Tika von Jeremy Iskandar
„Tika“ ist eine Cyberpunk-Kurzgeschichte, die im Indonesien der Zukunft spielt und den Mord an einem politischen Abgeordneten mitsamt aller Verwicklungen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Von den Drahtziehern über Unschuldige, die in die Sache hineingezogen werden, bis zu der Polizistin, die ihn lösen soll.
Diese Vielfalt an Perspektiven verschafft interessante Eindrücke in die Handlung und vermittelt auch Informationen, die nicht anders hätten herübergebracht werden können, aber anfangs hat mich die Zahl der Charaktere ein bisschen erschlagen. Sobald man allerdings einen besseren Überblick hat, legt sich das auch wieder und man weiß zu schätzen, so viele Ansichten zu haben.
So bekommt man jedes Detail der Handlung mit, die spannend anfängt und auch auf diesem Niveau weitermacht. Stellenweise hätte ich mir gewünscht, dass sich die Geschichte ein bisschen mehr Zeit nimmt, zum Beispiel für die Polizeiarbeit, allerdings liegt das vor allem am Format einer Kurzgeschichte.
Lobenswert erwähnen muss ich auch die Beschreibung der Kultur Indonesiens und wie sie in die Zukunft versetzt wurde. Ich hatte bisher keine wirklichen Kontaktstellen mit diesem Land und bin beeindruckt davon, wie lebensnah die Situation dort beschrieben wurde, egal, ob es um die Lebenssituation von zwei armen Kindern oder die politischen Verwicklungen geht.
Der angenehme Schreibstil glänzt in den nervenzerreißenden Gesprächen, in denen beide Kontrahenten genau abwägen müssen, was sie sagen und wie sie es formulieren und den Actionszenen, und lässt einen die ungefähr 100 Seiten praktisch verschlingen.