Juli 2

Der Schatten des Phönix von Tom Zausner

Was der Klappentext verspricht, ist die Geschichte eines jungen Mannes, der gegen seinen Willen in die Machenschaften eines zwielichtigen Ordens und seiner weit zurückreichenden Familie hineinzogen wird, doch das Buch bietet viel mehr als das.

Nicht nur die magische Welt, in die er gerät, hebt sich durch verrückte Einfälle von den allseits bekannten ab, sondern auch, wie der Protagonist damit umgeht. Dass er nicht sofort hinnimmt, dass Magie existiert, obwohl er sein Leben lang nicht daran geglaubt hat, sondern lange versucht, anderweitige Erklärungen zu finden und die fehlende Logik der Welt, die sich ihm enthüllt hat, mit seiner Weltsicht zu vereinbaren, kommt überraschend und erfrischend.

Dazu kommt, dass die ganze Geschichte in einem lockeren, humorvollen Ton geschrieben ist, was der Spannung keinen Abbruch tut. Dieser Stil passt gut zur dargebotenen Welt und den bunten Charakteren, die sie bevölkern.

Die Handlung selbst ist nicht nur spannend beschrieben, sondern folgt keinem altbekanntem Schema, sodass man sich als Leser wirklich Gedanken darüber machen muss, wie es wohl weitergehen könnte.

Dieser Effekt wird auch dadurch verstärkt, dass es keine seitenlange Expositionen gibt, sondern der Protagonist die Welt mit dem Leser gemeinsam erkundet und Stück für Stück enthüllt, was wirklich vor sich geht.

Ich würde dieses Buch ohne zu zögern jedem empfehlen, der mal Fantasy der etwas anderen Art lesen möchte und offen für neue Genre-Erfahrungen ist.

Juni 5

Schwert & Meister Gesamtausgabe von Florian Clever

Vom ersten Kontakt mit dem magischen Metall Niyn bis zu dem Moment, in dem es genutzt wird, um den finsteren Gott Askeleon zu Fall zu bringen, wird über sechs Bände die Geschichte von Glen, dem Sohn des Hüttenmeisters, mit seinem magischen Schwert Rage erzählt.

Zuerst sind mir die präzisen, aber fantasievollen Beschreibungen und die natürlichen Dialoge, die schnell dazu führen, dass man sich in die Protagonisten einfühlen kann, aufgefallen.

Da die Saga Glen seit seiner Jugend begleitet, kann man als Leser seine Entwicklung von einem „Bauernlümmel“ bis zum legendären Krieger Phantomklinge beobachten, und vor allem auch, wie ihn der Einfluss des Schwertes verändert.

Und er muss nicht alleine kämpfen, denn ihm zur Seite steht eine Auswahl sympathischer Verbündete, die zwar einige Klischees erfüllen, die man aber aufgrund ihrer Besonderheiten schnell ins Herz schließen kann.

Von Band zu Band steigert sich der Einsatz und damit auch die Spannung, sodass ich jedem empfehlen würde, alle Bände hintereinander durchzulesen.

An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass Veränderungen zu plötzlich kamen oder nur kurz beschrieben wurden, obwohl sie mich genug interessiert hätten, um mehr darüber erfahren zu wollen, wie zum Beispiel die Gräueltaten, die Glen und Konsorten entgegen ihres Gewissens vollbringen mussten, als sie unter Askeleon dienten, auch wenn es mir ansonsten gefallen hat, dass man sich nicht nur seitenlange Landschaftsbeschreibungen kämpfen musste.

Was diese Reihe für mich von ihren Rivalen abhebt, ist einerseits die Tatsache, dass der Protagonist kein Held aus irgendeiner Prophezeiung ist, sondern selbst zugibt, dass er meistens mehr vom Schwert geführt wird als andersherum, und, dass die Schlachten hier nicht dadurch entschieden werden, wer die größte Armee hat, sondern, wer strategisch überlegen ist. Mehr als einmal retten sich die Protagonisten nur durch eine List aus brenzligen Situationen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jeder, der auf klassische Fantasy steht, hier gut bedient ist. Allerdings werden eben nicht alle Klischees dieses Genres bedient und es gibt einige Überraschungen auch für langzeitige Genrefans.