Dezember 4

Mein MONSTER ZOMBIE LOVE TEEN Tagebuch von Sky O’Mara

Seit der Apokalypse, die den Großteil der Menschheit sein Leben gekostet hat, lebt Teenagerin Zoe in ihrer Wohnung von Dosennahrung. Doch als die ihr ausgeht, muss sie ihren sicheren Hafen verlassen und sich in eine Welt hinauswagen, in der sich die meisten Menschen und Tiere in groteske Monster verwandelt haben.

Was mich an dieser Geschichte direkt begeistert hat, ist die Mischung aus humorvoller Teenie-Story mit dem spannenden Überlebenskampf nach der Apokalypse. Immer wieder gibt es haarsträubende Verfolgungen und Kämpfe, dazwischen wird mit Zoes Beobachtungen, manchmal in Tagebuch-Form, die Stimmung wieder aufgelockert.

Sowieso ist Zoe eine sympathische Protagonistin. Die Balance dazwischen, sie ihrem Alter entsprechend handeln zu lassen und ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln, ist gut gelungen. Schön ist auch, wie sie mit ihrer neuen tierischen Begleiterin warm wird.

Auch die Nebencharaktere können sich sehenlassen. Sie sind alle irgendwo zwischen liebenswert und total verrückt, manche erfüllen auch beide Kriterien. Sicher ist aber, dass mensch nie weiß, was mensch von ihnen erwarten kann!

„Mein MONSTER ZOMBIE LOVE TEEN Tagebuch“ hat mich immer wieder positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Figuren so ins Herz schließen würde und dass es möglich ist, eine apokalyptische Geschichte so locker und mit so viel Humor zu schreiben, ohne dass sie an Spannung verliert.

November 23

Piratengesindel: Inferno von Florian Clever

Die Grauen Seelen scheinen keine Chance gegen die Scharen der Seehexe Bora Gon zu haben, als Casim eine weitere Vision erhält, die das Schicksal wenden könnte. Doch kann er dem Schicksalsgott Taront nach all den Rückschlägen noch trauen? Und werden die Grauen Seelen alles auf diese zweifelhafte Karte setzen?

Der zweite Band verschwendet keine Zeit und wirft einen direkt in die Action. Es ist keine Übertreibung, zu behaupten, dass er spannend von der ersten Seite ist. Dabei gibt es eine schöne Mischung aus Seeschlachten, Verfolgungsjagden durch die engen Gassen von Mesrée und heimlichen Aktionen bei Nacht und Nebel.

Wir lernen hier auch wieder alle möglichen interessanten Charaktere kennen, aber die liebgewonnenen Figuren aus dem ersten Band tauchen auch wieder auf. Vor allem Casims Entwicklung hat mich hier wieder beeindruckt, die Nebencharaktere können sich allerdings auch sehen lassen.

Vor allem das Ende hat es auch wieder in sich, weil eine überraschende Wendung die nächste jagt. Dabei kommt wie üblich der Humor nicht zu kurz, was einen aber nicht davon abhält, zu jedem Zeitpunkt mitzufiebern.

Der zweite Band übertrifft meiner Meinung nach sogar den ersten. Auf jeden Fall greift er alle Elemente auf, die diesen so gut gemacht haben und das Ende lässt mich den Abschlussband mit großer Vorfreude erwarten!

November 8

Moonlight City Drive von Brian Paone

Als Privatdetektiv Smith einen Hinweis auf den Boulevard-Killer erhält, der die Stadt in Atem hält, kann er nicht anders, als dem nachzugehen. Bald stellt er jedoch fest, dass er mit dem Mörder mehr gemeinsam hat, als er wohl zugeben würde und er wird immer tiefer in den Sumpf aus Gewalt und Sünde hineingezogen…

Das Buch basiert auf dem Konzeptalbum „Adultery“ von Dog Fashion Disco und so lassen sich zahlreiche Handlungsstränge und vor allem auch Songzitate davon wiederfinden. Teilweise wirken diese aber ein bisschen erzwungen – Vielleicht kommt es mir auch nur so vor, weil ich sie immer anders interpretiert habe. Bei den meisten hat es mich aber einfach gefreut, dass sie stimmungsvoll eingebracht worden sind.

Besonders gefallen haben mir die Charaktere, denn um selbst ein Songzitat unterzubringen: „No one is innocent and no one will be spared.“ Keine der Figuren ist wirklich sympathisch, aber sie sind alle glaubhaft und es macht umso mehr Spaß, von ihren Handlungen und Interaktionen zu lesen.

Apropos Handlung, die hat mich immer wieder mit ihren Wendungen überrascht. Es wurden nicht 1:1 die Plotansätze aus dem Album übernommen, sondern sie wurden auf verschiedene Arten und Weisen interpretiert, mit Inhalt gefüllt und umgedeutet, sodass an keiner Stelle offensichtlich war, worauf die Geschichte hinauslaufen würde.

Insgesamt hat mich das Buch positiv überrascht. Anfangs hatte ich meine Bedenken, weil das Album, auf dem es basiert, meine Erwartungen so hoch geschraubt hat, aber die wurden erfüllt. Paone ist mit sehr viel eigener Kreativität an die Sache herangegangen und hat mich gespannt auf die Fortsetzung gemacht.

Oktober 15

Moloch von Paul di Filippo, China Miéville, Michael Moorcock und Geoff Ryman

„Moloch“ ist eine Sammlung von vier Kurzgeschichten bekannter Fantasy-Autoren. Dabei wandern wir von einer linearen Welt, in der die Stadt nur in zwei Hälften – „gleiswärts“ und „flusswärts“ – geteilt ist über eine, in der die Wesen hinter den Spiegeln rebellieren und eine, die sich im ständigen Krieg mit wechselnden Fronten befindet bis zu einer, in der eine Gruppe von RentnerInnen Leute überfällt.

Die erste Geschichte trifft das Thema der Anthologie (Städte) perfekt. Die beschriebene Welt ist fremdartig und faszinierend, aber wir sind nur kurz zu Gast da. Die Zeit reicht allerdings, um einen interessanten Einblick zu bekommen und die Charaktere kennenzulernen. Schön ist auch, wie der Protagonist uns in seine Welt einführt, ohne sie dabei einfach zu erklären.

In der zweiten schickt uns China Miéville wenig überraschend nach London und deutet dazu die Beziehung der Menschheit zu Spiegeln und die Mythen über Vampire kreativ um. Es kommt eine post-apokalyptische Stimmung auf und das Ende hält eine weitere Überraschung bereit.

Wie die meisten Rezensenten hatte ich so meine Probleme mit der dritten Geschichte, die wie eine zusammenhanglose Zusammenstellung von Dialogen zwischen Jerry Cornelius und seinen Bekannten wirkt. Zwar hat die Geschichte mich selbst nicht wirklich unterhalten, aber ich muss zugeben, dass sie mich neugierig auf den größeren Zusammenhang der anderen Jerry Cornelius-Bücher gemacht hat. In dieser Anthologie hat sie jedoch nicht wirklich etwas verloren.

Anders ist hingegen die vierte Geschichte. Die Prämisse eines Ermittlers, der versucht, einer Verbrecherbande auf die Spur zu kommen, ist zwar nicht besonders einzigartig, das Setting in einem Altersheim, in dem die Bewohner ständig überwacht werden, schon. Der Protagonist (und Antagonist, ohne zu viel verraten zu wollen) hat ebenfalls eine angenehme Abwechslung dargestellt.

September 25

Piratengesindel: Aufbruch von Florian Clever

Kaufmannssohn Casims angenehmes Leben wird völlig auf den Kopf gestellt, als er aus seiner Heimat und damit aus seinem Leben des Müßiggangs fliehen muss. Schon bald muss er sich auf hoher See und an fremden Ufern mit Intrigen herumschlagen, die er sich vorher nicht hätte ausmalen können…

„Piratengesindel: Aufbruch“ erinnert mich im positivsten Sinne an die Abenteuergeschichten meiner Kindheit: Die raue See verspricht Gefahren in Form von Stürmen mit haushohen Wellen und PiratInnen, denen alle Mittel recht sind, aber auch Freiheit und große Schätze. Dieses Feeling wird hier perfekt eingefangen.

Dazu kommt, dass Casim ein sympathischer Protagonist ist. Obwohl am Anfang klar wird, dass er unreif ist und sich vor allen Anstrengungen drückt, kann mensch sich gut in ihn hineinversetzen und mit ihm mitfiebern. Gut gelungen ist auch das Tempo seiner Charakterentwicklung, weil es langsam genug ist, um glaubwürdig zu sein, aber schnell genug, um Fortschritte bemerkbar zu machen.

Gut gefallen haben mir auch die Kampfszenen. Weil Casim kein Krieger im traditionellen Sinne ist, geht es eher darum, um jeden Preis zu überleben und die Gegner mithilfe der Umgebung oder improvisierten Waffen zu überlisten, was besonders spannend ist.

Die Story selbst bleibt von Anfang bis Ende spannend und ist von vielen überraschenden Wendungen durchzogen. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf den nächsten Teil!

September 13

Borengar (Buch 1-3) von Patrick Huber

Der Meister Borengar erinnert sich an seinen ersten Auftrag als neuernannter Runenkrieger zurück, bei dem er einen Trupp Zwergenkrieger in die Tiefen eines Stollens geführt hat, um den plötzlichen Wahnsinn zu untersuchen, der die Arbeiter dort befallen hat. Doch dahinter steckt mehr, als er erwartet hätte…

Die drei Kurzgeschichten bieten eine spannende Einführung in die Welt der Runenkrieger und ein in sich abgeschlossenes Abenteuer. Besonders interessant finde ich, dass besagte Runen kein „Allheilmittel“ sind, sondern mit Bedacht und für bestimmte Zwecke angewandt werden müssen. Auch die Mischung aus Magie und Technik hat mir gefallen, weil sie gut zum Volk der Zwerge passt.

Borengar selbst ist ein interessanter Protagonist, weil er sehr pflichtbewusst, aber noch unerfahren ist und deshalb auch Fehler macht, die nicht ohne Konsequenzen bleiben. Trotzdem ist er sympathisch und mensch kann gut mit ihm mitfiebern.

Die Kampfszenen sind spannend beschrieben und der Handlungsstrang in der Gegenwart lockert die Geschichte immer wieder auf. Nur die Dialoge wirken an einigen Stellen zu modern und für das Setting unpassend.

Insgesamt bieten diese ersten drei Bände der Reihe spannende Fantasy-Unterhaltung und das Universum der Runenkrieger bietet viel Potential für weitere Geschichten.

September 11

Jormund von Robin Band

In Jormund machen die Menschen den sogenannten „Besessenen“, die durch einen Pakt mit einem Elementarwesen verstärkt worden sind, das Leben schwer – So auch Jotaka und Rael, die trotz allem für den Frieden einstehen.

Was mir direkt positiv aufgefallen ist, sind die Details der Fähigkeiten. Sie basieren zwar auf den „typischen“ Elementen, gehen aber noch mehr in die Tiefe und bieten dadurch viel interessantere Anwendungsmöglichkeiten.

Auch die Dynamik zwischen den zwei Hauptcharakteren und wie diese in den Gesprächen zwischen ihnen durchscheint, hat mir gut gefallen. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, und genau das macht den Reiz aus.

Auch Jotaka als Figur hat es mir angetan. Gerade weil sie keine typische Kämpferin ist, ist sie perfekt in der Rolle als Protagonistin und bringt eine ganz eigene Note ein.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass in den ersten Kapitel ein paar Dialoge zu expositionslastig sind, was den Lesefluss etwas stört. Im Verlauf der Geschichte bessert sich das aber stark und ist am Ende schon vergessen.

September 5

WeltenFresser von Dan Dreyer

Der kriegerische Konflikt, der den gesamten Kontinent im Sturm erobert hat, nähert sich seinem Höhepunkt und reißt alle Figuren mit sich. Welche Entscheidung wird Magus Lysander treffen, der immer noch mit seinem Schicksal hadert?

Im Finale der „FlammenBringer“-Trilogie wirft Dan Dreyer noch einmal alles in die Waagschale, was er zu bieten hat: Epische, kapitelumspannende Schlachten, deren taktische Hintergründe und entfesselte Gewalt wir durch die Perspektiven der beiden Kontrahenten Nathaniel Lockwood und Keno Grimmfaust zu sehen bekommen; Charaktere, deren Einzelschicksale einem keine Ruhe lassen und eine interessante und durchdachte Welt, die diese Handlung tragen kann.

Besonders die Entwicklung, die Lysander innerhalb der drei Bände durchgemacht hat, wird hier zu einem realistischen Abschluss gebracht. Von seinen Anfängen als einfacher Student bis zu seinem Leben als erfahrener Magus wird seine Persönlichkeit lebensnah und teilnahmsvoll beschrieben und auch die GefährtInnen, die ihm zur Seite stehen, sind dreidimensional und handeln nachvollziehbar.

Wieder sticht hier auch die Abwechslung der Handlung hervor, die uns von politischen Diskussionen unter Ausschluss der Öffentlichkeit über Schiffe auf hoher See bis zu den Schlachtfeldern selbst führt. Das Setting „Fantasy 1800“ ist auch im dritten Band noch herrlich unverbraucht und Mischung aus echter Geschichte und Fantasy sorgt für einige Überraschungen.

Wie auch die beiden Vorgänger-Bände kann ich „WeltenFresser“ jedem ans Herz legen, der das Genre von einer anderen Seite betrachten will. Ich habe mich selten so gut unterhalten gefühlt und die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite genossen.

August 20

Die dunkle Flamme von Drew Karpyshyn

Im zweiten Band der Trilogie flüchtet die Gruppe um Keegan, Scythe und Vaaler zu den Clans im Norden. Doch nicht nur die Knechte Daemrons sind ihnen auf den Fersen, sondern auch die gesamte Armee der Danaan…

Dieses Mal werden wir gleich in die Action geworfen und der langsame Einstieg des ersten Bandes wiederholt sich nicht. Dadurch, dass wir die Figuren bereits kennen, können ihre Charakterisierung und die Beziehungen untereinander besser ausgebaut werden, was hier einen wichtigen Aspekt darstellt.

Durch die vielfältigen Perspektiven bekommen wir viele verschiedene Sichtweisen auf das Geschehen, allerdings entfalten einige davon ihre Wirkungen erst spät oder gar nicht in diesem Buch. Die Geschichte um Inquisitorin Yasmin wird zum Beispiel an zwei Stellen erwähnt, dann aber schnell wieder fallengelassen.

Trotzdem bleibt die Handlung die ganze Zeit über spannend und es ist leicht, mit den ProtagonistInnen mitzufiebern. Positiv dazu trägt auch bei, dass die Prophezeiungen, die die mit der „Sicht“ gesegneten Charaktere erhalten, nicht eindeutig sind und schon auf interessante, spätere Begebenheiten hinweisen.

Der zweite Band bügelt die Fehler seines Vorgängers definitiv aus und bleibt von der ersten bis zur letzten Seite spannend, weil die Figuren hier gegen Daemrons Scharen, aber auch gegen ihre eigene Schwäche im Bezug auf die Artefakte und ihre Entscheidungen kämpfen müssen.

August 3

TONKARI – Der Meisterdieb von C.J. Knittel

Als der Meisterdieb Eiden den schwierigsten Auftrag seines Lebens bekommt, weiß er noch nicht, welche tiefgreifenden Konsequenzen er nach sich ziehen wird. Aber auch der Tonkari Adran begibt sich auf ein Abenteuer, das sein komplettes Leben verändern wird.

In diesem Band verlassen wir sogar Scari und lernen die Lande kennen, die dahinter liegen. Dabei wird das bereits beeindruckende Worldbuilding der beiden vorherigen Bände ausgearbeitet und wir lernen interessante neue Völker und Kulturen kennen.

Besonders gefallen hat mir dieses Mal auch der Protagonist, Eiden. Er stellt einige Fantasy-Klischees auf den Kopf und wirkt trotz seines Berufs als Dieb sehr sympathisch. Auch mit Adran und Jara konnte ich gut mitfiebern.

Die Handlung an sich ist auch spannend und bietet einige überraschende Wendungen. Mein einziger Kritikpunkt hier ist, dass alle Charaktere mehrmals gefangen genommen werden und der Großteil des Buches damit verbracht wird, dass sie versuchen, sich wieder zu befreien.

Das ändert aber nichts daran, dass die Geschichte spannend ist und jeden Fan des Genres, dem es gefällt, wenn AutorInnen auch aus dessen Konventionen ausbrechen, gut unterhalten wird.