Januar 26

Terapolis von Tom Dekker

Im ersten Band der Terapolis-Reihe muss der Waise Greg seine Heimatstadt verlassen, weil er des Mordes an einem einflussreichen Firmenbesitzer verdächtigt wird, und eine weite Reise antreten, um seine Unschuld zu beweisen.

Auf dieser Reise lernt man als Leser viel von der Welt kennen, ohne das Gefühl zu bekommen, belehrt zu werden. Interessant finde ich vor allem, dass die Welt auf unserer basiert und an einigen Stellen Anspielungen auf historische Ereignisse gemacht werden, die den Lauf der Geschichte stark verändert haben – Ganz zu schweigen von den Folgen für die Umwelt, die es unmöglich machen, sich ohne ordentlichen Sonnenschutz in der Natur aufzuhalten.

Außerdem begegnet Greg allerlei interessanten Gestalten. Viele von ihnen kommen nicht lange vor, vermitteln aber den Eindruck von einer belebten Welt. Vor allem Greg und Mav kann man schnell ins Herz schließen und mit ihnen mitfiebern.

Schön finde ich auch, dass es in dieser Welt, in der Technik eine so große Rolle spielt, leichte Spuren von Magie gibt, in Form von Begabungen bestimmter Charaktere oder sogar magischen Gegenständen.

Ein Kritikpunkt ist für mich, dass vor allem die Reise in die Terapolis selbst nicht wirklich relevant für die Handlung dieses Bandes erscheint. Da ich den zweiten zuerst gelesen habe, weiß ich, welche Auswirkungen sie noch hat, allerdings hätte ich mir mehr Konsequenzen davon in diesem Band gewünscht.

Januar 23

CharakterCards von Ingrid Werner

In diesem Schreib-Ratgeber werden „CharakterCards“ vorgestellt, durch die man die Motivationen und Hintergründe seiner Figuren besser entwickeln und verstehen kann. Dazu wird zuerst erklärt, wozu das Ganze gut ist, dann, wie man handwerklich vorgeht und schließlich, wie man die Karten „befragt.“

Mir hat besonders gefallen, dass es darum geht, seine Kreativität abseits vom Bildschirm zu entfachen und zwar sorgfältig vorzugehen, aber eher auf Intuition als auf Perfektion Wert zu legen, um Unentdecktes an die Oberfläche zu holen. Es gibt bei dieser Methode kein richtig oder falsch, was sie direkt sympathisch macht.

Die Methode wird kurz und verständlich vorgestellt und inspiriert einen dazu, gleich selbst loszulegen. Danach gibt es einige Beispiele von CharakterCards, die von Workshop-Teilnehmer erstellt worden sind. Es ist wirklich faszinierend, zu sehen, wie verschiedene Menschen mit der Aufgabe umgehen und was ihre eigenen Figuren ihnen noch Neues erzählen können, sodass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Ich hätte mir nur ein paar mehr Beispiele von CharakterCards, die die Autorin selbst erstellt hat, und was sie dadurch erfahren hat, gewünscht. Wobei nicht zu leugnen ist, dass es seinen Reiz hat, die Collagen selbst zu interpretieren.

Alles in allem kann ich das Buch jedem empfehlen, der seine Figuren mit einer intuitiven Methode kennenlernen möchte oder zu viele unzerschnittene Magazine bei sich herumliegen hat.

Januar 21

Harleen Band 1 von Stjepan Sejic

Im ersten Band der neuen Kurzgeschichte um Harley Quinn, deren Vergangenheit hier beleuchtet wird, geht es um ihre ersten Begegnungen mit dem Joker und darum, wie sie angefangen hat, als Psychologin im Arkham Asylum zu arbeiten.

Dabei trifft sie neben „Mr. Jay“ persönlich auch andere Bösewichte aus dem Batman-Universum und sogar den Dunklen Ritter selbst. Sejic hat all diese altbekannten Charaktere mithilfe seiner beeindruckenden, detaillierten Zeichnungen mit einer ganz eigenen Note versehen, trotzdem bleiben sie leicht erkennbar und büßen nichts von ihrer ursprünglichen Persönlichkeit ein.

Auch, dass man Harvey Dent noch in seiner Rolle als Staatsanwalt kennenlernt und der Joker nicht aus der Sicht seines Erzfeindes, sondern seiner Psychologin und späteren Geliebten betrachtet wird, hat mir gut gefallen.

Harleens Motivationen sind ebenfalls gut nachvollziehbar. Obwohl man sie eher als verrückte Kriminelle kennt, ist sie hier ein sympathischer und sehr menschlicher Charakter, in den man sich gut einfühlen kann.

Nicht nur die Persönlichkeiten der Figuren haben mich beeindruckt, auch der Zeichenstil selbst, was einerseits an der bereits erwähnten Detailverliebtheit liegt, andererseits auch an der Komposition der Szenen, von denen ich besonders den Kampf im Nebel hervorheben möchte, der den Leser mit seiner albtraumhaften Szenerie sofort in den Bann zieht.

Januar 14

Choosing Death: Die unglaubliche Geschichte von Death Metal und Grindcore geht weiter… von Albert Mudrian

Die überarbeitete Fassung von „Choosing Death“ beschreibt die Geschichte und Entwicklung der Genres Death Metal und Grindcore, wobei verschiedene Musiker und Label-Mitarbeiter, vor allem von Earache Records, zu Wort kommen und ihre Motivationen und Erfahrungen beschreiben.

Was mich vor allem beeindruckt hat, ist, wie akribisch der Autor bei seiner Recherche vorgegangen ist. Die erwähnte Zeitspanne erstreckt sich von den Anfängen in den 1980ern bis in die 2010er, wobei jede nennenswerte Band erwähnt wird, selbst wenn ihr zu der Zeit kein kommerzieller Erfolg beschert gewesen ist.

Einerseits ist es schön, einen kompletten Überblick zu bekommen, andererseits kann die schier endlose Auflistung der Besetzungswechsel verschiedener Bands und der Motivation, diese Art von Musik zu machen, die in den meisten Fällen einfach „Wir wollten schneller und härter als alle Bands vor uns sein“ lautet, beim Lesen ermüdend sein.

Auch hätte ich mir mehr Informationen über die politischen Hintergründe der Musik gewünscht, die für mich als großer Grindcore-Fan eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Insgesamt liefert das Buch allerdings spannende Einblicke. Vor allem, welche Bandmitgliedern mit welchen anderen bekannt waren und wer sich wie beeinflusst hat, hat bei mir für einige Überraschungen gesorgt.

Januar 7

Der Schwalbenturm von Andrzej Sapkowski

Im vierten Band der Hauptreihe um den Hexer Geralt kommt dieser natürlich auch wieder vor, es geht allerdings eher um Ciri, die sich von der Räuberbande der „Ratten“ löst und zum Schwalbenturm reisen will, um sich ihrem Schicksal zu stellen.

Besonders gelungen dargestellt wird hier Ciris Entwicklung. Durch ihre Zeit bei den Ratten und vor allem deren Ende hat sie einige interessante Entwicklungen durchgemacht, die sie von der optimistischen Hexerin aus Kaer Morhen zu einer vom Leben desillusionierten Kämpferin gemacht haben. Ihre Persönlichkeit mit allen Stärken und Schwächen wird realistisch beschrieben und man kann sich leicht in sie hineinversetzen.

Auch die Reise, die sie hinter sich bringt, ist spannend und lässt einen mitfiebern. Das gilt allerdings nur bedingt für die Geschehnisse, die den anderen Protagonist*innen widerfahren. Zwar ist auch die Geschichte um Geralt und seine Reisegruppe interessant, aber man bekommt das Gefühl, dass sie häufig einfach nur planlos umherwandern, und in der späteren Hälfte des Buches kommt sie gar nicht mehr vor.

Es gibt insgesamt viele Charaktere, die nur am Rande erwähnt werden. Bei Nebenfiguren, die nur in wenigen Szenen auftauchen und für die beschrieben wird, wie sie zum Beispiel Ciri wahrnehmen, hat das seinen Charme, allerdings hätte ich mir mehr von Yennefer und Triss erhofft, die beide eher mysteriöse Charaktere bleiben als welche, die man richtig kennenlernt.

Lässt man die Handlung Revue passieren, stellt man fest, dass die Protagonist*innen insgesamt nur wenig von der Stelle gekommen sind, das tut der Spannung beim Lesen jedoch keinen Abbruch. Alleine, um herauszufinden, wie es mit Ciri weitergeht und wie sich ihre Persönlichkeit verändert, lohnt es sich, dieses Buch zu lesen.

Dezember 27

Kris Longknife – Das Kommando von Mike Shepherd

Im vierten und auf Deutsch letzten Band der Reihe um Kris Longknife muss sie sich einer ganz anderen Herausforderung stellen: Dem Kommando über eine eigene Raumstation am Rand des bekannten Universums. Und natürlich lässt der Ärger nicht lange auf sich warten, denn kaum hat sie eine unglaubliche Entdeckung gemacht, ist ihr Rivale Hank Peterwald schon im Anmarsch.

Wie man es aus dieser Reihe bisher gewohnt ist, werden einige interessante Aspekte aufgegriffen und schnell wieder unter den Tisch fallen gelassen. Ein Buch über die Erforschung der entdeckten Welt oder den Wiederaufbau der anfangs komplett verwaisten Raumstation hätte ich viel interessanter gefunden als seitenlange Berichte darüber, wie die Vorbereitungen für das Fest, das den Greenfelder Soldaten geschmissen werden soll, laufen.

Allerdings muss ich zugeben, dass in diesem Band nicht nur die allerletzte Schlacht spannend gewesen ist, wie es bisher immer der Fall gewesen ist. Auch zwischendurch gibt es eine Konfrontation, die ich gerne gelesen habe und in der mich Kris‘ Einfallsreichtum und Gespür für Taktik wirklich beeindruckt hat.

Mein Hauptproblem mit dem vierten Band ist einerseits wieder, dass den Vorbereitungen für die eigentlich spannenden Events viel zu viel Zeit gewidmet wird, aber auch der Antagonist. Hank wird durchgängig gedemütigt und als jähzorniger Grünschnabel dargestellt, der seine Truppen nicht unter Kontrolle und noch nie eine richtige Schlacht geschlagen hat, was einen schnell vergessen lässt, dass er angeblich eine Gefahr für die allseits perfekte Protagonistin darstellen soll.

Wer gerne Bücher liest, in denen die Protagonist*innen extrem viel Zeit mit Planungen, Vorbereitungen und den dafür nötigen Gesprächen verbringen, und nicht unbedingt viel Wert auf Action und Weltraumschlachten legt, der ist hier gut bedient, mein Fall war es allerdings nicht unbedingt.

Dezember 19

Sonntags kommt das Alien von Clark Clever

Im ersten Band der Soontown-Trilogie gehen Ellen und Ricco auf Ufo-Jagd, nachdem sie entsprechende Gerüchte aufgeschnappt haben. Doch natürlich geht es in Soontown auch sonst drunter und drüber, sodass dieses Flugobjekt bei Weitem nicht das einzige Problem ist, dem sie sich stellen müssen.

Dabei lernt man die skurrilen Bewohner der Stadt schnell kennen und lieben. Was mir an der Reihe besonders gefällt, ist die Vielzahl von Charakteren, die alle im Kontext der Geschichte realistisch, für unsere Verhältnisse aber eher liebenswert verrückt – und auf jeden Fall sehr menschlich – sind.

Auch die Handlung kann sich sehen lassen. Es werden mehrere Erzählstränge eingeführt, die alle an sich spannend sind und sich an überraschenden Stellen verbinden.

Interessant finde ich auch, wie das Genre Science Fiction hier umgesetzt wird. Das Buch spielt in einer nicht ganz so fernen Zukunft, in der die Menschheit zwar noch auf der Erde lebt, es aber einige technische Neuerungen gibt. Dadurch fühlt man sich stellenweise an sein eigenes Leben erinnert, wird aber auch immer wieder von den Innovationen überrascht.

Insgesamt gefällt mir gut, wie eine spannende Story, sympathische Charaktere und der humorvolle Schreibstil verbunden werden. Man hat beim Lesen gleichzeitig ein Grinsen im Gesicht und möchte unbedingt wissen, wie es ausgeht.

Dezember 19

The Crow: Ultimate Edition von James O’Barr

Die Ultimate Edition von „The Crow“ sammelt die komplette Originalgeschichte mit zusätzlichen Seiten, die ursprünglich enthalten hatten sein sollen, und erzählt die Geschichte von Eric Draven, der nach dem Mord an seiner Verlobten und sich von den Toten aufersteht, um Rache zu nehmen.

Begleitet wird diese Handlung von eindrucks- und stilvollen Zeichnungen, die auf der einen Seite im klassischen 80er-Stil daherkommen, auf der anderen aber auch zeitlos und heute noch beeindruckend sind. Vor allem der Kontrast zwischen der Vergangenheit, die immer wieder aufgegriffen wird, und der Gegenwart hat mir gefallen.

Besonders realistisch dargestellt sind auch die Beziehung zwischen Eric und Shelly, die lebensnah ausgebaut wird. Wenn man die Szenen liest, in denen sie noch zusammen glücklich sind, bekommt man das Gefühl, dass sie ein echtes Paar sein könnten.

Auch Eric alleine ist ein sehr menschlicher Charakter. Obwohl er ein unsterblicher Racheengel ist, ist es nicht schwierig, sich in ihn hineinzuversetzen. Das liegt auch daran, dass er nicht wahllos mordet, sondern seinem eigenen Kodex folgt und man als Leser in seine Gedanken und Albträume abtauchen und seine Handlungen so nachvollziehen kann.

Die Action kommt natürlich auch nicht zu kurz und wird gekonnt in Szene gesetzt. Dass The Crow schon einmal gestorben ist, nimmt ihnen nichts an Spannung und man fiebert alle fünf Bände lang mit.

Dezember 14

Alluran von Jutta Schönberg

„Alluran“ ist eine Sammlung von sechs Kurzgeschichten, die im Science Fiction-Bereich angesiedelt sind und durch die Thematik der Begegnung zwischen Menschen und Außerirdischen verbunden sind.

Diese Begegnungen sind durch die kreativen Ideen und wechselnden Perspektiven immer wieder interessant zu lesen. Die Autorin hat sich Mühe gegeben, die verschiedenen Völker und ihre Eigenarten auszugestalten, sodass es Spaß macht, sie kennenzulernen. Das sorgt allerdings auch dafür, dass man gerne mehr über die Aliens wissen möchte, als die Seitenzahl der Kurzgeschichten hergibt.

Auch die Handlungen der einzelnen Geschichten sind erfrischend anders und es gibt einige Plottwists, die mich überrascht haben. Schön fand ich auch, dass sich die Stimmungen und Atmosphären der Kurzgeschichten untereinander stark unterschieden haben, sodass mir nie langweilig geworden ist.

Obwohl diese Geschichten größtenteils auf fremden Planeten und in einer fernen Zukunft spielen, lässt sich zum Beispiel das Thema der Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und Planeten, das zweimal aufgegriffen wird, auch auf unsere Realität übertragen, was mir gut gefallen hat.

Insgesamt ist „Alluran“ eine Sammlung, in der für jeden Fan des Genres etwas dabei ist und die mit kreativen Einfällen und Handlungen überzeugt.

Dezember 11

TONKARI – Der lange Marsch von C.J. Knittel

„TONKARI – Der lange Marsch“ handelt von dem Gelehrten Horkai, der die Chance seines Lebens nutzt und sich auf eine Reise in den rauen Norden begibt, um die Schneewölfe zu erforschen. Doch bald erweist sich die Gruppe als den Gefahren nicht gewachsen und die Forschungsreise wird zu einer wahren Odyssee.

Dabei lernen Horkai und der Leser den Norden und das Volk der Tonkari von überraschenden Seiten kennen. Mir hat besonders gut gefallen, wie die Igelmenschen und ihre kulturellen Unterschiede und Traditionen ausgearbeitet worden sind. Man bekommt das Gefühl, dass es sich um wirklich lebendiges Volk handelt, nicht um ein Fantasy-Abziehbild.

Das gilt auch für den Protagonisten. Obwohl er sich im Verlauf der Handlung mehrere Male in lebensbedrohlichen Situationen befindet, bleibt er seiner Rolle als Gelehrter treu und zeigt Interesse an der fremden Kultur der Tonkari und, was mich persönlich gefreut hat, auch Mitleid mit Tieren.

Seine innere Zerrissenheit, die durch seinen Wissensdurst und die Abenteuerlust auf der einen und die Sehnsucht nach seiner Familie auf der anderen Seite hervorgerufen wird, ist auch sehr eindrucksvoll dargestellt worden und es hat mir keine Schwierigkeiten bereitet, mich in ihn hineinzuversetzen.

Alles in alles ist diese Geschichte für ihr Genre ungewöhnlich. Obwohl sie brutal werden kann, wird die Welt als wunderschön und einzigartig beschrieben und man sieht sie nicht durch die Augen eines Kriegers, sondern eines eigentlich friedfertigen Menschen.