Juli 11

Riot, don’t diet! von Elisabeth Lechner

In „Riot, don’t diet!“ spricht Elisabeth Lechner mit AktivistInnen, die darüber aufklären, wie sie von der Gesellschaft bewertet werden, weil sie dick, Schwarz, haarig, queer, behindert und / oder alt sind, und wie sie sich gegen Vorurteile zur Wehr setzen und lernen, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben.

Mir ist direkt positiv aufgefallen, wie gut hier die Mischung aus harten Fakten und den individuellen Erlebnissen der Betroffenen gelungen ist. Es wird nicht mit wissenschaftlichen Erklärungen und Fachbegriffen gegeizt, diese werden jedoch alle auch für „Neueinsteiger“ in das Thema verständlich erklärt.

Insgesamt gibt es hier eine ungewöhnliche Fülle von verschiedenen Perspektiven und es werden zahlreiche Probleme angesprochen, von Colorismus bis zu der Tatsache, dass Menschen aufgrund ihrer Behinderung der Wert abgesprochen wird.

Dabei wird häufig der Kapitalismus kritisiert, weil vor allem die Schönheitsindustrie vom Selbsthass und der daraus folgenden ständigen „Selbstoptimierung“ der Menschen profitiert. Aber auch Ansätze wie die „Body Positivity“ werden nicht einfach unkritisch hingenommen, sondern fair beurteilt und auf ihre Schwächen untersucht.

Insgesamt hat mich das Buch mit seiner Vielzahl an InterviewpartnerInnen, die allesamt tiefgründige und lesenswerte Ideen zu teilen hatten, von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt und ich kann es jedem empfehlen, der einen Einstieg in feministische Literatur sucht – Aber auch Menschen, die sich schon mehr in die Materie eingearbeitet haben, können hier noch etwas lernen.

April 11

What Are You Doing Here? von Laina Dawes

In „What are you doing here?“ beschreiben Laina Dawes und zahlreiche andere Schwarze Frauen ihre Erfahrungen in den Metal-, Punk- und Hardcore-Szenen und die Reaktionen auf ihre Musikbegeisterung.

Mit zahlreichen Anekdoten, die durch ihre Anhäufung systematische Hintergründe erkennen lassen, führt sie uns vor Augen, dass auch Szenen, die sich selbst als progressiv beschreiben würden, noch weit von diesem Ziel entfernt sind.

Es ist ein sehr persönliches Buch, das mir definitiv eine neue Perspektive nähergebracht hat. Zum Beispiel ist mir vorher nie bewusst gewesen, welcher Druck auf Schwarzen Menschen lastet, bei „ihren“ Musikgenres und „ihrer“ traditionellen Lebensweise zu bleiben.

Trotz des schwierigen Themas ist das Buch locker geschrieben. Es wird nicht mit Fachbegriffen um sich geworfen, stattdessen wird die Sichtweise der Autorin und der zahlreichen Frauen, die sie teilen, ehrlich rübergebracht, ohne dass sie ein Blatt vor den Mund nimmt.

Jedem, der sich für eines der oben genannten Musikgenres interessiert und entweder eine Perspektive auf die Szenen erlangen möchte, die er nie selbst erfahren hat, oder seine eigenen Erlebnisse validiert sehen möchte, kann ich dieses Buch nur empfehlen.

Januar 14

Choosing Death: Die unglaubliche Geschichte von Death Metal und Grindcore geht weiter… von Albert Mudrian

Die überarbeitete Fassung von „Choosing Death“ beschreibt die Geschichte und Entwicklung der Genres Death Metal und Grindcore, wobei verschiedene Musiker und Label-Mitarbeiter, vor allem von Earache Records, zu Wort kommen und ihre Motivationen und Erfahrungen beschreiben.

Was mich vor allem beeindruckt hat, ist, wie akribisch der Autor bei seiner Recherche vorgegangen ist. Die erwähnte Zeitspanne erstreckt sich von den Anfängen in den 1980ern bis in die 2010er, wobei jede nennenswerte Band erwähnt wird, selbst wenn ihr zu der Zeit kein kommerzieller Erfolg beschert gewesen ist.

Einerseits ist es schön, einen kompletten Überblick zu bekommen, andererseits kann die schier endlose Auflistung der Besetzungswechsel verschiedener Bands und der Motivation, diese Art von Musik zu machen, die in den meisten Fällen einfach „Wir wollten schneller und härter als alle Bands vor uns sein“ lautet, beim Lesen ermüdend sein.

Auch hätte ich mir mehr Informationen über die politischen Hintergründe der Musik gewünscht, die für mich als großer Grindcore-Fan eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Insgesamt liefert das Buch allerdings spannende Einblicke. Vor allem, welche Bandmitgliedern mit welchen anderen bekannt waren und wer sich wie beeinflusst hat, hat bei mir für einige Überraschungen gesorgt.

Oktober 27

Keiner hat Störtebeker umgebracht von Kurt Gerdau

In zahlreichen kurzen Kapiteln greift Kurt Gerdau bekannte Legenden der Seefahrtsgeschichte auf, erzählt sie nach und untersucht sie auf ihren Wahrheitsgehalt.

Verwirrend ist dabei manchmal, dass nicht wirklich konsequent klargestellt wird, was auf Fakten basiert und was nur eine Wiedergabe von den bekannteren Irrtümern ist.

Teilweise ist auch der Schreibstil anstrengend zu lesen, weil einige Kapitel lange Auflistungen von Ereignissen beinhalten, die zur finalen Legende beigetragen haben. Trotzdem hat sich der Autor Mühe gegeben, das ab und zu durch Humor aufzulockern.

Die Geschichten, die aufgegriffen werden, sind durchweg interessant und decken eine Spannbreite von Piraterie im 15. Jahrhundert bis zu Meutereien im zweiten Weltkrieg ab, sodass man das Gefühl bekommt, eine gute Auswahl geboten zu bekommen.