April 10

Die Ringe von Ector von Benjamin K Hewett

Eigentlich will sich der „Beschaffungskünstler“ Tees nur aus Ärger heraushalten und seine kleine Familie ernähren, doch als der unbedarfte Paladin Magnus in Unterector ankommt und alles auf den Kopf stellt, wird er trotzdem in das entstehende Chaos hineingezogen.

Es wird schnell klar, dass sich der Protagonist selbst nicht ganz so erst nimmt, was die Story, die sehr düster hätte sein können, gehörig auflockert. Sowieso ist er eine sehr sympathische Figur, die dem Bild eines klassischen Helden wegen seiner Berufswahl und seinen realistischen, nicht heroischen Entscheidungen nicht entspricht – Dafür gibt es ja schon Magnus.

Auch die anderen Charaktere haben mir gut gefallen. Vor allem die beiden Kinder des Protagonisten habe ich ins Herz geschlossen, weil sie eigen- und widerständige Menschen sind, die nicht einfach in die Geschichte eingefügt wurden, damit Tees eine ausreichend große Motivation für seine Taten hat. Die anderen Figuren glänzen aber auch sehr sympathisch mit ihren Macken und Marotten.

Die Actionszenen sind gut und flüssig beschrieben. Dadurch, dass die meisten Gegner Tees körperlich überlegen sind, muss er sich andere Taktiken überlegen oder sie mit der Hilfe seiner Verbündeten schlagen, was sie umso spannender macht als einen reinen Schwertkampf zwischen Ebenbürtigen.

Der erste Band hat eine spannende und auch für sich allein lesbare Story mit überraschenden Wendungen und Enthüllungen. Auch die bisherigen Anspielungen auf die Welt jenseits von Unterector und die Charaktere, in die mensch sich leicht einfühlen kann, machen gespannt auf die Fortsetzung.

April 6

Aibohphobia von Kurt Fleisch

Zuerst einmal sollte gesagt werden, dass ein Klappentext diesem Buch nicht wirklich gerecht werden kann. Ja, es geht um den Briefkontakt eines Psychiaters mit seinem Patienten, während dessen immer unklarer wird, was real ist und was nicht und wer hier wirklich verrückt ist. Den Kern der Sache zu treffen, ohne zu viel zu verraten, ist aber nicht so einfach möglich.

Das Buch besteht aus den von Dr. H geschriebenen Briefen, aus denen allerdings auch klar wird, was Herr S. geantwortet hat – oder zumindest, wie Dr. H diese Antworten aus seiner Sichtweise als Arzt interpretiert hat, was später noch wichtig wird. Dadurch ist der Lesefluss angenehm und lückenlos.

Was mir auch gefallen hat, ist der humorvolle und lockere Schreibstil. Ja, Dr. H wirft mit Fachausdrücken um sich, aber das hindert den ironischen Humor nicht daran, durchzuscheinen und das Leseerlebnis sehr unterhaltsam zu machen.

Vor allem das Ende hat es in sich und es ist einer dieser Aha-Momente, bei dem mensch die zurückliegenden Ereignisse plötzlich in einem ganz anderen Licht sieht und bei dem sich neue Interpretationen der geschriebenen Sätze ergeben.

Meine anfänglichen Erwartungen wurden ganz und gar nicht bestätigt, doch in diesem Fall ist das etwas Gutes. Mich hat das Buch mehr begeistert, als ich anfänglich gedacht hätte und ich kann definitiv eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen!

April 3

Deadwood von Pete Dexter

In „Deadwood“ werden die Ereignisse erzählt, die sich so hätten zutragen können zwischen bekannten Persönlichkeiten des Wilden Westens wie Wild Bill Hickok, Charlie Utter und Calamity Jane.

Das ist gleichzeitig eine Stärke und eine Schwäche des Buchs. Zwar heißt es, dass das Leben die schönsten Geschichten schreibt, aber leider bilden diese Geschichten keinen Spannungsbogen wie bei rein fiktiven, was die beschriebenen Ereignisse relativ zusammenhang- und belanglos erscheinen lässt.

Und obwohl die Figuren bekannt sind, haben sie keine sonderlich bemerkenswerten Leben geführt. Klar gab es Intrigen und Schießereien, aber weil die Charaktere weder richtig sympathisch noch unsympathisch genug, um interessant zu sein, sind, hat mich das relativ kalt gelassen.

Das Setting hingegen ist perfekt getroffen worden. Hier gibt es keine romantischen Verklärungen des „Wilden Westens“, er wird mit all seinen Seiten dargestellt. Dadurch kommt eine eindrucksvolle Stimmung auf, die mich trotzdem in den Bann ziehen konnte.

Am Ende nimmt die Handlung jedoch Fahrt auf und ich konnte auch mit den Protagonist:innen warm werden. Auch die Vielzahl von Charakteren hat dazu geführt, dass sich ihre Schicksale doch noch auf spannende Arten und Weisen verflochten und ein halbwegs stimmiges Gesamtbild abgegeben haben.

März 26

Die Stadt der stillen Feuer von Florian Clever

Mit dem wohlverdienten Ruhestand schon vor Augen, muss sich Ratsherr Sajit einer neuen Gefahr für Mesrée stellen: Nicht nur ein Monsun und eine damit einhergehende Seuche bedrohen die Stadt, auch ein uralter Schattendämon hat sich eingeschlichen und versucht, Besitz von den Menschen zu ergreifen.

Neben Sajit kehren auch andere liebgewonnene Charaktere zurück: Furat, der frühere Hafenmeister, der Kommandant Udai und auch Sajits Frau Misha, die hier mal in einer ganz anderen Rolle auftrifft. Vor allem die Mischung aus sympathischen und unsympathischen Figuren, die alle realistische Motivationen zugeschrieben bekommen haben, hat mir wieder gefallen.

Auch der Protagonist selbst kann sich sehen lassen. Er hat schwierige Entscheidungen zu treffen und hadert mit ihnen. Sein Umgang mit der Extremsituation und seinen politischen wie tödlicheren Widersacher:innen ist nachvollziehbar und menschlich.

Wie im ersten Band ist auch der Schreibstil sehr angenehm zu lesen. Er ist locker und humorvoll, ohne dass sich das negativ auf die spannenden und traurigen Szenen auswirkt. Das führt dazu, dass auch dieses Buch wieder extrem schwierig aus der Hand zu legen war.

Auch wieder gut gelungen ist, dass sich die Gefahren anhäufen und Sajit mit allen gleichzeitig konfrontiert wird. Besonders, wie diese Ereignisse am Ende zusammengeführt werden, hat mir gut gefallen.

März 18

Neobiota: Das humane Relikt von Ryan Rockwell

In Neobiota: Das humane Relikt geht Paz‘ Überlebenskampf weiter. Scheinbar gerettet, muss sie erkennen, dass auf dem neuen Raumschiff etwas gehörig schiefläuft und sie eine Gefangene, kein Gast ist.

Wie schon im ersten Band ist sie eine interessante und gut gewählte Protagonistin. Sie ist keine Action-Heldin im klassischen Sinne und trifft keine kühl kalkulierten Entscheidungen, aber in Notsituationen kann sie über sich hinauswachsen.

Auch ihr Mitgefangener Ellis hat mir gut gefallen, gerade weil er sich mehr um sein eigenes Überleben kümmert als darum, das „Richtige“ zu tun und so einen Gegenpol zu Paz bildet.

Was mich ebenfalls beeindruckt hat, ist, wie die Spannung konstant aufrechterhalten worden ist. Es gibt kaum Atempausen für die Protagonist:innen und als Leser:in eilt mensch atemlos von Seite zu Seite, um zu erfahren, wie es weitergeht.

Ich kann auf jeden Fall sagen, dass mir der zweite Band sogar noch besser gefallen hat als der erste. Vor allem das Finale hat es hier noch einmal richtig in sich und macht mich gespannt auf die Fortsetzung von Paz‘ Abenteuern.

März 14

Teuflischer Walzer von Frank Tallis

Als in Wien im Jahre 1904 eine Leiche gefunden wird, vor der drei Stühle wie bei einem Ehrengericht aufgestellt sind, tauchen Inspektor Reinhardt und der Psychologe Max Liebermann in die Schattenseiten der eleganten Metropole ein.

Was mir direkt positiv aufgefallen ist, sind die exakt recherchierten Details, die die Epoche und den Ort realistisch erscheinen lassen. Dazu gehört auch das Auftauchen von interessanten historischen Persönlichkeiten wie Sigmund Freud und Ferdinand Porsche.

Leider hört die Akkuratesse der Recherche beim Thema Anarchismus auf, denn anarchistische Organisationen werden ausnahmslos als gewalttätig und bizarrerweise auch hierarchisch organisiert dargestellt. Und warum die fiktive Version von Peter Kropotkin als skrupelloser und heuchlerischer Attentäter beschrieben wird, kann ich mir auch nicht erklären.

Dafür ist der Fall an sich umso spannender. Es gibt hier keinen typischen Verlauf und die beiden Ermittler müssen auch zu Methoden greifen, die zu damaligen Zeiten noch total modern und unbekannt waren – wie die Analyse von Fingerabdrücken.

Auch die beiden Protagonisten und ihre Freundschaft hat mir gefallen. Ihre Dialoge sind clever und angenehm zu lesen und es ist interessant, in ihre Weltanschauungen einzutauchen.

März 10

Cikâste: Schattenkrieger von Silja Zachian

Seit die vier Seals Andy, Mike, Sam und Rick mit den sogenannten Schatten in Berührung gekommen sind, verfügen sie über übernatürliche Kräfte. Jetzt wollen sie aus dem Militär aussteigen und ihr eigenes Leben auf die Beine stellen. Wird es ihnen gelingen oder wird sie die Vergangenheit einholen?

Diese vier Charaktere sind zugleich auch das Herzstück der Geschichte. Durch ihre eigenen Persönlichkeiten und die ihrer Schatten heben sie sich voneinander ab und ihre Interaktionen untereinander vermitteln einem ein gutes Bild über ihre Beziehungen.

Einen Kritikpunkt habe ich aber doch: Es scheint alles zu gut zu passen. Weil die Protagonisten allesamt so stark sind, kommen sie bis auf eine Szene nie in wirkliche Bedrängnis, was den ansonsten gut geschriebenen Actionszenen die Spannung nimmt.

Auch der Aufbau ihrer neuen Heimat und das Finden ihrer Partner:innen läuft extrem glatt und lässt den Handlungsverlauf etwas künstlich erscheinen.

Trotzdem bin ich gespannt darauf, wie sich die Abenteuer der Vier noch entwickeln werden und ob sie eine:n Gegner:in finden werden, der ihnen wirklich Paroli bieten kann. Sympathisch genug, um mich an einer Fortsetzung interessiert sein zu lassen, sind die Charaktere auf jeden Fall.

März 1

Stille zwischen den Sternen von Sven Haupt

Die Ausnahmepilotin Hien Otis und ihre Schiffs-KI Jane werden zu einer besonderen Aufklärungsmission geschickt und begegnen dort einem Phänomen, das die bekannten Grenzen der Physik übersteigt. Werden die beiden es überwinden können, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren?

Während andere Sci-Fi-Bücher auf Raumschlachten setzen, geht es hier wirklich um Aufklärung, das tut der Spannung jedoch keinen Abbruch. Herausfinden, was dort wirklich passiert ist und passieren wird, ist hier nämlich weitaus spannender als reine Action.

Was mir besonders gefallen hat, sind die Charaktere. Die drei Protagonist:innen sind detailliert ausgearbeitete Figuren und heben sich stark voneinander ab. Vor allem Hien, die sich immer weiter von ihrer Menschlichkeit entfernt, dabei aber nicht gerade logischer und roboterähnlicher wird, hat es mir angetan.

Das Herzstück der Geschichte sind vor allem ihre Interaktionen untereinander, die immer eine perfekte Mischung aus humorvoll und tiefgründig darstellen. Es macht einfach Spaß, sie zu lesen.

„Stille zwischen den Sternen“ hat mich wirklich positiv überrascht. Das Buch setzt ganz andere Maßstäbe als andere seines Genres und wirft interessante Fragen darüber auf, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.

Februar 22

Wolfszeit: Die schwarze Stadt von Bjela Schwenk

Mit dem Sieg über Nathanael ist die Gefahr nicht gebannt und die Gefährt:innen müssen wieder aktiv werden. Die Herrinnen von Gilead, mächtige und skrupellose Magierinnen, rüsten zum Krieg gegen das geschwächte Königreich und ausgerechnet Lord Eisen schickt seine Truppen zur Unterstützung. Haben sie so eine Chance?

Es hat mich gefreut, die fünf unterschiedlichen Protagonist:innen wiederzusehen und ihre neuen Abenteuer zu verfolgen. Es sind aber auch zahlreiche neue Figuren dazugekommen, die ebenfalls ihre eigenen Motivationen verpasst bekommen haben.

Vor allem Tkemen und Thea machen hier überraschende Veränderungen durch – im Guten wie im Schlechten, was es umso realistischer macht. Es ist beeindruckend zu lesen, wie sich auch diese inzwischen altbekannten Charaktere noch verändern.

Dass sie sich in diesem Band größtenteils an unterschiedlichen Orten aufhalten, hat die Geschichte gut aufgelockert. Es wurde wieder eine gute Mischung aus Kampfszenen und Szenen, in denen wir die Figuren besser kennenlernen dürfen, getroffen.

Alles in allem habe ich das Gefühl, dass diese Reihe mit jedem Band besser wird. Mit den vielschichtigen Hauptcharakteren, der spannenden Story und der lebensnahen, belebten Welt hat „Wolfszeit“ alles, was eine gute Fantasy-Saga ausmacht!

Februar 20

Der Fluch des Ritters Anastasius von Lucian Caligo

In „Der Fluch des Ritters Anastasius“ werden fünf Kurzgeschichten um den namensgebenden Ritter von jeweils verschiedenen Autor:innen gesammelt. Mal trifft der Ritter auf eine andere Untote, mal sehnt er sich nach seinem alten Leben zurück.

Obwohl Anastasius ein Untoter mit einer düsteren Vergangenheit ist, ist er durchgehend sympathisch und ich konnte mich gut in ihn einfühlen. Neben den spannenden Handlungen, die sich in allen Geschichten voneinander abheben, war das einer der Gründe, warum ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.

Die Nebencharaktere haben mir auch gut gefallen, egal, ob es sich um eine Adelige mit einem Geheimnis oder blutrünstige Zwerge handelt. Durch ihre Vielfalt heben sich die Storys umso mehr voneinander ab.

Es ist durchgehend gut gelungen, typische Fantasy-Elemente mit einigen Überraschungen zu kombinieren und so von vorne bis hinten spannende Geschichten zu erzählen, auch, weil der Held hier gar nicht versucht, die Welt zu retten und das, was für die meisten Protagonist:innen das Ende bedeuten würde, schon hinter sich hat.

Was mir abschließend am meisten gefallen hat, ist, dass alle Autor:innen es geschafft haben, eigene kreative Ideen einzubringen und den Protagonisten von anderen Seiten zu beleuchten. Wer denkt, dass er von Untoten nicht mehr überrascht werden kann, sollte diesem Buch definitiv eine Chance geben!