Januar 1

Kallistos Erbe von Ryan Rockwell

Als Carl unter gefälschten Personalien auf den Jupiter-Mond Kallisto reist, um den angeblichen Selbstmord seiner Schwester aufzuklären, ahnt er noch nicht, wie weit sein Schicksal mit dem der Station verwoben ist. Und auch die Zukunft der weit entfernten Erde steht auf dem Spiel…

Am Anfang ist mensch als Leser:in genauso orientierungslos wie Carl, der sich in einem komplett neuen Leben zurechtfinden muss und nicht wirklich weiß, wie er mit seiner Suche anfangen soll. Doch die Vermischung aus der persönlichen Suche nach seiner Schwester und den mysteriösen Todesfällen, mit denen er aufgrund seines Jobs als Sicherheitstechniker konfrontiert wird, gibt bald die Richtung vor und wir werden immer tiefer in die Geheimnisse der Station gezogen.

Es ist auch lange nicht klar, wer Freund oder Feind ist und wem Carl seine eigentliche Motivation anvertrauen kann, was es noch spannender macht. Und bald arbeiten die Systeme und systemhörigen Menschen der Station gegen sie und sie müssen ihr Ziel in einer spannenden Hetzjagd gegen die Zeit erreichen.

Vor allem Berenice, Carls Chefin, ist eine interessante Figur, die wir im Verlauf der Geschichte besser kennenlernen. Ich hätte gerne noch mehr über sie und ihre bewegte Vergangenheit, auf die ab und zu angespielt wird, erfahren, doch damit muss ich wohl auf die angeteaserte Fortsetzung warten.

Die Geschichte steht aber auch für sich und bietet eine atemberaubende Mischung aus Thriller und Science Fiction, was sich in dem spannenden Fall, den es zu lösen gilt, und der lebensfeindlichen Atmosphäre des Eismond Kallisto und den detailliert beschriebenen Stationen niederschlägt.

September 3

Lost Project Trilogie von Robert Rittermann

Weil der Gringer-Asteroid, der einst von dem Asteroiden, der die Dinosaurier ausgelöscht hatte, auf seine Laufbahn gebracht wurde, große Teile der Menschheit auslöschen wird, reist ein Team von erprobten Expert:innen weit in die Vergangenheit, um die Katastrophe aufzuhalten. Und Teenager Tom steckt durch einen Zufall mittendrin.

Die Idee, Dinosaurier in der Umgebung, in der sie heimisch sind, gegen Menschen antreten zu lassen, hat mir gut gefallen. Vor allem die Vielfalt der urzeitlichen Tiere und die überraschenden Situationen, in die das Team immer wieder katapultiert wird, haben für Spannung gesorgt.

Und nicht nur die Saurier, auch die Umgebung und erste Asteroiden-Einschläge, die schon einmal einen Vorgeschmack auf die kommende Apokalypse geben, machen den Menschen das Leben schwer und den Leser:innen Freude.

Schön ist auch, dass die Figuren zwar jederzeit in Lebensgefahr schweben, sie aber auch nicht wie die Fliegen sterben, sodass bis zum Ende richtig spannend bleibt, wer von ihnen diese Mission überleben wird und wer nicht.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass Tom an einigen Stellen für seine Situation zu kompetent wirkt und der Eindruck entsteht, dass er als Protagonist eine kleine Sonderrolle bekommen hat. Andererseits wird sein Wissen auf den Gebiet auch begründet und in den meisten Situationen wirken seine Fähigkeiten absolut realistisch.

Mai 24

Neobiota: Metapopulation von Ryan Rockwell

Paz und Ellis kommen vom Regen in die Traufe: Gerade sind sie noch froh, den Horror des vom Pathogen überrannten Raumschiffs hinter sich gelassen zu haben, da versagen die Systeme ihres Schiffs und ihre einzige Rettung ist es, die Gilbert-Station anzufliegen, von der sie einen beunruhigenden Funkspruch erhalten haben.

Auch der dritte Band der Reihe hat es wieder geschafft, mich zu begeistern. Die Protagonist:innen bekommen kaum Atempausen und taumeln von einer Gefahr in die nächste. Perfekt gelöst ist dabei, wie es immer einen Strohhalm gibt, an den sie sich verzweifelt klammern können, um ihre waghalsige Flucht umzusetzen.

Die Reaktionen der verschiedenen Figuren auf die Ausnahmesituationen sind realistisch beschrieben. Diese Welt besteht nicht aus eiskalten Held:innen, die täglich gegen Alien-Zombies kämpfen, sondern aus normalen Menschen, die mehr oder weniger gut damit umgehen können.

Paz stellt sich wieder einmal als die perfekte Protagonistin für diese Reihe heraus und mensch bemerkt, wie sie sich über die Bände hinweg entwickelt und von einer komplett überforderten Gravitationstechnikerin zu einer abgehärteteren Überlebenskünstlerin wird.

Obwohl das Hauptsetting und die Gefahr durch das Pathogen über alle drei Bände hinweg gleich bleiben, wird es nicht langweilig – Alleine dadurch, dass ständig neue Informationen über das Pathogen ans Licht kommen, aber auch durch die verschiedenen menschlichen Antagonist:innen und die Situationen, die durch den Überlebenskampf im Weltraum entstehen.