August 19

Mars Ultor: Schattenwelten von David Reimer

Es fällt nicht schwer, den Vergleich zu dem im Klappentext erwähnten Blade Runner zu ziehen, wenn man die ersten Kapitel von „Schattenwelten“ liest: Eine düstere Zukunftsvision mit einer Stadt, in der der Regen unablässig auf die Neonreklamen tropft und Söldnern, die auf eine gefährliche Reise für einen zwielichtigen Konzern gehen müssen.

Das Setting, das mit stimmungsvollen Beschreibungen und technischen Neuerungen, die, wie der interessante Anhang erklärt, gar nicht mehr so ferne Zukunftsmusik sind, aufwarten kann, ist eine der großen Stärken des Buches.

Eine weitere ist die Spannungskurve, die einen durch unvorhergesehene Wendungen, nervenaufreibende Situationen, in die die Protagonisten geworfen werden, und die dämmernde Erkenntnis, dass Wayaki Industries doch ein bisschen mehr Dreck am Stecken hat, als erwartet, auf eine regelrechte Achterbahnfahrt mitnimmt.

Ich habe allerdings noch zwei Kritikpunkte anzumerken, die mich zwar beim Lesen nicht direkt aus dem Flow geholt haben, mir aber doch ab und zu negativ aufgefallen sind: Teilweise sind die Sätze in den Dialogen merkwürdig lang und wirken, als sollten sie lieber durch einen Punkt als durch ein Komma getrennt werden, und meiner Meinung nach werfen die Charaktere auch zu schnell mit ihren Hintergrundgeschichten um sich, anstatt erst einmal langsam Vertrauen aufzubauen.

Alles in allem ist „Mars Ultor: Schattenwelten“ ein spannendes und unterhaltsames Buch, das vor allem nach seinem Ende, das noch ein paar Fragen offen lässt, Lust auf die Fortsetzung macht.

August 19

Drõmar: Ehre und Wut von Calin Noell

Wer „Drõmar: Ehre und Wut“ aufschlägt, findet sich sogleich in einer liebevoll beschriebenen und mit vielen, kleinen Details und interessanten, sympathischen und witzigen Völkern ausgestatteten Fantasy-Welt wieder.

Wie anhand dieser Beschreibung schon gesehen werden kann, ist das Worldbuilding klasse. Es wird nicht einfach eine Checkliste von typischen Völkern abgearbeitet, sondern die Welt wird mit einzigartigen Wesenheiten bevölkert, die sie lebendig erscheinen lassen.

Die Geschichte folgt den Geschwistern Hannah und Lucas, Menschenkinder, und dem Prinzen Aĕnĩd aus dem titelgebenden Land Drõmar. Doch die drei sind nicht von Anfang an ein Herz und eine Seele, sodass man die Entwicklung ihrer Beziehung, die realistisch und herzerwärmend beschrieben wird, selbst mitverfolgen kann.

Auch die Charakterentwicklung selbst kann sich sehen lassen. Man merkt, dass die Vergangenheiten der Protagonisten wirklich etwas zu ihrer Persönlichkeit beitragen und auch, wie sie während ihrer Reise wachsen.

Auch die Handlung an sich ist spannend, hält viele interessante Wendungen bereit und verläuft abseits von Klischees, sodass es mir absolut kein Problem bereitet, dieses Buch jedem Fantasy-Fan weiterzuempfehlen.

August 16

Ängste verstehen von Isabel Schroth

Der Ratgeber „Ängste verstehen“ gibt zuerst einen Überblick über verschiedene Arten von Angststörungen, was sie auslöst und wie sich diese für Betroffene äußern. Außerdem zeigt er verschiedene Therapiemethoden für Betroffene, aber auch Angehörige, zum Beispiel Eltern oder Partner, und Freunde auf und gibt Tipps dafür, sich als Angehöriger auch Zeit für sich zu nehmen und sein eigenes Leben nicht zu vernachlässigen.

Als Überblick für Personen, die sich mit Angststörungen bisher nicht auskennen und wissen wollen, wie man mit ihnen umgehen kann, ist dieser Ratgeber sicherlich sinnvoll. Vor allem der Aspekt, wie man als Angehöriger mit Betroffenen, aber auch seinen eigenen Ängsten diesbezüglich, umgehen kann, kommt häufig zu kurz und wird hier ausführlich behandelt.

Es gibt auch durchaus kritische Blicke auf Behandlungsmethoden, vor allem medikamentöse. Theoretisch ist es natürlich wichtig, alles zu hinterfragen, vor allem, wenn es um die Gesundheit geht, aber die negative Beschreibung von zum Beispiel Antidepressiva hinterlässt bei mir einen eher bitteren Nachgeschmack, weil vor allem im dritten Teil des Buchs extrem ausführlich auf ätherische Öle und Globuli eingegangen wird.

Man bekommt dadurch nicht das Gefühl, dass hier sachlich informiert werden soll, sondern dank der zahlreichen Rezepte für Ölmischungen und Angaben von Globulimengen, die helfen sollen, eher den Eindruck, dass die Autorin eine Agenda verfolgt.

Insgesamt lässt mich dieser Ratgeber mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits bietet er einen guten ersten Überblick und geht gefühlvoll und mit Verständnis auf dieses schwierige Thema ein, andererseits wirkt er im letzten Kapitel eher wie ein Werbeflyer für Homöopathie.

August 16

Federträger von Yves Holland

Dass „Federträger“ einen ganz besonderen Protagonisten hat, spürt man schon im ersten Kapitel: Statt im Schwertkampf zu brillieren spielt der junge Fandor lieber die Flöte und gibt sich Tagträumen hin – Bis er eine Vision erhält, in der von einer Reise die Rede ist, die er auf sich nehmen muss, um sein Volk zu finden und zu retten.

Diese weist einige Merkmale von typischen Abenteuern eines Fantasy-Helden auf: Es gibt einen bösen Herrscher, den es zu stürzen gilt, belagerte Städte und Schlachten gegen die Schwarzen Reiter, aber überraschenderweise kommen auch Kunst und Wissenschaft nicht zu kurz, wenn die Protagonisten zum Beispiel Kräuter sammeln, Reiseberichte schreiben, die Bibliothek durchforsten oder, wie eben beschrieben, Flöte spielen.

Insgesamt sind alle Charaktere aus der Gruppe sympathisch und einzigartig und als Leser fällt es einem leicht, sich in sie hineinzuversetzen und bei ihrem Abenteuer, das auch einige überraschende Wendungen aufweist, mitzufiebern.

Dabei hilft auch der angenehme Schreibstil, der locker zu lesen ist und weder mit unnötigen Details langweilt, noch alle Arbeit alleine dem Vorstellungsvermögen des Lesers überlässt, und die interessante Welt, von der man allerdings nicht alle Länder und Bereiche, auf die angespielt werden, sieht.

Alles in allem handelt es sich bei „Federträger“ um eine packende Fantasy-Geschichte, die einen schnell in ihre Welt entführt und bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt, weil sie spannend und unvorhersehbar bleibt.

August 13

Hi Score Girl 2 von Rensuke Oshikiri

Auf mich wirkt „Hi Score Girl 2“ mehr wie die Einleitung einer spannenden Story, als wie ein Kapitel aus einer.

Es bahnen sich neue Probleme an, zum Beispiel Koharus erwachende Fähigkeiten im Videospiel-Bereich und ihre Gefühle für Haruo, die sich gerade entwickeln, als Akira auf die Schule zurückkehrt.

Allerdings bleibt es nur bei Anspielungen darauf, dass das zu Problemen führen wird, denn im zweiten Band selbst gibt es Einiges an Exposition, allerdings keine spannenden Handlungen selbst.

Dass ich diese Meinung vertrete, kann allerdings auch daran liegen, dass ich nach dem Klappentext eine ganz andere Art von Story erwartet hätte.

Auch dem Zeichenstil konnte ich nicht viel abgewinnen, weil er einfach nicht meinem Geschmack entspricht. Vor allem die beiden weiblichen Protagonisten sehen sich irgendwie zu ähnlich.

Interessant sind hingegen die Einblicke in die japanische Spielehallen-Kultur und, wie im Klappentext schon beschrieben, die Videospiele der 90er-Jahre.

August 12

Das Chaos der Dämonen von Robin Band

Im letzten Band der Dämonen-Trilogie treffen die Hauptcharaktere aus den ersten beiden aufeinander und müssen sich gegen einen Feind behaupten, gegen den sie bereits einzeln nicht viel ausrichten konnten, was von Anfang an für Spannung sorgt.

Wirklich interessante neue Charaktere kommen dabei nicht dazu, dafür erhält man einen anderen Blick auf bereits bekannte, allen voran Vior, Elucia und Mike, die eine neue Dimension verpasst bekommen und einem dadurch direkt sympathischer werden.

Der Schreibstil liest sich sehr flüssig, nur an manchen Stellen werden zu viele Expositions-Informationen in Dialoge verpackt, was den Lesefluss ein bisschen stört.

Einen Großteil dieses Buches nehmen die Kämpfe ein, die actionreich und spannend beschrieben werden, vor allem, was die magischen Fähigkeiten der Charaktere und deren Manöver angeht. Doch nicht alles hier ist so geradlinig, es gibt auch einige Wendungen, die mich positiv überrascht haben.

Schön ist auch der Anhang, in dem es Hintergrundgeschichten von Lucy und Elucia gibt, wobei erstere nicht wirklich viel Neues verrät, und Steckbriefe der Charaktere samt Auflistung ihrer Fähigkeiten und liebevoll gestalteten Zeichnungen im Manga-Stil.

August 11

SeelenSauger von Dan Dreyer

Schon durch den Hinweis „Fantasy 1800“ auf dem Cover wird klar, dass der SeelenSauger keineswegs mit einer hundertfach in ähnlicher Ausführung beschriebenen mittelalterlichen Fantasy-Welt daherkommt, sondern eine ganz andere Epoche als Setting wählt: Statt Schwerter und Hellebarden findet man hier eher Musketen und Kanonen, samt einer blutigen Revolution, die Länder sogar über die Grenzen des Kontinents hinweg in Aufruhr versetzt.

Mit dieser historischen Periode einher gehen epische Schlachten, die hier auch in aller Breite beschrieben werden. Während man diese typischerweise aus der Sicht eines Helden erlebt, der höchstens über seine eigenen Handlungen entscheiden kann, sieht man sie hier aus der Sicht von Offizieren, die einerseits selbst mitkämpfen, andererseits aber auch die Aufgabe haben, ihre Truppen durch taktisches Geschick zum Sieg zu führen, was den Kämpfen eine interessante, neue Dimension gibt.

Wie schon im Klappentext beschrieben werden die Geschehnisse aus der Sicht von vier verschiedenen Charakteren beschrieben, eben jenen beiden Offizieren, die allerdings auf unterschiedlichen Seiten stehen, eines Studenten der Magie, der Kriegsmagus werden will, und eines Schlachters, der die Chancen der Revolution gnadenlos zu nutzen weiß.

All diese Protagonisten haben einzigartige Persönlichkeiten, die sich im Laufe der Geschichte auch Veränderungen unterworfen sehen – Sowohl positiven, als auch negativen, was sie dreidimensionaler macht als viele ihrer Kollegen des gleichen Genres.

Insgesamt hat dieses Buch ein bisschen etwas von allem: Magie, Schlachten, die dazugehörigen strategischen Überlegungen, und auch kleinere Kämpfe, Politik, interessante Charaktere, die man entweder zu lieben oder zu hassen lernt und eine stark an unsere angelehnte Welt, die sich aber trotzdem durch kreative Einfälle davon abzuheben weiß.

August 9

Der Untergang der Dämonen von Robin Band

„Der Untergang der Dämonen“ spielt 500 Jahre vor dem ersten Teil der Reihe und bringt Licht ins Dunkel einiger Ereignisse, auf die dort bereits angespielt wird, was einen immer wieder freut, wenn man jemanden oder etwas wiedererkennt.

Der Protagonist Azaroth ist ein Dämon, der jedoch eine enge Verbindung zur Menschenwelt hat und dadurch eine ganz andere Sicht auf das sinnlose Niedermetzeln von Menschen durch die Dämonen hat, die ihm zwar einige interessante Verbündete, aber auch mächtige Feinde verschafft.

Daran merkt man schon, dass dieses Buch eine ganz besondere Prämisse hat. Zwar ist ein Kampf zwischen Menschen und Dämonen nicht unbedingt selten, aber die Einzigartigkeit dieser Handlung kommt einerseits durch die Perspektive, aus der erzählt wird, und andererseits durch das Worldbuilding.

Ein Kritikpunkt ist, dass viele der Charaktere, abgesehen vom Protagonisten selbst, eher flach gehalten werden und eine ziemlich „schwarz-weiße“ Sicht auf die Dinge haben: Entweder sind sie für ihn oder gegen ihn, mit der Ausnahme seiner Frau Aura, die ihm auch mal Gegenargumente liefert.

Die Handlung an sich ist spannend und auch flüssig beschrieben, sodass man die Weiterentwicklung des Schreibstils auch nach den heftigen Verbesserungen im ersten Band noch gespannt weiterverfolgen kann.

August 7

Das Vermächtnis der Dämonen von Robin Band

Zuallererst sollte gesagt sein: Dieses Buch wurde vom Autoren begonnen, als er gerade einmal 10 Jahre alt war, aber das sollte einen definitiv nicht davon abhalten, ihm eine Chance zu geben.

Anfangs ist der Schreibstil noch sehr einfach gehalten, es ist mehr eine Aneinanderreihung von Ereignissen als eine ausführliche Beschreibung der Begebenheiten, Persönlichkeiten und Umgebungen, aber bereits im Verlauf dieses ersten Bandes lässt sich eine steile Lernkurve erkennen.

Die Handlung ist in zwei Teile geteilt und schon im ersten lassen sich wirklich interessante Ansätze erkennen, die teilweise klar der Fantasie eines Kindes entspringen, was ihrer Kreativität aber keinen Abbruch tut.

Im zweiten Teil bemerkt man bereits, dass es viel mehr Variationen in Satzbau und Wortwahl gibt, was das Leseerlebnis sehr viel flüssiger macht.

Positiv zu erwähnen ist außerdem, dass der Protagonist nicht ohne Schwächen ist, wie man es vielleicht von einem Helden erwarten könnte, der von einem Kind oder jungen Jugendlichen ins Leben gerufen wurde.

Ich muss aber zugeben, dass mein Blick auf das Buch definitiv durch die rosarote Brille der Nostalgie verändert wird, aber ich denke, dass jeder, der schon früh mit dem Schreiben angefangen hat, dem „Vermächtnis der Dämonen“ etwas abgewinnen kann, einmal die Erinnerung an seine eigenen Versuche, aber auch eine unterhaltsame Story mit einigen kreativen Einfällen.

August 5

Der Segen des Exils von Tim Radde

„Der Segen des Exils“ ist ein Fantasyroman, der vor allem durch zwei Aspekte besticht: Sein ausführliches und kreatives Worldbuilding und seine Charaktere, allen voran der einzigartige Protagonist Nandovain.

Dieser macht im Verlauf des Buches eine interessante Entwicklung durch, denn an den zahlreichen Herausforderungen, die er überwinden muss, wird er zu wachsen gezwungen.

Auch seine Vorstellungen und Ziele unterscheiden sich von denen gewöhnlicher Fantasy-Helden, dazu kommt, dass er im Gegensatz zu ihnen nicht gerade der beste Kämpfer ist, was ihn nur sympathischer macht.

Nicht nur Nandovain selbst wächst einem dadurch ans Herz, auch die bunten Persönlichkeiten, aus denen sich seine nach und nach wachsende Gruppe zusammensetzt und die für Abwechslung und auch dem Protagonisten entgegengerichtete Meinungen sorgen.

Jetzt zum zweiten Punkt: Gleich am Anfang des Buches wird man mit einem Anhang konfrontiert, in dem einige wichtige Begriffe erklärt werden, was sich als dringend nötig herausstellt, weil die Jorna zum Beispiel andere Worte für die Zeiteinteilung benutzen, an die man sich erst einmal gewöhnen muss.

Dazu kommt, dass am Anfang jedes Kapitels ein Ausschnitt aus einem „Sachbuch“ präsentiert wird, in dem man Informationen zu der Welt, ihren Völkern und deren Gewohnheiten erfährt, die interessante Hintergründe aufdecken, ohne den Fluss der Handlung unterbrechen.

Alles in allem spielt das Buch in einer komplett durchdachten Welt, die durch ihre verschiedenen Bewohner lebendig und bunt wirkt und damit der perfekte Schauplatz für die Handlung einer ganzen Saga ist.