März 19

Kilian: Die letzten Rebellen von Liam Heymayr

Im zweiten Band der Reihe schließt sich Kilian den Schattendolchen an, einer Gruppe von Assassinen, die gegen die korrupten Radonier vorgehen.

Kilian ist immer noch ein starker Protagonist, der nun einmal kein 0815-Assassine ist, sondern seine eigene Persönlichkeit mitbringt, was ihn sehr sympathisch macht. Vor allem sein innerer Monolog macht es einem leicht, sich in ihn hineinzuversetzen, weil mensch seine Gedanken und Handlungen leicht nachvollziehen kann.

Aus dem ersten Band bekannte Nebencharaktere kommen leider nur am Rand vor, dafür lernt mensch Vernon und Kayle, über den hier nicht mehr verraten werden soll, (besser) kennen.

Die Handlung bleibt spannend und vor allem das Ende hat es in sich. Dass Kilian nun nicht mehr alleine arbeitet, bringt noch mehr Abwechslung in die Sache, weil sich ihm dadurch ganz neue Möglichkeiten für seinen Kampf gegen die Radonier bieten.

Schade ist nur, dass diese Episode schon wieder viel zu schnell vorbeigegangen ist. Diese Reihe hat auf jeden Fall noch viel Potential für interessante Handlungsstränge und ich freue mich auf den dritten Band.

März 17

Die Dame vom See von Andrzej Sapkowski

Im letzten Band der Saga um Ciri, Geralt und Yennefer müssen sich die drei gemeinsam der letzten Gefahr stellen. Mit dem Rücken an der Wand stellen sie fest, dass sie nicht mehr fliehen können und ihre lange Reise geht zu Ende.

Stellenweise hat es sich ein bisschen so angefühlt, als würde der Autor eine Checkliste abarbeite, um die Schicksale aller Charaktere und die Enden aller Handlungsstränge noch irgendwie unterzubringen. Und trotzdem bleibt noch vieles offen, das ich gerne beantwortet gesehen hätte. Statt zu erfahren, was aus irgendeinem Nebencharakter wird, hätte ich mir eher gewünscht, mehr über die geheimnisvollen Hintergründe der Geschichte zu lesen.

Die Handlung an sich ist, obwohl sie teilweise stark in die Länge gezogen wird, spannend und ich habe mit den ProtagonistInnen mitgefiebert. Vor allem Ciri, Geralt und Yennefer sind einzigartige und sehr menschliche Charaktere, die nicht immer vernünftig handeln, sondern häufig auch ihren Schwächen nachgeben.

Ich muss auch das Kapitel, in dem die letzte große Schlacht des Kriegs der nördliche Königreiche gegen Nilfgaard beschrieben wird, noch einmal lobend erwähnen. Im Gesamtbild wirkt es zwar aus dem Kontext gerissen, die Beschreibung des Kampfes aus verschiedenen, aber allesamt interessanten Sichtweisen ist jedoch sehr gelungen. Vor allem, dass hier Charaktere wie ein Schreiber, der die Ereignisse Jahrzehnte später rekapituliert, SchülerInnen, die darüber in der Schule lernen und HeilerInnen zu Wort kommen, hat mir gut gefallen.

Das Finale lässt mich insgesamt mit gemischten Gefühlen zurück. Ich habe mich zwar beim Lesen die meiste Zeit über gut unterhalten gefühlt, bin aber der Meinung, dass viele Plots nicht zufriedenstellend beendet worden sind. Vor allem das eigentliche Ende will so gar nicht zum Rest der Geschichte passen.

Februar 20

WuchtBewahrer von Dan Dreyer

Im zweiten Teil der FlammenBringer-Reihe lernt Lysander Hartherz mehr über seine Fähigkeiten als Magier, Nathaniel Lockwood muss sich einer ganz anderen Herausforderung stellen und Keno Grimmfaust seinen Ruf als der „Unbesiegbare“ verteidigen.

Dabei werden die Stärken des ersten Bands weiter ausgebaut: Gut strukturierte Schlachtenszenen, bei denen mensch Einblicke in die Strategien der Feldherren und die direkten Kampfhandlungen bekommt, ein einzigartiges Magiesystem, das nach und nach seine Geheimnisse enthüllt und drei sehr unterschiedliche Protagonisten, in die mensch sich leicht einfühlen kann.

Auch Figuren, die ich bisher als nicht allzu wichtig eingeschätzt hatte, tauchen wieder auf und beeinflussen die Handlung auf unvorhergesehene Art und Weise. Sowohl die Haupt- als auch die Nebencharaktere haben nachvollziehbare Motivationen und die Handlungsstränge kreuzen sich wieder auf glaubhafte Arten und Weisen.

Gut gelungen ist auch, dass Lysander trotz seiner unglaublichen Potentiale nicht unbesiegbar ist, sodass auch der Plot um ihn spannend bleibt und einige Überraschungen beinhaltet.

Es ist mir schwer gefallen, dieses Buch aus der Hand zu legen, weil ich bei allen drei Protagonisten wissen wollte, wie es weitergeht, auch wenn Nathaniel dieses Mal leider ein bisschen zu kurz gekommen ist. Der zweite Band ist definitiv eine würdige Fortsetzung des ersten und baut weiter aus, was dieser begonnen hat, sodass ich mich jetzt umso mehr auf den dritten freue.

Januar 7

Der Schwalbenturm von Andrzej Sapkowski

Im vierten Band der Hauptreihe um den Hexer Geralt kommt dieser natürlich auch wieder vor, es geht allerdings eher um Ciri, die sich von der Räuberbande der „Ratten“ löst und zum Schwalbenturm reisen will, um sich ihrem Schicksal zu stellen.

Besonders gelungen dargestellt wird hier Ciris Entwicklung. Durch ihre Zeit bei den Ratten und vor allem deren Ende hat sie einige interessante Entwicklungen durchgemacht, die sie von der optimistischen Hexerin aus Kaer Morhen zu einer vom Leben desillusionierten Kämpferin gemacht haben. Ihre Persönlichkeit mit allen Stärken und Schwächen wird realistisch beschrieben und man kann sich leicht in sie hineinversetzen.

Auch die Reise, die sie hinter sich bringt, ist spannend und lässt einen mitfiebern. Das gilt allerdings nur bedingt für die Geschehnisse, die den anderen Protagonist*innen widerfahren. Zwar ist auch die Geschichte um Geralt und seine Reisegruppe interessant, aber man bekommt das Gefühl, dass sie häufig einfach nur planlos umherwandern, und in der späteren Hälfte des Buches kommt sie gar nicht mehr vor.

Es gibt insgesamt viele Charaktere, die nur am Rande erwähnt werden. Bei Nebenfiguren, die nur in wenigen Szenen auftauchen und für die beschrieben wird, wie sie zum Beispiel Ciri wahrnehmen, hat das seinen Charme, allerdings hätte ich mir mehr von Yennefer und Triss erhofft, die beide eher mysteriöse Charaktere bleiben als welche, die man richtig kennenlernt.

Lässt man die Handlung Revue passieren, stellt man fest, dass die Protagonist*innen insgesamt nur wenig von der Stelle gekommen sind, das tut der Spannung beim Lesen jedoch keinen Abbruch. Alleine, um herauszufinden, wie es mit Ciri weitergeht und wie sich ihre Persönlichkeit verändert, lohnt es sich, dieses Buch zu lesen.

Dezember 11

TONKARI – Der lange Marsch von C.J. Knittel

„TONKARI – Der lange Marsch“ handelt von dem Gelehrten Horkai, der die Chance seines Lebens nutzt und sich auf eine Reise in den rauen Norden begibt, um die Schneewölfe zu erforschen. Doch bald erweist sich die Gruppe als den Gefahren nicht gewachsen und die Forschungsreise wird zu einer wahren Odyssee.

Dabei lernen Horkai und der Leser den Norden und das Volk der Tonkari von überraschenden Seiten kennen. Mir hat besonders gut gefallen, wie die Igelmenschen und ihre kulturellen Unterschiede und Traditionen ausgearbeitet worden sind. Man bekommt das Gefühl, dass es sich um wirklich lebendiges Volk handelt, nicht um ein Fantasy-Abziehbild.

Das gilt auch für den Protagonisten. Obwohl er sich im Verlauf der Handlung mehrere Male in lebensbedrohlichen Situationen befindet, bleibt er seiner Rolle als Gelehrter treu und zeigt Interesse an der fremden Kultur der Tonkari und, was mich persönlich gefreut hat, auch Mitleid mit Tieren.

Seine innere Zerrissenheit, die durch seinen Wissensdurst und die Abenteuerlust auf der einen und die Sehnsucht nach seiner Familie auf der anderen Seite hervorgerufen wird, ist auch sehr eindrucksvoll dargestellt worden und es hat mir keine Schwierigkeiten bereitet, mich in ihn hineinzuversetzen.

Alles in alles ist diese Geschichte für ihr Genre ungewöhnlich. Obwohl sie brutal werden kann, wird die Welt als wunderschön und einzigartig beschrieben und man sieht sie nicht durch die Augen eines Kriegers, sondern eines eigentlich friedfertigen Menschen.

Dezember 6

Kilian: Der letzte Assassine von Liam Heymayr

Nachdem Kilians Familie nach einem Verrat öffentlich hingerichtet worden ist, sinnt er auf Rache. Doch bald muss er feststellen, dass im Leben nun einmal nichts so kommt, wie man es plant…

„Der letzte Assassine“ ist ein vielversprechender Auftakt der Saga. Man lernt die Welt, den Konflikt und einige interessante Charaktere kennen, und obwohl die Handlung des Bandes in sich abgeschlossen ist und ein spannendes Finale präsentiert, möchte man danach noch mehr erfahren.

Kilian selbst ist ebenfalls eine interessante Persönlichkeit. Man trifft ihn praktisch am Tiefpunkt seines Lebens, sodass es einem nicht schwerfällt, mitzufühlen und seine Handlungen nachzuvollziehen. Auch seine eigentlichen Moralvorstellungen, was das Töten angeht, machen ihn zu einem ziemlich einzigartigen Protagonisten.

Dabei werden seine Aktionen und Attentate sehr flüssig beschrieben, sodass man das Gefühl bekommt, dass der Autor sich nicht nur viele Gedanken über die Taktik eines Assassinen, sondern auch die Umgebung, in der die Geschichte stattfindet, gemacht hat.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass die Antagonisten noch ein bisschen eindimensional wirken. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich das in den Nachfolgebänden, in denen mehr Platz für die Hintergründe und Motivationen der Charaktere ist, noch ändern wird.

November 4

Eiselfen Sammelband von Josefine Gottwald

Was mir an der Eiselfen-Saga besonders gut gefällt, ist die vielschichtige Mischung der Bücher: Einerseits erfährt man etwas über einen seit Generationen währenden Krieg, die taktischen Überlegungen dahinter und die actionreich beschriebenen Kämpfe, andererseits kommen auch das Innenleben der Figuren und ihre zwischen“menschlichen“ Beziehungen nicht zu kurz.

Die Charaktere sind alle dreidimensional und mit Leben gefüllt. Sie erfüllen nicht einfach stumpfe Klischees, sondern haben nachvollziehbare Motivationen und sind oft mehr, als sie zu sein scheinen. Vor allem in die Protagonisten kann man sich gut hineinversetzen und sie werden einem schnell sympathisch.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, und da es sich Kurzromane handelt, gibt es hier keine komplett ausufernden Beschreibungen, die auch hätten gekürzt werden können, sodass man das Gefühl bekommt, die ganze Zeit über gut unterhalten zu werden.

Dazu kommen die Zeichnungen, durch die man einem Einblick darein bekommt, wie sich die Autorin die jeweiligen Szenen und Umgebungen vorgestellt hat.

Die Bände sind von der Haupthandlung her in sich abgeschlossen, aber jeder einzelne trägt mehr zu Charakterentwicklung und Worldbuilding bei, sodass es Spaß macht, sie alle hintereinander zu lesen.

Oktober 25

Gebrochene Welt von Robin Band

„Gebrochene Welt“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die alle im Bereich Fantasy oder Science Fiction angesiedelt sind und häufig zum Thema haben, wie Menschen dem Übernatürlichen oder Unerklärbaren begegnen.

Die Geschichten stechen besonders durch ihre Kreativität heraus. Häufig haben sie ein eindrucksvolles und einzigartiges Setting und ziehen einen schon alleine dadurch in den Bann. So gibt es hier zum Beispiel keine Apokalypse durch einen Meteoriteneinschlag oder eine Seuche, sondern durch eine neue Eiszeit. Auch die Geschichten, deren Setting einem bekannt vorkommt, nutzen dieses auf kreative Art und Weise aus.

Durch das Format der Kurzgeschichte ist es aber auch klar, dass die Charaktere nicht viel Zeit bekommen, sich zu entwickeln. Es geht insgesamt mehr darum, interessante Prämissen auszuprobieren, was definitiv gelungen ist und die Geschichten sehr unterhaltsam macht.

Eine Ausnahme bildet da die vorletzte Geschichte, die den meisten Platz eingeräumt bekommen hat. In dieser kann man sich richtig mit der Protagonistin identifizieren und mitfiebern, was eine schöne Abwechslung dargestellt hat.

Auch die „Zusammenarbeit“ am Ende, wo überraschend viele Autoren an einer einzigen Geschichte geschrieben haben, hat mich positiv überrascht, weil mir keine störenden Brüche zwischen den Schreibstilen aufgefallen sind und sich ein schlüssiges Gesamtkonstrukt herausgebildet hat.

Oktober 2

Die Siegel Exaleiphons: Reenas Schatten von Janine Prediger

Als Reena ihr gewohntes Leben in der Armee verlassen muss, nachdem sie die Kontrolle über ihren „Schatten“, der sie schon seit der Kindheit begleitet, verloren hat, ahnt sie nicht, was für eine Kette von Ereignissen sie damit in Gang gesetzt hat. Plötzlich haben allerlei zwielichtige Gestalten Interesse an ihr und sie weiß nicht mehr, wem sie trauen kann…

Schon das Konzept dieses Buchs hat mich überzeugt. Es werden Elemente von Horror und Fantasy auf eine einzigartige Art und Weise vermischt, gleichzeitig wechseln sich Abschnitte, in denen man mehr über die Hintergründe erfährt, und Actionpassagen immer zum perfekten Zeitpunkt ab.

Die Handlung bietet einige Wendungen und es werden auch häufig frühere Passagen überraschend wieder aufgegriffen, sodass man am Ende das Gefühl bekommt, ein stimmiges Gesamtkonstrukt geliefert bekommen zu haben, das die Autorin gut durchdacht hat.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Ende ein bisschen zu plötzlich kommt, denn es hat meiner Meinung nach nicht genug Anspielungen auf diesen Plottwist gegeben, um ihn wirklich glaubhaft zu machen.

Interessant ist hingegen die Protagonistin, die einige Ecken und Kanten hat. Anfangs sorgt das dafür, dass man bei ihren Aussagen mehr als einmal die Augen verdreht, im Laufe der Geschichte wird man trotzdem von den Ereignissen, die ihr zustoßen, gefesselt und man fiebert bis zur letzten Seite gespannt mit.

September 30

Meine Werke – Gesamtausgabe von Linda Eicher

Diese Gesamtausgabe der Werke von Linda Eicher sammelt drei Kurzgeschichten, die ich dem Mystery-Genre zuweisen würde, und zahlreiche Gedichte mit den Themen Natur, Emotionen, vor allem Liebe, und Glauben.

Die Kurzgeschichten haben alle eine Art Twist oder ein Mysterium, das gelöst werden muss. Die Ideen, die hinter ihnen stehen, sind allesamt interessant und kreativ. Da die Geschichten ziemlich kurz sind, sind sie auch auf das Beste reduziert.

Das hat allerdings auch dazu geführt, dass die Beschreibungen etwas zu kurz geworden sind, wodurch die allgemeine Atmosphäre teilweise gelitten hat.

Die Gedichte folgen „typischen“ Reimschemata. An manchen Stellen wirkt die Satzstellung dadurch etwas holprig, insgesamt ist es aber beeindruckend, dass sich wirklich so gut wie jedes der Gedichte reimt.

Wie oben angesprochen gehören die angesprochenen Themen alle eher in einen emotionsgeladenen, teilweise auch esoterischen Bereich, weshalb ich sie als Atheist nicht wirklich fair bewerten kann. Wer an ihnen Freude haben möchte, sollte also wahrscheinlich an Gott glauben.