Juli 18

The Elder Scrolls: Der Seelenlord von Greg Keyes

Während Annaïg sich in den teuflischen Küchen Umbriels hocharbeitet und dort immer schlimmere Taten vollbringen muss, um die Fürsten zufriedenzustellen, wird Mere-Glim zu einem Idol der Untergrundbewegung auf der Insel. Auch Attrebus und Sul befinden sich auf einer gefährlichen Reise, auf der sie verzweifelt nach einer Möglichkeit suchen, Umbriel aufzuhalten…

Auch hier gibt es wieder ein sehr interessantes Worldbuilding, das sich zum Teil aus bestehender Elder Scrolls-Lore zusammensetzt und zum Teil für die beiden Bücher erfunden wurde. Vor allem die Beschreibung von Umbriel und dem Leben dort hat es mir angetan, auch wenn sie im zweiten Band keinen Überraschungseffekt mehr auf ihrer Seite hat.

Die Charakterentwicklung und vor allem wie Attrebus und Annaïg durch ihre Erlebnisse verändert worden sind, hat mir auch gut gefallen. Allerdings finde ich, dass mehr aus der Entfremdung zwischen ihr und Glim hätte werden sollen, weil sie sich nach einem sehr dramatischen Höhepunkt praktisch ins Nichts aufgelöst hat.

Auch der Plot um Mazgar und Brennus ist am Ende auf nichts hinausgelaufen und hätte gestrichen werden können. Colins Storyline hätte auch ein bisschen mehr Ausarbeitung verdient. Das ändert allerdings nicht daran, dass ich mich von der ersten bis zur letzten Seite unterhalten gefühlt und mitgefiebert habe.

Mit seinen sympathischen ProtagonistInnen, der spannenden Handlung und der farbenfrohen Welt verdient auch der zweite Teil eine Chance. Vor allem, dass er trotz des Erfolgs der Elder Scrolls-Reihe eine eigene Geschichte erzählt und nicht einfach einen Handlungsstrang aus einem Spiel kopiert, hat mich gefreut.

Juli 7

Etwas endet, etwas beginnt von Andrzej Sapkowski

„Etwas endet, etwas beginnt“ vereint acht Kurzgeschichten, von denen zwei im Universum der Hexer-Saga spielen. Dabei wird neben dem üblichen Fantasy-Genre überraschenderweise auch Horror aufgegriffen. Meistens nimmt sich Sapkowski aber eine bekannte Sage oder Geschichte vor und erzählt die versteckten Seiten davon auf seine eigene Art und Weise.

Eigentlich hätte ich gedacht, dass mich die Geschichten um Geralt und seine Eltern (!) am meisten überzeugen, aber die anderen haben mich positiv überrascht. Obwohl es nur Kurzgeschichten sind, sind die Persönlichkeiten der Figuren ausgeprägt und dreidimensional, sodass es mir nicht schwergefallen ist, mitzufiebern.

Die Horror-Geschichten haben meiner Meinung nach daran gelitten, dass die menschlichen ProtagonistInnen in den meisten Fällen so unsympathisch waren, dass ich ihnen ihr Schicksal sogar gegönnt habe. Das hat zwar nicht dafür gesorgt, dass ich die Handlungen und Konzepte selbst uninteressant gefunden habe, aber es hat einen beträchtlichen Teil der Spannung herausgenommen.

Außerdem zu erwähnen ist, dass sich vor jedem der Kapitel ein kurzes Vorwort befindet, in dem der Autor erzählt, was ihn dazu inspiriert hat und vor welchem Hintergrund er es geschrieben hat. Diese Einblicke in seine Arbeitsweise waren interessant zu lesen.

Insgesamt hat mich vor allem die Vielfalt der Geschichten überzeugt. Bevor eine Idee repetitiv werden konnte, hat schon die nächste angefangen, sodass keine Langeweile aufgekommen ist. Untermalt wird das Ganze natürlich wieder von Sapkowskis charakteristischem Schreibstil, der mir nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase inzwischen gut gefällt.

Juni 29

Das Schwert der Vorsehung von Andrzej Sapkowski

„Das Schwert der Vorsehung“ vereint sechs verschiedene Kurzgeschichten um den Hexer Geralt, Yennefer und sogar Ciri. Zwei davon kommen auch in abgewandelter Version in der Netflix-Serie vor.

Ich muss sagen, dass mir Sapkowskis Kurzgeschichten besser gefallen als der Hauptzyklus der Geralt-Saga, was wahrscheinlich daran liegt, dass sie aufs Beste reduziert sind und wirklich jede Szene einen Sinn hat. Zwar gibt es auch hier einige, die mir besser gefallen als die restlichen, insgesamt haben mich aber alle gut unterhalten und es gab keine Durststrecken.

Jede der Geschichten kommt mit einer überraschenden Wendung daher, die auch jedes Mal etwas über die Figuren und ihre Weltsicht verrät. Dazu kommt, dass hier die Mischung aus den Kämpfen gegen mystische Kreaturen und den Beziehungen und Dialogen der Charaktere gut gelungen ist und keiner dieser Aspekte Überhand nimmt.

Die Figuren selbst sind auch interessant. Im Mittelpunkt steht natürlich der Hexer selbst, der aufgrund seiner Mutation angeblich keine Emotionen fühlen kann und sich streng an seinen persönlichen Kodex hält. Die anderen Figuren sind ebenfalls unterhaltsam und vor allem ihre Diskussionen mit Geralt sind interessant zu lesen.

Wer Sapkowskis einzigartigen Schreibstil schätzt oder einfach auf der Suche nach kurzweiligen und spannenden Fantasy-Geschichten, die einige Klischees über den Haufen werfen, ist, wird mit dieser Sammlung definitiv seine Freude haben.

Juni 20

Tinte & Siegel von Kevin Hearne

Als auch Gordie, der letzte Lehrling des Siegelmagiers Al MacBharrais, eines mysteriösen Todes stirbt, wird dieser auf dessen düstere Machenschaften aufmerksam: In Wahrheit steckte er bis zum Hals im illegalen Handel mit Feenwesen! Ein Vertragsbruch, dem MacBharrais auf den Grund gehen muss…

Anhand dieser kurzen Beschreibung wird schon klar, dass „Tinte & Siegel“ keine 0815-Fantasy ist. Das Buch spielt in der Gegenwart und verbindet die Elemente dieser Zeit immer wieder humorvoll mit den magischen Aspekten der Story. Sowieso nimmt sich die Geschichte selbst nicht allzu ernst und ist deshalb locker zu lesen.

Das auf magischen Siegeln, die mit sehr speziellen Tinten gezeichnet werden müssen, basierende Magiesystem hat mich ebenfalls positiv überrascht, weil es den Protagonisten mit interessanten Stärken und Schwächen ausstattet. Ich hätte mir nur gewünscht, ein paar abgefahrenere Anwendungen davon lesen zu dürfen.

Auch die Figuren haben mir gefallen. MacBharrais selbst ist sympathisch und trotz seines hohen Alters immer für einen Spaß zu haben, aber auch der freche, aber treue Hobgoblin Buck und die taffe Pitfighterin Nadia haben es mir angetan. Alleine die Chemie zwischen diesen dreien würden einen zweiten Band schon rechtfertigen.

Dazu kommt noch die Welt mit ihren verschiedenen Gottheiten und Feenwesen, die großes Potential bietet. In diesem Band werden vor allem Wesen der schottischen und irischen Mythologie hervorgehoben, was eine interessante Abwechslung zu den „üblichen“ Wesenheiten darstellt.

Juni 10

Zeittüren von Yves Gorat Stommel

Als der siebzehnjährige Niklas eine Tür findet, die ihn sowohl örtliche als auch zeitliche Distanzen in Sekundenschnelle überwinden lässt, beginnt seine Karriere als Gelegenheitsdieb. Doch er ist nicht der Einzige, der dieses Geheimnis ergründet, und bei Weitem nicht der mit den finstersten Absichten…

Wer glaubt, er hätte schon alle Varianten der Zeitreise gelesen, der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Das Konzept der Türen samt seiner Vor- und Nachteile wird hier Schritt für Schritt ergründet und mensch erfährt viel Spannendes über diese Welt und wie sie funktioniert.

Auch die Charaktere haben es mir angetan, eben weil sie sich typisch menschlich verhalten. Die jugendlichen Protagonisten agieren ihrem Alter entsprechend und begehen dadurch auch einige Fehler, was ihnen eine gewisse Tiefe gibt und auch für lustige Momente sorgt – Wie die Anmerkungen des Autors, die per Fußnote hinzugefügt worden sind.

Der Plot kann sich ebenfalls sehen lassen. Anfangs lernt mensch viel über das Konzept dieser ungewöhnlichen Zeit- und Ortreisen, was an sich spannend genug wäre, doch dann nimmt die Handlung in der zweiten Hälfte noch einmal richtig Fahrt auf.

„Zeittüren“ ist ein Buch, das sich schlecht beschreiben lässt, dem mensch aber auf jeden Fall eine Chance geben sollte, alleine wegen des interessanten Settings.

Mai 16

Wolfszeit: Der zerbrochene Kreis von Bjela Schwenk

Kaya und ihre Verbündeten beschließen, in die Wälder der Elfen zu reisen, um diese vor der Gefahr durch Lord Eisens Armee zu warnen. Doch schon seit vielen Jahren hat es kein Mensch gewagt, einen Fuß in diese Gefilde zu setzen…

Die Handlung fügt sich nahtlos an die des ersten Bandes an, sodass wir gleich in die Action geworfen werden – Was aber nicht bedeutet, dass wir hier nicht weitere interessante Dinge über die fantasievolle Welt von „Wolfszeit“ erfahren!

Zum Beispiel wird das Magiesystem hier weiter ausgebaut, das sich von dem vieler anderer Fantasy-Bücher abhebt. Dazu kommen die Völker und ihre verschiedenen Sichtweisen auf die Mythologie dieser Welt.

Die fünf ProtagonistInnen, die verschiedener nicht sein könnten und sich gerade deshalb so gut ergänzen, sind natürlich wieder dabei. Dadurch, dass sie alle so einzigartig sind, ist es besonders spannend, ihre Interaktionen miteinander zu lesen und zu sehen, wie sich ihre Beziehungen entwickeln.

Der zweite Band nimmt alles, was mir am ersten gefallen hat, wieder auf und baut es weiter aus. Am Ende war ich richtiggehend traurig, diese Welt und ihre Charaktere zwischen den Buchdeckeln lassen zu müssen.

Mai 5

The Witcher: Fluch der Krähen von Paul Tobin und Piotr Kowalski

Im dritten Band des Witcher-Comics bekommen Ciri und Geralt den Auftrag, eine Striege zu töten. Als dann jedoch Yennefer auftaucht und ihnen eine andere Mission anbietet, weichen sie von ihrem ursprünglichen Plan ab.

Zuallererst ist es schön, in Ciri und Yennefer zwei bekannte Gesichter zu sehen. Auch der Aufbau dieser Ausgabe erinnert an die Bücher, in denen häufiger Geschichten in Geschichten erzählt werden, wie es hier teilweise der Fall ist.

Allerdings ist das Tempo der Erzählung merkwürdig. Der Anfang zieht sich hin, es gibt zahlreiche Szenen, die leicht hätten gestrichen werden können, am Ende geht es mir aber viel zu schnell. Sowieso habe ich irgendwann das Gefühl bekommen, dass die erste Hälfte praktisch nur existiert, um die Charaktere alle paar Seiten in eine Badewanne zu stecken.

Das Ende hat es dann jedoch wieder in sich und wartet mit einer überraschenden Wendung auf. Auch die neuen Figuren, die hier auftreten, fügen sich gut in die Welt ein und wirken realistisch.

Auch der Zeichenstil hat mir mit seinen Details gut gefallen. Die Charaktere im Hintergrund und die Szenerien selbst sind ausgestaltet worden, was die Welt noch einmal um Einiges interessanter macht.

Mai 3

Eisige Kriege von Florian Clever

Dass Molovin nun in Borak gefangen ist, stellt sich bald als sein geringstes Problem heraus: Ein Eidbrecher, einer der fürchterlichen Magier Askeleons, streckt seine Klauen nach dem Weißen Kristall aus, mit dem er in der Lage wäre, den gesamten Norden einzunehmen.

Im zweiten Teil lernen wir auch den Protagonisten besser kennen. Fern von der Heimat wird er plötzlich mit anderen Gefahren konfrontiert, als er gewohnt ist, und durch seine Überlegungen kann mensch sich gut in ihn hineinversetzen.

Nur die Nebenfiguren aus dem ersten Teil geraten hier ein bisschen ins Hintertreffen und verlieren an Bedeutung. Dafür lernen wir aber auch andere Charaktere kennen, die die eisige Stimmung des Nordens aufzulockern wissen.

Besonders die große Schlacht auf dem See hat mir gefallen. Hier wird noch einmal aus dem Vollen geschöpft und beide Seiten werfen alles in die Waagschale, was ihnen zur Verfügung steht. Wie mensch es schon vom ersten Teil kennt, geht es in den Kämpfen nichts ums bloße Draufhauen, sondern auch um die Strategien dahinter.

Die Fortsetzung ist rundum stimmig und hat auch einige Überraschungen in petto. Begleitet wird das wie gewohnt von einem farbenfrohen und angenehmen Schreibstil, der das Buch wie im Flug vergehen lässt.

März 28

Eisige Fehde von Florian Clever

Im ersten Teil der Fantasy-Reihe „Der weiße Kristall“ muss sich der Söldner Molovin eine wichtige Frage stellen: Soll er seinen Befehlen folgen, wie es ihm seit Jahrzehnten antrainiert wurde, oder seinem Gewissen, das er so lange erfolgreich ignoriert hat?

Erneut werden wir nach Iatiara geführt, wo auch schon „Schwert & Meister“ spielte, dieses Mal konzentrieren wir uns allerdings auf den eiskalten Norden, in dem jedoch nicht nur die harsche Witterung zur Gefahr wird. Die lebensfeindlichen Bedingungen machen jede Reise zu einer Herausforderung und die Umgebung wird auch in den Kämpfen kreativ genutzt, was mir gut gefallen hat.

Die Charaktere fallen allesamt auf ein Spektrum von liebens- bis hassenswert. Es gibt keine Figur, die nicht ihre eigene Persönlichkeit mitbringt und es ist leicht, sich in sie hineinzuversetzen und mitzufiebern.

Auch gut beschrieben sind die Kämpfe. Die Geschichte wirft einen direkt in die Action und es gibt zwar ruhigere Momente, in denen mensch Land und Leute kennenlernt, spannend bleibt es aber durchgehend. Mit überraschenden Wendungen wird auch nicht gespart, sodass es kein Wunder ist, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Hier gibt es jedenfalls alles, was mensch von einem guten Fantasy-Schmöker erwarten kann: Epische Schlachten, eine magische Sage und eine ans Mittelalter angelehnte Welt, die mit interessanten Ländern, Völkern und Charakteren heraussticht.

März 23

Der Archivar von Mila Bagrat

Als die zehnjährige Freya auf eine Klassenfahrt nach Berlin fährt, weiß sie noch nicht, was sie erwartet: Eine magische Reise, bei der sie auf den liebenswerten Waschbären Björn trifft und mit ihm den Kampf gegen das Vergessen beginnt.

Auf diesem Weg trifft sie auf allerlei ungewöhnliche Gestalten, deren Persönlichkeiten liebevoll ausgearbeitet wurden. Hier ist nicht jeder, wer er zu sein scheint und die Charaktere wirken in ihrer Dreidimensionalität wie echte Menschen.

Gut gelungen ist auch, dass mensch als LeserIn selbst auf eine Reise durch Berlin mitgenommen wird: Einerseits lernt mensch einige interessante Ecken der Stadt kennen, andererseits auch wichtige Teile ihrer Geschichte.

Die Handlung selbst ist ebenfalls sehr ungewöhnlich, denn es geht hier nicht einfach um einen Kampf der Guten gegen die Bösen, sondern vor allem um Konzepte wie Erinnerungen und Vergebung. Damit hebt sich „Der Archivar“ eindeutig von anderen an Kinder gerichteten Büchern ab, was mich positiv überrascht hat.

Wer ein Buch sucht, das sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht und eine interessante Story beinhaltet, die nicht die typische Fantasy-Checkliste erfüllt, ist hier gut bedient!