Februar 7

Die Chronik der Unsterblichen – Der schwarze Tod von Wolfgang Hohlbein

Nachdem Andrej und Abu Dun erfahren haben, dass Andrejs Sohn Marius noch lebt, heften sie sich an seine Fersen und reisen nach Venedig. Doch dort stoßen sie auf einen zwielichtigen Doktor, der vorgibt, Marius nach bestem Wissen und Gewissen zu helfen, aber seine anderen „Patienten“ nicht gerade vertrauenswürdig behandelt. Und nicht nur das, auch ihre langjährige Freundin Mehrune scheint sich stark verändert zu haben…

Zuerst muss ich zugeben, dass ich diesen Band losgelöst von den anderen Büchern in der Reihe gelesen habe und deshalb die reiche Historie der Charaktere, auf die immer wieder angespielt wird, nicht kenne. Vielleicht liegt es also daran, dass mir das Verhalten von Andrej und Abu Dun zueinander komisch und unrealistisch vorkam – Es wirkte teilweise, als würden die beiden ständig zwischen Freunden und Feinden schwanken, was für mich auch mit der Auflösung am Ende nicht richtig geklärt ist.

Sowieso kam mir Andrejs Verhalten teilweise sehr naiv und gutgläubig vor, was zugegebenermaßen auch an seiner jahrelangen Freundschaft mit Abu Dun liegen kann. Allerdings scheint es einfach nicht zu einem 300-jährigen Unsterblichen zu passen.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass sich die Handlung extrem zieht und kein Ende in Sicht ist. Die Figuren mäandern durch Venedig, ohne Fort- oder Rückschritte zu machen und das Ende kommt auch dementsprechend plötzlich und ohne dass Andrej irgendetwas, sei es nun eine Tat oder Erkenntnis, selbst erreicht hätte.

Das Ende selbst hat mir hingegen gut gefallen, weil es eine überraschende Wendung beinhaltet und für ordentlich Dramatik sorgt. Vor allem Andrejs Emotionen dort sind sehr gut nachvollziehbar und werden anschaulich beschrieben.

Januar 28

Der Wal und das Ende der Welt von John Ironmonger

Als der Analyst Joe Haak in dem Fischerdorf St. Piran angespült wird, stellt er das Leben der kleinen Gemeinde komplett auf den Kopf. Doch nicht einmal seine beruflichen Fähigkeiten reichen aus, um vorherzusehen, welche Auswirkungen sein Erscheinen haben wird.

Es fällt mir schwer, über dieses Buch zu schreiben. Objektiv betrachtet stimmt es, dass nicht viel passiert und es keinen wirklichen Spannungsbogen gibt, trotzdem hat es mich die ganze Zeit über gefesselt. Vielleicht, weil es mal eine ganz andere Sicht auf die „Apokalypse“ bietet. Oder, weil wir uns gerade in einer ziemlich ähnlichen Situation befinden wie die Charaktere, obwohl das Buch ursprünglich schon 2015 veröffentlicht worden ist.

Was mir besonders gefallen hat, sind die verschiedenen Figuren. Sie heben sich voneinander ab, ohne irgendwelche übertriebenen Charaktereigenschaften zur Schau zu stellen. Es sind einfach normale Menschen und wahrscheinlich kennt jede Person Leute, die ihnen ähneln.

Die Handlung ist ebenfalls ungewöhnlich für das Setting: Weder zu einem beschaulichen Roman, der in einem kleinen, englischen Dorf spielt, in dem jeder jeden kennt, noch zu einer Geschichte über ein mögliches Weltuntergangsszenario will sie wirklich passen, und das macht den Reiz aus.

„Der Wal und das Ende der Welt“ hat mich überrascht. Ich hatte von Anfang an keine Ahnung, wie die Handlung verlaufen konnte und war bis zum Ende gespannt, was passieren würde.

Januar 18

Das große Buch der Collagen von Maria Rivans

Maria Rivans, eine geübte Collagenkünstlerin, stellt im Anfang des Buches einige ihrer Techniken und Collagen vor, darunter auch einige, die mit Materialien aus diesem Buch erstellt wurden und ein gutes Beispiel dafür bieten, was damit möglich ist.

Der Großteil des Buches besteht aus verwendbaren Bildern zu verschiedenen Themen, zum Beispiel Vintage-Fotos von Menschen, Schmetterlinge, Gebäude, bekannte Kunstwerke…

Menschen, die gerne Collagen im Retro-Stil erstellen, finden hier eine gute Auswahl von Bildern zu diversen Themen, ohne dafür lange im Internet oder in alten Magazinen kramen zu müssen.

Januar 18

Piratengesindel: Untergang von Florian Clever

Im dritten und letzten Band der Piratengesindel-Saga muss sich Casim endlich seinem größten Widersacher, seinem eigenen Onkel, stellen. Doch ist der junge Kaufmannssohn dem intriganten Händler gewachsen?

Für das große Finale werden noch einmal alle Register gezogen: Epische Seeschlachten, hinterhältige Pläne und actionreiche Nahkämpfe. Es bleibt bis zum Schluss spannend, wie der Schicksalsgott Taront da seine Späße mit Casim und seiner Crew treibt.

Die liebgewonnenen Pirat:innen aus den ersten beiden Teilen sind natürlich auch wieder dabei und der Eine oder Andere zeigt noch eine ganz andere Seite an sich, im Guten wie im Schlechten.

Auch Casim selbst macht eine stolze Veränderung durch. Die Verwandlung vom Kaufmannssohn zum Piratenfürsten scheint abgeschlossen, aber so leicht lässt er sich nicht in eine Schublade stecken.

Alles in allem bietet der Abschlussband der Reihe wieder beste Unterhaltung und einige Überraschungen, die Casims Reise bis zum Ende turbulent und unvorhersehbar sein lassen.

Januar 10

Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig

Als Nora Seed in ihrem Leben keinen Ausweg mehr sieht, beschließt sie, Selbstmord zu begehen. Stattdessen wacht sie in der sogenannten „Mitternachtsbibliothek“ auf, in der sie die Chance hat, zahlreiche Leben auszuprobieren, in denen ihr alternatives Ich andere Entscheidungen getroffen hat.

Diese Idee hat mich direkt gefesselt. Wahrscheinlich hat sich jede Person schon gefragt, wie sich ihr Leben entwickelt hätte, wenn sie nur diese eine Sache – egal ob groß oder klein – anders gemacht hätte. Matt Haig führt diesen Gedanken weiter und spielt damit, indem er zahlreiche Facetten von Noras Charakter aufgreift und daraus neue Leben für sie erfindet, die sich allesamt realistisch anfühlen.

Noras Verzweiflung ist von Anfang an gut nachzuvollziehen und ihre Reaktion auf die bizarre Situation ist es ebenfalls. Sie bleibt auch im Verlauf des Buches sehr sympathisch und die Veränderung ihrer Weltsicht wird realistisch, aber leider auch vorhersehbar beschrieben.

Sowieso wirken die Einsichten, die sie auf ihrer Reise hat, nicht unbedingt tiefgründig. Logisch ist wohl jeder Person klar, dass sich Leid nicht verhindern lässt, selbst wenn mensch die perfekten Entscheidungen trifft, hier wird es praktisch wie die Erkenntnis schlechthin dargestellt. Das hat mich allerdings nicht stark gestört, weil es trotz allem etwas Anderes ist, das zu wissen und es zu fühlen, wie Nora es hier eindrucksvoll tut.

Der Autor beweist auf jeden Fall, dass er seine Figuren gut kennt und es ist spannend, zu lesen, wie sie sich in den unterschiedlichen Leben verändert haben. Ihre grundlegenden Charakterzüge bleiben dabei gleich, aber es wird eindrücklich gezeigt, wie auch vermeintlich kleine Entscheidungen große Konsequenzen haben können.

Januar 4

Assassin’s Creed: Der Ming-Sturm von Yan Leisheng

Als Assassinin Shao Jun mit der Vorläuferschatulle nach China zurückkehrt, beginnen die den Templern nahestehenden Acht Tiger sofort, Jagd auf sie zu machen. Mit nur ihrem Mentor als Verbündeten muss sie gegen die mächtige Organisation ankämpfen und dabei die Geheimnisse der Schatulle bewahren.

Erst einmal hat es mich gefreut, dass ausgerechnet Shao Jun, von der wir bisher viel zu wenig gesehen haben, als Protagonistin ausgewählt wurde. Sowieso ist ihre Situation, in der die Bruderschaft ihres Landes schon zerschlagen wurde und sie versuchen muss, sie wiederaufzubauen, sehr interessant.

Der Autor wird außerdem dem chinesischen Setting gut gerecht, indem sich die Figuren auf chinesische Philosophie beziehen und die entsprechenden Kampfkünste ausüben. Vor allem hat mich beeindruckt, dass jeder Charakter einen eigenen Kampfstil mit einzigartigen Techniken hat, die sehr anschaulich beschrieben werden.

Anfangs hatte ich befürchtet, dass jetzt alle Acht Tiger stumpf nacheinander abgehandelt werden, aber die Handlung bietet Einiges an Abwechslung, was die Strategien, gestellten Fallen und auch Überraschungen über die Identitäten der Gegner angeht.

Insgesamt konnte ich mich allerdings nicht besonders gut in die Figuren hineinversetzen, was vermutlich daran liegt, dass sie sich in einer Ausnahmesituation befinden und kaum Atempausen bekommen. Die Ausnahme davon ist Shao Jun selbst, deren Gedanken und Entwicklung sehr nachvollziehbar dargestellt werden.

Dezember 27

Gerecht von Oliver Rill

Weil er mehr hinter einem eigentlich aufgeklärten Fall vermutet, holt sich Kommissar Fabian Schotte Hilfe bei seinem erfahrenen Kollegen Markus Deister, der davon allerdings gar nicht begeistert ist. So muss das ungleiche Paar nach dem vermeintlichen Mörder des todkranken Till suchen, während sie noch mit zahlreichen privaten Problemen zu kämpfen haben.

„Gerecht“ hat es von Anfang an geschafft, sich von typischen Krimis abzugrenzen. Statt auf die Art von Ermittlungsarbeit und halsbrecherischer Action, die wir sonst in diesem Genre vorgesetzt bekommen, wird hier eher auf Befragungen der Zeug:innen und die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Figuren gesetzt.

Und von denen gibt es eine ganze Menge. Es stellt trotzdem kein Problem dar, sie alle kennen und lieben zu lernen, weil sie sich durch ihre einzigartigen Persönlichkeiten voneinander abheben und so alle ihren Teil zu den lustigen bis tragischen Situationen beitragen.

Der Fall selbst schlägt auch ganz andere Wege ein, indem er einen zum Nachdenken anregt. Die Handlungen aller Figuren sind sehr gut nachvollziehbar, und das macht es umso schwieriger, sich „auf eine Seite zu schlagen.“

Kommen wir zum Schluss zum Protagonisten selbst: Markus Deister ist mir zwar schnell unsympathisch geworden, aber das hat der Lesefreude keinen Abbruch getan, weil er trotzdem ein Charakter mit Tiefe ist, wie mensch mit zunehmender Seitenzahl lernt.

Dezember 21

Asynchron: Echos von Matthias Grabo

Obwohl Quinn nun im Kern ist, ist er noch lange nicht in Sicherheit, denn seine eigentlich tote Freundin Eve erscheint ihm immer wieder und warnt ihn vor dem drohenden Unheil. Doch ist die Gefahr real oder nur eine Ausgeburt seiner Fantasie?

Der zweite Band knüpft nahtlos an den ersten an und macht es leicht, wieder in die Geschichte reinzukommen, indem die Charaktere und wichtigen Story-Elemente vorgestellt werden, ohne zu viel zu wiederholen.

Wie auch schon beim Vorgänger haben mir die realistischen Reaktionen der Figuren auf diese Ausnahmesituation gut gefallen. Nicht jeder verhält sich im Angesicht des Todes heldenhaft, manche Leute opfern lieber andere, als sich selbst. Und auch die ProtagonistInnen treffen teilweise fragwürdige Entscheidungen aufgrund der wenigen Fakten, zu denen sie Zugang haben, was die Geschichte realistischer macht.

Die Handlung bietet wieder eine perfekte Mischung aus spannender Action und der Aufdeckung der Vergangenheit, die erklärt, wie es überhaupt zu dieser apokalyptischen Situation gekommen ist und ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend.

Vor allem das Ende hatte es noch einmal in sich und sowieso hat die Story viele Überraschungen bereitgehalten. Insgesamt hat mir dieser Teil sogar noch besser gefallen als der erste, gerade, weil durch Quinns Geisteszustand so unklar ist, was der Realität entspricht und was nicht.

Dezember 14

Andere Himmel von China Miéville

„Andere Himmel“ ist eine Sammlung von 14 Kurzgeschichten, die von Horrorstorys über ein Kinderparadies in einem gewissen Möbelhaus über ein Fenster, das die namensgebenden anderen Himmel zeigt bis zum wahren „Teufel im Detail“ gehen. Es gibt sogar eine, die in Miévilles bekanntem New Crobuzon spielt und einen der Nebencharaktere weiter mit Leben füllt.

Es ist ein bisschen ungewohnt, so kurze Geschichten von Miéville zu lesen und im Gegensatz zu seinen längeren Romanen zeichnen sich diese auch durch eine einzige, zentrale Idee aus im Vergleich zum üblichen Sammelsurium aus verschiedensten Einfällen, die alle in einem Universum nebeneinander existieren und eigentlich wirklich für eine eigene Geschichte gereicht hätten – wie hier bewiesen wird.

Normalerweise holt mich (geschriebener) Horror nicht so leicht ab, aber bei einigen der Storys hier hatte ich fast schon eine Gänsehaut. Alleine deshalb sticht dieses Buch für mich schon aus der Masse heraus. Dazu kommt, dass es bis auf eine Ausnahme keine typischen Geistergeschichten gibt und es häufig eher das Konzept dahinter ist, das einem Angst einjagt, nicht die Gefahr für das Leben der Figuren.

Eigentlich hat mich besonders die Geschichte um Jack Gotteshand interessiert, im Nachhinein muss ich aber sagen, dass ich keinen wirklichen Favoriten finden kann. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie so unterschiedliche Emotionen hervorrufen: Grusel (wie in Details), Ekel (wie in Faktotum), Wut (wie in Die Hungernden speisen) oder sogar Belustigung (wie in Eia Weihnacht).

Es gibt in der kompletten Sammlung keine Geschichte, die mich nicht überzeugt und unterhalten hätte. Erst war ich skeptisch, ob sich Miévilles Ansätze in Kurzgeschichten übersetzen lassen, aber diese Skepsis ist wie weggeblasen. Trotzdem finde ich, dass Kurzgeschichten nicht ausreichen, um die Vorteile seines Stils wirklich hervorzuheben.

Dezember 4

Mein MONSTER ZOMBIE LOVE TEEN Tagebuch von Sky O’Mara

Seit der Apokalypse, die den Großteil der Menschheit sein Leben gekostet hat, lebt Teenagerin Zoe in ihrer Wohnung von Dosennahrung. Doch als die ihr ausgeht, muss sie ihren sicheren Hafen verlassen und sich in eine Welt hinauswagen, in der sich die meisten Menschen und Tiere in groteske Monster verwandelt haben.

Was mich an dieser Geschichte direkt begeistert hat, ist die Mischung aus humorvoller Teenie-Story mit dem spannenden Überlebenskampf nach der Apokalypse. Immer wieder gibt es haarsträubende Verfolgungen und Kämpfe, dazwischen wird mit Zoes Beobachtungen, manchmal in Tagebuch-Form, die Stimmung wieder aufgelockert.

Sowieso ist Zoe eine sympathische Protagonistin. Die Balance dazwischen, sie ihrem Alter entsprechend handeln zu lassen und ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln, ist gut gelungen. Schön ist auch, wie sie mit ihrer neuen tierischen Begleiterin warm wird.

Auch die Nebencharaktere können sich sehenlassen. Sie sind alle irgendwo zwischen liebenswert und total verrückt, manche erfüllen auch beide Kriterien. Sicher ist aber, dass mensch nie weiß, was mensch von ihnen erwarten kann!

„Mein MONSTER ZOMBIE LOVE TEEN Tagebuch“ hat mich immer wieder positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Figuren so ins Herz schließen würde und dass es möglich ist, eine apokalyptische Geschichte so locker und mit so viel Humor zu schreiben, ohne dass sie an Spannung verliert.