September 25

Piratengesindel: Aufbruch von Florian Clever

Kaufmannssohn Casims angenehmes Leben wird völlig auf den Kopf gestellt, als er aus seiner Heimat und damit aus seinem Leben des Müßiggangs fliehen muss. Schon bald muss er sich auf hoher See und an fremden Ufern mit Intrigen herumschlagen, die er sich vorher nicht hätte ausmalen können…

„Piratengesindel: Aufbruch“ erinnert mich im positivsten Sinne an die Abenteuergeschichten meiner Kindheit: Die raue See verspricht Gefahren in Form von Stürmen mit haushohen Wellen und PiratInnen, denen alle Mittel recht sind, aber auch Freiheit und große Schätze. Dieses Feeling wird hier perfekt eingefangen.

Dazu kommt, dass Casim ein sympathischer Protagonist ist. Obwohl am Anfang klar wird, dass er unreif ist und sich vor allen Anstrengungen drückt, kann mensch sich gut in ihn hineinversetzen und mit ihm mitfiebern. Gut gelungen ist auch das Tempo seiner Charakterentwicklung, weil es langsam genug ist, um glaubwürdig zu sein, aber schnell genug, um Fortschritte bemerkbar zu machen.

Gut gefallen haben mir auch die Kampfszenen. Weil Casim kein Krieger im traditionellen Sinne ist, geht es eher darum, um jeden Preis zu überleben und die Gegner mithilfe der Umgebung oder improvisierten Waffen zu überlisten, was besonders spannend ist.

Die Story selbst bleibt von Anfang bis Ende spannend und ist von vielen überraschenden Wendungen durchzogen. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf den nächsten Teil!

September 17

Prion: Lumera Thriller von Jona Sheffield

Die Spannungen zwischen den in Flüchtlingslagern eingesperrten Menschen und den Kidj’Dan, die den Planeten Lumera vorher erobert hatten und erst von den Menschen angegriffen worden waren, nehmen immer mehr zu. Dann bricht ein Team zu einer Expedition auf, die die Lösung bringen oder einen endgültigen Krieg provozieren könnte…

Obwohl ich die vorherigen vier Bände nicht gelesen habe, konnte ich gut in die Geschichte einsteigen. Die Ereignisse der Vergangenheit werden am Anfang auf natürliche Art und Weise erklärt und es wurden zahlreiche Szenen eingebaut, durch die mensch die Figuren und ihre Handlungen besser einschätzen konnte.

Besonders interessant sind hier auch die fremde Welt Lumeras, die in prächtigen Farben lebhaft beschrieben wird, und ihre Bewohner. Der Balanceakt dazwischen, die Kidj’Dan wie Aliens darzustellen und auch ihre „menschlichen“ Eigenschaften hervorzuheben, ist sehr gut gelungen. Außerdem heben sie sich durch ihre Traditionen und ihre daraus folgenden Einstellungen zum Pflichtbewusstsein und zum Tod ab.

Mir hat auch die Vielzahl der Figuren gefallen. Egal, ob es sich um einen Drogendealerin, einen Politiker oder die Königin der Kidj’Dan selbst handelt, alle wurden detailliert ausgestaltet und sind nicht eindeutig in Gut und Böse einzuteilen, was sie unvorhersehbarer und realistischer macht.

Die Handlung bleibt die ganze Zeit spannend, obwohl es kaum offene Kämpfe gibt. Alleine dadurch, dass die Beziehungen der beiden Völker die ganze Zeit auf Messers Schneide stehen, wird die Spannung aufrechterhalten. Ich bin auf jeden Fall schon gespannt auf den nächsten Band, denn diese Welt bietet noch viel Potential.

September 13

Borengar (Buch 1-3) von Patrick Huber

Der Meister Borengar erinnert sich an seinen ersten Auftrag als neuernannter Runenkrieger zurück, bei dem er einen Trupp Zwergenkrieger in die Tiefen eines Stollens geführt hat, um den plötzlichen Wahnsinn zu untersuchen, der die Arbeiter dort befallen hat. Doch dahinter steckt mehr, als er erwartet hätte…

Die drei Kurzgeschichten bieten eine spannende Einführung in die Welt der Runenkrieger und ein in sich abgeschlossenes Abenteuer. Besonders interessant finde ich, dass besagte Runen kein „Allheilmittel“ sind, sondern mit Bedacht und für bestimmte Zwecke angewandt werden müssen. Auch die Mischung aus Magie und Technik hat mir gefallen, weil sie gut zum Volk der Zwerge passt.

Borengar selbst ist ein interessanter Protagonist, weil er sehr pflichtbewusst, aber noch unerfahren ist und deshalb auch Fehler macht, die nicht ohne Konsequenzen bleiben. Trotzdem ist er sympathisch und mensch kann gut mit ihm mitfiebern.

Die Kampfszenen sind spannend beschrieben und der Handlungsstrang in der Gegenwart lockert die Geschichte immer wieder auf. Nur die Dialoge wirken an einigen Stellen zu modern und für das Setting unpassend.

Insgesamt bieten diese ersten drei Bände der Reihe spannende Fantasy-Unterhaltung und das Universum der Runenkrieger bietet viel Potential für weitere Geschichten.

September 11

Jormund von Robin Band

In Jormund machen die Menschen den sogenannten „Besessenen“, die durch einen Pakt mit einem Elementarwesen verstärkt worden sind, das Leben schwer – So auch Jotaka und Rael, die trotz allem für den Frieden einstehen.

Was mir direkt positiv aufgefallen ist, sind die Details der Fähigkeiten. Sie basieren zwar auf den „typischen“ Elementen, gehen aber noch mehr in die Tiefe und bieten dadurch viel interessantere Anwendungsmöglichkeiten.

Auch die Dynamik zwischen den zwei Hauptcharakteren und wie diese in den Gesprächen zwischen ihnen durchscheint, hat mir gut gefallen. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, und genau das macht den Reiz aus.

Auch Jotaka als Figur hat es mir angetan. Gerade weil sie keine typische Kämpferin ist, ist sie perfekt in der Rolle als Protagonistin und bringt eine ganz eigene Note ein.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass in den ersten Kapitel ein paar Dialoge zu expositionslastig sind, was den Lesefluss etwas stört. Im Verlauf der Geschichte bessert sich das aber stark und ist am Ende schon vergessen.

September 6

Homo Inferis 2: Kontakt von Daniel Böckeler

Nachdem die vermeintlich letzten überlebenden Menschen jahrelang in Arche 2 unter der Erde eingesperrt waren, fällt diese langsam auseinander und die Probleme häufen sich. Als dann endlich ein Funkspruch von Arche 1 vernommen wird, können sie ihr Glück kaum fassen – Doch die vermeintliche Rettung sieht in Wahrheit ganz anders aus…

Im zweiten Band lauern sowohl unter als auch auf der Erdoberfläche ganz neue Gefahren. Besonders gefallen hat mir, wie abwechslungsreich die Bedrohungen durch den Nebel, die Monster, die Seuche und sogar die anderen Menschen eingebracht werden.

Besonders in der zweiten Hälfte der Handlung wird ein besonderer Fokus auf Richard gelegt, der eine sympathische Figur darstellt. Auch der Sinneswandel, den er im Verlauf der Geschichte durchmacht, wird realistisch beschrieben. Im Gegensatz dazu gehen Nikki und Mia, aus deren Perspektiven ebenfalls geschrieben wird, jedoch ein wenig unter.

Das bedeutet aber nicht, dass es ihnen oder den zahlreichen, interessanten Nebencharakteren an Tiefe mangelt, denn jeder hier verfolgt seine eigene Agenda und niemand kann es sich leisten, immer auf der „richtigen“ Seite zu stehen.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass die Dialoge und Gedanken der Charaktere teilweise etwas hölzern wirken, aber die Spannung der Story lässt einen das schnell vergessen.

September 5

WeltenFresser von Dan Dreyer

Der kriegerische Konflikt, der den gesamten Kontinent im Sturm erobert hat, nähert sich seinem Höhepunkt und reißt alle Figuren mit sich. Welche Entscheidung wird Magus Lysander treffen, der immer noch mit seinem Schicksal hadert?

Im Finale der „FlammenBringer“-Trilogie wirft Dan Dreyer noch einmal alles in die Waagschale, was er zu bieten hat: Epische, kapitelumspannende Schlachten, deren taktische Hintergründe und entfesselte Gewalt wir durch die Perspektiven der beiden Kontrahenten Nathaniel Lockwood und Keno Grimmfaust zu sehen bekommen; Charaktere, deren Einzelschicksale einem keine Ruhe lassen und eine interessante und durchdachte Welt, die diese Handlung tragen kann.

Besonders die Entwicklung, die Lysander innerhalb der drei Bände durchgemacht hat, wird hier zu einem realistischen Abschluss gebracht. Von seinen Anfängen als einfacher Student bis zu seinem Leben als erfahrener Magus wird seine Persönlichkeit lebensnah und teilnahmsvoll beschrieben und auch die GefährtInnen, die ihm zur Seite stehen, sind dreidimensional und handeln nachvollziehbar.

Wieder sticht hier auch die Abwechslung der Handlung hervor, die uns von politischen Diskussionen unter Ausschluss der Öffentlichkeit über Schiffe auf hoher See bis zu den Schlachtfeldern selbst führt. Das Setting „Fantasy 1800“ ist auch im dritten Band noch herrlich unverbraucht und Mischung aus echter Geschichte und Fantasy sorgt für einige Überraschungen.

Wie auch die beiden Vorgänger-Bände kann ich „WeltenFresser“ jedem ans Herz legen, der das Genre von einer anderen Seite betrachten will. Ich habe mich selten so gut unterhalten gefühlt und die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite genossen.

August 20

Die dunkle Flamme von Drew Karpyshyn

Im zweiten Band der Trilogie flüchtet die Gruppe um Keegan, Scythe und Vaaler zu den Clans im Norden. Doch nicht nur die Knechte Daemrons sind ihnen auf den Fersen, sondern auch die gesamte Armee der Danaan…

Dieses Mal werden wir gleich in die Action geworfen und der langsame Einstieg des ersten Bandes wiederholt sich nicht. Dadurch, dass wir die Figuren bereits kennen, können ihre Charakterisierung und die Beziehungen untereinander besser ausgebaut werden, was hier einen wichtigen Aspekt darstellt.

Durch die vielfältigen Perspektiven bekommen wir viele verschiedene Sichtweisen auf das Geschehen, allerdings entfalten einige davon ihre Wirkungen erst spät oder gar nicht in diesem Buch. Die Geschichte um Inquisitorin Yasmin wird zum Beispiel an zwei Stellen erwähnt, dann aber schnell wieder fallengelassen.

Trotzdem bleibt die Handlung die ganze Zeit über spannend und es ist leicht, mit den ProtagonistInnen mitzufiebern. Positiv dazu trägt auch bei, dass die Prophezeiungen, die die mit der „Sicht“ gesegneten Charaktere erhalten, nicht eindeutig sind und schon auf interessante, spätere Begebenheiten hinweisen.

Der zweite Band bügelt die Fehler seines Vorgängers definitiv aus und bleibt von der ersten bis zur letzten Seite spannend, weil die Figuren hier gegen Daemrons Scharen, aber auch gegen ihre eigene Schwäche im Bezug auf die Artefakte und ihre Entscheidungen kämpfen müssen.

August 11

Misogynie: Die Geschichte des Frauenhasses von Jack Holland

„In Misogynie: Die Geschichte des Frauenhasses“ bereitet der Journalist Jack Holland die tödliche Historie des Frauenhasses vom antiken Griechenland bis in die Neuzeit auf und untersucht dabei, was für die jeweiligen Vorurteile gesorgt hat und wie sie durch Gesetze und Verhaltensweisen umgesetzt worden sind.

Er berichtet darüber, dass die Misogynie schon die Anfänge der „westlichen Welt“ durchzogen hat, als Plato und Aristoteles philosophische Begründungen dafür gesucht haben, dass sie Frauen praktisch  als missgebildete Männer gesehen haben. Auch in der griechischen Mythologie selbst ist Pandora und damit die Frau der Ursprung allen Übels, der den Mann seiner Autarkie beraubt und ihn damit erniedrigt.

Immer wieder geht der wissenschaftliche Fortschritt einer Zivilisation einher mit Frauenverachtung, für die ständig neue Begründungen gefunden werden: Erst philosophisch und religiös, später auf biologischer Basis. Die Methoden und Argumentationsstrukturen ändern sich, aber der Hass auf die „Anderen“ bleibt.

Holland geht auf die politischen und kulturellen Unterschiede der Völker ein und wie sie die Rolle der Frauen in den jeweiligen Gesellschaften beeinflussen. Doch der erschreckende rote Faden, der sich durch die komplette Geschichte zieht, ist, dass die Unterdrückung der Frauen mal stärker und mal schwächer war, aber nie ganz aufgehört hat.

Für mich besonders überraschend und erschreckend war, welche Auswirkungen diese Sichtweise auch heutzutage noch hat, wenn Tausende von Frauen jährlich durch christliche Abtreibungspolitik sterben oder die USA und Europa die Misogynie ihrer verbündeten Länder stillschweigend hinnehmen und den dort lebenden Frauen damit das Leben zur Hölle machen.

August 3

TONKARI – Der Meisterdieb von C.J. Knittel

Als der Meisterdieb Eiden den schwierigsten Auftrag seines Lebens bekommt, weiß er noch nicht, welche tiefgreifenden Konsequenzen er nach sich ziehen wird. Aber auch der Tonkari Adran begibt sich auf ein Abenteuer, das sein komplettes Leben verändern wird.

In diesem Band verlassen wir sogar Scari und lernen die Lande kennen, die dahinter liegen. Dabei wird das bereits beeindruckende Worldbuilding der beiden vorherigen Bände ausgearbeitet und wir lernen interessante neue Völker und Kulturen kennen.

Besonders gefallen hat mir dieses Mal auch der Protagonist, Eiden. Er stellt einige Fantasy-Klischees auf den Kopf und wirkt trotz seines Berufs als Dieb sehr sympathisch. Auch mit Adran und Jara konnte ich gut mitfiebern.

Die Handlung an sich ist auch spannend und bietet einige überraschende Wendungen. Mein einziger Kritikpunkt hier ist, dass alle Charaktere mehrmals gefangen genommen werden und der Großteil des Buches damit verbracht wird, dass sie versuchen, sich wieder zu befreien.

Das ändert aber nichts daran, dass die Geschichte spannend ist und jeden Fan des Genres, dem es gefällt, wenn AutorInnen auch aus dessen Konventionen ausbrechen, gut unterhalten wird.

Juli 24

Domino auf Abwegen von Tristan Palmgren

Eigentlich könnte mensch sagen, dass Domino vom Glück verfolgt ist, denn genau das ist ihre Superkraft. Trotzdem musste sie eine traumatische Vergangenheit erleiden, in der grausame Experimente an ihr durchgeführt wurden, und die sie nun einholt, als sie den Auftrag bekommt, ein Zwillingspaar aus den Händen eines Sektenführers zu befreien.

Fangen wir doch direkt mit Domino an: Sie ist eine unglaublich sympathische Protagonistin, die schonungslos ehrlich mit sich und der Welt ins Gericht geht, dabei aber nie ihren Sinn für Humor verliert. Es ist immer eine Freude, zu lesen, wie sie zwischen Selbstanalyse und ironischen Anmerkungen wechselt und es ist nicht schwierig, sich in sie hineinzuversetzen.

Dazu kommt, dass ihre Superkraft hier gut gehandhabt wird. Es wäre leicht gewesen, jeglichen Schaden an ihr abprallen zu lassen, weil sie nun einmal immer Glück hat, aber das ist nicht der Fall und sie muss auch mal zurückstecken, was dafür sorgt, dass die Geschichte von vorne bis hinten spannend bleibt.

Die Handlung an sich ist auch ungewöhnlich und hat mich überrascht. Sekten sind ein Thema, das im SuperheldInnenkosmos eher selten (mit dieser Tiefe) aufgegriffen wird und hier wird es gekonnt mit Dominos Vergangenheit vermischt, sodass die Parallelen wirklich gut herausstechen. Außerdem ist die Mischung aus Action und der Beschreibung der Veränderungen, die die Heldin im Verlaufe ihres Lebens durchmacht, gut getroffen.

Ich hätte eigentlich gedacht, das sich das Buch mit einem Comic vergleichen lässt, ein Film trifft es aber eher. Der Plot ist präzise und in sich abgeschlossen, es gibt emotionale Höhen und Tiefen und die Story ist mehr „down to earth“ als die zahlreichen Marvel-Comics mit weltenumspannenden Handlungssträngen.