September 29

Inquisitor Nummer Sieben: An den Ufern des Chorena von Armin Moser

„Inquisitor Nummer Sieben“ verfolgt den ersten Auftrag ebendieses Inquisitors, der für den Orden der Magier von Quirilien die mysteriösen Todesfälle in einem abgeschiedenen Tal untersuchen und gleichzeitig mehr über das Verschwinden eines seiner Kollegen herausfinden soll.

Dabei kommt der Protagonist selbst sympathisch herüber. Obwohl er als Inquisitor seine Maske nie abnehmen und keine Vergangenheit haben darf, kämpft er immer wieder mit sich selbst, wenn er sich an vergangene Taten erinnert, die ihn überhaupt erst in diese Lage gebracht haben. Sympathisch macht ihn außerdem seine clevere Art, sich in Kämpfen zu behaupten, auch wenn er als Magier gewisse Schwächen hat.

Seine drei Begleiter, der Wassergeist H2O, die Magierin Kassandra und ihr Schüler Otto, sind ebenfalls nicht wegzudenken. Durch ihre Differenzen ergeben sie ein gutes Team, bei dem jedes Mitglied auf seine eigene Art und Weise zu den Geschehnissen beiträgt.

Die Handlung an sich ist spannend. Die Magie spielt hier eher eine untergeordnete Rolle: Obwohl sich die Hauptcharaktere ihrer bedienen können und die Mysterien einen magischen Ursprung haben, geht es in erster Linie um das Lösen dieses Rätsels, was immer wieder gekonnt durch Action aufgelockert wird.

Die kleinen Hinweise, die nach und nach eingestreut werden, halten den Leser bei der Stange und sorgen außerdem dafür, dass man bis zum Ende nicht weiß, wem man trauen kann und wer doch in die Angelegenheit involviert ist, sodass das Buch bis zur letzten Seite spannend bleibt.

September 25

Die Brut des Feuers von Drew Karpyshyn

Mit der Aussage „Die Brut des Feuers ist ein spannender und actionreicher Auftakt eines wahren Fantasy-Epos“ kann man nicht falschliegen. Und genau darin liegen auch die Stärken und Schwächen dieses Buches.

Man verfolgt die Schicksale der vier Kinder des Chaos: Des Hexers Keegan, der Seherin Cassandra, der Kriegerin Scythe und des „Königs“ Vaaler. Da sie alle in der gleichen, schicksalsträchtigen Nacht geboren worden sind, werden diese vier Ereignisse aneinandergereiht, gefolgt von den Kindheiten der Protagonisten. Das sorgt dafür, dass der Anfang extrem langsam ist und man sich durch die zahlreichen Zeitsprünge das eine ums andere Mal fragt, wann denn die richtige Geschichte losgeht.

Wenn sie es dann aber tut, ist es schwierig, das Buch aus der Hand zu legen. Die Leben der Vier werden auf interessante und überraschende Weisen miteinander verknüpft, auch wenn man vor allem in der Mitte der Geschichte das Gefühl bekommt, dass Keegan und Cassandra die wahren Protagonisten sind, während Vaalers Handlungsstrang eher repetitiv wirkt und ich an einer bestimmten Stelle seine Taten so gar nicht mit seiner bisherigen Persönlichkeit in Einklang bringen konnte.

Die Handlung an sich ist spannend und beinhaltet zwar einige Fantasy-Klischees wie einen Auserwählten der Götter, magische Artefakte und einen Krieg gegen dämonische Wesen, wartet aber auch mit eigenen Ideen auf. Besonders interessant ist für mich die Wirkungsweise der Magie, denn die Beschwörung des Chaos, wie es hier genannt wird, erfordert auch immer eine Gegenreaktion.

Alles in allem erwartet einen Leser, der genug Langmut beweist, ein solider Fantasy-Roman mit interessanten Charakteren und genügend Handlungssträngen für eine ganze Trilogie.

September 16

Wolfszeit: Bund der Verstoßenen von Bjela Schwenk

„Wolfszeit: Bund der Verstoßenen“ verfolgt die Geschichte von Tkemen, einem Krieger der Nairi, der von seinen alten Verbündeten gejagt wird, nachdem er des Mordes an seinem Kaiser bezichtigt wird, und der Verbündeten, die er auf dem Weg trifft. Im Laufe des Buches muss er allerdings einige schwierige Entscheidungen treffen, die ihn daran zweifeln lassen, ob er auf der richtigen Seite steht.

Im Mittelpunkt der Story stehen die namensgebenden Verstoßenen, von denen man besonders Tkemen, Kaya und Elais gut kennen- und liebenlernt. Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und wie diese sich aufgrund ihrer Vergangenheit herausgebildet haben, sowie die Beziehungen untereinander werden realistisch dargestellt. Meiner Meinung nach sind jedoch Haku und Thea, von denen man alleine aufgrund der Seitenzahl nicht so viel gesehen hat, zu kurz gekommen, was sich in den Nachfolgebänden aber wahrscheinlich ändern wird.

Auch die Charakterentwicklung der drei hat mir gefallen. Vor allem Elais hat eine interessante Veränderung durchgemacht, die ich überhaupt nicht erwartet hätte und die mich deshalb positiv überrascht hat.

Die Handlung selbst hebt sich auch von anderen des Genres ab, weil hier keine Helden gemeinsam ausziehen, um irgendeinen bösen Herrscher zu besiegen, sondern jeder seine eigenen Ziele verfolgt, die sie nur zu zufälligen Reisebegleitern machen.

Allerdings hatte ich auch oft beim Lesen das Gefühl, dass es sich wirklich nur um den ersten Teil einer Reihe handelt. Das soll nicht heißen, dass das Buch nicht spannende Highlights hatte, allerdings steht hier noch nicht so viel auf dem Spiel und viele interessante Handlungsfäden werden nur angedeutet, um in späteren Bänden genauer beleuchtet zu werden.

September 12

Falkenblut von Petra Hartmann

Ihr menschliches Leben lang versucht Valkrys, sich als würdig zu erweisen und als Walküre auserwählt zu werden, doch als sie es gerade geschafft hat, bricht Ragnarök herein und sie findet sich in den Trümmern von As- und Midgard wieder, alle Hoffnung auf den Asen Widar setzend.

Man bekommt hier also keinen direkten Einblick in die nordische Mythologie zu Hochzeiten, sondern erst nach ihrem Ende. Das hindert einen allerdings nicht daran, vieles über die Götter, Riesen und Geschichten, in die sie verwickelt waren, zu lernen, während man die spannende Story verfolgt.

Anfangs nur Weggefährten wider Willen, raufen sich Widar und Valkrys zusammen und sammeln auf ihrem Weg, der sie zu denkwürdigen Orten wie der Weltenesche Yggdrasil und dem Totenschiff Naglfari führt, auch noch weitere Verbündete ein, die den nordischen Sagen entspringen.

Die Handlung ist dabei immer wieder überraschend mit ihren Wendungen und es fällt einem nicht schwer, mitzufiebern. Vor allem die cleveren Pläne, die Valkrys in scheinbar aussichtslosen Situationen schmiedet, haben mich beeindruckt.

Insgesamt schafft es „Falkenblut“, die aus heutiger Sicht ziemlich trockene nordische Mythologie lebendig zu machen und den Leser vollkommen in diese Welt zu entführen – Ich hätte nicht gedacht, dass es auch nach der Apokalypse noch so hoch hergehen kann.

September 6

Die Finsternis der Engel von Edgar Leidner

„Die Finsternis der Engel“ verspricht, Engel aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten und neue Seiten an ihnen zu zeigen, was teilweise gelingt. Grob gesagt geht es um den Kampf zwischen den Gerechten und den Ausgestoßenen, wobei letztere versuchen, mithilfe eines uralten Rituals die Apokalypse einzuleiten und die Menschheit auszulöschen.

Was meiner Meinung nach die Spannung aus diesem vielversprechenden Plot nimmt, ist die Tatsache, dass ich vor allem am Anfang das Gefühl hatte, dass die Charaktere auf beiden Seiten planlos handeln. Besser wird das, nachdem das eigentliche Ziel der Ausgestoßenen verraten wird, aber auch dann gibt es viel Hin und Her, das repetitiv wirkt und keine der Seiten besonders professionell wirken lässt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass es auf der Seite der Protagonisten viele Charaktere gibt, von denen man gerade einmal den Namen erfährt, während man ihre Persönlichkeiten nicht kennenlernen darf. Das führt dazu, dass auch die Kampfszenen, von denen es viele gibt, an Spannung verlieren, weil man sich nicht wirklich in die Figuren hineinversetzt.

Trotzdem schafft es das Buch, eine andere Perspektive auf Engel an sich zu präsentieren. Das liegt einmal an deren Organisationsstrukturen, an der Art, wie sie Magie nutzen und auch an ihren Charakterzügen. Dass zum Beispiel die Protagonisten, die durchgängig „Die Gerechten“ genannt werden, ihre Feinde foltern und dabei noch Witze reißen, hat mich überrascht. Auch sonst waren sie weit davon entfernt, perfekt zu sein und haben sogar schwerwiegende Fehler gemacht, was ich interessant fand.

Auch die Art der Apokalypse, die Casteran lostreten will, ähnelt keiner, die ich bisher in Filmen oder Büchern gesehen habe. Ihre Hintergrundgeschichte, ihr Voranschreiten und die Weise, auf die der Menschheit den Garaus gemacht werden sollen, sind wirklich kreativ umgesetzt worden.

Alles in allem ist meine Meinung ziemlich zwiegespalten. Es gibt definitiv interessante Aspekte, über die ich stellenweise gerne mehr erfahren hätte, insgesamt ging mir die Handlung aber viel zu schleppend voran, was vor allem an der Jagd der Engel aufeinander und ihr Ziel liegt, die den Großteil des Buches einnimmt und mir immer wieder das Gefühl gegeben hat, dass sich die Handlung im Kreis dreht.

September 1

Feuererwachen von Rosaria Munda

„Feuererwachen“ verfolgt Annie und Lee, die zu Drachenreitern ausgebildet werden und beide Anwärter auf den Rang des „Ersten Reiters“ sind. Während das Buch sich anfangs darauf konzentriert, die beiden Protagonisten und ihre Ursprünge, die gleichzeitig beträchtliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufweisen, vorzustellen und ihre Teilnahme an diesem Wettkampf zu beschreiben, wird es bald ernster, als Callipolis der Krieg erklärt wird.

Zwar war ich anfangs aufgrund des Settings der Akademie,  das meiner Meinung nach in zu vielen Büchern genutzt wird, skeptisch, aber Rosaria Munda hat es schnell geschafft, mir diese Zweifel auszutreiben und zu beweisen, dass diese Welt vor allem im Hinblick auf den Vergleich zwischen der Zeit vor und nach der Revolution viel mehr Tiefe zu bieten hat, als es anfangs den Anschein an. Es gibt hier kein Schwarz-Weiß-Denken, stattdessen sind alle Figuren und ihre Handlungen menschlich, realistisch und damit auch fehleranfällig.

Die Beschreibung dieser Welt und ihrer Ständegesellschaft, die im Gegensatz zu dem vorherigen Regime steht, ist sehr gelungen. Man kriegt schnell ein Gefühl für die verschiedenen sozialen Klassen und die Vorurteile, die zwischen ihnen herrschen, durch die Rückblicke bekommt man aber auch eine Ahnung davon, wie es vorher gewesen ist und was die Revolution, die vor der Handlung dieses Bandes geschehen ist, ausgelöst hat.

Die Charaktere selbst sind definitiv eine Stärke dieses Buches, denn obwohl man im Laufe der Geschichte viele von ihnen kennenlernt, hat man immer das Gefühl, dass sie mit Motivationen und Persönlichkeiten ausgestattet wurden. Allen voran natürlich Annie und Lee, deren Differenzen einen großen Teil der Spannung ausmachen, sodass man selbst immer zwischen ihren Ansichten hin- und hergerissen ist.

Interessant ist auch, dass es außer den Drachen keine Fantasy-Elemente gibt. Auf Zauberer, Prophezeiungen und magische Schwerter wird hier verzichtet, was ich sehr erfrischend finde.

Insgesamt hat mich dieses Buch angenehm überrascht und alle meine Vorurteile aus dem Weg geräumt. Die Mischung aus den persönlichen Schicksalen der Figuren, den Intrigen innerhalb der neuen Herrschaftsstrukturen und dem drohenden Krieg, dessen Vorbereitung ungeahnte Opfer fordert, macht „Feuererwachen“ zu einem Erlebnis, das ich ohne zu zögern weiterempfehlen kann.

August 27

Eve: Damcitys Fluch von Lucian Caligo

Im letzten Band der ersten Staffel muss sich Eve dem Drahtzieher hinter den Angriffen stellen, die sie und ihre Verbündeten schon seit dem ersten Teil plagen und sich dabei in sein Reich begeben, in dem er ihr überlegen ist.

Dabei werden die bisher aufgestellten Handlungsstränge zusammengeführt und einige Fragen beantwortet, jedoch werden auch genug Mysterien für die zweite Staffel übrig gelassen, beziehungsweise eingeführt.

Erneut besticht die Geschichte durch ihre düstere Story, die starke Protagonistin, der es trotz ihrer Rolle als Rächerin nicht an Tiefe mangelt, und die spannend beschriebene Action.

Alles in allem ist „Damcitys Fluch“ ein gelungenes Staffelfinale, nach dem man noch längst nicht genug von dieser Welt und ihren Bewohnern hat.

August 26

Eve: Gejagt von Lucian Caligo

In der dritten Episode der ersten Staffel spitzt sich die Lage noch weiter zu. Immer mehr Details über die kriminelle Organisation, die im Hintergrund die Fäden zieht, kommen ans Licht, gleichzeitig werden die Protagonisten mit einer noch größeren Bedrohung als bisher konfrontiert.

Die Stärken der vorherigen beiden Bände sind auch in diesem präsent: Eine actionreiche Story, durch die immer wieder übernatürliche Elemente durchscheinen, eine interessante Figurenkonstellation und eine Heldin, die die Stärken der Maske zu nutzen weiß, aber immer mehr von ihr vereinnahmt wird.

Im dritten Teil gibt es nicht nur Feinde, die Eve mehr als gewachsen sind, auch ihr Innenleben stellt eine Bedrohung dar, als sich immer stärker herauskristallisiert, dass sie emotional von der Abschottung, die die Maske bietet, abhängig wird.

Insgesamt ist es eine gelungene Geschichte, die das Staffelfinale gekonnt einleitet und auf ein explosives Ende zusteuert, auf das man sich als Leser freuen kann.

August 25

Eve: Herzensangelegenheit von Lucian Caligo

Im zweiten Band der ersten Staffel sehen sich Eve und ihre Verbündeten einer kriminellen Organisation gegenüber, die Obdachlose ermordet, um ihre Organe zu stehlen. Eine düstere Story, die zu dem vom Bürgerkrieg verwüsteten Damcity passt und die Protagonisten vor interessante Herausforderungen stellt.

Aber nicht nur äußere Feinde machen der Gruppe zu schaffen, auch innere Streitigkeiten drohen, sie zu entzweien. Wie schon im ersten Band sind die Beziehungen zwischen Clark, Lucian und Eve selbst und wie sie aufeinander treffen, interessant beschrieben und vermitteln ein gutes Gefühl für deren Persönlichkeiten.

Ohne zu viel verraten zu wollen, gibt es auch wieder Anspielungen auf magische Rituale, die einen denken lassen, dass hinter der auf den ersten Blick realistisch erscheinenden Story mehr steckt, und einen gespannt auf die nächste Kurzgeschichte in der Reihe machen.

Insgesamt ist es eine gelungene Geschichte, in der man eine neue Perspektive auf Eve als Charakter, aber auch gehörig Action um die Ohren gepfeffert bekommt.

August 24

Eve: Maske des Zorns von Lucian Caligo

Eve ist eine maskierte Rächerin, die die düstere Stadt Damcity (für Verbrecher) unsicher macht. Aber was hat es mit ihrer silbernen Maske auf sich? Und woher hat sie ihre fast übermenschlich erscheinenden Fähigkeiten?

Der erste Band der Reihe beschäftigt sich unter anderem mit diesen Fragen, beschreibt aber auch, wie sich Eve anfangs in der Stadt und ihrer neuen Rolle zurechtfinden muss und wie sie sich ihrer Aufgabe als Heldin annimmt.

Schön ist, dass dabei einige Klischees ausgelassen wurden, sodass man nicht mit Szenen gelangweilt wird, die man so oder in ähnlicher Ausführung bereits dutzende Male gelesen hat. Stattdessen steigt man gleich in die Action ein.

Zur Seite stehen ihr wenige Verbündete, die sich ebenfalls erst einmal mit ihrer Veränderung anfreunden müssen und nicht immer einer Meinung sind. Obwohl man diese Gruppe nach dem Ende dieses Bandes erst wenige Seiten lang kennt, bekommt man ein gutes Gefühl für ihre Persönlichkeiten und Konflikte.

Auch der Schreibstil konnte mich überzeugen, denn er liest sich sehr flüssig und hat in den Kampfszenen kein Problem, die Action gut rüberzubringen.

Insgesamt führt dieser erste Band den Leser in eine interessante Welt ein und stellt auch einige Konfliktfelder in den Raum, die einen dazu anregen, die Geschichte um Eve und ihre Verbündete weiter zu verfolgen.