März 28

Biaoren – Die Klingen der Wächter 10 von Xianzhe Xu Review

Am Kaiserhof gehen große Veränderungen vor sich: Die seit Jahrzehnten gesicherte Position der Acht Säulen bröckelt endgültig und Minister Pei Shiju hat ganz eigene Pläne, wie mit der Bedrohung durch den Heshanat-Khagan umzugehen ist. Währenddessen holen die kaiserlichen Häscher Diting und Kuizhi Daoma und seine Gruppe endlich ein.

Wie an der Beschreibung zu erkennen ist, bietet auch dieser Band wieder eine gelungene Mischung aus Action und politischen Intrigen. Wir erfahren weitere Hintergründe über Daomas und Ditings Vergangenheit, aber auch die Motivation des Heshanat-Khagan, die ihn zu dem Gemetzel an den Familienoberhäuptern geführt hat, wird aufgeklärt.

Vor allem der Kaiser selbst, den wir meist als hoch oben thronenden Drachen erlebt haben, wird hier auch von einer neuen Seiten gezeigt und seine Handlungen in diesem Band sorgen wieder für spannendes Konfliktpotential.

Diese Spannung wird wie immer grandios von den Zeichnungen untermalt. Die Details werden immer an den richtigen Stellen gesetzt und auch nach zehn Bänden und zahlreichen Figuren sehen diese trotzdem so unterschiedlich aus wie echte Menschen. Die Actionszenen sind nervenaufreibend temporeich und dennoch gut nachzuvollziehen.

Der zehnte Teil von „Die Klingen der Wächter“ beantwortet einige Fragen, stellt aber gleichzeitig neue. Einige interessante Handlungsstränge werden weitergesponnen, und einer treibt sogar auf sein Finale zu. Ich konnte gar nicht mehr aufhören, diesen Manhua zu lesen, und hoffe darauf, auch den elften bald in die Finger zu kriegen.

November 13

Beauty and the West Chamber 1 von Ruoyejun und Winslow

Chen Qiming, eigentlich ein talentierter Sänger der Pekingoper, traut sich seit einem katastrophalen Auftritt vor einem Jahr nicht mehr auf die Bühne. Als sein Meister ihn mit einem Trick doch zum Auftritt bewegt, sitzt ausgerechnet der Offizier Yan Ci im Publikum, mit dem Chen Qiming eine dramatische Vergangenheit verbindet. Und natürlich lässt er es sich nicht nehmen, ihn danach zum Essen einzuladen.

Die Welten der Pekingopern und der Politik überschneiden sich – zwei Welten, die für ihre Intrigen bekannt sind. Dementsprechend gibt es viele Geheimnisse und geschmiedete Ränke, die sich aus zwischenmenschlichen Dramen und Machtspielchen ergeben. Egal, ob es dabei um den Erfolg einer Operntruppe oder um weitreichendere Dinge wie die Leben von Menschen geht, es bleibt immer spannend.

Mir haben auch die Figuren gut gefallen. Der Protagonist Chen Qiming ist sympathisch, sein Gegenpart Yan Ci hingegen mysteriös, ohne dadurch zu ernst zu werden. Aber auch Nebenfiguren wie die übergelaufene Sängerin Xia Zhiqiu oder der Sänger Yao Qingshan, der als Kind an die Chunyang-Truppe verkauft worden ist und dessen Herz eigentlich gar nicht für die Oper brennt, haben Tiefgang und sind samt ihrer Fehler sympathisch.

Was diesen Manhua so besonders macht, sind die skizzenhaften und doch detailreichen Zeichnungen. Sie stechen mit ihrer Farbwahl hervor, die die Zeichnungen farbenfroh und lebendig wirken lässt. Interessanterweise sind einige Hintergründe nicht komplett gezeichnet, sondern Fotos, in die die Figuren und einige Requisiten hineingesetzt worden sind, was für interessante Effekte sorgt. Auch passt sich der Zeichenstil für einige Gags an, zum Beispiel in einer Makeover-Szene, die an Disneys Mulan erinnert.

Alles in allem hat mir der erste Band der Reihe gut gefallen. Es sind einige Konfliktfelder geöffnet worden, Mysterien wurden angedeutet und haben sich verdichtet. Und auch wenn Vieles aus der Vergangenheit der Figuren enthüllt worden ist, wissen wir immer noch nicht, was an dem schicksalsträchtigen Tag wirklich zwischen den Familien von Chen Qiming und Yan Ci passiert ist, sodass ich umso gespannter auf den zweiten Teil bin.

Juli 24

Biaoren – Die Klingen der Wächter 9 von Xianzhe Xu

Daomas Gruppe gerät am Jadepass durch ein Missverständnis in eine brenzlige Situation mit den Grenzwächtern. Gleichzeitig werden Blicke auf Shus und Daomas Vergangenheit geworfen, durch die wir mehr darüber erfahren, was sie zum Kämpfen antreibt.

Im neunten Band ist diese Mischung aus Flashbacks und Szenen, die in der Gegenwart spielen, besonders gut gelungen. Außerdem kommen die meisten der bekannten und lebenden Figuren mindestens einmal vor, wodurch er auch schön abwechslungsreich wird und jeder Fan von bestimmten Charakteren auf seine Kosten kommt.

Auch von Daoma in seiner Rolle als Vater sehen wir hier mehr und er zeigt, dass weitaus mehr in ihm steckt als nur seine beeindruckende Kampfkraft. Das kommt auch in den Szenen aus seiner und Xiaoquis Vergangenheit herüber.

Das Highlight sind aber natürlich trotzdem wieder die Actionszenen, die trotz der fehlenden Farben lebendig genug sind, um einen praktisch vom Papier aus anzuspringen. Die fantasievoll choreografierten Kämpfe werden in eindrucksvollen und detailverliebten Bildern eingefangen.

Der neunte Band reiht sich perfekt in das Epos, das mit „Die Klingen der Wächter“ bereits aufgebaut worden ist, ein und zeigt, dass die Reihe gar nicht daran denkt, langsamer zu werden oder an Qualität nachzulassen. Im Gegenteil, ihre Stärken kommen auch hier wieder perfekt zum Vorschein.

März 23

Vaudrec: Herzen auf verlorenem Posten von Tharah Meester

Als Jackie beschließt, seine Freundschaft zu dem reservierten Fotografen John Vaudrec de Lille auszubauen und ihn zum gemeinsamen Treffen des Bekanntenkreises einlädt, trifft er zum zweiten Mal auf Dirigenten Dante de Medici. Und dieses Mal fliegen die Funken auf andere Weise als bei ihrem ersten Treffen…

Wenn zwei Sturköpfe wie diese beiden aneinandergeraten, ist Ärger vorprogrammiert. Doch aus den lustigen Neckereien, die einem beim Lesen ein ständiges Schmunzeln auf die Lippen treiben, wird schnell mehr und wir können die Entwicklung ihrer Beziehung, die trotz der anfänglichen Animositäten nicht übertrieben wirkt, Stück für Stück mitverfolgen.

Nicht nur die entwickelt sich jedoch, auch die Figuren selbst machen einige Veränderungen durch. Es ist schön, zu lesen, wie der verschlossene John langsam, aber sicher sein Herz öffnet und längst verdrängt geglaubte Emotionen an die Oberfläche lässt. Die eine oder andere Träne bleibt sowohl den Charakteren, als auch den Leser:innen dabei nicht erspart.

Besonders gut gelungen finde ich in diesem Band, wie auch der ganzen Reihe, dass die Missverständnisse zwischen den Protagonisten so realistisch sind. Es ist immer gut nachvollziehbar, wie sie zustande kommen und nie wirkt es so, als wären sie irgendwie in die Geschichte gezwungen worden, um die Handlung voranzutreiben.

Was mir auch wieder gut gefallen hat, ist, wie die Beziehungen und Treffen zwischen den Freund:innen, die wir schon seit einigen Bänden begleiten dürfen, dargestellt werden. Ihre humorvollen Kommentare und Spitzen gegeneinander sind immer köstlich zu lesen und mensch bekommt das Gefühl, selbst in diesen Kreis integriert zu werden.

März 23

Biaoren – Die Klingen der Wächter 8 von Xianzhe Xu

Ayuya bekommt ihre erste Mission, um sich als angehende Grenzgängerin zu beweisen. Sie soll den jungen Ihnan zu einem Treffen der Tegreg-Stämme mit ihrem Herrscher, dem Heshana Khagan, eskortieren. Doch mächtige Leute wünschen, dass er sein Ziel nie erreicht…

In diesem Band treffen wir zwei altbekannte Figuren wieder: Ayuya, die tapfere Schützin, und den an seiner Ehre festhaltenden Pei Xingyan. Mich hat gefreut, dass wir mehr über den Verbleib der beiden erfahren haben, auch wenn ich gerne mehr darüber gelesen hätte, wie Daomas Abenteuer weitergehen.

Wie immer bekommen wir aber auch Flashbacks serviert, dieses Mal werden die Hintergrundgeschichten von Daoma und Kaiser Yang Guang beleuchtet, die neue Dimensionen dieser Figuren enthüllen und eine interessante Abwechslung darstellen.

An den Zeichnungen konnte ich mich wie gewohnt kaum sattsehen. Vor allem die Schlachten, in denen viele Leute in eine Szene gequetscht werden, sind beeindruckend. Und ein echtes Talent für Rüstungen und Pferde hat Xu Xianzhe auf jeden Fall auch.

Wie immer endet es spannend und ich freue mich schon auf den nächsten Abend. Allerdings gibt es inzwischen so viele Charaktere, dass wir insgesamt wenig Zeit mit den verschiedenen Figuren verbringe, weshalb mir die Bände inzwischen reichlich kurz vorkommen – mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.

März 23

Biaoren – Die Klingen der Wächter 7 von Xianzhe Xu

Daoma, Zishilang und der Rest der Truppe haben ihr Ziel erreicht: Die Höhle eines einsamen Schmiedes, der jahrelang daran gearbeitet hat, ein legendäres Schwert zu reparieren. Doch was hat das mit der geplanten Rebellion zu tun? Und wie lange wird es dauern, bis ihre Verfolger:innen aufholen?

Dieser Band besteht größtenteils aus Rückblicken, die die Geschichte des Schwertes und inwiefern sie mit den Unruhen im Land und Daomas Vergangenheit zu tun hat, beleuchten. Dabei bleibt die Action stellenweise auf der Strecke, was sich durch die Einblicke, die wir dadurch bekommen, aber auszahlt. Und in der zweiten Hälfte geht es sowieso wieder mit den blutigen Kämpfen weiter, wie gewohnt.

Auch die beiden Häscher:innen Diting und Kuizhi dürfen wir wieder in Aktion erleben und wir erfahren einiges über Zishilangs mysteriöse Pläne. Vor allem aber lernen wir den kleinen Stotterer besser kennen und erfahren sogar seinen Namen und seine Vergangenheit. Mir gefällt gut, mit welcher Sorgfalt die benannten Figuren hier behandelt werden – es ist nicht so, als würde Nebencharakter um Nebencharakter nur als Kanonenfutter in die Geschichte geworfen werden.

Wie immer sind die schwarz-weißen Zeichnungen perfekt getroffen. Was mich vor allem immer wieder beeindruckt, ist, wie unterschiedlich die Figuren aussehen und wie leicht mensch sie wiedererkennen kann, obwohl sie alle halbwegs realistisch gehalten sind.

Der siebte Band ist auf dem hohen Niveau seiner Vorgänger geblieben. Wie immer gibt es übertriebene Action mit spannenden Kampfszenen, und die Mysterien der Vergangenheit kommen erneut nicht zu kurz.

Juni 26

Escoffier: Dem Schuft verfallen von Tharah Meester

Nachdem Jackie nach einem Streit verletzt die Stadt verlassen hat, reist Bertie ihm sofort hinterher. Obwohl er es schafft, ihn ausfindig zu machen, verläuft ihre Wiedervereinigung alles andere als einfach und harmonisch. Hat ihre Liebe trotz der widrigen Umstände eine Chance?

Im mittlerweile dritten Band um die beiden Herren findet ihre Geschichte, die einer wahren Achterbahnfahrt der Gefühle gleicht, ihren wohlverdienten Abschluss. Und auch hier wird wieder abwechselnd gegrinst und geschluchzt.

Obwohl wir bereits so viel Zeit mit den beiden Protagonisten verbracht haben, überraschen sie auch hier wieder mit neuen Seiten von sich. Mensch merkt, dass viel Zeit und Liebe in die Ausarbeitung ihrer Charaktere geflossen ist und ihre widerspenstigen Persönlichkeiten sorgen für echte Spannung.

Aber nicht nur untereinander kracht’s, auch andere altbekannte Figuren schmieden Ränke und bringen die beiden in eine Gefahr, die nur mit der Hilfe ihrer Freunde und Bekannte gebannt werden könnte. Vor allem hat mich gefreut, dass Liam und Galen hier wieder positiver wegkommen und beweisen, dass es in dieser Reihe keine eindimensionalen Charaktere gibt.

Dieser Band hat wirklich alle offenen Wünsche erfüllt und auch wieder nicht mit bezaubernden Settings und Beschreibungen von Umgebung und Essen gespart, die einen auch abseits von der Liebesgeschichten zum Träumen bringen.

Juni 14

Jobst von Wüstenteich von Joachim R. Steudel

Als Jobst von seiner Pilgerreise, zu der er aufgebrochen war, um die Sünden seines Vaters zu tilgen, zurückkehrt, findet er sein Heimatdorf verlassen und niedergebrannt vor. Und schon bald wird er in eine Verschwörung verwickelt, die weit tiefere Hintergründe hat, als er erahnen konnte.

Jobst ist ein sehr sympathischer Protagonist. Entgegen der klischeehaften Darstellung von hartherzigen Rittern, die sonst zu der Zeit spielende Romane bevölkern, hat er sich eine Unschuld und Weltfremdheit bewahrt, durch die sein Wachstum im Verlauf der Handlung noch deutlicher wird.

Die anderen Figuren haben es ebenfalls in sich. Jede von ihnen hat eine ganz klare Motivation, die sich nach und nach enthüllt und ihr einen realistischen Platz in der Geschichte zuweist.

Die Welt, die hier dargestellt wird, basiert auf historischen Fakten, die dank des umfangreichen Glossars auch Laien ersichtlich werden und das Leben des 14. Jahrhunderts auch abseits vom Glanz der Burgen verdeutlichen.

Was mich (positiv) überrascht hat, ist, wie viel Platz hier dem Mysterium um Jobst‘ Herkunft und den Brand eingeräumt wird, sodass wir es hier eher mit einem historischen Thriller als einem reinen Action-Roman zu tun haben.

Juni 3

Raven – Blutauge von Giles Kristian

Als Wikinger unter der Führung von Jarl Sigurd das Dorf, in dem Osric nach dem Verlust seiner Erinnerungen untergekommen ist, überfallen und ihn entführen, lernt er die Lebensweise der Nordmänner kennen und schließt sich ihnen bald an.

Mit Action wird hier definitiv nicht gespart. Es gibt viele Kämpfe, die gekonnt beschrieben sind und obwohl hier Gewalt eindeutig glorifiziert sind, werden auch die „schmutzigen Seiten“ nicht verschwiegen.

Was jedoch wieder Spannung herausnimmt, ist die Persönlichkeit des Protagonisten. Er wird sehr unsympathisch dargestellt (fairerweise wird das von seinem Ich aus der Zukunft auch manchmal zugegeben), aber nicht auf eine Art und Weise, die interessant zu lesen ist. Stattdessen wirkt er eher wie ein rückgratloser Mitläufer, dessen Schicksal mir als Leser ziemlich egal war.

Das gilt auch für die Nebencharaktere, die alle sehr flach bleiben und dem klischeehaften Bild eines blutrünstigen Wikingers entsprechen, der sich nur für Saufen und Kämpfen interessiert. Dass so gut wie alle dieser Figuren eh sterben hilft auch nicht gerade dabei, ihnen etwas abzugewinnen.

Dazu kommt, dass viele Beschreibungen immer und immer wieder verwendet werden. Gefühlt in jedem Kampf werden die Nordmänner in exakt dem gleichen Wortlaut mit Kriegsgöttern verglichen, was es nicht unbedingt abwechslungsreicher macht. Trotzdem hat mich die Handlung gut unterhalten, wenn ich nicht zu genau darüber nachgedacht habe.

April 29

Biaoren – Die Klingen der Wächter – Band 6 von Xianzhe Xu

Daoma und seine Truppe reist weiter ins Ungewisse, geführt von dem Rebellenanführer Zhishilang. Doch auf dem Weg werden sie immer wieder von kaiserlichen Häschern aufgehalten und auch in anderen Gebieten des Reiches verschwören sich mächtige Kräfte gegen sie.

Auch in diesem Band lernen wir neue, interessante Charaktere kennen, allen voran Shubao, einen der besagten Häscher, und den einflussreichen Kriminellen Yuwen Zhiji, „der Pate“ genannt. Außerdem erfahren wir mehr über die bereits bekannten Figuren, es werden neue Hinweise auf die düstere Vergangenheit von Shu und Daoma selbst gemacht.

Wie aus den vorangegangenen Bänden bekannt, wird hier die perfekte Mischung aus Action, historischen Hintergründen und politischen Verflechtungen getroffen. Es bleibt immer spannend, egal, ob es um einen Dialog oder einen „richtigen“ Kampf geht.

Auch zeichnerisch wird hier wieder alles gegeben. Besonders hervorzuheben sind die rasanten Actionszenen, aber besonders angetan hat es mir auch das Gespräch zwischen General Yuwen Shu und seinem Kaiser, der immer wieder als Drache dargestellt wird, um seiner erdrückenden Präsenz das richtige Gewicht zu verleihen. Auch die Szene mit den Höhlenmalereien im letzten Kapitel hat mich künstlerisch sehr beeindruckt.

Der sechste Band von „Die Klingen der Wächter“ konnte mich wieder richtig begeistern. Ich konnte ihn von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen und kann die Fortsetzung kaum erwarten.