Juli 18

The Elder Scrolls: Der Seelenlord von Greg Keyes

Während Annaïg sich in den teuflischen Küchen Umbriels hocharbeitet und dort immer schlimmere Taten vollbringen muss, um die Fürsten zufriedenzustellen, wird Mere-Glim zu einem Idol der Untergrundbewegung auf der Insel. Auch Attrebus und Sul befinden sich auf einer gefährlichen Reise, auf der sie verzweifelt nach einer Möglichkeit suchen, Umbriel aufzuhalten…

Auch hier gibt es wieder ein sehr interessantes Worldbuilding, das sich zum Teil aus bestehender Elder Scrolls-Lore zusammensetzt und zum Teil für die beiden Bücher erfunden wurde. Vor allem die Beschreibung von Umbriel und dem Leben dort hat es mir angetan, auch wenn sie im zweiten Band keinen Überraschungseffekt mehr auf ihrer Seite hat.

Die Charakterentwicklung und vor allem wie Attrebus und Annaïg durch ihre Erlebnisse verändert worden sind, hat mir auch gut gefallen. Allerdings finde ich, dass mehr aus der Entfremdung zwischen ihr und Glim hätte werden sollen, weil sie sich nach einem sehr dramatischen Höhepunkt praktisch ins Nichts aufgelöst hat.

Auch der Plot um Mazgar und Brennus ist am Ende auf nichts hinausgelaufen und hätte gestrichen werden können. Colins Storyline hätte auch ein bisschen mehr Ausarbeitung verdient. Das ändert allerdings nicht daran, dass ich mich von der ersten bis zur letzten Seite unterhalten gefühlt und mitgefiebert habe.

Mit seinen sympathischen ProtagonistInnen, der spannenden Handlung und der farbenfrohen Welt verdient auch der zweite Teil eine Chance. Vor allem, dass er trotz des Erfolgs der Elder Scrolls-Reihe eine eigene Geschichte erzählt und nicht einfach einen Handlungsstrang aus einem Spiel kopiert, hat mich gefreut.

Juli 11

Riot, don’t diet! von Elisabeth Lechner

In „Riot, don’t diet!“ spricht Elisabeth Lechner mit AktivistInnen, die darüber aufklären, wie sie von der Gesellschaft bewertet werden, weil sie dick, Schwarz, haarig, queer, behindert und / oder alt sind, und wie sie sich gegen Vorurteile zur Wehr setzen und lernen, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben.

Mir ist direkt positiv aufgefallen, wie gut hier die Mischung aus harten Fakten und den individuellen Erlebnissen der Betroffenen gelungen ist. Es wird nicht mit wissenschaftlichen Erklärungen und Fachbegriffen gegeizt, diese werden jedoch alle auch für „Neueinsteiger“ in das Thema verständlich erklärt.

Insgesamt gibt es hier eine ungewöhnliche Fülle von verschiedenen Perspektiven und es werden zahlreiche Probleme angesprochen, von Colorismus bis zu der Tatsache, dass Menschen aufgrund ihrer Behinderung der Wert abgesprochen wird.

Dabei wird häufig der Kapitalismus kritisiert, weil vor allem die Schönheitsindustrie vom Selbsthass und der daraus folgenden ständigen „Selbstoptimierung“ der Menschen profitiert. Aber auch Ansätze wie die „Body Positivity“ werden nicht einfach unkritisch hingenommen, sondern fair beurteilt und auf ihre Schwächen untersucht.

Insgesamt hat mich das Buch mit seiner Vielzahl an InterviewpartnerInnen, die allesamt tiefgründige und lesenswerte Ideen zu teilen hatten, von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt und ich kann es jedem empfehlen, der einen Einstieg in feministische Literatur sucht – Aber auch Menschen, die sich schon mehr in die Materie eingearbeitet haben, können hier noch etwas lernen.

Juli 7

Etwas endet, etwas beginnt von Andrzej Sapkowski

„Etwas endet, etwas beginnt“ vereint acht Kurzgeschichten, von denen zwei im Universum der Hexer-Saga spielen. Dabei wird neben dem üblichen Fantasy-Genre überraschenderweise auch Horror aufgegriffen. Meistens nimmt sich Sapkowski aber eine bekannte Sage oder Geschichte vor und erzählt die versteckten Seiten davon auf seine eigene Art und Weise.

Eigentlich hätte ich gedacht, dass mich die Geschichten um Geralt und seine Eltern (!) am meisten überzeugen, aber die anderen haben mich positiv überrascht. Obwohl es nur Kurzgeschichten sind, sind die Persönlichkeiten der Figuren ausgeprägt und dreidimensional, sodass es mir nicht schwergefallen ist, mitzufiebern.

Die Horror-Geschichten haben meiner Meinung nach daran gelitten, dass die menschlichen ProtagonistInnen in den meisten Fällen so unsympathisch waren, dass ich ihnen ihr Schicksal sogar gegönnt habe. Das hat zwar nicht dafür gesorgt, dass ich die Handlungen und Konzepte selbst uninteressant gefunden habe, aber es hat einen beträchtlichen Teil der Spannung herausgenommen.

Außerdem zu erwähnen ist, dass sich vor jedem der Kapitel ein kurzes Vorwort befindet, in dem der Autor erzählt, was ihn dazu inspiriert hat und vor welchem Hintergrund er es geschrieben hat. Diese Einblicke in seine Arbeitsweise waren interessant zu lesen.

Insgesamt hat mich vor allem die Vielfalt der Geschichten überzeugt. Bevor eine Idee repetitiv werden konnte, hat schon die nächste angefangen, sodass keine Langeweile aufgekommen ist. Untermalt wird das Ganze natürlich wieder von Sapkowskis charakteristischem Schreibstil, der mir nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase inzwischen gut gefällt.

Juni 29

Das Schwert der Vorsehung von Andrzej Sapkowski

„Das Schwert der Vorsehung“ vereint sechs verschiedene Kurzgeschichten um den Hexer Geralt, Yennefer und sogar Ciri. Zwei davon kommen auch in abgewandelter Version in der Netflix-Serie vor.

Ich muss sagen, dass mir Sapkowskis Kurzgeschichten besser gefallen als der Hauptzyklus der Geralt-Saga, was wahrscheinlich daran liegt, dass sie aufs Beste reduziert sind und wirklich jede Szene einen Sinn hat. Zwar gibt es auch hier einige, die mir besser gefallen als die restlichen, insgesamt haben mich aber alle gut unterhalten und es gab keine Durststrecken.

Jede der Geschichten kommt mit einer überraschenden Wendung daher, die auch jedes Mal etwas über die Figuren und ihre Weltsicht verrät. Dazu kommt, dass hier die Mischung aus den Kämpfen gegen mystische Kreaturen und den Beziehungen und Dialogen der Charaktere gut gelungen ist und keiner dieser Aspekte Überhand nimmt.

Die Figuren selbst sind auch interessant. Im Mittelpunkt steht natürlich der Hexer selbst, der aufgrund seiner Mutation angeblich keine Emotionen fühlen kann und sich streng an seinen persönlichen Kodex hält. Die anderen Figuren sind ebenfalls unterhaltsam und vor allem ihre Diskussionen mit Geralt sind interessant zu lesen.

Wer Sapkowskis einzigartigen Schreibstil schätzt oder einfach auf der Suche nach kurzweiligen und spannenden Fantasy-Geschichten, die einige Klischees über den Haufen werfen, ist, wird mit dieser Sammlung definitiv seine Freude haben.

Juni 20

Tinte & Siegel von Kevin Hearne

Als auch Gordie, der letzte Lehrling des Siegelmagiers Al MacBharrais, eines mysteriösen Todes stirbt, wird dieser auf dessen düstere Machenschaften aufmerksam: In Wahrheit steckte er bis zum Hals im illegalen Handel mit Feenwesen! Ein Vertragsbruch, dem MacBharrais auf den Grund gehen muss…

Anhand dieser kurzen Beschreibung wird schon klar, dass „Tinte & Siegel“ keine 0815-Fantasy ist. Das Buch spielt in der Gegenwart und verbindet die Elemente dieser Zeit immer wieder humorvoll mit den magischen Aspekten der Story. Sowieso nimmt sich die Geschichte selbst nicht allzu ernst und ist deshalb locker zu lesen.

Das auf magischen Siegeln, die mit sehr speziellen Tinten gezeichnet werden müssen, basierende Magiesystem hat mich ebenfalls positiv überrascht, weil es den Protagonisten mit interessanten Stärken und Schwächen ausstattet. Ich hätte mir nur gewünscht, ein paar abgefahrenere Anwendungen davon lesen zu dürfen.

Auch die Figuren haben mir gefallen. MacBharrais selbst ist sympathisch und trotz seines hohen Alters immer für einen Spaß zu haben, aber auch der freche, aber treue Hobgoblin Buck und die taffe Pitfighterin Nadia haben es mir angetan. Alleine die Chemie zwischen diesen dreien würden einen zweiten Band schon rechtfertigen.

Dazu kommt noch die Welt mit ihren verschiedenen Gottheiten und Feenwesen, die großes Potential bietet. In diesem Band werden vor allem Wesen der schottischen und irischen Mythologie hervorgehoben, was eine interessante Abwechslung zu den „üblichen“ Wesenheiten darstellt.

Juni 12

Barbarenmond: Konzernedition von Klotz Van Ziegelstein

Der Jäger Terbish nimmt den Auftrag der Mondgöttin Luna an, den sogenannten Kristallherren zu bergen. Doch es stellt sich bald heraus, dass sein Gegner ihm mehr als nur ebenbürtig ist.

Diese Geschichte spielt zeitlich vor „Plünderer“, allerdings gibt es hier viele Begriffe und Konzepte, die sehr viel leichter zu verstehen sind, wenn mensch das andere Buch zuerst liest. Die Handlung an sich ist aber eigenständig und bietet interessante Einblicke in Terbishs Vergangenheit.

Obwohl es sich um eine Kurzgeschichte handelt, ist hier wieder eine gelungene Mischung aus Action und überraschenden Wendungen getroffen worden. Vor allem die verschiedenen Taktiken, die im Kampf zum Einsatz kommen, haben mir gefallen.

Auch die Figuren zeigen interessante Ansätze, egal, ob es sich um den wenig vertrauenswürdigen Caitan Noctis oder den Barbaren Abel handelt.

„Barbarenmond“ ist eine kurzweilige Geschichte, die schon einmal Einblicke in die größere Welt der Neobarbaren gibt und Lust auf mehr macht.

Juni 10

Zeittüren von Yves Gorat Stommel

Als der siebzehnjährige Niklas eine Tür findet, die ihn sowohl örtliche als auch zeitliche Distanzen in Sekundenschnelle überwinden lässt, beginnt seine Karriere als Gelegenheitsdieb. Doch er ist nicht der Einzige, der dieses Geheimnis ergründet, und bei Weitem nicht der mit den finstersten Absichten…

Wer glaubt, er hätte schon alle Varianten der Zeitreise gelesen, der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Das Konzept der Türen samt seiner Vor- und Nachteile wird hier Schritt für Schritt ergründet und mensch erfährt viel Spannendes über diese Welt und wie sie funktioniert.

Auch die Charaktere haben es mir angetan, eben weil sie sich typisch menschlich verhalten. Die jugendlichen Protagonisten agieren ihrem Alter entsprechend und begehen dadurch auch einige Fehler, was ihnen eine gewisse Tiefe gibt und auch für lustige Momente sorgt – Wie die Anmerkungen des Autors, die per Fußnote hinzugefügt worden sind.

Der Plot kann sich ebenfalls sehen lassen. Anfangs lernt mensch viel über das Konzept dieser ungewöhnlichen Zeit- und Ortreisen, was an sich spannend genug wäre, doch dann nimmt die Handlung in der zweiten Hälfte noch einmal richtig Fahrt auf.

„Zeittüren“ ist ein Buch, das sich schlecht beschreiben lässt, dem mensch aber auf jeden Fall eine Chance geben sollte, alleine wegen des interessanten Settings.

Mai 31

Plünderer von Klotz Van Ziegelstein

Eigentlich ist Jimmy King nur ein glückloser Ex-Student, doch auf der verzweifelten Suche nach Geld wird er in Ereignisse hineingezogen, die seinen Horizont bei Weitem übersteigen und bald machen Schattengilden und Kopfsammler Jagd auf ihn…

„Plünderer“ spielt in einer fernen Zukunft, in der Elemente, die wir in der heutigen Welt beobachten können, bis ins Extrem getrieben wurden. Was zum Beispiel aus dem Internet und den zugehörigen Influencern und Cyberkriminellen werden könnte, wird hier mit einer gehörigen Portion Kreativität dargestellt – Witzig und erschreckend zugleich!

Für ebenso große Abwechslung sorgen die drei Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Durch die Sichtwechsel erfahren wir viele Hintergründe über die Welt und die Handlung und die Momente, in denen sie aufeinandertreffen, sind jeweils spannende Höhepunkte.

Die Handlung mit ihren rasanten Wendungen und Überraschungen hat mich gleich in den Bann gezogen. Sie holt das Maximum aus dem Setting heraus und bleibt bis zum Schluss unvorhersehbar, weil sich die Figuren ständig gegenseitig hintergehen und noch Asse im Ärmel haben.

Hier wird eine chaotische und gleichzeitig fast schon vertraute Zukunftsvision gezeichnet, die von schrägen und meist unsympathischen Charakteren bevölkert ist, und genau das macht den Reiz aus!

Mai 29

Knights of Sidonia – Master Edition 1 von Tsutomu Nihei

Jahrhunderte nachdem die Erde durch die wandelbaren „Gauna“ zerstört wurde, treibt das Raumschiff Sidonia durchs All. Seine Bewohner, darunter der Protagonist Nagate Tanikaze, müssen es immer wieder mit Mechas gegen Angriffe der gefährlichen Aliens verteidigen.

Der Zeichenstil ist wirklich einzigartig. Die Figuren sehen relativ simpel aus, worunter ihre Ausdrucksstärke allerdings nicht leidet, aber die Hintergründe und Kämpfe bestechen durch ihre beeindruckenden Details. Mir haben vor allem die Designs des Raumschiffs und die der Gauna, die immer wieder für Überraschungen zu haben sind, gefallen.

Das Gleiche gilt für den Plot. Mehr über die Geschichte der Sidonia und vor allem die Fähigkeiten der Aliens herauszufinden macht für mich den Reiz des Mangas aus, die Raumschlachten sind natürlich auch nicht zu verübeln. Dadurch, dass ihre Feinde so wandelbar sind, müssen die PilotInnen ständig andere Strategien benutzen, was sie nie langweilig werden lässt.

Ein Kritikpunkt ist für mich definitiv, dass viele der anderen Figuren aus relativ unerklärlichen Gründen in den Protagonisten verliebt sind und ziemlich viel Zeit mit Eifersuchtsdramen verschwendet wird, die dann nicht einmal wirklich zu etwas führen. Meiner Meinung nach hätte der Autor diesen Nebenplot auch streichen können.

Insgesamt bietet Knights of Sidonia aber genug interessante Handlungsstränge und Ideen, um mich bei der Stange zu halten. Vor allem das Ende macht mich gespannt auf den zweiten Teil!

Mai 21

Die Eisenritter: Der Pilgerpfad von Lucian Caligo

Der Eisenritter Judas war immer ein treuer Verfechter seines Glaubens, mit Worten und dem Schwert. Dann überschlagen sich jedoch die Ereignisse und er beginnt, zu verstehen, dass hinter dem Orden mehr steckt, als er jemals geahnt hatte – und begibt sich damit in große Gefahr.

Judas hat mich als Protagonist begeistert. Er beweist schnell, dass er weitaus vielschichtiger ist, als es anfangs den Anschein hat. Auch, dass er im Kern ein guter Mensch ist, aber trotzdem nicht immer „richtig“ handelt, hat mich überzeugt.

Die Geschichte wirft einen gleich in die Action und wechselt danach immer im richtigen Moment zwischen spannend beschriebenen Kämpfen und Szenen, in denen die Charaktere die Verschwörung um den Orden Stück für Stück aufdecken. Dabei ist auch lobenswert zu erwähnen, dass es nicht diesen einen Twist gibt, sondern verschiedene Momente, in denen einem als LeserIn ein Licht aufgeht.

Die Welt und Handlung des Buches ist ebenfalls einzigartig. Durch die lebhaften Beschreibungen bekommt mensch einen guten Eindruck vom Worldbuilding und es gibt einige kreative Ideen, die es von dem anderer Bücher abheben.

„Die Eisenritter“ konnte mich praktisch von der ersten Seite an überzeugen und beinhaltet keine langweiligen Szenen. Alleine das hier beschriebene Universum hat noch viel Potential für Fortsetzungen!