November 15

Tika (Teil 1 & 2) von Jeremy Iskandar

„Tika“ handelt von der namensgebenden Chief Inspector der indonesischen Polizei, die den brutalen Mord an dem Abgeordneten Raharjo untersuchen soll und immer weiter in eine Verschwörung verwickelt wird, die weiter geht, als sie jemals geahnt hätte.

Dabei wechseln sich die Nachforschungen der Protagonisten gekonnt mit Actionszenen ab, sodass keine Sekunde lang Langeweile aufkommt. Der flüssige Schreibstil und die lebensnahen Dialoge tragen definitiv auch dazu bei, dass man sich die ganze Zeit über gut unterhalten fühlt.

Die Geschichte punktet allerdings nicht nur mit der spannenden Handlung, die man von der ersten bis zur letzten Seite gerne mitverfolgt, sondern auch mit dreidimensionalen Charakteren. Es gibt hier keine Figur, die nicht irgendetwas zur Story beiträgt, sondern alle haben nachvollziehbare Motivationen und handeln glaubwürdig, was es leicht macht, sich in sie hineinzuversetzen.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man viele und teilweise überraschende Einblicke in die indonesische Kultur erhält, von den verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft über traditionelle Gerichte bis zu wahren historischen Begebenheiten und gesellschaftlichen Problemen.

Das Ende schließt die beiden Bände gekonnt ab und führt alle Handlungsstränge zufriedenstellend zusammen. Insgesamt wird hier in wenigen Seiten eine beeindruckende und gut durchdachte Geschichte aufgestellt, die das Indonesien einer möglichen Zukunft zeigt und die Cyberpunk-Elemente glaubhaft mit der Tradition und Kultur des Landes verbindet.

August 23

Tika von Jeremy Iskandar

„Tika“ ist eine Cyberpunk-Kurzgeschichte, die im Indonesien der Zukunft spielt und den Mord an einem politischen Abgeordneten mitsamt aller Verwicklungen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Von den Drahtziehern über Unschuldige, die in die Sache hineingezogen werden, bis zu der Polizistin, die ihn lösen soll.

Diese Vielfalt an Perspektiven verschafft interessante Eindrücke in die Handlung und vermittelt auch Informationen, die nicht anders hätten herübergebracht werden können, aber anfangs hat mich die Zahl der Charaktere ein bisschen erschlagen. Sobald man allerdings einen besseren Überblick hat, legt sich das auch wieder und man weiß zu schätzen, so viele Ansichten zu haben.

So bekommt man jedes Detail der Handlung mit, die spannend anfängt und auch auf diesem Niveau weitermacht. Stellenweise hätte ich mir gewünscht, dass sich die Geschichte ein bisschen mehr Zeit nimmt, zum Beispiel für die Polizeiarbeit, allerdings liegt das vor allem am Format einer Kurzgeschichte.

Lobenswert erwähnen muss ich auch die Beschreibung der Kultur Indonesiens und wie sie in die Zukunft versetzt wurde. Ich hatte bisher keine wirklichen Kontaktstellen mit diesem Land und bin beeindruckt davon, wie lebensnah die Situation dort beschrieben wurde, egal, ob es um die Lebenssituation von zwei armen Kindern oder die politischen Verwicklungen geht.

Der angenehme Schreibstil glänzt in den nervenzerreißenden Gesprächen, in denen beide Kontrahenten genau abwägen müssen, was sie sagen und wie sie es formulieren und den Actionszenen, und lässt einen die ungefähr 100 Seiten praktisch verschlingen.