Januar 23

CharakterCards von Ingrid Werner

In diesem Schreib-Ratgeber werden „CharakterCards“ vorgestellt, durch die man die Motivationen und Hintergründe seiner Figuren besser entwickeln und verstehen kann. Dazu wird zuerst erklärt, wozu das Ganze gut ist, dann, wie man handwerklich vorgeht und schließlich, wie man die Karten „befragt.“

Mir hat besonders gefallen, dass es darum geht, seine Kreativität abseits vom Bildschirm zu entfachen und zwar sorgfältig vorzugehen, aber eher auf Intuition als auf Perfektion Wert zu legen, um Unentdecktes an die Oberfläche zu holen. Es gibt bei dieser Methode kein richtig oder falsch, was sie direkt sympathisch macht.

Die Methode wird kurz und verständlich vorgestellt und inspiriert einen dazu, gleich selbst loszulegen. Danach gibt es einige Beispiele von CharakterCards, die von Workshop-Teilnehmer erstellt worden sind. Es ist wirklich faszinierend, zu sehen, wie verschiedene Menschen mit der Aufgabe umgehen und was ihre eigenen Figuren ihnen noch Neues erzählen können, sodass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Ich hätte mir nur ein paar mehr Beispiele von CharakterCards, die die Autorin selbst erstellt hat, und was sie dadurch erfahren hat, gewünscht. Wobei nicht zu leugnen ist, dass es seinen Reiz hat, die Collagen selbst zu interpretieren.

Alles in allem kann ich das Buch jedem empfehlen, der seine Figuren mit einer intuitiven Methode kennenlernen möchte oder zu viele unzerschnittene Magazine bei sich herumliegen hat.

August 27

Populismus leicht gemacht von Ralf Grabuschnig

Als Möchtegern-Diktator auf dem Weg zur Alleinherrschaft hat man es gar nicht so leicht, aber zum Glück gibt es diesen praktischen Ratgeber, damit man aus den Erfolgen und Fehlern berühmter und meistens europäischer Diktatoren der Vergangenheit und Gegenwart lernen kann.

In 13 Kapiteln wird jeweils eine Methode, mit der Diktatoren an die Macht kommen oder diese halten können, auf humorvolle Art und Weise dargelegt, garniert mit teilweise ziemlich überraschenden Beispielen aus der Geschichte. Auch, wer denkt, er hätte alles über die Werdegänge Hitlers oder Stalins gehört, wird hier sicherlich noch Einiges dazulernen.

Das Buch bietet aber nicht nur Einblicke in die Geschichte, bei denen die Vorgehensweise dieser Diktatoren und die damaligen Stimmungen im Volk, die ihren Aufstieg möglich gemacht haben, analysiert werden, sondern verweist auch auf ähnliche Strömungen, die in heutigen Zeiten beobachtbar sind.

Sowieso schwankt man während des Lesens zwischen Belustigung und Erschrecken, wenn man eine der humorvoll beschriebenen Taktiken wiedererkennt, sodass „Populismus leicht gemacht“ einerseits als lehrreiche und stellenweise lustige Geschichtsstunde fungiert, andererseits als Warnung, auf ebendiese Anzeichen zu achten.

Wer sich für Geschichte und Politik interessiert oder einfach nur die Taktiken von Populisten kennenlernen möchte, um sie im Alltag durchschauen zu können, ist mit diesem Buch sicherlich gut beraten.

August 16

Ängste verstehen von Isabel Schroth

Der Ratgeber „Ängste verstehen“ gibt zuerst einen Überblick über verschiedene Arten von Angststörungen, was sie auslöst und wie sich diese für Betroffene äußern. Außerdem zeigt er verschiedene Therapiemethoden für Betroffene, aber auch Angehörige, zum Beispiel Eltern oder Partner, und Freunde auf und gibt Tipps dafür, sich als Angehöriger auch Zeit für sich zu nehmen und sein eigenes Leben nicht zu vernachlässigen.

Als Überblick für Personen, die sich mit Angststörungen bisher nicht auskennen und wissen wollen, wie man mit ihnen umgehen kann, ist dieser Ratgeber sicherlich sinnvoll. Vor allem der Aspekt, wie man als Angehöriger mit Betroffenen, aber auch seinen eigenen Ängsten diesbezüglich, umgehen kann, kommt häufig zu kurz und wird hier ausführlich behandelt.

Es gibt auch durchaus kritische Blicke auf Behandlungsmethoden, vor allem medikamentöse. Theoretisch ist es natürlich wichtig, alles zu hinterfragen, vor allem, wenn es um die Gesundheit geht, aber die negative Beschreibung von zum Beispiel Antidepressiva hinterlässt bei mir einen eher bitteren Nachgeschmack, weil vor allem im dritten Teil des Buchs extrem ausführlich auf ätherische Öle und Globuli eingegangen wird.

Man bekommt dadurch nicht das Gefühl, dass hier sachlich informiert werden soll, sondern dank der zahlreichen Rezepte für Ölmischungen und Angaben von Globulimengen, die helfen sollen, eher den Eindruck, dass die Autorin eine Agenda verfolgt.

Insgesamt lässt mich dieser Ratgeber mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits bietet er einen guten ersten Überblick und geht gefühlvoll und mit Verständnis auf dieses schwierige Thema ein, andererseits wirkt er im letzten Kapitel eher wie ein Werbeflyer für Homöopathie.