April 23

Moonlight City Drive 2: Electric Boogaloo von Brian Paone

Inzwischen hat Smith Anya viele Jahre gedient und die beiden sehen sich nach einem würdigen Nachfolger für ihn um, den sie in Detektiv Stepp gefunden zu haben glauben. Gleichzeitig beginnt seine Enkelin Melissa, selbst in die Fußstapfen der Hexe zu treten und lässt sich auf ein gefährliches Spiel mit dem Feuer ein.

Was mir vor allem gefallen hat, ist, wie unterschiedlich Smith und Stepp charakterisiert sind, obwohl Anya ihnen die gleiche Rolle zugedacht hat. Sowieso sind die Persönlichkeiten der Figuren hier sehr stark ausgeprägt und es ist mir nicht schwergefallen, ihnen gegenüber starke positive oder negative Gefühle zu entwickeln.

Auch die Erweiterungen der magischen Spielregeln in der Welt sind schlüssig und lassen mich vor allem auch gespannt auf den dritten Band der Trilogie sein. Es gibt einige Überraschungen, was Anyas Fähigkeiten und das Verhalten der Geier angeht und auch die Entwicklungen, die Melissa durchmacht, sind sehr interessant.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass einige Ereignisse des Finales aus dem Nichts kommen. Es gibt einen wirklichen „Wettlauf gegen die Zeit“, um Anyas finstere Pläne zu durchkreuzen, weil ihr Widersacher bis zum Schluss gar nicht bekannt ist, was andererseits auch wieder für eine plötzliche Wendung sorgt.

Insgesamt hat mir der zweite Teil noch besser gefallen als der erste. Zwar fehlte der Überraschungsmoment, in dem übernatürliche Elemente ursprünglich begannen, eine größere Rolle zu spielen, aber er ist insgesamt in sich schlüssiger und durch die Beteiligung von sympathischeren Figuren auch spannender.

April 16

Eiselfen: Das Geistertor von Josefine Gottwald

Lúthiens Erzfeind Hrimnir lässt ihm keine Ruhe und überredet einen Fürsten nach dem anderen, sich von den Eiselfen abzuwenden. Obwohl Auriel und Lúthien gerade ihren Sohn verloren haben, müssen sie reagieren und versuchen, in dieser heiklen Lage einen Krieg abzuwenden…

Auch der siebte Band der Reihe sticht vor allem durch seine feinfühlige Charakterisierung der Hauptfiguren heraus. Die Trauer und Verzweiflung der Protagonist:innen wird eindrucksvoll dargestellt und auch die Widersacher:innen haben nachvollziehbare Intentionen, die es unmöglich machen, sie als wirklich „böse“ zu sehen.

Nicht nur über Lúthien und die Geheimnisse seiner Familie erfahren wir hier mehr, auch Hjárn und Hrimnir zeigen neue Seiten. Keine der Figuren bleibt hier zweidimensional, sodass es leicht ist, sich in alle einzufühlen.

Die Handlung ist hier zweigeteilt: Während sich der Anfang eher mit dem persönlichen Schicksal der Charaktere befasst, geht es zum Ende hin in eine actionorientierte Richtung. Dieser Abwechslungsreichtum ist eine der Stärken der Reihe, durch die sie durchgehend spannend bleibt.

Dieser neue Band hat meine Erwartungen wieder einmal übertroffen. Das Ende macht Lust auf mehr und lässt mich gespannt auf die Fortsetzung warten.

April 10

Die Ringe von Ector von Benjamin K Hewett

Eigentlich will sich der „Beschaffungskünstler“ Tees nur aus Ärger heraushalten und seine kleine Familie ernähren, doch als der unbedarfte Paladin Magnus in Unterector ankommt und alles auf den Kopf stellt, wird er trotzdem in das entstehende Chaos hineingezogen.

Es wird schnell klar, dass sich der Protagonist selbst nicht ganz so erst nimmt, was die Story, die sehr düster hätte sein können, gehörig auflockert. Sowieso ist er eine sehr sympathische Figur, die dem Bild eines klassischen Helden wegen seiner Berufswahl und seinen realistischen, nicht heroischen Entscheidungen nicht entspricht – Dafür gibt es ja schon Magnus.

Auch die anderen Charaktere haben mir gut gefallen. Vor allem die beiden Kinder des Protagonisten habe ich ins Herz geschlossen, weil sie eigen- und widerständige Menschen sind, die nicht einfach in die Geschichte eingefügt wurden, damit Tees eine ausreichend große Motivation für seine Taten hat. Die anderen Figuren glänzen aber auch sehr sympathisch mit ihren Macken und Marotten.

Die Actionszenen sind gut und flüssig beschrieben. Dadurch, dass die meisten Gegner Tees körperlich überlegen sind, muss er sich andere Taktiken überlegen oder sie mit der Hilfe seiner Verbündeten schlagen, was sie umso spannender macht als einen reinen Schwertkampf zwischen Ebenbürtigen.

Der erste Band hat eine spannende und auch für sich allein lesbare Story mit überraschenden Wendungen und Enthüllungen. Auch die bisherigen Anspielungen auf die Welt jenseits von Unterector und die Charaktere, in die mensch sich leicht einfühlen kann, machen gespannt auf die Fortsetzung.

März 26

Die Stadt der stillen Feuer von Florian Clever

Mit dem wohlverdienten Ruhestand schon vor Augen, muss sich Ratsherr Sajit einer neuen Gefahr für Mesrée stellen: Nicht nur ein Monsun und eine damit einhergehende Seuche bedrohen die Stadt, auch ein uralter Schattendämon hat sich eingeschlichen und versucht, Besitz von den Menschen zu ergreifen.

Neben Sajit kehren auch andere liebgewonnene Charaktere zurück: Furat, der frühere Hafenmeister, der Kommandant Udai und auch Sajits Frau Misha, die hier mal in einer ganz anderen Rolle auftrifft. Vor allem die Mischung aus sympathischen und unsympathischen Figuren, die alle realistische Motivationen zugeschrieben bekommen haben, hat mir wieder gefallen.

Auch der Protagonist selbst kann sich sehen lassen. Er hat schwierige Entscheidungen zu treffen und hadert mit ihnen. Sein Umgang mit der Extremsituation und seinen politischen wie tödlicheren Widersacher:innen ist nachvollziehbar und menschlich.

Wie im ersten Band ist auch der Schreibstil sehr angenehm zu lesen. Er ist locker und humorvoll, ohne dass sich das negativ auf die spannenden und traurigen Szenen auswirkt. Das führt dazu, dass auch dieses Buch wieder extrem schwierig aus der Hand zu legen war.

Auch wieder gut gelungen ist, dass sich die Gefahren anhäufen und Sajit mit allen gleichzeitig konfrontiert wird. Besonders, wie diese Ereignisse am Ende zusammengeführt werden, hat mir gut gefallen.

März 10

Cikâste: Schattenkrieger von Silja Zachian

Seit die vier Seals Andy, Mike, Sam und Rick mit den sogenannten Schatten in Berührung gekommen sind, verfügen sie über übernatürliche Kräfte. Jetzt wollen sie aus dem Militär aussteigen und ihr eigenes Leben auf die Beine stellen. Wird es ihnen gelingen oder wird sie die Vergangenheit einholen?

Diese vier Charaktere sind zugleich auch das Herzstück der Geschichte. Durch ihre eigenen Persönlichkeiten und die ihrer Schatten heben sie sich voneinander ab und ihre Interaktionen untereinander vermitteln einem ein gutes Bild über ihre Beziehungen.

Einen Kritikpunkt habe ich aber doch: Es scheint alles zu gut zu passen. Weil die Protagonisten allesamt so stark sind, kommen sie bis auf eine Szene nie in wirkliche Bedrängnis, was den ansonsten gut geschriebenen Actionszenen die Spannung nimmt.

Auch der Aufbau ihrer neuen Heimat und das Finden ihrer Partner:innen läuft extrem glatt und lässt den Handlungsverlauf etwas künstlich erscheinen.

Trotzdem bin ich gespannt darauf, wie sich die Abenteuer der Vier noch entwickeln werden und ob sie eine:n Gegner:in finden werden, der ihnen wirklich Paroli bieten kann. Sympathisch genug, um mich an einer Fortsetzung interessiert sein zu lassen, sind die Charaktere auf jeden Fall.

Februar 22

Wolfszeit: Die schwarze Stadt von Bjela Schwenk

Mit dem Sieg über Nathanael ist die Gefahr nicht gebannt und die Gefährt:innen müssen wieder aktiv werden. Die Herrinnen von Gilead, mächtige und skrupellose Magierinnen, rüsten zum Krieg gegen das geschwächte Königreich und ausgerechnet Lord Eisen schickt seine Truppen zur Unterstützung. Haben sie so eine Chance?

Es hat mich gefreut, die fünf unterschiedlichen Protagonist:innen wiederzusehen und ihre neuen Abenteuer zu verfolgen. Es sind aber auch zahlreiche neue Figuren dazugekommen, die ebenfalls ihre eigenen Motivationen verpasst bekommen haben.

Vor allem Tkemen und Thea machen hier überraschende Veränderungen durch – im Guten wie im Schlechten, was es umso realistischer macht. Es ist beeindruckend zu lesen, wie sich auch diese inzwischen altbekannten Charaktere noch verändern.

Dass sie sich in diesem Band größtenteils an unterschiedlichen Orten aufhalten, hat die Geschichte gut aufgelockert. Es wurde wieder eine gute Mischung aus Kampfszenen und Szenen, in denen wir die Figuren besser kennenlernen dürfen, getroffen.

Alles in allem habe ich das Gefühl, dass diese Reihe mit jedem Band besser wird. Mit den vielschichtigen Hauptcharakteren, der spannenden Story und der lebensnahen, belebten Welt hat „Wolfszeit“ alles, was eine gute Fantasy-Saga ausmacht!

Februar 20

Der Fluch des Ritters Anastasius von Lucian Caligo

In „Der Fluch des Ritters Anastasius“ werden fünf Kurzgeschichten um den namensgebenden Ritter von jeweils verschiedenen Autor:innen gesammelt. Mal trifft der Ritter auf eine andere Untote, mal sehnt er sich nach seinem alten Leben zurück.

Obwohl Anastasius ein Untoter mit einer düsteren Vergangenheit ist, ist er durchgehend sympathisch und ich konnte mich gut in ihn einfühlen. Neben den spannenden Handlungen, die sich in allen Geschichten voneinander abheben, war das einer der Gründe, warum ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.

Die Nebencharaktere haben mir auch gut gefallen, egal, ob es sich um eine Adelige mit einem Geheimnis oder blutrünstige Zwerge handelt. Durch ihre Vielfalt heben sich die Storys umso mehr voneinander ab.

Es ist durchgehend gut gelungen, typische Fantasy-Elemente mit einigen Überraschungen zu kombinieren und so von vorne bis hinten spannende Geschichten zu erzählen, auch, weil der Held hier gar nicht versucht, die Welt zu retten und das, was für die meisten Protagonist:innen das Ende bedeuten würde, schon hinter sich hat.

Was mir abschließend am meisten gefallen hat, ist, dass alle Autor:innen es geschafft haben, eigene kreative Ideen einzubringen und den Protagonisten von anderen Seiten zu beleuchten. Wer denkt, dass er von Untoten nicht mehr überrascht werden kann, sollte diesem Buch definitiv eine Chance geben!

Februar 7

Die Chronik der Unsterblichen – Der schwarze Tod von Wolfgang Hohlbein

Nachdem Andrej und Abu Dun erfahren haben, dass Andrejs Sohn Marius noch lebt, heften sie sich an seine Fersen und reisen nach Venedig. Doch dort stoßen sie auf einen zwielichtigen Doktor, der vorgibt, Marius nach bestem Wissen und Gewissen zu helfen, aber seine anderen „Patienten“ nicht gerade vertrauenswürdig behandelt. Und nicht nur das, auch ihre langjährige Freundin Mehrune scheint sich stark verändert zu haben…

Zuerst muss ich zugeben, dass ich diesen Band losgelöst von den anderen Büchern in der Reihe gelesen habe und deshalb die reiche Historie der Charaktere, auf die immer wieder angespielt wird, nicht kenne. Vielleicht liegt es also daran, dass mir das Verhalten von Andrej und Abu Dun zueinander komisch und unrealistisch vorkam – Es wirkte teilweise, als würden die beiden ständig zwischen Freunden und Feinden schwanken, was für mich auch mit der Auflösung am Ende nicht richtig geklärt ist.

Sowieso kam mir Andrejs Verhalten teilweise sehr naiv und gutgläubig vor, was zugegebenermaßen auch an seiner jahrelangen Freundschaft mit Abu Dun liegen kann. Allerdings scheint es einfach nicht zu einem 300-jährigen Unsterblichen zu passen.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass sich die Handlung extrem zieht und kein Ende in Sicht ist. Die Figuren mäandern durch Venedig, ohne Fort- oder Rückschritte zu machen und das Ende kommt auch dementsprechend plötzlich und ohne dass Andrej irgendetwas, sei es nun eine Tat oder Erkenntnis, selbst erreicht hätte.

Das Ende selbst hat mir hingegen gut gefallen, weil es eine überraschende Wendung beinhaltet und für ordentlich Dramatik sorgt. Vor allem Andrejs Emotionen dort sind sehr gut nachvollziehbar und werden anschaulich beschrieben.

Januar 18

Piratengesindel: Untergang von Florian Clever

Im dritten und letzten Band der Piratengesindel-Saga muss sich Casim endlich seinem größten Widersacher, seinem eigenen Onkel, stellen. Doch ist der junge Kaufmannssohn dem intriganten Händler gewachsen?

Für das große Finale werden noch einmal alle Register gezogen: Epische Seeschlachten, hinterhältige Pläne und actionreiche Nahkämpfe. Es bleibt bis zum Schluss spannend, wie der Schicksalsgott Taront da seine Späße mit Casim und seiner Crew treibt.

Die liebgewonnenen Pirat:innen aus den ersten beiden Teilen sind natürlich auch wieder dabei und der Eine oder Andere zeigt noch eine ganz andere Seite an sich, im Guten wie im Schlechten.

Auch Casim selbst macht eine stolze Veränderung durch. Die Verwandlung vom Kaufmannssohn zum Piratenfürsten scheint abgeschlossen, aber so leicht lässt er sich nicht in eine Schublade stecken.

Alles in allem bietet der Abschlussband der Reihe wieder beste Unterhaltung und einige Überraschungen, die Casims Reise bis zum Ende turbulent und unvorhersehbar sein lassen.

Januar 4

Assassin’s Creed: Der Ming-Sturm von Yan Leisheng

Als Assassinin Shao Jun mit der Vorläuferschatulle nach China zurückkehrt, beginnen die den Templern nahestehenden Acht Tiger sofort, Jagd auf sie zu machen. Mit nur ihrem Mentor als Verbündeten muss sie gegen die mächtige Organisation ankämpfen und dabei die Geheimnisse der Schatulle bewahren.

Erst einmal hat es mich gefreut, dass ausgerechnet Shao Jun, von der wir bisher viel zu wenig gesehen haben, als Protagonistin ausgewählt wurde. Sowieso ist ihre Situation, in der die Bruderschaft ihres Landes schon zerschlagen wurde und sie versuchen muss, sie wiederaufzubauen, sehr interessant.

Der Autor wird außerdem dem chinesischen Setting gut gerecht, indem sich die Figuren auf chinesische Philosophie beziehen und die entsprechenden Kampfkünste ausüben. Vor allem hat mich beeindruckt, dass jeder Charakter einen eigenen Kampfstil mit einzigartigen Techniken hat, die sehr anschaulich beschrieben werden.

Anfangs hatte ich befürchtet, dass jetzt alle Acht Tiger stumpf nacheinander abgehandelt werden, aber die Handlung bietet Einiges an Abwechslung, was die Strategien, gestellten Fallen und auch Überraschungen über die Identitäten der Gegner angeht.

Insgesamt konnte ich mich allerdings nicht besonders gut in die Figuren hineinversetzen, was vermutlich daran liegt, dass sie sich in einer Ausnahmesituation befinden und kaum Atempausen bekommen. Die Ausnahme davon ist Shao Jun selbst, deren Gedanken und Entwicklung sehr nachvollziehbar dargestellt werden.