Dezember 6

Kilian: Der letzte Assassine von Liam Heymayr

Nachdem Kilians Familie nach einem Verrat öffentlich hingerichtet worden ist, sinnt er auf Rache. Doch bald muss er feststellen, dass im Leben nun einmal nichts so kommt, wie man es plant…

„Der letzte Assassine“ ist ein vielversprechender Auftakt der Saga. Man lernt die Welt, den Konflikt und einige interessante Charaktere kennen, und obwohl die Handlung des Bandes in sich abgeschlossen ist und ein spannendes Finale präsentiert, möchte man danach noch mehr erfahren.

Kilian selbst ist ebenfalls eine interessante Persönlichkeit. Man trifft ihn praktisch am Tiefpunkt seines Lebens, sodass es einem nicht schwerfällt, mitzufühlen und seine Handlungen nachzuvollziehen. Auch seine eigentlichen Moralvorstellungen, was das Töten angeht, machen ihn zu einem ziemlich einzigartigen Protagonisten.

Dabei werden seine Aktionen und Attentate sehr flüssig beschrieben, sodass man das Gefühl bekommt, dass der Autor sich nicht nur viele Gedanken über die Taktik eines Assassinen, sondern auch die Umgebung, in der die Geschichte stattfindet, gemacht hat.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass die Antagonisten noch ein bisschen eindimensional wirken. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich das in den Nachfolgebänden, in denen mehr Platz für die Hintergründe und Motivationen der Charaktere ist, noch ändern wird.

Dezember 5

Der letzte Kolonist von Sebastian Schaefer

Die Story dieses Buches kurz zusammenzufassen, ist eigentlich unmöglich. Es verfolgt verschiedenste Protagonisten, die aus allen Ecken des Universums zusammenkommen, um ihre Rolle in einem Plan zu spielen, der in einer Zukunft geschmiedet wurde, die praktisch wieder Vergangenheit ist.

Dass die Handlung damit an vielen Stellen aus dem Rahmen einer typischen Sci-Fi-Geschichte fällt, ist klar. Während des Lesens gab es zahlreiche Momente, in denen ein Puzzlestück an seinen Platz gefallen und ein Teil des Gesamtbildes enthüllt hat, was durch den langsamen Aufbau, in dem die jeweiligen Protagonisten sich dem Showdown noch nähern, besonders spannend wird.

Die Hauptcharaktere bieten auch eine Vielfalt, wie man sie selten erlebt. Der Autor beschränkt sich nicht auf Menschen, sondern erschafft zahlreiche Persönlichkeiten, die anderen Spezies und ideologischen Gruppen angehören. Ein einziger Nachteil dieser Menge ist allerdings, dass man sich stellenweise wünscht, mehr über die Charaktere erfahren zu können, die man alle auf verhältnismäßig wenigen Seiten kennenlernt.

Trotzdem fällt es einem nicht schwer, sich in die Protagonisten hineinzuversetzen, auch wenn sie sich teilweise stark von Menschen unterscheiden oder entgegengesetzte Motive haben. Sie sind glaubhaft geschrieben, was aber nicht bedeutet, dass sie einen durch ihre Handlungen nicht überraschen können.

Insgesamt hat mich „Der letzte Kolonist“ von der ersten bis zur letzten Seite begeistert, vor allem, was die Kreativität beim Erschaffen der Welt(en) und beim Austüfteln der Handlung angeht, deren Einzelteile sich perfekt zusammenfügen.

November 27

Kris Longknife – Die Invasion von Mike Shepherd

Im dritten Band der Reihe um Kris Longknife muss die Protagonistin innerhalb von wenigen Tagen eine behelfsmäßige Armee auf die Beine stellen, um ihre Heimat Wardhaven gegen unbekannte Invasoren mit hochmodernen Kriegsschiffen zu verteidigen.

Zugute halten muss ich dem Buch auf jeden Fall, dass die Genre-Bezeichnung Science Fiction dieses Mal ernst gemeint ist: Der Großteil der Seiten wird damit verbracht, die Endschlacht zu planen und dafür die Raumschiffe aufzumotzen und die technischen Details zu besprechen.

Hier setzt auch wieder die größte Schwäche der Reihe ein: Es wird sehr viel geredet und diskutiert, was viel mehr Seiten einnimmt, als es sollte. Nur am Anfang gibt es eine actionreiche Geschichte, die nicht wirklich mit dem Rest des Buches zusammenhängt, und am Ende die einzige Schlacht, die das etwas auflockern.

Kris selbst hat mir als Protagonistin immer noch nicht wirklich gefallen, weil sie sich ständig selbst bemitleidet, während ihre Umgebung der Meinung zu sein scheint, dass sie absolut perfekt ist, aber ihre Freunde und Verbündete sind sympathisch und ihre Dialoge wirken natürlich.

Insgesamt hat mir der zweite Teil definitiv besser gefallen als sein Vorgänger, weil man das Gefühl bekommen hat, dass sich die Protagonisten wirklich in Gefahr befinden, auch wenn er sich in der Mitte stark gezogen hat.

November 17

Ich verwese von Tanja Hanika

Als Zombies beginnen, über die Menschheit herzufallen, ist Elisa eines ihrer ersten Opfer. Nun selbst eine Untote, stromert sie durch die Straßen auf der Suche nach Menschenfleisch…

Was als typische Zombie-Geschichte anfängt, verwandelt sich dadurch in eine ganz andere Erfahrung, weil man sie plötzlich aus der Perspektive der Untoten selbst sieht. Vor allem der Übergang vom denkenden Menschen zum Zombie ist sehr gelungen dargestellt.

Gleichzeitig ist einem die Protagonistin trotz allem noch sympathisch und man fiebert auf zwiegespaltene Art und Weise noch mit ihr mit. Als Leser stellt sich einem die Frage, welches Schicksal für sie und vor allem ihre Familie nun wünschenswert wäre, was ebenfalls interessant umgesetzt wird.

Auch der Wechsel von der vermeintlichen Idylle am Anfang zum totalen Chaos, in dem man als Mensch vollkommen überfordert ist, ist realistisch und spannend beschrieben worden. Sowieso ist der Schreibstil flüssig und angenehm zu lesen.

Insgesamt ist „Ich verwese“ (was übrigens auch ein großartiger Titel ist) eine Geschichte, die ein ganz anderes Licht auf das Schicksal von Zombies wirft und mit einer spannenden und unvorhersehbaren Handlung punktet.

November 15

Tika (Teil 1 & 2) von Jeremy Iskandar

„Tika“ handelt von der namensgebenden Chief Inspector der indonesischen Polizei, die den brutalen Mord an dem Abgeordneten Raharjo untersuchen soll und immer weiter in eine Verschwörung verwickelt wird, die weiter geht, als sie jemals geahnt hätte.

Dabei wechseln sich die Nachforschungen der Protagonisten gekonnt mit Actionszenen ab, sodass keine Sekunde lang Langeweile aufkommt. Der flüssige Schreibstil und die lebensnahen Dialoge tragen definitiv auch dazu bei, dass man sich die ganze Zeit über gut unterhalten fühlt.

Die Geschichte punktet allerdings nicht nur mit der spannenden Handlung, die man von der ersten bis zur letzten Seite gerne mitverfolgt, sondern auch mit dreidimensionalen Charakteren. Es gibt hier keine Figur, die nicht irgendetwas zur Story beiträgt, sondern alle haben nachvollziehbare Motivationen und handeln glaubwürdig, was es leicht macht, sich in sie hineinzuversetzen.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man viele und teilweise überraschende Einblicke in die indonesische Kultur erhält, von den verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft über traditionelle Gerichte bis zu wahren historischen Begebenheiten und gesellschaftlichen Problemen.

Das Ende schließt die beiden Bände gekonnt ab und führt alle Handlungsstränge zufriedenstellend zusammen. Insgesamt wird hier in wenigen Seiten eine beeindruckende und gut durchdachte Geschichte aufgestellt, die das Indonesien einer möglichen Zukunft zeigt und die Cyberpunk-Elemente glaubhaft mit der Tradition und Kultur des Landes verbindet.

November 14

Ewig lockt der Android von Clark Clever

Erneut wird Soontown zum Opfer eines futuristischen Dramas, als Aliens ihren lange vorbereiteten Plan, an menschliche Opfer und deren DNA zu kommen, ausgerechnet bei der Spring Break Party in die Realität umsetzen.

Und wieder ist es eine Gruppe verrückter Stadtbewohner, mitten unten ihnen natürlich Ellen und Ricco, die versuchen, dagegen vorzugehen. Dabei trifft man allerlei Charaktere aus den vorherigen Bänden wieder, die nichts von ihrem Charme verloren haben und mit ihren Macken und Eigenheiten gut unterhalten.

Dass es sich hier um keine bierernste Science Fiction handelt, ist damit schon klar. Obwohl es der Handlung definitiv nicht an Spannung fehlt und man mit den Protagonisten mitfiebern kann, wird die ganze Sache mit Humor genommen. Das merkt man schon an der Art und Weise, wie die Außerirdischen die Menschen in ihre Fänge bekommen wollen, aber auch am humorvollen Schreibstil.

Sowieso wird hier mit einigen Klischees über das Leben in Amerika und die Außerirdische gespielt, was die Geschichte an einigen Stellen realitätsnah und an anderen komplett abgefahren erscheinen lässt.

Am Ende trifft man noch einmal auf alle liebgewonnen Charaktere, deren Handlungsstränge zufriedenstellend abgeschlossen werden und bekommt natürlich auch die Auflösung des Rätsels, das die Reihe von Anfang an begleitet hat. Alles in allem ist „Ewig lockt der Android“ ein würdiger Abschluss der Saga, der all ihre Stärken noch einmal aufgreift.

November 8

Kris Longknife – Unter Quarantäne von Mike Shepherd

Im zweiten Teil der Reihe unternimmt Kris eine Reise zum Planeten Turantic, um ihren besten Freund Tommy zu retten, wird dabei aber in eine Verschwörung hineingezogen, der sie eher in der Rolle der Prinzessin und Spionin entgegentreten muss als in der der Soldatin.

Das ist auch der Grund dafür, dass ich von der Story negativ überrascht wurde. Statt Weltraumaction und spannenden, mit Laserwaffen ausgetragenen Kämpfen erwartet einen Leser hier eher ein Einblick in die gesellschaftlichen Pflichten einer Prinzessin, wobei jedes ihrer Outfits zu den dutzenden Anlässen bis ins kleinste Detail beschrieben werden muss und Kris sich immer wieder selbst bemitleidet, wie hart das Leben als Prinzessin doch ist.

An dieser Stelle muss ich auch noch einmal darauf eingehen, dass der (männliche) Autor scheinbar versucht hat, eine „starke weibliche Protagonistin“ zu erschaffen, dabei aber in einige Fettnäpfchen getreten ist. Zum Beispiel hätte die Tatsache, dass sie kleine Brüste hat und das scheinbar als Tragödie empfindet, weitaus weniger Erwähnung finden können. Auch, dass sie ständig ohne wirkliche Rechtfertigung in extrem knappe Outfits gezwängt werden muss, hat es schwierig gemacht, in die Geschichte hineinzukommen.

Eine weitere Schwäche des Buches ist es, dass der Großteil der Geschehnisse nicht zur Handlung beiträgt und rückblickend, wenn man die Auflösung kennt, einfach hätte gestrichen werden können. Man kämpft sich als Leser von Dialog zu Dialog und wartet einfach darauf, dass das Versprechen von „Science Fiction“ endlich eingelöst wird.

Es gibt zwar interessante Ansätze, wie zum Beispiel die Hintergrundgeschichte der Zofe Abby, die etwas zu verbergen scheint, oder die geplante Entführung einer Senatorentochter, doch aus diesen entwickelt sich im Verlaufe der Handlung nichts und sie werden am Ende einfach unter den Tisch fallen gelassen.

Die Verschwörung, um die es dann tatsächlich geht, ist allerdings interessant, auch wenn ihr zu wenig Platz eingeräumt wird, und im Finale hat der Autor einige der oben genannten Schwächen mit einer Portion Action wieder ausgebügelt.

November 4

Eiselfen Sammelband von Josefine Gottwald

Was mir an der Eiselfen-Saga besonders gut gefällt, ist die vielschichtige Mischung der Bücher: Einerseits erfährt man etwas über einen seit Generationen währenden Krieg, die taktischen Überlegungen dahinter und die actionreich beschriebenen Kämpfe, andererseits kommen auch das Innenleben der Figuren und ihre zwischen“menschlichen“ Beziehungen nicht zu kurz.

Die Charaktere sind alle dreidimensional und mit Leben gefüllt. Sie erfüllen nicht einfach stumpfe Klischees, sondern haben nachvollziehbare Motivationen und sind oft mehr, als sie zu sein scheinen. Vor allem in die Protagonisten kann man sich gut hineinversetzen und sie werden einem schnell sympathisch.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, und da es sich Kurzromane handelt, gibt es hier keine komplett ausufernden Beschreibungen, die auch hätten gekürzt werden können, sodass man das Gefühl bekommt, die ganze Zeit über gut unterhalten zu werden.

Dazu kommen die Zeichnungen, durch die man einem Einblick darein bekommt, wie sich die Autorin die jeweiligen Szenen und Umgebungen vorgestellt hat.

Die Bände sind von der Haupthandlung her in sich abgeschlossen, aber jeder einzelne trägt mehr zu Charakterentwicklung und Worldbuilding bei, sodass es Spaß macht, sie alle hintereinander zu lesen.

Oktober 29

Kraken in der Spree von Naduschka Kalinina

Wer hätte gedacht, dass es bald Krakens geringstes Problem sein würde, dass sein Vater in einen Goldfisch verwandelt wurde? Schon dieser erste Satz lässt vermuten, dass es sich bei „Kraken in der Spree“ nicht gerade um 0815-Fantasy handelt – Eine Hypothese, die sofort bestätigt wird, wenn man in das dreckige und auf wenig zauberhafte Weise magische Berlin dieses Buches abtaucht.

Besonders das Worldbuilding und die Charaktere haben mich begeistert. Hier wurde eine Welt erschaffen, in denen die Vorurteile über magische Wesen wie Hexen, Geister oder Kobolde komplett durcheinandergewirbelt werden und die Magie für die Betroffenen etwas Normales bis Nerviges ist, was herrlich erfrischend ist.

Dass die Protagonisten da auch etwas Besonderes sein müssen, ist ja klar. Kraken und „Domovoi“ haben beide ihre ganz eigene Art, die sich perfekt ergänzt und immer wieder für lustige Momente sorgt. Aber auch die Nebencharaktere können sich sehen lassen, denn jeder kommt mit seiner eigenen Persönlichkeit (und vor allen seinen Macken) daher und spielt eine wichtige Rolle in der Story.

Die Handlung beginnt erst einmal mit vielen Puzzleteilen, die sich am Ende allerdings perfekt zu einem Gesamtbild zusammenfügen, und nimmt dann Fahrt auf, bis man merkt, dass man aus Versehen hundert Seiten am Stück gelesen hat. Sie ist unterhaltsam, spannend und ermöglicht es den Charakteren, sich voll zu entfalten, indem sie sie einerseits von Gefahrsituation zu Gefahrsituation hetzt, aber auch Zeit für Nachforschungen und Dialoge bietet.

Ich muss sagen, dass man sich selten ein Buch so begeistert hat wie dieses. Der Humor, die ungewöhnliche Darstellung von Magie und die Charaktere, die wahrscheinlich schon unterhaltsam gewesen wären, wenn man sie in einen komplett leeren Raum gesperrt hätte, haben mich gleich gefesselt und von der ersten bis zur letzten Seite keine Sekunde Langeweile aufkommen lassen.

Oktober 27

Keiner hat Störtebeker umgebracht von Kurt Gerdau

In zahlreichen kurzen Kapiteln greift Kurt Gerdau bekannte Legenden der Seefahrtsgeschichte auf, erzählt sie nach und untersucht sie auf ihren Wahrheitsgehalt.

Verwirrend ist dabei manchmal, dass nicht wirklich konsequent klargestellt wird, was auf Fakten basiert und was nur eine Wiedergabe von den bekannteren Irrtümern ist.

Teilweise ist auch der Schreibstil anstrengend zu lesen, weil einige Kapitel lange Auflistungen von Ereignissen beinhalten, die zur finalen Legende beigetragen haben. Trotzdem hat sich der Autor Mühe gegeben, das ab und zu durch Humor aufzulockern.

Die Geschichten, die aufgegriffen werden, sind durchweg interessant und decken eine Spannbreite von Piraterie im 15. Jahrhundert bis zu Meutereien im zweiten Weltkrieg ab, sodass man das Gefühl bekommt, eine gute Auswahl geboten zu bekommen.