Januar 30

Todessaft von Fred Ink

Im dritten Band der Akte Arkham-Reihe müssen sich Privatdetektiv Walter Dekker und seine Verbündeten alten und neuen Feinden stellen: Vampire treiben in der Stadt ihr Unwesen und der Nekromant Jedediah Smith ist auch nicht so besiegt, wie es scheint. Und dann wird Walter auch noch auf Reisen in eine andere, gefährliche Dimension geschickt…

Neben den aus vorherigen Bänden bekannten Charakteren kommen auch einige neue hinzu. Das sympathische Sammelsurium von Figuren macht das Lesen der Schicksale, die sie ereilen, umso nervenaufreibender. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass einfach nur Charaktere grundlos „verheizt“ werden, stattdessen werden sie alle mit eigenen Persönlichkeitsmerkmalen, Stärken und Schwächen ausgestattet.

Es gibt auch viele Anspielungen auf andere Bücher des Autors, wodurch die Welten auf interessante Weise verbunden werden. Auch für mich, der nicht alle Bücher gelesen hat, aus denen hier Figuren und Begebenheiten erwähnt werden, war alles verständlich dargestellt und durch Fußnoten immer gut nachvollziehbar.

Wie gewohnt bleibt die Handlung von Anfang bis Ende rasant. Für die Protagonist:innen und auch uns Leser:innen gibt es keine Atempause. Dieses Dauerfeuer sorgt aber keineswegs für eine Reizüberflutung und darauf möglicherweise folgende Langeweile, denn das hohe Niveau wird gut gehalten und mensch möchte auch auf der letzten Seite noch unbedingt mehr davon lesen.

Vor allem das Ende hat es auch in sich und macht mich froh, dass der vierte Band auch schon erschienen ist. Für mich bleibt „Die Akte Arkham“ eine spannende Reihe, die langsam immer mehr ihrer Hintergründe enthüllt und damit immer wieder aufs Neue lesenswert ist.

November 14

Kriechzeug von Fred Ink

Auf der Suche nach einer Erlösung von seinem Fluch sucht Walter Dekker in einer alten Krypta nach einer mysteriösen Abschrift. Doch dabei stößt er auf ein viel tödlicheres Geheimnis, und ihm bleibt nicht viel Zeit, es zu lüften…

Im zweiten Band um den vom Pech verfolgen Privatdetektiv kommen alte Bekannte wie der Physiker George, die Kultistin Cynthia, der jähzornige Sheriff Dingby und ein aus Hinter den Winkeln bekannter pelziger Freund wieder vor, neue Figuren lassen sich jedoch auch blicken und sind ebenso liebens- und hassenswert. Jede Person hier verfolgt eigene und realistische Ziele und die Altbekannten zeigen auch neue und überraschende Seiten von sich.

Umso spannender wird es dann, um die Leben dieser Charaktere zu bangen, denn die Geschichte wirft einen direkt in die Action. Und die wird kontinuierlich gesteigert, immer wieder durchsetzt von schockierenden Wendungen. Es ist eine Hatz gegen die Zeit, und mensch fragt sich die ganze Zeit, wie lange sie noch durchhalten können.

Vor allem hat hier die Bedrohung im Vergleich zum ersten Band eine ganz andere Größenordnung und die Protagonist:innen werden mit einem kosmischen Grauen konfrontiert, das unaufhaltsam scheint. Unter anderem deswegen konnte ich dieses Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Obwohl ich schon am Vorgänger nichts auszusetzen hatte, hat mir dieser noch besser gefallen. Das liegt zum Teil sicher daran, dass mir die Charaktere durch die mit ihnen verbrachte Zeit mehr ans Herz gewachsen sind, zum anderen aber auch daran, dass hier so viel mehr auf dem Spiel steht.

Juli 24

Nighthunter: Sammelband 1 von Anton Serkalow

Der Vampir Louis Royaume und sein gestaltwandelnder Freund „Skinny“ ziehen durch den Wilden Westen auf der Jagd nach einem magischen Amulett, das Louis gestohlen worden ist. Ihnen in den Weg stellen sich Ghule, Zombies und Geistersoldaten…

Im ersten Sammelband der Nighthunter-Reihe werden die ersten drei Geschichten, die wie Genre-Größen John Sinclair oder Professor Zamorra in regelmäßigen Abständen einzeln veröffentlicht worden sind, zusammen abgedruckt.

Da ich auch ein Fan der beiden genannten bin und außerdem dem Western-Genre Einiges abgewinnen kann, musste ich auch den Nighthuntern eine Chance geben – und sie haben die Erwartungen an kurzweilige Unterhaltung mit Grusel und Action definitiv erfüllt.

Die Episoden lassen sich gut einzeln lesen und verstehen, aber die übergreifende Story mit dem gestohlenen Amulett macht einen gespannt auf die nächsten Abenteuer des stilvollen Gespanns, dessen Beschreibungen einem immer Bilder wie aus einem Western-Film vor dem geistigen Auge auftauchen lassen.

Dazu kommt, dass der Autor es schafft, die Spannung trotz der übernatürlichen Kräfte des Duos ständig aufrecht zu halten. Und auch die zahlreichen Anspielungen auf die Vergangenheit der beiden Protagonisten machen neugierig auf die nächsten Bände.

Juni 30

Hexenhaus von Fred Ink

Dem vom Pech verfolgten Privatdetektiv Walter Dekker wird vom Schicksal keine Ruhe gegönnt: Der verzweifelte Physiker George stolpert durch seine Tür und möchte gemeinsam mit ihm das berüchtigte Hexenhaus in Arkham nach der vermissten Ines durchsuchen. Natürlich kann das nicht gutgehen…

Der erste Band der Reihe „Die Akte Arkham“ schlägt einen von der ersten Seite an in seinen Bann und lässt einen bis zum Ende nicht mehr los. Hinter jeder Ecke lauern neue Gefahren, die die Figuren körperlich und geistig in den Ruin treiben wollen. Aber auch die Menschen gefährden sich gegenseitig durch ihr Misstrauen – denn irgendwo unter ihnen lauert ein Mörder.

Was Fans von Fred Inks Werken außerdem freuen wird, ist, dass einige altbekannte Charaktere aus „Hinter den Winkeln“ und „Crossover“ wieder auftauchen. Und wie üblich gibt es auch keine Garantie dafür, dass sie ihre Auftritte hier auch überleben.

Auch das Setting verdient noch ein Lob: Das Haus scheint einen eigenen Willen zu haben und führt die darin Gefangenen in die Irre, indem es sich ständig um sie herum verändert und sie immer tiefer in sein Inneres lockt, wo es sie haben will. Dabei stellt es ihnen eine Reihe von ausgeklügelten Fallen, die beim Lesen einfach Spaß machen, obwohl mensch Mitleid mit den Charakteren hat.

Das Ende hat es ebenfalls wieder in sich. Das Hexenhaus hetzt noch einmal alles auf die Protagonist:innen, was es zu bieten hat, und sowohl viele Fragen beantwortet, als auch neue aufgeworfen. Das perfekte Ende für den ersten Band einer Reihe, deren Fortsetzung ich kaum erwarten kann!

November 28

Neobiota: Der Ausbruch von Ryan Rockwell

Als tausende Schiffe der Föderation ihre Heimatstation Torrance angreifen und Technikerin Paz gerade so mit dem Leben davonkommt, ahnt sie nicht, dass ihr verzweifelter Kampf ums Überleben gerade erst anfängt – Denn andere Menschen sind längst nicht mehr die einzige Gefahr, die im Weltraum lauert.

Dieses Buch bietet wirklich Spannung von der ersten Seite. Und immer, wenn mensch gerade mit einer kleinen Verschnaufpause rechnet, geht es direkt mit irgendeinem neuen Schrecken, gegen den Paz und ihre Verbündeten ankämpfen müssen, weiter.

Noch spannender wird es dadurch, dass die Protagonistin sehr sympathisch ist. Im Gegensatz zu Charakteren in vielen anderen Horrorstorys verhält sie sich nämlich vernünftig und trifft logische, aber menschliche Entscheidungen.

Auch, dass sie eben keine ausgebildete Soldatin, sondern eine Technikerin mit fragwürdiger Vergangenheit ist, trägt dazu bei. Schön ist auch, dass sie dank ihres technischen Wissens einige kreative Pläne schmiedet.

Neobiota: Der Ausbruch bietet eine erfrischende Mischung aus Science Fiction und Horror und hat es geschafft, mich von der ersten bis zur letzten Seite zu begeistern. Wer ein Fan dieser Genres ist, sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben!

Oktober 17

GANTZ:E 1 von Hiroya Oku und Jin Kagetsu

Nachdem die beiden Bauern Hanbei und Masakichi in einem Fluss ertrunken sind, wachen sie in einem Tempel inmitten Fremder wieder auf und erhalten den Auftrag, einen Yokai zu finden und zu töten. Können sie sich zusammenraufen und diese Mission bestehen?

Wer den ursprünglichen GANTZ-Manga gelesen oder Anime geguckt hat, wird den Anfang wiedererkennen. Tatsächlich war ich anfangs ein bisschen enttäuscht davon, dass genau der gleiche Aufhänger genutzt wurde: Der Protagonist ist in ein Mädchen verliebt, das wiederum seinen Rivalen mag. Die beiden kommen gemeinsam um und finden sich in einem mörderischen „Spiel“ wieder. Allerdings unterscheiden sich die beiden Protagonisten charakterlich von ihren Vorgängern, was diesbezüglich etwas frischen Wind in die Sache bringt.

Die Handlung an sich ist nicht wirklich bahnbrechend, weil sie halt auf eine ähnliche Art schon einmal geschrieben wurde, aber es bleibt spannend, zu lesen wie diese anderen Charaktere mit der neuen Situation klarkommen und wer überlebt.

Die Zeichnungen sind sehr gut gelungen. Vor allem die Designs der Gegner, die hier nicht Aliens, sondern Yokai genannt werden, haben mir gut gefallen. Die Actionszenen sind detailliert gezeichnet und gut nachvollziehbar.

Insgesamt war der erste Band der neuen Reihe spannend zu lesen. Mich interessiert vor allem, welche Unterschiede es aufgrund des Settings, das hier hunderte Jahre in der Vergangenheit liegt und einen schönen Kontrast zum futuristisch angehauchten Original liefert, noch geben wird und wie sich die neue Reihe noch vom Original abheben wird.

Juli 7

Etwas endet, etwas beginnt von Andrzej Sapkowski

„Etwas endet, etwas beginnt“ vereint acht Kurzgeschichten, von denen zwei im Universum der Hexer-Saga spielen. Dabei wird neben dem üblichen Fantasy-Genre überraschenderweise auch Horror aufgegriffen. Meistens nimmt sich Sapkowski aber eine bekannte Sage oder Geschichte vor und erzählt die versteckten Seiten davon auf seine eigene Art und Weise.

Eigentlich hätte ich gedacht, dass mich die Geschichten um Geralt und seine Eltern (!) am meisten überzeugen, aber die anderen haben mich positiv überrascht. Obwohl es nur Kurzgeschichten sind, sind die Persönlichkeiten der Figuren ausgeprägt und dreidimensional, sodass es mir nicht schwergefallen ist, mitzufiebern.

Die Horror-Geschichten haben meiner Meinung nach daran gelitten, dass die menschlichen ProtagonistInnen in den meisten Fällen so unsympathisch waren, dass ich ihnen ihr Schicksal sogar gegönnt habe. Das hat zwar nicht dafür gesorgt, dass ich die Handlungen und Konzepte selbst uninteressant gefunden habe, aber es hat einen beträchtlichen Teil der Spannung herausgenommen.

Außerdem zu erwähnen ist, dass sich vor jedem der Kapitel ein kurzes Vorwort befindet, in dem der Autor erzählt, was ihn dazu inspiriert hat und vor welchem Hintergrund er es geschrieben hat. Diese Einblicke in seine Arbeitsweise waren interessant zu lesen.

Insgesamt hat mich vor allem die Vielfalt der Geschichten überzeugt. Bevor eine Idee repetitiv werden konnte, hat schon die nächste angefangen, sodass keine Langeweile aufgekommen ist. Untermalt wird das Ganze natürlich wieder von Sapkowskis charakteristischem Schreibstil, der mir nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase inzwischen gut gefällt.

April 18

Crossover von Fred Ink

Sechs Personen, die verschiedener nicht sein könnten, wachen ohne Erinnerungen in einem verrotteten Laborkomplex auf und müssen bald feststellen, dass sie nicht alleine sind. In dieser fremdartigen Dimension werden sie zu den Gejagten.

Zuallererst seien die Charaktere lobend erwähnt: Obwohl es eine verhältnismäßig große Anzahl von Hauptfiguren gibt, fällt es einem leicht, sie auseinanderzuhalten, weil jede von ihnen eine einzigartige Persönlichkeit hat. Sie sind weit davon entfernt, alle sympathisch zu sein, aber genau das macht den Reiz auch aus. Besonders schön finde ich, dass keiner der Charaktere die Horror-Klischees komplett erfüllt, sondern jeder einzigartig ist.

Außerdem fokussiert sich die Story nicht nur auf das bloße Überleben der Charaktere, es gilt auch, die Hintergründe der Geschichte zu erkunden. Das sorgt für einige Plottwists und dafür, dass das Buch bis zur letzten Seite spannend bleibt.

Auch bei der Beschreibung der Welt und der Kreaturen, die sie bevölkern, hat sich der Autor Mühe gegeben. Es lauern Gefahren an jeder Ecke, die mensch sich dank der lebendigen Beschreibungen nur allzu gut vorstellen kann.

„Crossover“ ist wirklich kein 0815-Horror, sondern kommt mit vielen eigenen Ideen daher und bereichert das Genre. Wer zu einem spannenden und an vielen Stellen brutalen Pageturner nicht nein sagen kann, ist hier gut beraten.

Oktober 2

Die Siegel Exaleiphons: Reenas Schatten von Janine Prediger

Als Reena ihr gewohntes Leben in der Armee verlassen muss, nachdem sie die Kontrolle über ihren „Schatten“, der sie schon seit der Kindheit begleitet, verloren hat, ahnt sie nicht, was für eine Kette von Ereignissen sie damit in Gang gesetzt hat. Plötzlich haben allerlei zwielichtige Gestalten Interesse an ihr und sie weiß nicht mehr, wem sie trauen kann…

Schon das Konzept dieses Buchs hat mich überzeugt. Es werden Elemente von Horror und Fantasy auf eine einzigartige Art und Weise vermischt, gleichzeitig wechseln sich Abschnitte, in denen man mehr über die Hintergründe erfährt, und Actionpassagen immer zum perfekten Zeitpunkt ab.

Die Handlung bietet einige Wendungen und es werden auch häufig frühere Passagen überraschend wieder aufgegriffen, sodass man am Ende das Gefühl bekommt, ein stimmiges Gesamtkonstrukt geliefert bekommen zu haben, das die Autorin gut durchdacht hat.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Ende ein bisschen zu plötzlich kommt, denn es hat meiner Meinung nach nicht genug Anspielungen auf diesen Plottwist gegeben, um ihn wirklich glaubhaft zu machen.

Interessant ist hingegen die Protagonistin, die einige Ecken und Kanten hat. Anfangs sorgt das dafür, dass man bei ihren Aussagen mehr als einmal die Augen verdreht, im Laufe der Geschichte wird man trotzdem von den Ereignissen, die ihr zustoßen, gefesselt und man fiebert bis zur letzten Seite gespannt mit.

August 1

Hinter den Winkeln von Fred Ink

Ich fange diese Review gleich mit dem an, was mich an diesem Buch am meisten beeindruckt hat: Die Protagonisten. Es gibt nämlich vier unterschiedliche Hauptcharaktere, die alle komplett voneinander verschiedene Handlungsstränge – Auch wenn sie, so viel sei verraten, gekonnt verknüpft werden – und Persönlichkeiten haben.

Trotzdem bekommt jeder der Protagonisten eine Chance, seine Stärken und Schwächen zu zeigen und eine perfekt abgerundete Handlung mit überraschenden Wendungen und einem klaren Spannungsbogen zu erleben.

An zweiter Stelle steht für mich das unterschwellige Gefühl der Bedrohung, dass sich durch das ganze Buch zieht, auch wenn einem die eigentliche Gefahr, in der sie schweben, lange vorenthalten wird, sodass sie schön langsam und genüsslich enthüllt werden kann.

Es ist klar zu erkennen, dass der Autor von Lovecraft inspiriert wurde, allerdings hat er nur die positiven Aspekte – Den den menschlichen Verstand übersteigenden Horror und das konstante Gefühl einer allumfassenden Bedrohung – übernommen und Rassismus, Sexismus und den drögen Schreibstil hinter sich gelassen.

Das Buch hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht: Einmal, weil die Charaktere trotz der vergleichsweise kurzen Seitenanzahl, die sie unter sich aufteilen musste, sehr sympathisch und menschlich beschrieben wurden und mir schnell ans Herz gewachsen sind, und auch, weil ich stellenweise wirklich eine Gänsehaut hatte, was mir auch bei Horrorromanen sehr selten passiert.