten von ihr enthüllen. Dadurch bleibt die Handlung immer interessant und unvorhersehbar. Vor allem die Art, wie Cyborgs funktionieren und wie das die Gesellschaft verändert hat, hat mich fasziniert.

Insgesamt stehe ich dem Buch mit gemischten Gefühlen gegenüber. Es hat definitiv sehr interessante Ansätze und Beschreibungen, die unter die Haut gehen, allerdings werden alle Handlungspunkte schnell abgearbeitet und gehen einem deshalb nicht so nahe, wie sie könnten.