Juli 13

Die Königin der Toten von Michael White

Inzwischen geht die Geschichte von Lee, Tanya und der Blutgöttin in die finale dritte Runde, und dieser letzte Kampf gewohnt spannend.

Alte Feinde und solche, die nun Verbündete geworden sind, was ständig Zweifel darüber aufkommen lässt, ob man ihnen trauen kann, kehren zurück, und erneut müssen sich die Protagonisten gegen eine übernatürliche Gefahr zur Wehr setzen, die das Ende der Welt bedeuten könnte.

Wie in den vorherigen Teilen gibt es wieder zahlreiche Intrigen und finstere Pläne, blutige Action – Dieses Mal nicht nur mit Vampiren, sondern auch Ghoulen, was ich immer begrüßen kann – und ominöse Vorhersagen.

Schön finde ich, dass die Handlungsstränge und Prophezeiungen aus den vorangegangen Büchern aufgegriffen und zu einem befriedigenden Schluss geführt werden, und dass eine der Protagonistinnen auch noch eine dramatische Hintergrundgeschichte spendiert bekommt, die sich in den Handlungsstrang eingliedert.

Wer sich die ersten beiden Bände zu Gemüte geführt hat, wird auch mit diesem Band viel Spaß haben und ein würdiges Ende für die dramatische Geschichte um Lee und ihren Kampf gegen Vampire, Göttinnen und den Verlust ihrer eigenen Menschlichkeit lesen können.

Juli 12

Drachendieb von Raphael Lang

Die Abenteuer des Panther-Chimär Narugar, der im Zirkus aufgewachsen ist, und der Fürstentochter Kaira, die ihrem goldenen Käfig entkommen möchte, haben mich vom ersten Kapitel an in den Bann gezogen.

Die beiden sind nicht die einzigen beiden sympathischen Charaktere, die man auf dieser Reise treffen wird, denn es gibt eine ganze Reihe von einzigartigen und interessanten Persönlichkeiten, aber sie stechen durch eine besondere Eigenschaft hervor: Im Verlauf der Geschichte machen sie eine turbulente Entwicklung durch, während sie lernen, sich in der Welt zurechtzufinden und erwachsener werden.

Dass sie keine „statischen“ Charaktere sind, sondern Fehler machen, daraus lernen und sich entwickeln, macht sie ungeheuer lebendig und hilft einem dabei, sich stärker mit ihnen zu identifizieren.

Eine Eigenschaft haben sie aber von Anfang an: Den Hang zu ausgeklügelten Plänen, die einen mit ihrer Kreativität immer wieder überraschen und für einige spannende Momente sorgen.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und humorvoll, was es leicht macht, sich auf diese Welt einzulassen und ihren besonderen Charme zu genießen.

Auch die Welt ist ein Highlight und wartet mit einigen interessanten Konzepten wie den Chimären und den Schicksalsbändern (mehr sei hier nicht verraten) auf, von deren Bedeutung man im nächsten Teil, auf den ich schon sehr gespannt bin, nach einigen Anspielungen wahrscheinlich mehr erfahren wird.

Juli 10

Civilization of Carnivores: Die Herrschaft der Dinosaurier von Marcel Kuiper

Ein Buch, in dem Dinosaurier statt Menschen die herrschende Spezies geworden sind und Letztere reihenweise züchten und abschlachten, liest man nicht alle Tage.

Aus dieser interessanten Anfangsidee entwickelt sich eine Geschichte, die den Leser immer wieder mit kreativen Einfällen und einem flüssigen Schreibstil überrascht.

Allerdings kamen mir die Dialoge teilweise noch unrealistisch vor und haben den Lesefluss eher unterbrochen als gefördert.

Mein zweiter Kritikpunkt ist ein Charakter, der scheinbar nur in die Geschichte eingebracht wurde, um gehasst zu werden, weil er keine sympathischen Qualitäten zu haben scheint. Dazu kommt, dass die ganze Zeit auf seinem Gewicht herumgeritten wird, was mich im Zusammenhang mit seiner unangenehmen Persönlichkeit gestört hat.

Positiv aufgefallen sind hingegen die Parallelen, die zu unserer Welt und vor allem unserem Umgang mit Tieren, die wir als Nutztiere betiteln und ausbeuten, gezogen werden können und die im Gegensatz dazu eher augenzwinkernden Anspielungen auf allseits bekannte Marken und Orte, die die Stimmung wieder aufzulockern wissen.

Juli 8

Die Rache der Toten von Michael White

Lees Rachefeldzug gegen die Mörder ihrer Familie geht weiter und eines sei vorab gesagt: Wem der ersten Band gefallen hat, der wird auch mit diesem viel Spaß haben.

Während es im ersten Band noch direkt um Lees Überleben und ihre Rache ging, wurde hier der Einsatz erhöht und es steht nun die Wiederauferstehung der mächtigen Blutgöttin auf dem Spiel, deren Macht die Welt für immer verändern könnte.

Die Stärken des ersten Bandes – ein flüssiger, actionorientierter Schreibstil; die Verschwörungen der Vampire, die sich gegenseitig in den Rücken fallen und damit die Spannung konstant hoch halten und der Kampf Lees, ihre Menschlichkeit zu erhalten – werden hier wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.

Besonders gelungen sind wieder die Komplotte der uralten Vampire und ihrer Diener. Da man in diesem Band mehr Hintergrundinformationen erhält, kann man ihre Machenschaften besser nachvollziehen und einem wird bewusst, welche Reichweiten ihre Taten haben, was die vielen Perspektivwechsel umso spannender macht.

Juli 6

Die Wirklichkeit der Anderen von Robin Kurt

Wenn dieser Roman eines ist, dann schwer zu beschreiben. Trotzdem werde ich versuchen, genau das zu tun.

Zwar wird Kurt anfangs noch mit den Problemen des Alltags konfrontiert, doch schnell wird klar, dass die Welt nicht so logisch erklärbar ist, wie es scheint, als er von einem Schatten aus seiner Vergangenheit eingeholt wird, ohne sich überhaupt an diesen erinnern zu können.

Dieses Mysterium zieht sich durch das ganze Buch, wobei dem Protagonisten und damit auch dem Leser immer wieder kleine Hinweise gegeben werden, die dafür sorgen, dass man das Gefühl hat, der Lösung Stück für Stück immer näher zu kommen und dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann.

Besonders positiv aufgefallen ist mir auch, dass die Gegner größtenteils „unsichtbar“ sind und nur indirekt in Aktion treten, was die Bedrohung durch sie umso mehr verstärkt und einem das Gefühl vermittelt, dass der Protagonist zu jedem Zeitpunkt in Gefahr ist.

Auch die Beschreibungen der beiden Hauptschauplätze, die Ruinenstadt und Berlin, haben mir sehr gut gefallen, ebenso wie Kurts Gedankengänge und Gefühle, durch die ich mich gut in ihn hineinversetzen und mit ihm mitleiden konnte.

Letztendlich muss ich zugeben, niemals ein vergleichbares Buch gelesen zu haben. Wer also Interesse an einer einzigartigen Geschichte hat, die einen auch nach dem symbolischen Zuschlagen der Buchdeckel noch begleitet, der sollte diesem Roman eine Chance geben.

Juli 4

Die rogodanischen Schriften (Gesamtausgabe) von Tim Radde

Wie man am Titel vielleicht schon erkennen kann, handelt es sich bei den rogodanischen Schriften um eine High Fantasy Geschichte, deren vier Hauptbände hier zusammengefasst werden.

Zuerst einmal sei gesagt, dass jemand, der sich für dieses Genre interessiert, hier sicherlich seinen Spaß haben wird. Das bedeutet aber nicht, dass konsequent jedes Klischee des Genres listenartig abgearbeitet wird, denn gerne werden Erwartungen durcheinander geworfen und Fantasy-Schablonen ignoriert, vor allem, was die Entwicklung der Charaktere angeht.

Ohne zu spoilern kann ich verraten, dass vor allem die Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander – Freundschaften spielen hier eine angenehm wichtige Rolle – tiefer gehen als in vielen Büchern des gleichen Genres.

Sympathisch sind die meisten Charaktere allemal, was aber nicht heißen soll, dass es keine interessanten Bösewichte gibt, die ebenfalls dreidimensional beschrieben werden.

Ansonsten hat diese Saga alles, was man von guter Fantasy erwartet: Eine mittelalterliche Welt samt korrupten Königen, magisch Begabten und Kriegen, die das Schicksal dieser Welt für immer verändern werden, Listen, Intrigen, Verrat und eine Gruppe von Helden, die menschlich sind und auch Fehler machen.

Wer diese Geschichte also von Anfang bis Ende verfolgen will, was ich empfehlen würde, weil die Charaktere mit jedem Buch weiterentwickelt werden und der Einsatz immer größer wird, dem sei geraten, sich die Gesamtausgabe zuzulegen.

Juli 3

Die Fährte der Toten von Michael White

Nachdem Lee jahrelang auf der Flucht vor den Mördern ihrer Familie war, gerät sie in die Fänge des skrupellosen Vampirs Frank, der sie ebenfalls in einen Blutsauger verwandelt und versucht, sie zu einem Killer zu machen.

Dieses Grundsetting ist schon einmal spannend und hebt sich von anderen Thrillern ab, die ich bisher gelesen habe.

Das ist allerdings nicht das Einzige, was an diesem Buch gelungen ist, denn besonders die toughe Lee, die nun zwischen den Welten gefangen ist und einerseits ihr neues Leben auskosten, andererseits ihre Menschlichkeit nicht verlieren will, schließt man als Leser schnell ins Herz.

Durch ihr Rachemotiv sind ihre Handlungen glaubhaft, aber wie die Überschrift schon verrät, sind sie vor allem eins: Stylish.

Während ich gelesen habe, hat sich praktisch ein Actionfilm á la Underworld vor meinen Augen abgespielt, ein Eindruck, der von der schnörkellosen Sprache, die sich nicht in unnötig langen Beschreibungen verliert, unterstützt wird.

Auch die Intrigen, die die anderen Vampire spannen, um die Jungvampirin für ihre Zwecke einzuspannen, tragen zur Spannung und dazu bei, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann und gleicht damit anfangen will, die Fortsetzung zu lesen.

Juli 2

Der Schatten des Phönix von Tom Zausner

Was der Klappentext verspricht, ist die Geschichte eines jungen Mannes, der gegen seinen Willen in die Machenschaften eines zwielichtigen Ordens und seiner weit zurückreichenden Familie hineinzogen wird, doch das Buch bietet viel mehr als das.

Nicht nur die magische Welt, in die er gerät, hebt sich durch verrückte Einfälle von den allseits bekannten ab, sondern auch, wie der Protagonist damit umgeht. Dass er nicht sofort hinnimmt, dass Magie existiert, obwohl er sein Leben lang nicht daran geglaubt hat, sondern lange versucht, anderweitige Erklärungen zu finden und die fehlende Logik der Welt, die sich ihm enthüllt hat, mit seiner Weltsicht zu vereinbaren, kommt überraschend und erfrischend.

Dazu kommt, dass die ganze Geschichte in einem lockeren, humorvollen Ton geschrieben ist, was der Spannung keinen Abbruch tut. Dieser Stil passt gut zur dargebotenen Welt und den bunten Charakteren, die sie bevölkern.

Die Handlung selbst ist nicht nur spannend beschrieben, sondern folgt keinem altbekanntem Schema, sodass man sich als Leser wirklich Gedanken darüber machen muss, wie es wohl weitergehen könnte.

Dieser Effekt wird auch dadurch verstärkt, dass es keine seitenlange Expositionen gibt, sondern der Protagonist die Welt mit dem Leser gemeinsam erkundet und Stück für Stück enthüllt, was wirklich vor sich geht.

Ich würde dieses Buch ohne zu zögern jedem empfehlen, der mal Fantasy der etwas anderen Art lesen möchte und offen für neue Genre-Erfahrungen ist.