November 13

Beauty and the West Chamber 1 von Ruoyejun und Winslow

Chen Qiming, eigentlich ein talentierter Sänger der Pekingoper, traut sich seit einem katastrophalen Auftritt vor einem Jahr nicht mehr auf die Bühne. Als sein Meister ihn mit einem Trick doch zum Auftritt bewegt, sitzt ausgerechnet der Offizier Yan Ci im Publikum, mit dem Chen Qiming eine dramatische Vergangenheit verbindet. Und natürlich lässt er es sich nicht nehmen, ihn danach zum Essen einzuladen.

Die Welten der Pekingopern und der Politik überschneiden sich – zwei Welten, die für ihre Intrigen bekannt sind. Dementsprechend gibt es viele Geheimnisse und geschmiedete Ränke, die sich aus zwischenmenschlichen Dramen und Machtspielchen ergeben. Egal, ob es dabei um den Erfolg einer Operntruppe oder um weitreichendere Dinge wie die Leben von Menschen geht, es bleibt immer spannend.

Mir haben auch die Figuren gut gefallen. Der Protagonist Chen Qiming ist sympathisch, sein Gegenpart Yan Ci hingegen mysteriös, ohne dadurch zu ernst zu werden. Aber auch Nebenfiguren wie die übergelaufene Sängerin Xia Zhiqiu oder der Sänger Yao Qingshan, der als Kind an die Chunyang-Truppe verkauft worden ist und dessen Herz eigentlich gar nicht für die Oper brennt, haben Tiefgang und sind samt ihrer Fehler sympathisch.

Was diesen Manhua so besonders macht, sind die skizzenhaften und doch detailreichen Zeichnungen. Sie stechen mit ihrer Farbwahl hervor, die die Zeichnungen farbenfroh und lebendig wirken lässt. Interessanterweise sind einige Hintergründe nicht komplett gezeichnet, sondern Fotos, in die die Figuren und einige Requisiten hineingesetzt worden sind, was für interessante Effekte sorgt. Auch passt sich der Zeichenstil für einige Gags an, zum Beispiel in einer Makeover-Szene, die an Disneys Mulan erinnert.

Alles in allem hat mir der erste Band der Reihe gut gefallen. Es sind einige Konfliktfelder geöffnet worden, Mysterien wurden angedeutet und haben sich verdichtet. Und auch wenn Vieles aus der Vergangenheit der Figuren enthüllt worden ist, wissen wir immer noch nicht, was an dem schicksalsträchtigen Tag wirklich zwischen den Familien von Chen Qiming und Yan Ci passiert ist, sodass ich umso gespannter auf den zweiten Teil bin.

November 6

Willkommen in der Hölle von J. Tomala

Der zweite Teil der Höllenblumen-Reihe folgt Zeno, der seinem eigenen Wunsch nach in die Hölle kommt und dort die Ausbildung zur Kadaverblume beginnt. Doch obwohl die Hölle ganz anders ist, als es die menschliche Vorstellungskraft erscheinen lässt, lauern noch mehr Geheimnisse hinter der hübschen Fassade, als er anfangs ahnen kann.

Diese Geschichte ist auch wegen ihres Settings faszinierend. Hier gibt es keine Lavahöhlen, in denen Menschen gefoltert werden, die gesündigt haben, und auch sonst hat die hier beschriebene Hölle nichts mit den üblichen Vorstellungen gemein. Stattdessen erinnert sie mehr an eine gehobene Gesellschaft, die allerdings andere Konventionen als die der Menschen hat.

Zeno selbst stellt eine interessante Figur dar. Mit seiner grauenhaften Vergangenheit in der Menschenwelt hat er noch nicht so abgeschlossen, wie er gedacht hatte, gleichzeitig muss er sich in dieser so neuen Umgebung zurechtfinden und faszinierende Persönlichkeiten wie Lord Lotem oder Herzog Aparis kennenlernen.

Mir hat auch die Geschichte hinter dem Waldgeblüt, den mysteriösen, tierähnlichen Wesen, die Jagd auf Dämonen machen, gefallen. An dieser Stelle will ich aber nicht zu viel verraten, um die Spannung nicht zu nehmen.

Was auch noch im Vergleich zum ersten Teil auffällt, ist, dass es weitaus weniger Sexszenen gibt. Das passt gut zur Story, da es hier nicht vorrangig um die Beziehung zwischen zwei Personen geht. Dafür wurden sie wieder mit einiger Kreativität gestaltet.

Oktober 5

Kadaverblume von J. Tomala

Als der Dämon Cornelius sich in den Knochen von Zeno, der als Kind ermordet worden ist, einnistet, ist ihm noch nicht klar, was das für ihn bedeuten wird: Die Bekanntschaft mit Zenos altem Freund Patrick, aber auch mit denjenigen, die ihn einst ermordet haben – und einen rachsüchtigen Geist im Schlepptau…

Was mich bei der Geschichte direkt angesprochen hat, ist das ungewöhnliche Setting. Hier werden Dämonen so ganz anders dargestellt als in vielen anderen Geschichten, und nicht nur Cornelius‘ Fähigkeit, mit Pflanzen zu sprechen, macht das Buch besonders, sondern auch die Liebesgeschichte, die sich trotz seiner unmenschlichen Züge aufspannt.

Die Dynamik des Paares Patrick und Cornelius hat mir alleine auch schon gefallen, weil die beiden ihre eigenen Macken haben und wie füreinander geschaffen sind. Durch Zenos „Anwesenheit“ als Geist, den nur Cornelius hören kann, bekommt die ganze Situation noch zusätzliche Spannung.

Es gibt von meiner Seite aus nur einen Kritikpunkt: Die Ermittlungsarbeiten, die Cornelius überhaupt erst auf die Fährte von Zenos Mördern bringen, werden häufig zu schnell übergangen. Neue Erkenntnisse werden im Off ermittelt und wir bekommen nicht das Vergnügen, uns selbst Schritt für Schritt der Lösung zu nähern, sondern werden vor vollendete Tatsachen gestellt.

Ich hätte also mehr Detektivarbeit erwartet, was ich bekommen habe, ist ein extrem ungewöhnlicher, erotischer Liebesroman mit einem Paar, das wegen ihrer Eigenheiten in eigentlich keinem anderen Buch dieser Art vorkommen könnte. Wem diese Beschreibung gefällt, der sollte Kadaverblume auf jeden Fall eine Chance geben.

März 23

Vaudrec: Herzen auf verlorenem Posten von Tharah Meester

Als Jackie beschließt, seine Freundschaft zu dem reservierten Fotografen John Vaudrec de Lille auszubauen und ihn zum gemeinsamen Treffen des Bekanntenkreises einlädt, trifft er zum zweiten Mal auf Dirigenten Dante de Medici. Und dieses Mal fliegen die Funken auf andere Weise als bei ihrem ersten Treffen…

Wenn zwei Sturköpfe wie diese beiden aneinandergeraten, ist Ärger vorprogrammiert. Doch aus den lustigen Neckereien, die einem beim Lesen ein ständiges Schmunzeln auf die Lippen treiben, wird schnell mehr und wir können die Entwicklung ihrer Beziehung, die trotz der anfänglichen Animositäten nicht übertrieben wirkt, Stück für Stück mitverfolgen.

Nicht nur die entwickelt sich jedoch, auch die Figuren selbst machen einige Veränderungen durch. Es ist schön, zu lesen, wie der verschlossene John langsam, aber sicher sein Herz öffnet und längst verdrängt geglaubte Emotionen an die Oberfläche lässt. Die eine oder andere Träne bleibt sowohl den Charakteren, als auch den Leser:innen dabei nicht erspart.

Besonders gut gelungen finde ich in diesem Band, wie auch der ganzen Reihe, dass die Missverständnisse zwischen den Protagonisten so realistisch sind. Es ist immer gut nachvollziehbar, wie sie zustande kommen und nie wirkt es so, als wären sie irgendwie in die Geschichte gezwungen worden, um die Handlung voranzutreiben.

Was mir auch wieder gut gefallen hat, ist, wie die Beziehungen und Treffen zwischen den Freund:innen, die wir schon seit einigen Bänden begleiten dürfen, dargestellt werden. Ihre humorvollen Kommentare und Spitzen gegeneinander sind immer köstlich zu lesen und mensch bekommt das Gefühl, selbst in diesen Kreis integriert zu werden.

Juni 26

Escoffier: Dem Schuft verfallen von Tharah Meester

Nachdem Jackie nach einem Streit verletzt die Stadt verlassen hat, reist Bertie ihm sofort hinterher. Obwohl er es schafft, ihn ausfindig zu machen, verläuft ihre Wiedervereinigung alles andere als einfach und harmonisch. Hat ihre Liebe trotz der widrigen Umstände eine Chance?

Im mittlerweile dritten Band um die beiden Herren findet ihre Geschichte, die einer wahren Achterbahnfahrt der Gefühle gleicht, ihren wohlverdienten Abschluss. Und auch hier wird wieder abwechselnd gegrinst und geschluchzt.

Obwohl wir bereits so viel Zeit mit den beiden Protagonisten verbracht haben, überraschen sie auch hier wieder mit neuen Seiten von sich. Mensch merkt, dass viel Zeit und Liebe in die Ausarbeitung ihrer Charaktere geflossen ist und ihre widerspenstigen Persönlichkeiten sorgen für echte Spannung.

Aber nicht nur untereinander kracht’s, auch andere altbekannte Figuren schmieden Ränke und bringen die beiden in eine Gefahr, die nur mit der Hilfe ihrer Freunde und Bekannte gebannt werden könnte. Vor allem hat mich gefreut, dass Liam und Galen hier wieder positiver wegkommen und beweisen, dass es in dieser Reihe keine eindimensionalen Charaktere gibt.

Dieser Band hat wirklich alle offenen Wünsche erfüllt und auch wieder nicht mit bezaubernden Settings und Beschreibungen von Umgebung und Essen gespart, die einen auch abseits von der Liebesgeschichten zum Träumen bringen.

Oktober 7

Colfax: Der Pflicht unterworfen von Tharah Meester

Während Dante eingesehen hat, dass Berties Herz schon längst einem Anderen gehört, wird die erzwungene Distanz zwischen Bertie und Jackie für die beiden immer unerträglicher. Werden sie sich den Regeln der Gesellschaft widersetzen und einander ihre Gefühle gestehen?

Wie schon bei den vorherigen Bänden stellen die Figuren und ihre Entwicklung hier das Highlight dar. Es ist spannend, in die komplexen Gefühlswelten des titelgebenden Bertie einzutauchen, wobei mensch das Gefühl bekommt, dass wirklich jedes Detail seines Charakters sorgsam und realistisch zu Papier gebracht wurde, auch wenn es manchmal dazu führt, dass mensch ihn einfach mal gut durchschütteln will, damit er sich weniger wie ein Idiot benimmt.

Außerdem werden hier weitere Details über Jackies Vergangenheit enthüllt, die ihn noch sympathischer und seine Handlungen verständlicher machen. Dazu trägt auch bei, dass wir Galen einmal von einer ganz anderen Seite erleben.

Es ist erstaunlich, wie es die Autorin schafft, Emotionen hervorzurufen, indem sie die Höhen und Tiefen dieser turbulenten Beziehung beschreibt. Mal sind ihre Interaktionen romantisch, mal tieftraurig, aber immer lesenswert.

Ich kann nur Eines verraten: Noch nie war ich so erleichtert, nach dem letzten Kapitel „Nicht das Ende…“ lesen zu dürfen! Die Jungs halten scheinbar die Autorin und die LeserInnen gleichermaßen auf Trab und ich freue mich, dass sie es noch mindestens ein Mal tun dürfen.

Februar 1

St. Sycamore: Eine schicksalhafte Ehe von Tharah Meester

Der zweiten Band der Reihe verfolgt die Schicksale von Albertien Colfax, einem zu Unrecht verurteilten Schriftsteller, der gerade aus dem Gefängnis kommt, und Dante de Medici, einem allseits respektieren Dirigenten, die sich verflechten, als die beiden gezwungen werden, zu heiraten.

Obwohl die Handlung an sich unabhängig vom ersten Band ist, kommen einige Figuren vor, die dort zuerst aufgetaucht sind. Vor allem einer der Charaktere wird hier tiefer beleuchtet und von einer ganz anderen Seite vorgestellt, was mich positiv überrascht hat.

Aber auch die Figuren, die hier zum ersten Mal vorkommen, können sich sehen lassen. Sie handeln allesamt sehr menschlich, machen Fehler und lassen sich von ihren Gefühlen hinreißen. Das macht den Plot spannend und unvorhersehbar und ermöglicht es einem, sich in sie hineinzuversetzen und vor allem mit ihnen mitzuleiden.

Die Beziehungen der Charaktere sind jedoch nicht das Einzige, das hier Konfliktpotential hat. Jeder Charakter hat auch einen Kampf mit sich selbst und seiner eigenen Vergangenheit auszutragen, was sie noch realistischer macht.

Besonders die Dialoge in diesem Band haben es mir angetan. Was sich die Figuren im Streit gegenseitig an den Kopf werfen, welche Geständnisse sie einander machen und was zwischen ihnen unausgesprochen bleibt, haucht der Geschichte erst wirklich das Leben ein.

Januar 28

St. Garner: Eine undenkbare Affaire von Tharah Meester

Als ausgerechnet der strenge Colonel Galen Sinclair Liam Young, seines Zeichens Pläsierer, aufsucht, um von ihm Hilfe bei der Lösung eines prekären Problems zu erbitten, verändert sich das Leben der beiden auf ungeahnte Weisen.

Die Protagonisten sind trotz ihrer verschiedenen Arten beide von Anfang an sympathisch. Die Geschichte wird aus beiden Perspektiven erzählt, sodass man Einblicke in ihre Gedankenwelten und damit auch ihre Sorgen und Emotionen bekommt. Dadurch wirken sie umso realistischer und vor allem menschlicher.

Schön finde ich auch, wie mit ihren Stärken und Schwächen umgegangen wird. Auch wenn man sie wegen mancher Missverständnisse am liebsten durch die Seiten hindurch anschreien würde, kann man doch immer nachvollziehen, wie es dazu gekommen ist. Dadurch wird auch gut verdeutlicht, wie sich ihre Beziehung entwickelt und sie lernen, einander zu vertrauen.

Auch die Nebenfiguren sind interessant. Man bekommt das Gefühl, dass sie alle eigene Persönlichkeiten und Motivationen haben und mehr sind als nur Staffage für die Geschichte der Hauptcharaktere.

Setting und Handlung haben mich ebenfalls überzeugt. Es wird ein lebensnahes Bild von Venice und Zeit, zu der das Buch spielt, herübergebracht und dieser Schauplatz wird mit einem Plot gefüllt, der die eine oder andere Wendung vollzieht und mich immer wieder positiv überrascht hat.