Juni 8

Moonlight City Drive 3: The City Is Alive Tonight von Brian Paone

Nachdem Melissa von zuhause abgehauen ist, stellt Anya sie auf die Probe: Sie soll den Kult vergrößern, indem sie weitere Frauen umbringt. Noch dazu hat die Hexe eine neue Auserwählte gefunden, mit deren Opfer sie endlich Unsterblichkeit erlangen will.

Dieser Band fokussiert sich mehr auf die Figuren als auf übernatürliche Ereignisse. Das sorgt dafür, dass einige Charaktere überraschende Seiten von sich zeigen können, andererseits geht so auch etwas von der mysteriösen Stimmung verloren, die die anderen Bücher geboten hatten.

Außerdem wirkt Melissas Entscheidungsfindung hier sehr unrealistisch, weil ihre Meinung so sprunghaft ist. Ihre Zweifel an Anya wirken nicht stark genug, um den plötzlichen Seitenwechsel zu rechtfertigen, sodass es so wirkt, als hätte sie ihn nur aus Eigennutz vollzogen und nicht, weil sie ihrem Herzen folgt.

Was mir hingegen richtig gut gefallen hat, ist die Verwendung des Vertigo Motel als Jenseits. Dadurch konnte die Stimmung der beiden Vorgänger wieder etwas zurückgebracht werden. Auch die Schicksale der Charaktere sind treffend gewählt.

Insgesamt hat mir dieser Band nicht ganz so gut gefallen wie die anderen, er stellt aber durchaus einen guten Abschluss der Geschichte dar und sollte gelesen werden, um zu erfahren, wie sie ausgeht.

April 23

Moonlight City Drive 2: Electric Boogaloo von Brian Paone

Inzwischen hat Smith Anya viele Jahre gedient und die beiden sehen sich nach einem würdigen Nachfolger für ihn um, den sie in Detektiv Stepp gefunden zu haben glauben. Gleichzeitig beginnt seine Enkelin Melissa, selbst in die Fußstapfen der Hexe zu treten und lässt sich auf ein gefährliches Spiel mit dem Feuer ein.

Was mir vor allem gefallen hat, ist, wie unterschiedlich Smith und Stepp charakterisiert sind, obwohl Anya ihnen die gleiche Rolle zugedacht hat. Sowieso sind die Persönlichkeiten der Figuren hier sehr stark ausgeprägt und es ist mir nicht schwergefallen, ihnen gegenüber starke positive oder negative Gefühle zu entwickeln.

Auch die Erweiterungen der magischen Spielregeln in der Welt sind schlüssig und lassen mich vor allem auch gespannt auf den dritten Band der Trilogie sein. Es gibt einige Überraschungen, was Anyas Fähigkeiten und das Verhalten der Geier angeht und auch die Entwicklungen, die Melissa durchmacht, sind sehr interessant.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass einige Ereignisse des Finales aus dem Nichts kommen. Es gibt einen wirklichen „Wettlauf gegen die Zeit“, um Anyas finstere Pläne zu durchkreuzen, weil ihr Widersacher bis zum Schluss gar nicht bekannt ist, was andererseits auch wieder für eine plötzliche Wendung sorgt.

Insgesamt hat mir der zweite Teil noch besser gefallen als der erste. Zwar fehlte der Überraschungsmoment, in dem übernatürliche Elemente ursprünglich begannen, eine größere Rolle zu spielen, aber er ist insgesamt in sich schlüssiger und durch die Beteiligung von sympathischeren Figuren auch spannender.

März 14

Teuflischer Walzer von Frank Tallis

Als in Wien im Jahre 1904 eine Leiche gefunden wird, vor der drei Stühle wie bei einem Ehrengericht aufgestellt sind, tauchen Inspektor Reinhardt und der Psychologe Max Liebermann in die Schattenseiten der eleganten Metropole ein.

Was mir direkt positiv aufgefallen ist, sind die exakt recherchierten Details, die die Epoche und den Ort realistisch erscheinen lassen. Dazu gehört auch das Auftauchen von interessanten historischen Persönlichkeiten wie Sigmund Freud und Ferdinand Porsche.

Leider hört die Akkuratesse der Recherche beim Thema Anarchismus auf, denn anarchistische Organisationen werden ausnahmslos als gewalttätig und bizarrerweise auch hierarchisch organisiert dargestellt. Und warum die fiktive Version von Peter Kropotkin als skrupelloser und heuchlerischer Attentäter beschrieben wird, kann ich mir auch nicht erklären.

Dafür ist der Fall an sich umso spannender. Es gibt hier keinen typischen Verlauf und die beiden Ermittler müssen auch zu Methoden greifen, die zu damaligen Zeiten noch total modern und unbekannt waren – wie die Analyse von Fingerabdrücken.

Auch die beiden Protagonisten und ihre Freundschaft hat mir gefallen. Ihre Dialoge sind clever und angenehm zu lesen und es ist interessant, in ihre Weltanschauungen einzutauchen.

Dezember 27

Gerecht von Oliver Rill

Weil er mehr hinter einem eigentlich aufgeklärten Fall vermutet, holt sich Kommissar Fabian Schotte Hilfe bei seinem erfahrenen Kollegen Markus Deister, der davon allerdings gar nicht begeistert ist. So muss das ungleiche Paar nach dem vermeintlichen Mörder des todkranken Till suchen, während sie noch mit zahlreichen privaten Problemen zu kämpfen haben.

„Gerecht“ hat es von Anfang an geschafft, sich von typischen Krimis abzugrenzen. Statt auf die Art von Ermittlungsarbeit und halsbrecherischer Action, die wir sonst in diesem Genre vorgesetzt bekommen, wird hier eher auf Befragungen der Zeug:innen und die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Figuren gesetzt.

Und von denen gibt es eine ganze Menge. Es stellt trotzdem kein Problem dar, sie alle kennen und lieben zu lernen, weil sie sich durch ihre einzigartigen Persönlichkeiten voneinander abheben und so alle ihren Teil zu den lustigen bis tragischen Situationen beitragen.

Der Fall selbst schlägt auch ganz andere Wege ein, indem er einen zum Nachdenken anregt. Die Handlungen aller Figuren sind sehr gut nachvollziehbar, und das macht es umso schwieriger, sich „auf eine Seite zu schlagen.“

Kommen wir zum Schluss zum Protagonisten selbst: Markus Deister ist mir zwar schnell unsympathisch geworden, aber das hat der Lesefreude keinen Abbruch getan, weil er trotzdem ein Charakter mit Tiefe ist, wie mensch mit zunehmender Seitenzahl lernt.

November 8

Moonlight City Drive von Brian Paone

Als Privatdetektiv Smith einen Hinweis auf den Boulevard-Killer erhält, der die Stadt in Atem hält, kann er nicht anders, als dem nachzugehen. Bald stellt er jedoch fest, dass er mit dem Mörder mehr gemeinsam hat, als er wohl zugeben würde und er wird immer tiefer in den Sumpf aus Gewalt und Sünde hineingezogen…

Das Buch basiert auf dem Konzeptalbum „Adultery“ von Dog Fashion Disco und so lassen sich zahlreiche Handlungsstränge und vor allem auch Songzitate davon wiederfinden. Teilweise wirken diese aber ein bisschen erzwungen – Vielleicht kommt es mir auch nur so vor, weil ich sie immer anders interpretiert habe. Bei den meisten hat es mich aber einfach gefreut, dass sie stimmungsvoll eingebracht worden sind.

Besonders gefallen haben mir die Charaktere, denn um selbst ein Songzitat unterzubringen: „No one is innocent and no one will be spared.“ Keine der Figuren ist wirklich sympathisch, aber sie sind alle glaubhaft und es macht umso mehr Spaß, von ihren Handlungen und Interaktionen zu lesen.

Apropos Handlung, die hat mich immer wieder mit ihren Wendungen überrascht. Es wurden nicht 1:1 die Plotansätze aus dem Album übernommen, sondern sie wurden auf verschiedene Arten und Weisen interpretiert, mit Inhalt gefüllt und umgedeutet, sodass an keiner Stelle offensichtlich war, worauf die Geschichte hinauslaufen würde.

Insgesamt hat mich das Buch positiv überrascht. Anfangs hatte ich meine Bedenken, weil das Album, auf dem es basiert, meine Erwartungen so hoch geschraubt hat, aber die wurden erfüllt. Paone ist mit sehr viel eigener Kreativität an die Sache herangegangen und hat mich gespannt auf die Fortsetzung gemacht.