Oktober 13

Dr. Rodolfo, Anwalt der Tiere, verklagt den Menschen von Jürgen Zwilling

In fiktiven Gesprächen zwischen dem Anwalt Dr. Rodolfo und seinen tierischen Klienten wird aufgeklärt, inwiefern menschliches Handeln zum Leid und meist sogar Tod des jeweiligen Tieres führt. Dabei gehen die Beispiele von Legehennen über Kriegselefanten bis zu Labortieren und decken dabei ein großes Spektrum ab, das den Alltag des Lesers häufig in erschreckender Weise berührt.

Es wird informativ darauf eingegangen, inwiefern zum Beispiel Betriebe die schwammigen Gesetzesverordnungen zur Profitmaximierung umgehen, aber auch, dass selbst die klarer formulierten Gesetze zu tierquälerischen Bedingungen führen. Insgesamt ist es ziemlich erschreckend, wie leicht sich praktisch jedes Tierschutzgesetz aushebeln lässt, weil Tiere eben keine mit Menschen vergleichbaren Grundrechte haben.

Dabei wird das eine ums andere Mal auch die organisierte Religion angeklagt, die dieses Verhalten entweder rechtfertigt oder sogar von ihren Anhängern verlangt. Das halte ich für legitim und wichtig, doch häufig kommt der Autor völlig unvermutet auf die Religion zu sprechen und hetzt in sich immer wiederholenden Phrasen gegen diese, auch wenn kein direkter Zusammenhang besteht. Auch sonst verliert er sich häufig in moralischen und emotionalen Anklagen, die zwar ausgesprochen werden sollten, aber immer wieder in genau den gleichen Phrasen wiederholt werden, was mich, obwohl ich in den meisten Fällen zustimmen würde, immer wieder zum genervten Augenverdrehen gebracht hat.

Auch die Kapitelanfänge, aber vor allem die -enden wiederholen sich in jedem der Hauptkapitel, bis man sie einfach überspringt. Dazu kommt, dass Dr. Rodolfo am Anfang des Gesprächs häufig absichtlich naive Fragen stellt, damit das jeweilige Tier seine Sicht besser darlegen kann, was im Vergleich zum sonst präsentierten juristischen Wissen merkwürdig wirkt. Meiner Meinung nach hätte man sich diese Wiederholungen (und damit auch ein bisschen Papier) sparen und sich auf das Wichtigste konzentrieren können.

Insgesamt ist das Buch anstrengend zu lesen, was einerseits an dem Schreibstil und den Rechtschreib- und Grammatikfehlern liegt, zugegebenermaßen aber auch an den schrecklichen Zuständen, die schonungslos aufgedeckt werden. Wer die Ausdauer hat, sich dadurch zu kämpfen, wird allerdings viel über den Status des Tierschutzes in Deutschland, die juristischen Hintergründe und den eigentlichen Zustand in der Wirtschaft, lernen.

Schlagwörter: ,
Copyright 2021. All rights reserved.

VeröffentlichtOktober 13, 2020 von LilithCaedes in Kategorie "Uncategorized

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert