Oktober 18

Scherben einer Göttin von Bjela Schwenk

In „Scherben einer Göttin“ sammeln sich 18(!) Kurzgeschichten, die den Mythos um Lilith, die erste Frau Adams, die aus dem Paradies vertrieben worden ist, weil sie sich ihm nicht unterordnen wollte, aufgreifen und auf den Kopf stellen.

Dabei ähnelt überraschenderweise keine Geschichte der anderen und es werden Genres von Horror über Fantasy bis sogar Science Fiction aufgegriffen.

Wie es den Autor:innen immer wieder gelungen ist, die alte Geschichte umzudeuten, in die heutige Zeit zu übertragen und mit neuen Wendungen auszustatten, hat mich immer wieder positiv überrascht.

Dazu kommt, dass jede Story flüssig geschrieben ist und Lust auf mehr macht. Es hat keine Geschichte gegeben, die auch hätte weggelassen werden können, denn alle bieten eine neue, interessante Perspektive.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass es eben nur Kurzgeschichten sind, die kleine Fenster in diese interessanten Welten geöffnet haben, von denen ich an vielen Stellen gerne mehr gelesen hätte.

Oktober 9

Die Rückkehr des Waldes von Lucian Caligo

Als der längst besiegt geglaubte Wald wiedererwacht und seine Wurzeln nach der alten Fessel ausstreckt, werden die dort lebenden Menschen vor schwierige Entscheidungen gestellt: Sollen sie ihre liebgewonnene Heimat aufgeben oder sich einem schier übermächtigen Feind stellen? Können und wollen sie überhaupt gegen die Natur selbst bestehen?

Mich hat der erste Band der Weltenwurzel-Saga gleich von der ersten Seite gepackt. Die Prämisse, dass hier nicht gegen Ritter oder typische Monster gekämpft wird, sondern der Wald selbst zurückschlägt, ist im Fantasy-Genre einzigartig und die Kämpfe gegen Wurzeln und Tiere des Waldes von Wölfen bis Insekten sind actionreich beschrieben.

Besonders angetan haben es mir auch die Charaktere. Mensch lernt sie mit ihren Schwächen kennen und sie überraschen immer wieder mit ihrer Menschlichkeit. Hier wurde wirklich darauf geachtet, sie dreidimensional zu gestalten, was bei der Anzahl der Protagonist:innen besonders beeindruckend ist.

Die Handlung wartet auch immer wieder mit Plottwists auf. Gerade, wenn mensch sich vermeintlich an eine Situation gewöhnt hat, kommt schon die nächste Überraschung. Eine von ihnen ist zum Beispiel das interessante Magiesystem, von dem ich so noch nirgends sonst gelesen habe, aber auch das Ende hat es noch einmal richtig in sich.

„Die Rückkehr des Waldes“ ist erfrischend und originell wie schon lange kein Fantasy-Buch mehr. Ich bin extrem gespannt, wie die Saga weitergeführt und welches Schicksal die Figuren weiterhin ereilen wird und kann es kaum erwarten, den nächsten Band endlich in die Finger zu kriegen.

September 15

Der Herr der Drachen von Lara Morgan

Shaan und Tallis leben an weit entfernten Orten, doch sie sind durch ihr Schicksal verbunden: Während die eine eine ehemalige Straßendiebin ist, die davon träumt, eines Tages eine Drachenreiterin zu werden, ist der andere ein Clansmann, der wegen seiner Verbindung zu Drachen verstoßen wird. Gleichzeitig versucht der böse Gott Azoth, zu alter Stärke zurückzukehren.

Alles Punkte, die wir so oder so ähnlich bereits in zahlreichen Büchern des Genres gelesen haben. Tatsächlich wirkt die Handlung hier wie zusammengewürfelt aus zahlreichen anderen Fantasy-Büchern, was bei der reinen Anzahl davon allerdings auch schwer zu vermeiden ist.

Trotzdem lohnt es sich, dem ersten Band der Trilogie eine Chance zu geben, denn was ihm an Originalität fehlt, macht er mit seinen Figuren wieder wett. Es ist nicht so schlimm, dass die Protagonistin das Klischee der Auserwählten, die von der Straße kommt und Drachenreiterin werden will, erfüllt, wenn sie so sympathisch ist, dass mensch trotzdem bei jedem Schritt ihrer Reise mitfiebert.

Und die Story hält trotzdem Überraschungen parat. Vor allem die Idee, dass Drachen hier weder einfach wilde Bestien, noch stumpfe Reittiere der Menschen sind, sondern ihre Loyalität durch die Rückkehr von Azoth auf dem Spiel steht, hat mir gefallen.

Insgesamt hatte ich definitiv meinen Spaß mit dem Buch. Die Charaktere – und nicht nur die Protagonist:innen – sind mir ans Herz gewachsen und ich bin gespannt darauf, wie ihr Abenteuer weitergeht und ob sie ihre Freund:innen retten können.

August 18

Die Schwerter von Fortrus von Benjamin K Hewett

Im zweiten Teil der Reihe um „Beschaffungskünstler“ Tees und seine Familie und Freund:innen fliehen sie in die Abtei von Fortrus, eine Horde blutrünstiger Nachtschatten auf den Fersen. Doch die Mauern der Festung bieten keinen Schutz, wenn der Feind sie schon längst überwunden hat…

Die liebgewonnen Charaktere aus dem ersten Teil tauchen auch hier wieder auf und vor allem Magnus und Lucinda zeigen andere Seite von sich. Es kommen allerdings auch viele neue Figuren ins Spiel, die bis zum Finale undurchschaubar bleiben und mit ihren undurchsichtigen Motiven für Spannung sorgen.

Das große Mysterium in diesem Teil besteht darin, wem die Protagonist:innen vertrauen können, denn die Nachtschatten haben überall ihre Finger im Spiel. Dabei werden viele falsche Fährten gelegt und Hinweise eingestreut, sodass die Enthüllung sowohl überraschend, als auch realistisch ist.

Wie schon von der Reihe bekannt, wird hier der Humor großgeschrieben. Es gibt ernste, traurige und spannende Momente, aber fast alle können mit sarkastischen Kommentaren aufwarten, die alles auflockern und die Weltsicht des Protagonisten herüberbringen.

Auch das Setting mit seinen interessant eingesetzten Fantasy-Elementen konnte mich überzeugen. Es werden nicht einfach Genre-Klischees bedient, sondern nur eingebaut, was auch zur Story passt – Wie die Ringe der Assassin:innen, die praktisch als Speichermedien für ihre gesammelten Taten dienen und der Person, die sie trägt, unterschiedliche Fähigkeiten verleihen.

August 18

Ebene der Flammen von Florian Clever

Die große Schlacht ist geschlagen und der Khan gefallen. Während alle Hoffnung verloren scheint, schart Arite von den Weißen Mähnen einen Bäuer:innenarmee um sich und Javor, der Sohn des alten Khan, leistet ebenfalls noch Widerstand.

Neben den Szenen aus Sicht der bereits im ersten Teil liebgewonnenen Charakteren, sehen wir hier auch einen Teil der Geschichte durch Javors Augen. Dadurch erfahren wir, was im Herzen des Kampfgeschehens vonstatten geht und bekommen einen interessanten Ausgleich, da Arite selbst lange Zeit fern von den großen Städten geblieben ist.

Und wie immer ist nicht klar, wer den großen Kampf um die Grüne Weite überleben wird. Das macht es realistischer, da der Großteil der Figuren nun einmal sterblich ist, und lässt einen bis zum Ende um deren Schicksale bangen. Trotzdem hat mensch nie das Gefühl, dass eine Person nur für den Schockeffekt sterben muss.

Die Action ist gewohnt flott geschrieben und vor allem das Finale, bei dem einerseits die menschlichen Truppen und andererseits die uralten Ahngeister aufeinander treffen, hat es echt in sich. Die Beschreibung der Festung mit ihren vielfältigen Verteidigungsanlagen, die es noch einmal schwieriger für die Protagonist:innen machen, hat mir auch gut gefallen.

Wie immer überzeugt Florian Clever mit seiner ganz eigenen Mischung aus Action, sympathischen Charakteren und einer Spannung, die durch den immer wieder auftretenden Humor und die lockere Schreibweise nicht vermindert wird.

August 5

Ein Weg aus Magie und Tee von Luisa Velontrova

Als Tio den Job im Schloss des berüchtigten „dunklen Souveräns“ annimmt, findet sie sich schon bald in einem Abenteuer wieder, das sie über die Grenzen ihres Landes und ihrer Vorstellungen hinausträgt und mit gefährlicher Magie in Kontakt bringt.

Was mir schon in den ersten Kapiteln aufgefallen ist, ist, wie liebevoll diese Welt gestaltet wurde. Es gibt zahlreiche Nebencharaktere mit ihren eigenen Persönlichkeiten und Hintergründen und auch auf die Geschichte der Länder, die im Verlauf der Geschichte besucht werden, wird angespielt.

Allerdings gibt es so viele Nebenfiguren, die mit Namen genannt werden, dass es nicht leicht ist, sie alle zu behalten und viele von ihnen kommen nur am Anfang und Ende vor, sodass sie zu kurz kommen.

Die Handlung nimmt sich Zeit, ist aber von Anfang an spannend. Die Geschichte wartet mit einigen Überraschungen auf und setzt mehr auf das Mysterium um die Krankheit des Souveräns, als auf Action – Was aber nicht heißt, dass es keine Kämpfe gibt, die dadurch besonders spannend werden, dass Tio und Airis keine professionellen Kämpfer:innen sind.

Insgesamt hat mir das Buch vor allem wegen der sympathischen Charaktere gut gefallen. Es ist leicht, sich mit ihnen zu identizifieren und bis zum Ende mitzufiebern, an dem jeder einen würdigen Abschluss seiner Geschichte bekommt.

Juli 9

Die Grüne Weite von Florian Clever

Auf ihrer ersten Mission soll Fürstentochter Arite dem Khan eine dringende Botschaft überbringen, die ihn vor den Machenschaften von Todor Zweipfeil, einem verfeindeten Stammesführer, warnen soll. Doch ausgerechnet nahe Verbündete fallen ihr in den Rücken und bald befindet sie sich auf der Flucht und kann nicht mehr nachhause zurückkehren…

In diesem Buch wird ein Teil von Iatiara beleuchtet, den wir bisher nur am Rande mitbekommen haben: Die Welt der Rashtei, die in Stämme aufgeteilt in der Steppe leben und dem Khan unterstellt sind.

Protagonistin Arite ist keine gestandene Kriegerin, sondern aufgrund ihres Alters unerfahren und naiv. Ihr zur Seite gestellt wird Nasko, ein erfahrener Krieger mit einigen Jahren auf dem Buckel. Trotz ihrer Unterschiede geben sie ein gutes Team ab und ihre Sichtweisen ergänzen sich gut.

Auch die Story hat es in sich und bietet einige plötzliche Wendungen. Es ist häufig nicht klar, welche Charaktere ein doppeltes Spiel treiben und wer noch ein Ass im Ärmel hat, was es besonders spannend macht.

Alles in allem bietet der erste Band dieser neuen Reihe auch wieder spannende Kampfszenen und eine Handlung, mit der mensch bis zum überraschenden Ende mitfiebern kann.

Juni 8

Moonlight City Drive 3: The City Is Alive Tonight von Brian Paone

Nachdem Melissa von zuhause abgehauen ist, stellt Anya sie auf die Probe: Sie soll den Kult vergrößern, indem sie weitere Frauen umbringt. Noch dazu hat die Hexe eine neue Auserwählte gefunden, mit deren Opfer sie endlich Unsterblichkeit erlangen will.

Dieser Band fokussiert sich mehr auf die Figuren als auf übernatürliche Ereignisse. Das sorgt dafür, dass einige Charaktere überraschende Seiten von sich zeigen können, andererseits geht so auch etwas von der mysteriösen Stimmung verloren, die die anderen Bücher geboten hatten.

Außerdem wirkt Melissas Entscheidungsfindung hier sehr unrealistisch, weil ihre Meinung so sprunghaft ist. Ihre Zweifel an Anya wirken nicht stark genug, um den plötzlichen Seitenwechsel zu rechtfertigen, sodass es so wirkt, als hätte sie ihn nur aus Eigennutz vollzogen und nicht, weil sie ihrem Herzen folgt.

Was mir hingegen richtig gut gefallen hat, ist die Verwendung des Vertigo Motel als Jenseits. Dadurch konnte die Stimmung der beiden Vorgänger wieder etwas zurückgebracht werden. Auch die Schicksale der Charaktere sind treffend gewählt.

Insgesamt hat mir dieser Band nicht ganz so gut gefallen wie die anderen, er stellt aber durchaus einen guten Abschluss der Geschichte dar und sollte gelesen werden, um zu erfahren, wie sie ausgeht.

Mai 17

Ein Tausend Li: Der erste Schritt von Tao Wong

Eigentlich ist Wu Ying nur der Sohn eines einfachen Bauern, doch als er das Angebot bekommt, der Sekte des Sattgrünen Wassers beizutreten und ein wirklicher Kultivator zu werden, nimmt er es an und sein Leben ändert sich vollkommen. Doch da er weder ein Adeliger noch ein Genie ist, hat er es schwer dort.

Was mir direkt positiv aufgefallen ist, sind die Beschreibungen der Kultivation und der verschiedenen Kampftechniken. Es wird eine bildliche Sprache benutzt, sodass es auch für Laien auf dem Gebiet nachvollziehbar ist und mensch bekommt einen interessanten Einblick in die Welt der Chi-Kultivation.

Dass Wu Ying „nur“ ein gewöhnlicher Mann ist, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wirkt er dadurch sympathischer und wird nicht zu einem klischeehaft-starken Fantasy-Progatonisten, andererseits findet er sich meist zu schnell mit seinem Schicksal ab und nimmt die Schikanen der anderen Kultivator:innen und Ältesten demütig hin, statt sich gegen die Ungerechtigkeiten zu wehren.

Leider gibt es auch sonst keine Charaktere, in die mensch sich so richtig einfühlen kann. Die Nebenfiguren bleiben blass und mysteriös, auch wenn einige von ihnen interessante Ansätze zeigen und möglicherweise in den Nachfolgebänden weiter ausgebaut werden.

Im Gegensatz dazu glänzt das Buch mit seinen Kampfszenen, die actionreich und spannend beschrieben werden und dem perfekten Rhythmus folgen. Vor allem beim Wettkampf am Ende des Buches wird das Tempo richtig angezogen und es kommt gehörig Spannung auf.

April 30

Bu Tian Ge – Die Ballade von den Himmelsstürmern 1 von Xia Da

Die beiden Geschwister Quchen und Ating werden kurz nach der Geburt getrennt und während der ältere Bruder auf dem Berg Penglai der daoistischen Magie unterwiesen wird, lernt die jüngere Schwester von einem sterblichen Kampfkunstmeister. Doch ihre Schicksale bleiben untrennbar miteinander verbunden und böse Mächte mischen sich schon bald in ihre Leben ein.

Was auch Leuten, die nur das Cover betrachten, direkt auffallen wird, ist der einzigartige Zeichenstil. Er ist angelehnt an traditionelle chinesischen Techniken, was ihm einen beeindruckenden Detailreichtum verleiht. Außerdem positiv anzumerken ist, dass der Manhua komplett in Farbe gehalten ist.

Besonders gelungen ist auch die Mischung aus historischen und mythologischen Elementen. Dank Fußnoten werden auch Leser:innen abgeholt, die sich mit dem Thema bisher nicht beschäftigt haben, sodass es jeder Person leichtfallen sollte, in diese fiktive Epoche chinesischer Vergangenheit einzutauchen.

Die beiden Protagonist:innen könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Quchen sich ruhig und bedacht verhält, möchte seine Schwester am liebsten ständig ihre Stärke messen und sorgt für einiges Chaos. Gerade dadurch werden ihre Interaktionen umso interessanter.

Der erste Band schafft es, einen gut in die Geschichte einzuleiten. Er zeigt schon einige Regeln dieser Welt auf und führt interessante Figuren ein, in die mensch sich gut einfühlen kann. Gleichzeitig wirft er auch viele Fragen auf, auf deren Beantwortung in folgenden Bänden ich schon gespannt bin.