Juli 7

Etwas endet, etwas beginnt von Andrzej Sapkowski

„Etwas endet, etwas beginnt“ vereint acht Kurzgeschichten, von denen zwei im Universum der Hexer-Saga spielen. Dabei wird neben dem üblichen Fantasy-Genre überraschenderweise auch Horror aufgegriffen. Meistens nimmt sich Sapkowski aber eine bekannte Sage oder Geschichte vor und erzählt die versteckten Seiten davon auf seine eigene Art und Weise.

Eigentlich hätte ich gedacht, dass mich die Geschichten um Geralt und seine Eltern (!) am meisten überzeugen, aber die anderen haben mich positiv überrascht. Obwohl es nur Kurzgeschichten sind, sind die Persönlichkeiten der Figuren ausgeprägt und dreidimensional, sodass es mir nicht schwergefallen ist, mitzufiebern.

Die Horror-Geschichten haben meiner Meinung nach daran gelitten, dass die menschlichen ProtagonistInnen in den meisten Fällen so unsympathisch waren, dass ich ihnen ihr Schicksal sogar gegönnt habe. Das hat zwar nicht dafür gesorgt, dass ich die Handlungen und Konzepte selbst uninteressant gefunden habe, aber es hat einen beträchtlichen Teil der Spannung herausgenommen.

Außerdem zu erwähnen ist, dass sich vor jedem der Kapitel ein kurzes Vorwort befindet, in dem der Autor erzählt, was ihn dazu inspiriert hat und vor welchem Hintergrund er es geschrieben hat. Diese Einblicke in seine Arbeitsweise waren interessant zu lesen.

Insgesamt hat mich vor allem die Vielfalt der Geschichten überzeugt. Bevor eine Idee repetitiv werden konnte, hat schon die nächste angefangen, sodass keine Langeweile aufgekommen ist. Untermalt wird das Ganze natürlich wieder von Sapkowskis charakteristischem Schreibstil, der mir nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase inzwischen gut gefällt.

Juni 29

Das Schwert der Vorsehung von Andrzej Sapkowski

„Das Schwert der Vorsehung“ vereint sechs verschiedene Kurzgeschichten um den Hexer Geralt, Yennefer und sogar Ciri. Zwei davon kommen auch in abgewandelter Version in der Netflix-Serie vor.

Ich muss sagen, dass mir Sapkowskis Kurzgeschichten besser gefallen als der Hauptzyklus der Geralt-Saga, was wahrscheinlich daran liegt, dass sie aufs Beste reduziert sind und wirklich jede Szene einen Sinn hat. Zwar gibt es auch hier einige, die mir besser gefallen als die restlichen, insgesamt haben mich aber alle gut unterhalten und es gab keine Durststrecken.

Jede der Geschichten kommt mit einer überraschenden Wendung daher, die auch jedes Mal etwas über die Figuren und ihre Weltsicht verrät. Dazu kommt, dass hier die Mischung aus den Kämpfen gegen mystische Kreaturen und den Beziehungen und Dialogen der Charaktere gut gelungen ist und keiner dieser Aspekte Überhand nimmt.

Die Figuren selbst sind auch interessant. Im Mittelpunkt steht natürlich der Hexer selbst, der aufgrund seiner Mutation angeblich keine Emotionen fühlen kann und sich streng an seinen persönlichen Kodex hält. Die anderen Figuren sind ebenfalls unterhaltsam und vor allem ihre Diskussionen mit Geralt sind interessant zu lesen.

Wer Sapkowskis einzigartigen Schreibstil schätzt oder einfach auf der Suche nach kurzweiligen und spannenden Fantasy-Geschichten, die einige Klischees über den Haufen werfen, ist, wird mit dieser Sammlung definitiv seine Freude haben.

März 17

Die Dame vom See von Andrzej Sapkowski

Im letzten Band der Saga um Ciri, Geralt und Yennefer müssen sich die drei gemeinsam der letzten Gefahr stellen. Mit dem Rücken an der Wand stellen sie fest, dass sie nicht mehr fliehen können und ihre lange Reise geht zu Ende.

Stellenweise hat es sich ein bisschen so angefühlt, als würde der Autor eine Checkliste abarbeite, um die Schicksale aller Charaktere und die Enden aller Handlungsstränge noch irgendwie unterzubringen. Und trotzdem bleibt noch vieles offen, das ich gerne beantwortet gesehen hätte. Statt zu erfahren, was aus irgendeinem Nebencharakter wird, hätte ich mir eher gewünscht, mehr über die geheimnisvollen Hintergründe der Geschichte zu lesen.

Die Handlung an sich ist, obwohl sie teilweise stark in die Länge gezogen wird, spannend und ich habe mit den ProtagonistInnen mitgefiebert. Vor allem Ciri, Geralt und Yennefer sind einzigartige und sehr menschliche Charaktere, die nicht immer vernünftig handeln, sondern häufig auch ihren Schwächen nachgeben.

Ich muss auch das Kapitel, in dem die letzte große Schlacht des Kriegs der nördliche Königreiche gegen Nilfgaard beschrieben wird, noch einmal lobend erwähnen. Im Gesamtbild wirkt es zwar aus dem Kontext gerissen, die Beschreibung des Kampfes aus verschiedenen, aber allesamt interessanten Sichtweisen ist jedoch sehr gelungen. Vor allem, dass hier Charaktere wie ein Schreiber, der die Ereignisse Jahrzehnte später rekapituliert, SchülerInnen, die darüber in der Schule lernen und HeilerInnen zu Wort kommen, hat mir gut gefallen.

Das Finale lässt mich insgesamt mit gemischten Gefühlen zurück. Ich habe mich zwar beim Lesen die meiste Zeit über gut unterhalten gefühlt, bin aber der Meinung, dass viele Plots nicht zufriedenstellend beendet worden sind. Vor allem das eigentliche Ende will so gar nicht zum Rest der Geschichte passen.

Januar 7

Der Schwalbenturm von Andrzej Sapkowski

Im vierten Band der Hauptreihe um den Hexer Geralt kommt dieser natürlich auch wieder vor, es geht allerdings eher um Ciri, die sich von der Räuberbande der „Ratten“ löst und zum Schwalbenturm reisen will, um sich ihrem Schicksal zu stellen.

Besonders gelungen dargestellt wird hier Ciris Entwicklung. Durch ihre Zeit bei den Ratten und vor allem deren Ende hat sie einige interessante Entwicklungen durchgemacht, die sie von der optimistischen Hexerin aus Kaer Morhen zu einer vom Leben desillusionierten Kämpferin gemacht haben. Ihre Persönlichkeit mit allen Stärken und Schwächen wird realistisch beschrieben und man kann sich leicht in sie hineinversetzen.

Auch die Reise, die sie hinter sich bringt, ist spannend und lässt einen mitfiebern. Das gilt allerdings nur bedingt für die Geschehnisse, die den anderen Protagonist*innen widerfahren. Zwar ist auch die Geschichte um Geralt und seine Reisegruppe interessant, aber man bekommt das Gefühl, dass sie häufig einfach nur planlos umherwandern, und in der späteren Hälfte des Buches kommt sie gar nicht mehr vor.

Es gibt insgesamt viele Charaktere, die nur am Rande erwähnt werden. Bei Nebenfiguren, die nur in wenigen Szenen auftauchen und für die beschrieben wird, wie sie zum Beispiel Ciri wahrnehmen, hat das seinen Charme, allerdings hätte ich mir mehr von Yennefer und Triss erhofft, die beide eher mysteriöse Charaktere bleiben als welche, die man richtig kennenlernt.

Lässt man die Handlung Revue passieren, stellt man fest, dass die Protagonist*innen insgesamt nur wenig von der Stelle gekommen sind, das tut der Spannung beim Lesen jedoch keinen Abbruch. Alleine, um herauszufinden, wie es mit Ciri weitergeht und wie sich ihre Persönlichkeit verändert, lohnt es sich, dieses Buch zu lesen.