Oktober 9

Urban Sketching ganz einfach von Antje Linker-Wenzel

Urban Sketching, was ist das überhaupt? Eine Frage, die sich wahrscheinlich viele stellen. Dieses Buch bietet nicht nur die Antwort auf diese Frage – es geht darum, mit Bleistift und Radiergummi bewaffnet seine Umgebung abzubilden, egal ob realistisch oder nicht -, sondern lädt Anfänger:innen ein, es selbst zu versuchen.

Was mich besonders angesprochen hat, ist, dass hier von Anfang an klargemacht wird, dass häufig weniger mehr ist: Es braucht keine tausend Utensilien und jahrelange künstlerische Ausbildung, um seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Die Anleitungen zeigen Schritt für Schritt, wie sich ein Bild verändert, während der Begleittext erklärt, welche Techniken angewandt worden sind und warum das so dargestellt worden ist. Dadurch ist es leicht, die Verfahren zu verstehen und für sich selbst anzueignen.

Dabei wird eigentlich alles aufgegriffen, was mensch aus seinem Alltag abbilden wollen könnte: Gebäude von altbacken bis modern, Menschen in Bewegung oder herumsitzend, Tiere, Fahrzeuge, Straßenschilder…

„Urban Sketching ganz einfach“ vermittelt die Basics des Themas gut und ist dabei wirklich Anfänger:innen-freundlich, von den nachvollziehbaren Anleitungen bis zu den aufmunternden Worten, die die Angst vorm Scheitern lindern.

Oktober 9

Die Rückkehr des Waldes von Lucian Caligo

Als der längst besiegt geglaubte Wald wiedererwacht und seine Wurzeln nach der alten Fessel ausstreckt, werden die dort lebenden Menschen vor schwierige Entscheidungen gestellt: Sollen sie ihre liebgewonnene Heimat aufgeben oder sich einem schier übermächtigen Feind stellen? Können und wollen sie überhaupt gegen die Natur selbst bestehen?

Mich hat der erste Band der Weltenwurzel-Saga gleich von der ersten Seite gepackt. Die Prämisse, dass hier nicht gegen Ritter oder typische Monster gekämpft wird, sondern der Wald selbst zurückschlägt, ist im Fantasy-Genre einzigartig und die Kämpfe gegen Wurzeln und Tiere des Waldes von Wölfen bis Insekten sind actionreich beschrieben.

Besonders angetan haben es mir auch die Charaktere. Mensch lernt sie mit ihren Schwächen kennen und sie überraschen immer wieder mit ihrer Menschlichkeit. Hier wurde wirklich darauf geachtet, sie dreidimensional zu gestalten, was bei der Anzahl der Protagonist:innen besonders beeindruckend ist.

Die Handlung wartet auch immer wieder mit Plottwists auf. Gerade, wenn mensch sich vermeintlich an eine Situation gewöhnt hat, kommt schon die nächste Überraschung. Eine von ihnen ist zum Beispiel das interessante Magiesystem, von dem ich so noch nirgends sonst gelesen habe, aber auch das Ende hat es noch einmal richtig in sich.

„Die Rückkehr des Waldes“ ist erfrischend und originell wie schon lange kein Fantasy-Buch mehr. Ich bin extrem gespannt, wie die Saga weitergeführt und welches Schicksal die Figuren weiterhin ereilen wird und kann es kaum erwarten, den nächsten Band endlich in die Finger zu kriegen.

Oktober 9

Streicheln oder Schlachten von Marcel Sebastian

In „Streicheln oder Schlachten“ stellt Autor Marcel Sebastian die menschliche Beziehung zu nichtmenschlichen Tieren, hauptsächlich verkörpert durch die beiden Gegensätze der „Haus-“ und „Nutztiere“, dar. Aber auch der Zusammenhang mit der Klimakrise und Alternativmodelle für diese Beziehung bekommen ihren Platz eingeräumt.

Der Autor schafft es, auf vergleichsweise wenigen Seiten die komplizierte Situation mitsamt ihren historischen Hintergründen und den zukünftigen Konsequenzen, die folgen werden, wenn wir sie nicht ändern, realistisch abzubilden.

Auch dadurch, dass viele Themen nur angerissen werden können und die vielen Quellenangaben weitere Informationen versprechen, werden Leser:innen dazu animiert, sich noch tiefgehender mit dem Thema auseinanderzusetzen – Eine Empfehlung, die auch im Buch selbst so ausgesprochen wird.

Aber nicht nur die harten Fakten werden angesprochen, es gibt auch Vorschläge, wie wir unsere eigene Sichtweise kritisch hinterfragen und die gesellschaftlichen Zusammenhänge ändern können. Besonders gefreut hat mich dabei, dass es in dem Abschnitt nicht um reine Konsum- und Wahlentscheidungen geht.

Ich kann dieses Buch bedenkenlos jeder Person empfehlen, die einen informativen und trotzdem angenehm zu lesenden Überblick über unseren Umgang mit nichtmenschlichen Tieren bekommen möchte.

September 15

Der Herr der Drachen von Lara Morgan

Shaan und Tallis leben an weit entfernten Orten, doch sie sind durch ihr Schicksal verbunden: Während die eine eine ehemalige Straßendiebin ist, die davon träumt, eines Tages eine Drachenreiterin zu werden, ist der andere ein Clansmann, der wegen seiner Verbindung zu Drachen verstoßen wird. Gleichzeitig versucht der böse Gott Azoth, zu alter Stärke zurückzukehren.

Alles Punkte, die wir so oder so ähnlich bereits in zahlreichen Büchern des Genres gelesen haben. Tatsächlich wirkt die Handlung hier wie zusammengewürfelt aus zahlreichen anderen Fantasy-Büchern, was bei der reinen Anzahl davon allerdings auch schwer zu vermeiden ist.

Trotzdem lohnt es sich, dem ersten Band der Trilogie eine Chance zu geben, denn was ihm an Originalität fehlt, macht er mit seinen Figuren wieder wett. Es ist nicht so schlimm, dass die Protagonistin das Klischee der Auserwählten, die von der Straße kommt und Drachenreiterin werden will, erfüllt, wenn sie so sympathisch ist, dass mensch trotzdem bei jedem Schritt ihrer Reise mitfiebert.

Und die Story hält trotzdem Überraschungen parat. Vor allem die Idee, dass Drachen hier weder einfach wilde Bestien, noch stumpfe Reittiere der Menschen sind, sondern ihre Loyalität durch die Rückkehr von Azoth auf dem Spiel steht, hat mir gefallen.

Insgesamt hatte ich definitiv meinen Spaß mit dem Buch. Die Charaktere – und nicht nur die Protagonist:innen – sind mir ans Herz gewachsen und ich bin gespannt darauf, wie ihr Abenteuer weitergeht und ob sie ihre Freund:innen retten können.

September 3

Lost Project Trilogie von Robert Rittermann

Weil der Gringer-Asteroid, der einst von dem Asteroiden, der die Dinosaurier ausgelöscht hatte, auf seine Laufbahn gebracht wurde, große Teile der Menschheit auslöschen wird, reist ein Team von erprobten Expert:innen weit in die Vergangenheit, um die Katastrophe aufzuhalten. Und Teenager Tom steckt durch einen Zufall mittendrin.

Die Idee, Dinosaurier in der Umgebung, in der sie heimisch sind, gegen Menschen antreten zu lassen, hat mir gut gefallen. Vor allem die Vielfalt der urzeitlichen Tiere und die überraschenden Situationen, in die das Team immer wieder katapultiert wird, haben für Spannung gesorgt.

Und nicht nur die Saurier, auch die Umgebung und erste Asteroiden-Einschläge, die schon einmal einen Vorgeschmack auf die kommende Apokalypse geben, machen den Menschen das Leben schwer und den Leser:innen Freude.

Schön ist auch, dass die Figuren zwar jederzeit in Lebensgefahr schweben, sie aber auch nicht wie die Fliegen sterben, sodass bis zum Ende richtig spannend bleibt, wer von ihnen diese Mission überleben wird und wer nicht.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass Tom an einigen Stellen für seine Situation zu kompetent wirkt und der Eindruck entsteht, dass er als Protagonist eine kleine Sonderrolle bekommen hat. Andererseits wird sein Wissen auf den Gebiet auch begründet und in den meisten Situationen wirken seine Fähigkeiten absolut realistisch.

August 18

Die Schwerter von Fortrus von Benjamin K Hewett

Im zweiten Teil der Reihe um „Beschaffungskünstler“ Tees und seine Familie und Freund:innen fliehen sie in die Abtei von Fortrus, eine Horde blutrünstiger Nachtschatten auf den Fersen. Doch die Mauern der Festung bieten keinen Schutz, wenn der Feind sie schon längst überwunden hat…

Die liebgewonnen Charaktere aus dem ersten Teil tauchen auch hier wieder auf und vor allem Magnus und Lucinda zeigen andere Seite von sich. Es kommen allerdings auch viele neue Figuren ins Spiel, die bis zum Finale undurchschaubar bleiben und mit ihren undurchsichtigen Motiven für Spannung sorgen.

Das große Mysterium in diesem Teil besteht darin, wem die Protagonist:innen vertrauen können, denn die Nachtschatten haben überall ihre Finger im Spiel. Dabei werden viele falsche Fährten gelegt und Hinweise eingestreut, sodass die Enthüllung sowohl überraschend, als auch realistisch ist.

Wie schon von der Reihe bekannt, wird hier der Humor großgeschrieben. Es gibt ernste, traurige und spannende Momente, aber fast alle können mit sarkastischen Kommentaren aufwarten, die alles auflockern und die Weltsicht des Protagonisten herüberbringen.

Auch das Setting mit seinen interessant eingesetzten Fantasy-Elementen konnte mich überzeugen. Es werden nicht einfach Genre-Klischees bedient, sondern nur eingebaut, was auch zur Story passt – Wie die Ringe der Assassin:innen, die praktisch als Speichermedien für ihre gesammelten Taten dienen und der Person, die sie trägt, unterschiedliche Fähigkeiten verleihen.

August 18

Ebene der Flammen von Florian Clever

Die große Schlacht ist geschlagen und der Khan gefallen. Während alle Hoffnung verloren scheint, schart Arite von den Weißen Mähnen einen Bäuer:innenarmee um sich und Javor, der Sohn des alten Khan, leistet ebenfalls noch Widerstand.

Neben den Szenen aus Sicht der bereits im ersten Teil liebgewonnenen Charakteren, sehen wir hier auch einen Teil der Geschichte durch Javors Augen. Dadurch erfahren wir, was im Herzen des Kampfgeschehens vonstatten geht und bekommen einen interessanten Ausgleich, da Arite selbst lange Zeit fern von den großen Städten geblieben ist.

Und wie immer ist nicht klar, wer den großen Kampf um die Grüne Weite überleben wird. Das macht es realistischer, da der Großteil der Figuren nun einmal sterblich ist, und lässt einen bis zum Ende um deren Schicksale bangen. Trotzdem hat mensch nie das Gefühl, dass eine Person nur für den Schockeffekt sterben muss.

Die Action ist gewohnt flott geschrieben und vor allem das Finale, bei dem einerseits die menschlichen Truppen und andererseits die uralten Ahngeister aufeinander treffen, hat es echt in sich. Die Beschreibung der Festung mit ihren vielfältigen Verteidigungsanlagen, die es noch einmal schwieriger für die Protagonist:innen machen, hat mir auch gut gefallen.

Wie immer überzeugt Florian Clever mit seiner ganz eigenen Mischung aus Action, sympathischen Charakteren und einer Spannung, die durch den immer wieder auftretenden Humor und die lockere Schreibweise nicht vermindert wird.

August 5

Ein Weg aus Magie und Tee von Luisa Velontrova

Als Tio den Job im Schloss des berüchtigten „dunklen Souveräns“ annimmt, findet sie sich schon bald in einem Abenteuer wieder, das sie über die Grenzen ihres Landes und ihrer Vorstellungen hinausträgt und mit gefährlicher Magie in Kontakt bringt.

Was mir schon in den ersten Kapiteln aufgefallen ist, ist, wie liebevoll diese Welt gestaltet wurde. Es gibt zahlreiche Nebencharaktere mit ihren eigenen Persönlichkeiten und Hintergründen und auch auf die Geschichte der Länder, die im Verlauf der Geschichte besucht werden, wird angespielt.

Allerdings gibt es so viele Nebenfiguren, die mit Namen genannt werden, dass es nicht leicht ist, sie alle zu behalten und viele von ihnen kommen nur am Anfang und Ende vor, sodass sie zu kurz kommen.

Die Handlung nimmt sich Zeit, ist aber von Anfang an spannend. Die Geschichte wartet mit einigen Überraschungen auf und setzt mehr auf das Mysterium um die Krankheit des Souveräns, als auf Action – Was aber nicht heißt, dass es keine Kämpfe gibt, die dadurch besonders spannend werden, dass Tio und Airis keine professionellen Kämpfer:innen sind.

Insgesamt hat mir das Buch vor allem wegen der sympathischen Charaktere gut gefallen. Es ist leicht, sich mit ihnen zu identizifieren und bis zum Ende mitzufiebern, an dem jeder einen würdigen Abschluss seiner Geschichte bekommt.

Juli 24

Nighthunter: Sammelband 1 von Anton Serkalow

Der Vampir Louis Royaume und sein gestaltwandelnder Freund „Skinny“ ziehen durch den Wilden Westen auf der Jagd nach einem magischen Amulett, das Louis gestohlen worden ist. Ihnen in den Weg stellen sich Ghule, Zombies und Geistersoldaten…

Im ersten Sammelband der Nighthunter-Reihe werden die ersten drei Geschichten, die wie Genre-Größen John Sinclair oder Professor Zamorra in regelmäßigen Abständen einzeln veröffentlicht worden sind, zusammen abgedruckt.

Da ich auch ein Fan der beiden genannten bin und außerdem dem Western-Genre Einiges abgewinnen kann, musste ich auch den Nighthuntern eine Chance geben – und sie haben die Erwartungen an kurzweilige Unterhaltung mit Grusel und Action definitiv erfüllt.

Die Episoden lassen sich gut einzeln lesen und verstehen, aber die übergreifende Story mit dem gestohlenen Amulett macht einen gespannt auf die nächsten Abenteuer des stilvollen Gespanns, dessen Beschreibungen einem immer Bilder wie aus einem Western-Film vor dem geistigen Auge auftauchen lassen.

Dazu kommt, dass der Autor es schafft, die Spannung trotz der übernatürlichen Kräfte des Duos ständig aufrecht zu halten. Und auch die zahlreichen Anspielungen auf die Vergangenheit der beiden Protagonisten machen neugierig auf die nächsten Bände.

Juli 15

Honor Harrington – Die Feuertaufe von David Weber

In diesem Band der bekannten Military Sci-Fi-Reihe werden drei Kurzgeschichten um um Offizierin Honor Harrington und andere bekannte Figuren gesammelt, die stetig besser werden und ein rundes Gesamtbild abgeben.

Die erste davon war für mich auch die am wenigsten überzeugende, was wahrscheinlich vor allem daran liegt, dass ich die Charaktere erst da kennengelernt habe. Außerdem kam nach dem Anfang gar nicht mehr das Gefühl auf, dass der Protagonist in ernsthaften Schwierigkeiten steckt.

Die zweite war weitaus spannender, auch für Personen, die die Sternennationen, die Charles so geschickt gegeneinander ausspielt, nicht kennen. Die Erklärungen reichen aus, um seinen cleveren Plänen zu folgen und es macht Spaß, zu lesen, welche Listen er sich ausdenkt, um seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen.

Auch die dritte Geschichte, in der es um die titelgebende Honor selbst geht, war spannend geschrieben und ist auch für sich lesenswert. Allerdings ist hier die Action etwas kurzgekommen, stattdessen ging es viel um sie Außenpolitik der Royal Manticoran Navy.

Der vierte Abschnitt ist ein fiktiver wissenschaftlicher Artikel, der die Offensivwaffen und Abwehr der Raumschiffe beschreibt und für Fans des Genres und der Reihe interessant sein dürfte.