Unterwegs zwischen Grenzen von Ralf Grabuschnig
Ralf Grabuschnig macht sich auf in die Grenzgebiete Europas, wo Kulturen und Sprachen von Minderheiten mehr oder minder gut überlebt haben. „Unterwegs zwischen Grenzen“ ist ein Reisebericht, der die historischen Entwicklungen, die zu diesen interessanten Konstellationen geführt haben, den heutigen Begebenheiten gegenüberstellt.
Der Stil ist dabei locker und humorvoll, wobei viel von der Persönlichkeit des Autors rüberkommt. Das bedeutet jedoch nicht, dass er sich vor den schwierigen Themen – seien es die zahlreichen Bevölkerungswanderungen im Mittelalter oder Verfolgungen im Nationalsozialismus – scheut.
Der Autor trifft dabei auf viele Angehörige dieser Minderheiten und Forscher:innen, die sich mit ihnen beschäftigen. Dadurch bekommen wir als Leser:innen nicht einfach nur den Blick von außenstehenden Personen mit, sondern erfahren auch viele Dinge, die den Menschen selbst wichtig sind, zum Beispiel ihr rechtlicher Kampf um Anerkennung als Minderheit oder die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die ihre Kultur bedrohen.
Mein einziger Kritikpunkt ist die Balance zwischen dem humorvollen Reisetagebuch und den historischen Fakten. Jedes Gebiet, das besucht wird, ist faszinierend genug für eine viel längere Abhandlung und ich hätte gerne mehr der Geschichte oder Interviews mit Expert:innen und Angehörigen dieser Minderheiten gelesen.
Andererseits schafft es das Buch dadurch auch, in wenigen Seiten sehr viele faszinierende Gruppen und Menschen vorzustellen, von denen ich vorher noch nie gehört habe. Für einen Überblick über die fünf vorgestellten Minderheiten lohnt es sich allemal.