Juni 8

TONKARI – Das Herz des Greifen von C. J. Knittel

Heermeister Meson zweifelt immer mehr an seiner Treue zu seinem König, als dieser trotz allem an seinem verlustreichen Krieg gegen das Volk der Tonkari festhält. Und als er nach einer Schlacht in die Gefangenschaft des Igelvolks gerät, muss er sich seinen Vorurteilen stellen.

Als Figur hat mir vor allem Meson gefallen, der sich im Verlauf der Geschichte stark verändert. Diese Veränderungen werden langsam und realistisch dargestellt, ohne dadurch langweilig zu werden, und er zeigt immer wieder, dass er eben auch nur ein Mensch mit Fehlern ist – wenn auch ein sympathischer.

Auch andere Figuren wie die Prinzessin Hellrike, die sich eigentlich wünscht, niemals den Thron zu besteigen, und der Tonkari-Krieger Diko-ta-Watu, der anfangs alle Menschen hasst und mit Meson aneinandergerät, sind lebendig und realistisch gestaltet.

Die Handlung der Geschichte um den ungerechten Krieg, den die Hauptfiguren so schnell wie möglich beenden wollen, hat mich auch schnell in den Bann gezogen. Gleich am Anfang werden einige Mysterien angedeutet, deren Auflösung ich interessant fand und es umso spannender gemacht hat.

Was mir auch gut gefallen hat, sind die zahlreichen informativen Anhänge, die die Geschichte der Welt und Schicksale der Charaktere ausführen. So bekommt mensch Einblicke, für die in der Handlung kein Platz geblieben wäre und die noch einmal zeigen, wie reich und interessant die Welt von Scari ist.

März 25

Die Träne des Phönix von C. J. Knittel

Nachdem die Alienrasse der „Krebell“ die Menschheit überrannt und die Menschenfrau Nicole die Seiten gewechselt hat, gerät sie durch Zufall in die Fänge von Rebell:innen in London. Wird sie sie überzeugen können, dass sie keine Verräterin ist und ihre Mission erfolgreich ausführen?

Was mir gut gefallen hat, ist, wie wir Nicole kennenlernen. Durch ihre jahrelange Arbeit für die Aliens, die die Menschen entweder versklaven oder ausrotten, hat sie ihre wahren Gefühle in den Hintergrund gedrängt und nach einiger Zeit unter den Menschen kommen sie langsam wieder ans Tageslicht.

Auch über andere Charaktere wie den menschlichen Soldaten Ian erfahren wir langsam mehr. Ihre Veränderungen wirken realistisch und trotz der geringen Seitenzahl sind sie nachvollziehbar.

Trotzdem handeln viele Figuren auf merkwürdige Arten und Weisen, die ich als Leser nicht richtig nachvollziehen konnte. Manchmal treffen sie Entscheidungen, die ich ihnen aufgrund ihrer bisherigen Charakterisierung überhaupt nicht zugetraut hatte.

Dazu kommt, dass ein Großteil der Seiten mit einer Dreiecksbeziehung zwischen Nicole und zwei Rebellen gefüllt ist, die ich nach dem Klappentext nicht erwartet hätte und die meiner Meinung nach immer wieder an unpassenden Stellen herausgeholt wird und so die eigentlich vorhandene Spannung schmälert.

März 23

Proxima-Solaris von C.J. Knittel

Auf dem Raumschiff Proxima-Solaris erwacht die Mannschaft aus einem jahrhundertelangen Kälteschlaf. Angetreten haben sie diese Reise aus unterschiedlichsten Motivationen, doch nun müssen sich alte Bekannte und neue Verbündete zusammenraufen, um sich den durch einen Krieg auf der Erde entstandenen Gefahren des Weltraums zu stellen.

Im Gegensatz zu vielen Büchern des Genres geht es hier nicht um opulente Raumschlachten oder Schießereien in den engen Korridoren eines Raumschiffes, auch wenn letztere durchaus vorkommen, sondern vor allem darum, die verworrene Situation in dem System, in dem das Schiff nach 200 Jahren ankommt, zu verstehen und ihr zu entkommen.

Besonders interessant finde ich auch die Perspektive auf Kryoschlaf, denn hier wird wirklich auf die Implikationen eingegangen, die es hat, mehrere hundert Jahre zu schlafen und in einer fremden Welt aufzuwachen. Die Figuren müssen damit klarkommen, dass alle, die sie einmal gekannt haben, längst tot sind und dass ihre letzte Nachricht von der Erde schon veraltet ist.

Die Charaktere werden aber nicht nur durch die Vergangenheit, mit der sie noch nicht haben abschließen können, interessant, sondern auch wegen ihrer Sichtweise auf sich und ihre Gegner:innen. Obwohl die Handlung viele Jahre in der Zukunft spielt, zeigt sie einige Parallelen zur heutigen Zeit, was Propaganda und Eskalation durch Nationalismus angeht.

Insgesamt bietet „Proxima-Solaris“ eine ungewöhnliche Sci-Fi-Geschichte, die den Fokus auf ihre Figuren legt und Dinge näher beleuchtet, die in anderen ihrer Art häufig unter den Tisch fallen.

August 3

TONKARI – Der Meisterdieb von C.J. Knittel

Als der Meisterdieb Eiden den schwierigsten Auftrag seines Lebens bekommt, weiß er noch nicht, welche tiefgreifenden Konsequenzen er nach sich ziehen wird. Aber auch der Tonkari Adran begibt sich auf ein Abenteuer, das sein komplettes Leben verändern wird.

In diesem Band verlassen wir sogar Scari und lernen die Lande kennen, die dahinter liegen. Dabei wird das bereits beeindruckende Worldbuilding der beiden vorherigen Bände ausgearbeitet und wir lernen interessante neue Völker und Kulturen kennen.

Besonders gefallen hat mir dieses Mal auch der Protagonist, Eiden. Er stellt einige Fantasy-Klischees auf den Kopf und wirkt trotz seines Berufs als Dieb sehr sympathisch. Auch mit Adran und Jara konnte ich gut mitfiebern.

Die Handlung an sich ist auch spannend und bietet einige überraschende Wendungen. Mein einziger Kritikpunkt hier ist, dass alle Charaktere mehrmals gefangen genommen werden und der Großteil des Buches damit verbracht wird, dass sie versuchen, sich wieder zu befreien.

Das ändert aber nichts daran, dass die Geschichte spannend ist und jeden Fan des Genres, dem es gefällt, wenn AutorInnen auch aus dessen Konventionen ausbrechen, gut unterhalten wird.

Dezember 11

TONKARI – Der lange Marsch von C.J. Knittel

„TONKARI – Der lange Marsch“ handelt von dem Gelehrten Horkai, der die Chance seines Lebens nutzt und sich auf eine Reise in den rauen Norden begibt, um die Schneewölfe zu erforschen. Doch bald erweist sich die Gruppe als den Gefahren nicht gewachsen und die Forschungsreise wird zu einer wahren Odyssee.

Dabei lernen Horkai und der Leser den Norden und das Volk der Tonkari von überraschenden Seiten kennen. Mir hat besonders gut gefallen, wie die Igelmenschen und ihre kulturellen Unterschiede und Traditionen ausgearbeitet worden sind. Man bekommt das Gefühl, dass es sich um wirklich lebendiges Volk handelt, nicht um ein Fantasy-Abziehbild.

Das gilt auch für den Protagonisten. Obwohl er sich im Verlauf der Handlung mehrere Male in lebensbedrohlichen Situationen befindet, bleibt er seiner Rolle als Gelehrter treu und zeigt Interesse an der fremden Kultur der Tonkari und, was mich persönlich gefreut hat, auch Mitleid mit Tieren.

Seine innere Zerrissenheit, die durch seinen Wissensdurst und die Abenteuerlust auf der einen und die Sehnsucht nach seiner Familie auf der anderen Seite hervorgerufen wird, ist auch sehr eindrucksvoll dargestellt worden und es hat mir keine Schwierigkeiten bereitet, mich in ihn hineinzuversetzen.

Alles in alles ist diese Geschichte für ihr Genre ungewöhnlich. Obwohl sie brutal werden kann, wird die Welt als wunderschön und einzigartig beschrieben und man sieht sie nicht durch die Augen eines Kriegers, sondern eines eigentlich friedfertigen Menschen.