Mazura – Ein Abenteuer mit Axt, Feder und Flummel von Elin Nelier
Trollkriegerin Mazura ist die Wächterin der magischen Türme in einer sterbenden Welt, die in kürzester Zeit viele Artefakte einsammeln muss, um die Wiederauferstehung einer berüchtigten Räuberbande zu verhindern. Doch die Artefakte sind in den Geschichten der Chronist:innen verschwunden, die den Turm nun bewohnen und müssen von diesen erst einmal mithilfe von Kurzgeschichten wieder ans Tageslicht befördert werden.
Ich habe noch nie eine Anthologie mit einem eigenen Setting, in das alle Kurzgeschichten eingebunden sind, gelesen. Hier ist es tatsächlich so, dass alle Chronist:innen (und damit Autor:innen der Sammlung) eigene Zimmer im Turm haben und durch die Beschreibung dieser und ihrer Bewohner:innen vorgestellt werden. Danach dürfen sie die Geschichte um ihr Artefakt vorstellen, indem sie sie vorlesen, als Buch herumliegen lassen oder indem Mazura selbst hineingesogen wird.
Diese kreative Art, einerseits die Rahmenhandlung um die Artefakte voranzubringen und andererseits die jeweiligen Kurzgeschichten zu erzählen, hat mir sehr gut gefallen. Vor allem merkt mensch beim Lesen, wie detailreich Mazuras Welt ausgestaltet worden ist. Mensch freut sich auch auf jeden Abschnitt zwischen den Kurzgeschichten, in dem wieder neue Details des Worldbuilding offenbart werden.
Viele der Welten, in denen die Artefakte verschwunden sind, sind aus anderen, längeren Büchern der Chronist:innen bekannt. Das sorgt einerseits natürlich dafür, dass sie gut durchdacht sind und mensch auch das Gefühl bekommt, von einer lebendigen Welt, die nicht nur um die Hauptfiguren herum existiert, zu lesen. Andererseits gibt es dadurch auch viele unbequeme Schnitte, wenn mensch erst mit vielen Informationen über eine Welt zugeschrieben und dann schnell wieder aus ihr entrissen wird.
Nicht nur wegen der Kürze der Einblicke, auch wegen der spannenden Handlungen wollte ich noch länger in den einzelnen Welten bleiben – natürlich auch ein guter Anreiz, um sich mit den anderen Büchern der Chronist:innen zu beschäftigen. Auch die Vielfalt der Storys ist gut gelungen: Sie sind mal ernst und düster, mal lockerere Abenteuer, mal spielen sie in komplett eigenen Universen und mal wurden mythologische Einflüsse verarbeitet. Langweilig wird es auf jeden Fall nie.