Oktober 2

Freiheit & Gerechtigkeit für alle von Carrie Harris

Triage und Tempus sind noch X-Men in Ausbildung, als sie ein Hilferuf erreicht, der ausgerechnet vom berüchtigten Sabretooth gesendet wurde. Schon bald zeigt sich, dass die Lehre im Institut sie nicht wirklich auf das echte Leben vorbereiten kann.

Was anfängt wie eine x-beliebige Story über eine SuperheldInnen-Schule zeigt bald, dass es mehr auf dem Kasten hat. Natürlich werden hier einige Marvel-Klischees bedient, aber es wird überraschend viel Wert auf die Figuren und ihre Beziehungen untereinander gelegt.

Es ist interessant, über die Gedanken- und Gefühlswelt von angehenden X-Men zu lesen, die noch nicht in ihre Rolle eingefunden haben und zu den bekannteren HeldInnen aufsehen.

Lobend zu erwähnen ist die Mischung aus Action und charakterbildenden Momenten, ebenso wie das Setting, denn die Geschichte spielt größtenteils in einem Museum, was die Autorin – ohne zu viel verraten zu wollen – perfekt ausgenutzt hat.

Was mich neben dem klischeebehafteten Anfang und dem Buchnamen, der ziemlich deplatziert wirkt, gestört hat, ist die versuchte Einbindung ins weitere Marvel-Universum. Mensch wird mit Fakten über den M-Day und darüber, wie die junge Jean Grey in dieses Universum gelangt ist, überhäuft, mit der Handlung dieses Buches hat das aber nichts zu tun.

Juli 24

Domino auf Abwegen von Tristan Palmgren

Eigentlich könnte mensch sagen, dass Domino vom Glück verfolgt ist, denn genau das ist ihre Superkraft. Trotzdem musste sie eine traumatische Vergangenheit erleiden, in der grausame Experimente an ihr durchgeführt wurden, und die sie nun einholt, als sie den Auftrag bekommt, ein Zwillingspaar aus den Händen eines Sektenführers zu befreien.

Fangen wir doch direkt mit Domino an: Sie ist eine unglaublich sympathische Protagonistin, die schonungslos ehrlich mit sich und der Welt ins Gericht geht, dabei aber nie ihren Sinn für Humor verliert. Es ist immer eine Freude, zu lesen, wie sie zwischen Selbstanalyse und ironischen Anmerkungen wechselt und es ist nicht schwierig, sich in sie hineinzuversetzen.

Dazu kommt, dass ihre Superkraft hier gut gehandhabt wird. Es wäre leicht gewesen, jeglichen Schaden an ihr abprallen zu lassen, weil sie nun einmal immer Glück hat, aber das ist nicht der Fall und sie muss auch mal zurückstecken, was dafür sorgt, dass die Geschichte von vorne bis hinten spannend bleibt.

Die Handlung an sich ist auch ungewöhnlich und hat mich überrascht. Sekten sind ein Thema, das im SuperheldInnenkosmos eher selten (mit dieser Tiefe) aufgegriffen wird und hier wird es gekonnt mit Dominos Vergangenheit vermischt, sodass die Parallelen wirklich gut herausstechen. Außerdem ist die Mischung aus Action und der Beschreibung der Veränderungen, die die Heldin im Verlaufe ihres Lebens durchmacht, gut getroffen.

Ich hätte eigentlich gedacht, das sich das Buch mit einem Comic vergleichen lässt, ein Film trifft es aber eher. Der Plot ist präzise und in sich abgeschlossen, es gibt emotionale Höhen und Tiefen und die Story ist mehr „down to earth“ als die zahlreichen Marvel-Comics mit weltenumspannenden Handlungssträngen.