Oktober 5

Kadaverblume von J. Tomala

Als der Dämon Cornelius sich in den Knochen von Zeno, der als Kind ermordet worden ist, einnistet, ist ihm noch nicht klar, was das für ihn bedeuten wird: Die Bekanntschaft mit Zenos altem Freund Patrick, aber auch mit denjenigen, die ihn einst ermordet haben – und einen rachsüchtigen Geist im Schlepptau…

Was mich bei der Geschichte direkt angesprochen hat, ist das ungewöhnliche Setting. Hier werden Dämonen so ganz anders dargestellt als in vielen anderen Geschichten, und nicht nur Cornelius‘ Fähigkeit, mit Pflanzen zu sprechen, macht das Buch besonders, sondern auch die Liebesgeschichte, die sich trotz seiner unmenschlichen Züge aufspannt.

Die Dynamik des Paares Patrick und Cornelius hat mir alleine auch schon gefallen, weil die beiden ihre eigenen Macken haben und wie füreinander geschaffen sind. Durch Zenos „Anwesenheit“ als Geist, den nur Cornelius hören kann, bekommt die ganze Situation noch zusätzliche Spannung.

Es gibt von meiner Seite aus nur einen Kritikpunkt: Die Ermittlungsarbeiten, die Cornelius überhaupt erst auf die Fährte von Zenos Mördern bringen, werden häufig zu schnell übergangen. Neue Erkenntnisse werden im Off ermittelt und wir bekommen nicht das Vergnügen, uns selbst Schritt für Schritt der Lösung zu nähern, sondern werden vor vollendete Tatsachen gestellt.

Ich hätte also mehr Detektivarbeit erwartet, was ich bekommen habe, ist ein extrem ungewöhnlicher, erotischer Liebesroman mit einem Paar, das wegen ihrer Eigenheiten in eigentlich keinem anderen Buch dieser Art vorkommen könnte. Wem diese Beschreibung gefällt, der sollte Kadaverblume auf jeden Fall eine Chance geben.

Juni 8

Moonlight City Drive 3: The City Is Alive Tonight von Brian Paone

Nachdem Melissa von zuhause abgehauen ist, stellt Anya sie auf die Probe: Sie soll den Kult vergrößern, indem sie weitere Frauen umbringt. Noch dazu hat die Hexe eine neue Auserwählte gefunden, mit deren Opfer sie endlich Unsterblichkeit erlangen will.

Dieser Band fokussiert sich mehr auf die Figuren als auf übernatürliche Ereignisse. Das sorgt dafür, dass einige Charaktere überraschende Seiten von sich zeigen können, andererseits geht so auch etwas von der mysteriösen Stimmung verloren, die die anderen Bücher geboten hatten.

Außerdem wirkt Melissas Entscheidungsfindung hier sehr unrealistisch, weil ihre Meinung so sprunghaft ist. Ihre Zweifel an Anya wirken nicht stark genug, um den plötzlichen Seitenwechsel zu rechtfertigen, sodass es so wirkt, als hätte sie ihn nur aus Eigennutz vollzogen und nicht, weil sie ihrem Herzen folgt.

Was mir hingegen richtig gut gefallen hat, ist die Verwendung des Vertigo Motel als Jenseits. Dadurch konnte die Stimmung der beiden Vorgänger wieder etwas zurückgebracht werden. Auch die Schicksale der Charaktere sind treffend gewählt.

Insgesamt hat mir dieser Band nicht ganz so gut gefallen wie die anderen, er stellt aber durchaus einen guten Abschluss der Geschichte dar und sollte gelesen werden, um zu erfahren, wie sie ausgeht.

Mai 4

Life is Strange – Wellen von Emma Vieceli und Claudia Leonardi

Obwohl sie nun schon seit einiger Zeit in dieser neuen Realität lebt, fühlt sich Max immer noch nicht heimisch. Dann trifft sie jedoch auf einen mysteriösen Fremden, der ihre besondere Lage zu verstehen scheint.

Zuallererst habe ich mich darüber gefreut, dass wir hier mehr von Rachel sehen, die wir ja bisher nur in Before the Storm erleben durften. Sie ist ein interessanter Charakter und mir gefällt die Beziehung zwischen Chloe und ihr – Vor allem, weil sie Max vor eine ganz andere Herausforderung stellt.

Schön ist auch, dass die Mitglieder der Band „High Seas“, die mir schon im ersten Band ans Herz gewachsen sind, wieder auftauchen. Dazu kommt Tristan, der sich ebenfalls perfekt in den Figurenkanon einreiht und über den wir in den nächsten Comics hoffentlich mehr erfahren.

Die Handlung bleibt spannend, auch wenn sie am Anfang dieses Bandes eher auf das Innenleben der Figuren ausgerichtet ist, das nachvollziehbar und dreidimensional dargestellt wird. Gerade, weil die Charaktere auch mit alltäglichen Problemen zu kämpfen haben, kann mensch sich gut in sie hineinversetzen.

Auch der Zeichenstil überzeugt wieder. Die Designs der Charaktere heben sich ein bisschen von denen im Spiel ab, was auch Sinn ergibt, da sie hier einige Jahre älter sind. Doch sie sind ihrem Stil treu geblieben und wiedererkennbar.

April 28

Life is Strange – Staub von Emma Vieceli und Claudia Leonardi

Nachdem Max Arcadia Bay dem Tornado überlassen hat, um Chloe zu retten, leben die beiden gemeinsam in Seattle. Doch sie wird von Visionen anderer Zeitlinien geplagt und die beiden kehren zurück, um dieses Rätsel zu lösen.

Die Handlung knüpft nahtlos an das Spiel an und fügt auch nichts hinzu, was dort nicht auch so hätte stattfinden können. Deswegen habe ich auch nicht das Gefühl, dass der Comic nur eine Fortsetzung um der Fortsetzung willen ist, was auch daran liegt, dass das präsentierte Mysterium interessant ist und den/die LeserIn bei der Stange hält.

Die Charakterisierung der Figuren trifft deren Persönlichkeiten auch punktgenau und es ist schön, zu erfahren, was sie über das Ende des Spiels denken und wie sich ihre Beziehung dadurch entwickelt. Es gibt auch noch andere, altbekannte Gesichter zu treffen, was ältere Fans freuen dürfte.

Auch der Zeichenstil hat mir sehr gut gefallen. Er erinnert mich an Max‘ Tagebuch aus dem Spiel, hat aber auch eine individuelle Seite und passt vor allem gut zur Handlung. Allein wegen der Details im Hintergrund lohnt es sich auch, die Seiten genauer zu betrachten.

Jedem, dem das Spiel gefallen hat und der noch nicht genug von den beiden Protagonistinnen hat, kann ich diesen Comic nur ans Herz legen! Die Gesamtstimmung und das Gefühl eines Geheimnisses, das hinter allem steckt, wurden gekonnt in Comicform umgesetzt.

April 7

Phasenland von Yves Gorat Stommel

Als Jean einer Annonce in der Zeitung folgt, die perfekt auf ihn zugeschnitten scheint, landet er im Freizeitpark „Phasenland“, in dem er 12 Aufgaben bewältigen muss. Doch an diesem Ort ist nichts, wie es scheint, und er versucht, hinter die Kulissen zu blicken und den Sinn des Ganzen zu verstehen.

Was mich zuerst angesprochen hat, ist das Setting. Ich habe schon Bücher gelesen, in denen ProtagonistInnen gezwungen waren, an für sie undurchsichtigen Spielen teilzunehmen, aber nie auf diese Weise. Der Aufbau des Parks, über den ich hier nicht mehr verraten will, ist ausgeklügelt designt und die Aufgaben abwechslungsreich. Dazu kommt, dass sie von Abschnitten unterbrochen werden, in denen Jean die Umgebung auf eigene Faust erkundet und versucht, das Geheimnis des Parks zu lösen.

Auch Jean als Protagonist hat mich beeindruckt. Dadurch, dass er sich ständig selbst reflektiert und zwar gerne der menschlichen Regung der Verleugnung nachgeht, seine eigenen Fehler dann aber auch einsieht und analysiert, wird er zu einem dreidimensionalen Charakter.

Die Nebenfiguren bleiben lange Zeit mysteriös. Es gibt zwar einige, die mehr oder auch weniger sympathisch sind, ihre wahren Absichten erfährt mensch allerdings erst spät. Das führt einerseits dazu, dass sie als ständige potentielle Bedrohung wahrgenommen werden, was die Spannung erhöht, andererseits baut mensch auch keine wirkliche Bindung zu den meisten von ihnen auf.

Ich kann dieses Buch jedem, der sich richtig überraschen lassen will, ans Herz legen. Egal, mit welchen Vorstellungen ihr euch auf diese Reise begebt, ihr werdet schnell feststellen, dass das Phasenland noch weitaus mehr zu bieten hat und einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.

September 30

Meine Werke – Gesamtausgabe von Linda Eicher

Diese Gesamtausgabe der Werke von Linda Eicher sammelt drei Kurzgeschichten, die ich dem Mystery-Genre zuweisen würde, und zahlreiche Gedichte mit den Themen Natur, Emotionen, vor allem Liebe, und Glauben.

Die Kurzgeschichten haben alle eine Art Twist oder ein Mysterium, das gelöst werden muss. Die Ideen, die hinter ihnen stehen, sind allesamt interessant und kreativ. Da die Geschichten ziemlich kurz sind, sind sie auch auf das Beste reduziert.

Das hat allerdings auch dazu geführt, dass die Beschreibungen etwas zu kurz geworden sind, wodurch die allgemeine Atmosphäre teilweise gelitten hat.

Die Gedichte folgen „typischen“ Reimschemata. An manchen Stellen wirkt die Satzstellung dadurch etwas holprig, insgesamt ist es aber beeindruckend, dass sich wirklich so gut wie jedes der Gedichte reimt.

Wie oben angesprochen gehören die angesprochenen Themen alle eher in einen emotionsgeladenen, teilweise auch esoterischen Bereich, weshalb ich sie als Atheist nicht wirklich fair bewerten kann. Wer an ihnen Freude haben möchte, sollte also wahrscheinlich an Gott glauben.

September 29

Inquisitor Nummer Sieben: An den Ufern des Chorena von Armin Moser

„Inquisitor Nummer Sieben“ verfolgt den ersten Auftrag ebendieses Inquisitors, der für den Orden der Magier von Quirilien die mysteriösen Todesfälle in einem abgeschiedenen Tal untersuchen und gleichzeitig mehr über das Verschwinden eines seiner Kollegen herausfinden soll.

Dabei kommt der Protagonist selbst sympathisch herüber. Obwohl er als Inquisitor seine Maske nie abnehmen und keine Vergangenheit haben darf, kämpft er immer wieder mit sich selbst, wenn er sich an vergangene Taten erinnert, die ihn überhaupt erst in diese Lage gebracht haben. Sympathisch macht ihn außerdem seine clevere Art, sich in Kämpfen zu behaupten, auch wenn er als Magier gewisse Schwächen hat.

Seine drei Begleiter, der Wassergeist H2O, die Magierin Kassandra und ihr Schüler Otto, sind ebenfalls nicht wegzudenken. Durch ihre Differenzen ergeben sie ein gutes Team, bei dem jedes Mitglied auf seine eigene Art und Weise zu den Geschehnissen beiträgt.

Die Handlung an sich ist spannend. Die Magie spielt hier eher eine untergeordnete Rolle: Obwohl sich die Hauptcharaktere ihrer bedienen können und die Mysterien einen magischen Ursprung haben, geht es in erster Linie um das Lösen dieses Rätsels, was immer wieder gekonnt durch Action aufgelockert wird.

Die kleinen Hinweise, die nach und nach eingestreut werden, halten den Leser bei der Stange und sorgen außerdem dafür, dass man bis zum Ende nicht weiß, wem man trauen kann und wer doch in die Angelegenheit involviert ist, sodass das Buch bis zur letzten Seite spannend bleibt.

Juli 6

Die Wirklichkeit der Anderen von Robin Kurt

Wenn dieser Roman eines ist, dann schwer zu beschreiben. Trotzdem werde ich versuchen, genau das zu tun.

Zwar wird Kurt anfangs noch mit den Problemen des Alltags konfrontiert, doch schnell wird klar, dass die Welt nicht so logisch erklärbar ist, wie es scheint, als er von einem Schatten aus seiner Vergangenheit eingeholt wird, ohne sich überhaupt an diesen erinnern zu können.

Dieses Mysterium zieht sich durch das ganze Buch, wobei dem Protagonisten und damit auch dem Leser immer wieder kleine Hinweise gegeben werden, die dafür sorgen, dass man das Gefühl hat, der Lösung Stück für Stück immer näher zu kommen und dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann.

Besonders positiv aufgefallen ist mir auch, dass die Gegner größtenteils „unsichtbar“ sind und nur indirekt in Aktion treten, was die Bedrohung durch sie umso mehr verstärkt und einem das Gefühl vermittelt, dass der Protagonist zu jedem Zeitpunkt in Gefahr ist.

Auch die Beschreibungen der beiden Hauptschauplätze, die Ruinenstadt und Berlin, haben mir sehr gut gefallen, ebenso wie Kurts Gedankengänge und Gefühle, durch die ich mich gut in ihn hineinversetzen und mit ihm mitleiden konnte.

Letztendlich muss ich zugeben, niemals ein vergleichbares Buch gelesen zu haben. Wer also Interesse an einer einzigartigen Geschichte hat, die einen auch nach dem symbolischen Zuschlagen der Buchdeckel noch begleitet, der sollte diesem Roman eine Chance geben.